{"id":7357,"date":"2017-12-11T10:12:08","date_gmt":"2017-12-11T09:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7357"},"modified":"2018-01-18T10:14:40","modified_gmt":"2018-01-18T09:14:40","slug":"lucio-silla-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7357","title":{"rendered":"Lucio Silla &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giovanni de Gamerra, UA: 26. Dezember 1772 Mailand, Teatro Regio Ducale<\/p>\n<p>Regie: Stephan M\u00fcller, B\u00fchne: Siegfried E. Mayer, Kost\u00fcme: Carla Caminati, Bewegungscoach: Dhimas Aryo Satwiko<\/p>\n<p>Dirigent: J\u00f6rg Halubek, Staatsorchester Kassel, Opernchor des Staatstheaters Kassel (Leitung Marco Zeiser Celesti)<\/p>\n<p>Solisten: Tobias H\u00e4chler (Lucio Silla), Elizabeth Bailey (Giunia), Maren Engelhardt (Cecilio), Benedicte Tauran (Cinna), Lin Lin Fan (Celia), Younggi Moses Do (Aufidio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. Dezember 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Kassel-Lucio-Silla.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7358\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Kassel-Lucio-Silla.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Kassel-Lucio-Silla.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Kassel-Lucio-Silla-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Diktator Lucio Silla (historisch korrekt: Lucius Sulla) l\u00e4\u00dft den r\u00f6mischen Senator Cecilio f\u00fcr tot erkl\u00e4ren, damit er dessen Braut Giunia selbst zur Frau nehmen k\u00f6nnte. Diese wehrt sich heftig gegen die Werbungen des Diktators. Heimlich trifft Giunia sich mit ihrem Geliebten Cecilio, der unerkannt zur\u00fcck kehrte. Gemeinsam mit seinem Freund Cinna schmiedet Cecilio Pl\u00e4ne, Silla zu t\u00f6ten. Dieser versucht mit Hilfe seiner Schwester Celia bei Giunia anzukommen. Doch wird er von ihr erneut verschm\u00e4ht, und er schw\u00f6rt Rache. Die Mordpl\u00e4ne mi\u00dflingen, aber Silla begnadigt alle \u2013 und beendet unerwartet seine Diktatur, verheiratet seine Schwester Celia mit Cinna und ebenso Cecilio mit Giunia.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist relativ einfach: Das Mozart-Orchester sitzt kreisf\u00f6rmig im Orchestergraben, drumherum befindet sich ein kreisf\u00f6rmiger Laufsteg, auf dem die Darsteller die Handlung pr\u00e4sentieren. Den Abschlu\u00df nach hinten bildet eine gro\u00dfe Wand, auf die man verschiedene Farben oder Bilder als Kommentar zur Handlung projizieren kann. Diese Handlung, die Machtdemonstrationen des Lucio Silla, Verhaftungen oder Drohgeb\u00e4rden werden durch die zus\u00e4tzlich eingef\u00fchrte Leibgarde verst\u00e4rkt und veranschaulicht, die als Bewegungsgruppe aufwendig und eindrucksvoll choreographiert ist. Die Kost\u00fcme sind phantasievoll und sowohl von der r\u00f6mischen Mode, als auch vom Barock inspiriert.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nicht weniger als 42 Streicher standen Mozart zur Urauff\u00fchrung in Mailand zur Verf\u00fcgung: Dazu kamen noch 4 Oboen\/Fl\u00f6ten, 2 Fagotte, 4 H\u00f6rner, 2 Trompeten und 2 Cembali. Die Zahl erreicht man in Kassel nicht ganz, aber wie in Mailand stehen sich die zwei Cembali im Halbkreis mittig gegen\u00fcber, vom linken leitet <strong>J\u00f6rg Halubek<\/strong> die Vorstellung. Darum herum gruppieren sich die Musiker, die einen zur B\u00fchne, die anderen zum Publikum &#8211; alle Musiker sehen sich gegenseitig und k\u00f6nnen z.T. die B\u00fchne sehen.