{"id":7354,"date":"2017-11-12T14:52:32","date_gmt":"2017-11-12T13:52:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7354"},"modified":"2018-01-17T14:57:53","modified_gmt":"2018-01-17T13:57:53","slug":"die-hochzeit-des-figaro-muenchen-bayerische-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7354","title":{"rendered":"Die Hochzeit des Figaro &#8211; M\u00fcnchen, Bayerische Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791); Opera buffa in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Christof Loy, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Klaus Bruns<\/p>\n<p>Dirigent: Constantinos Carydis, Bayrisches Staatsorchester, Chor der Bayrischen Staatsoper, \u00a0Choreinstudierung: Stellario Fagone<\/p>\n<p>Solisten: Alex Esposito (Figaro), Olga Kulchynska (Susanna), Christian Gerhaher (Graf Almaviva), Federica Lombardi (Gr\u00e4fin Almaviva), Solenn&#8216; Lavanant-Linke (Cherubino), Anna El-Kashem (Barbarina), Paolo Bordogna (Bartolo), Anne Sofie von Otter (Marcellina), Manuel G\u00fcnther (Basilio), Dean Power (Don Curzio), Milan Siljanov(Antonio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. November 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/M\u00fcnchen-Figaro.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7355\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/M\u00fcnchen-Figaro.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"354\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/M\u00fcnchen-Figaro.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/M\u00fcnchen-Figaro-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Figaro und Susanna sind Bedienstete des Grafen Almaviva und wollen heiraten. Cherubino entdeckt, da\u00df der Graf Susanna nachstellt und deshalb will der Graf ihn als Offizier hinwegbef\u00f6rdern. Nachdem Cherubino der Gr\u00e4fin ein Liebeslied vorgetragen hat, klopft der w\u00fctende Graf an die T\u00fcr. Cherubino kann aus dem Fenster fl\u00fcchten, der Graf findet nur Susanna vor. Der G\u00e4rtner Antonio berichtet, er habe Cherubino aus dem Fenster springen sehen, aber Figaro behauptet, er w\u00e4re es gewesen. In den Tumult platzt Marcellina, die Figaro im Gegenzug f\u00fcr ein Heiratsversprechen Geld geliehen hatte und nun auf das Eheversprechen pocht. Die Heirat ist vom Tisch, als sich anhand eines K\u00f6rpermals herausstellt, da\u00df Marcellina Figaros Mutter ist. Nachts im Park erwartet die Gr\u00e4fin in Susannas Kleidern den treulosen Ehemann. Figaro glaubt hingegen, seine Ehefrau will ihn betr\u00fcgen. Einige Verwirrungen und eine Ohrfeige f\u00fcr Figaro von Susanne. Doch sp\u00e4ter finden die Paare wieder zueinander.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild w\u00e4chst mit! Am Anfang sieht man riesige T\u00fcren und die Menschen ganz klein. Zun\u00e4chst spielt die Handlung vor dem verkleinerten B\u00fchnenportal des Nationaltheaters \u2013 teilweise mit Puppen. Dann blickt man schr\u00e4g seitlich auf einen wei\u00dfen Saal mit zwei T\u00fcren auf der linken Seite. Rechts befindet sich eine barocke Landschaft als Wandgem\u00e4lde. W\u00e4hrend das B\u00fchnenbild w\u00e4chst fokussiert man entweder T\u00fcren oder Landschaft. Auf Dekorationen wird weitgehend verzichtet, einen Wandschrank oder Betten gibt es nicht, daf\u00fcr St\u00fchle f\u00fcr Chorauftritte oder die Schuhe der Gr\u00e4fin, man geht oft einfach seitlich ab, auch ein Sprung aus einem Fenster gibt es nicht. Das \u201eVersteckspiel\u201c in Figaros Zimmer findet auf einem gro\u00dfen Sessel mit Decke statt, im Garten \u201eereignet\u201c es sich statisch auf abgedunkelter B\u00fchne. Im Garten steht man bewegungslos nebeneinander, die Verwechslungen sind unglaubhaft, Verstecke gibt es nicht. Die Garderobe ist an die heutige Abendgarderobe angelehnt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mozarts Anforderungen an die S