<\/p>\n<p><strong>J\u00f6rg Halubek <\/strong>hat das richtige Fingerspitzengef\u00fchl f\u00fcr <em>Lucio Silla<\/em>, f\u00fcr die lyrischen, aber auch dramatischen Momente. Er kann dem Staatsorchester Kassel einen silbrigen, erz\u00e4hlfreudigen Klang entlocken \u2013 durchaus entsprechend der derzeitigen Auff\u00fchrungspraxis f\u00fcr Barockopern. Das \u00fcberbr\u00fcckt auch die langen Orchesterzwischenspiele innerhalb der Rezitative. Da geht keine Spannung verloren, da h\u00f6rt man schon den gro\u00dfen Meister Mozart deutlich heraus. F\u00fcr Spannung innerhalb der vielen orchesterbegleiteten Rezitative sind die Solisten zust\u00e4ndig:<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00e4chler<\/strong> gibt den Diktator Lucio Silla mit l\u00e4ssiger Leichtigkeit als leichter italienischer Tenor, der dann manchmal wie ein Heldentenor explodieren kann. <strong>LinLin Fan<\/strong> ist die unauff\u00e4llige Schwester Celia dank ihres bravour\u00f6sen und hochbeweglichen hohen jugendlichen Soprans. Sie klebt an der Gesangslinie, man h\u00f6rt einzelne Passagen teilweise sehr deutlich aus den Koloraturen heraus. Etwas weniger eloquent ist <strong>Maren Engelhardt<\/strong> als Mezzo in der Hosenrolle des Cecilio. Doch ihrem Mezzo fehlt der Glanz in den H\u00f6hen, er klingt br\u00fcchig und neigt etwas zum Tremolieren. Sie ist aber dadurch als Mann sehr glaubhaft. Als Cecilios geliebte Giunia \u00fcberzeugt <strong>Elizabeth Bailey<\/strong> mit klaren, sauberen, hohen Spitzent\u00f6nen, auch die Koloraturen perlen wie Sand.<\/p>\n<p>Auch die vermeintlich kleinen Rollen k\u00f6nnen f\u00fcr sich einnehmen: Der noch studierende <strong>Younggi Moses Do<\/strong> (als Berater und Intrigant Aufidio) kann mit einem sehr h\u00f6hensicheren Tenor aufwarten. Er ist auch im Charakterfach zu Hause. <strong>Benedicte Tauran<\/strong> hat viel Erfahrung mit franz\u00f6sischer barocker Auff\u00fchrungspraxis. Das kommt ihr f\u00fcr die zweite Hosenrolle Cinna sehr zugute. Auch ohne den angeklebten Bart kann sie mit herbem Charme und sicheren Koloraturen m\u00e4nnlich wirken.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eindrucksvoll, wie es J\u00f6rg Halubek gelingt dieses selten gespielte Fr\u00fchwerk Mozarts musikalisch in den Vordergrund zu r\u00fccken und Spannung zu erzeugen. Dank der durchdachten Personenf\u00fchrung von Stephan M\u00fcller, der zus\u00e4tzlichen Bewegungsgruppe und den phantasievollen Kost\u00fcmen im Kontrast zum schlichten B\u00fchnenbild ist eine Produktion entstanden, die eine eigentlich etwas \u201edr\u00f6ge Handlung\u201c gewaltig aufwertet, die man zu den H\u00f6hepunkten der Spielzeit 2017\/2018 rechnen mu\u00df. Begeisterter Applaus f\u00fcr einen spannenden Opernabend.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild Kassel: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elizabeth Bailey (Giunia) und Lucio Silla (Tobias H\u00e4chler)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giovanni de Gamerra, UA: 26. Dezember 1772 Mailand, Teatro Regio Ducale Regie: Stephan M\u00fcller, B\u00fchne: Siegfried E. 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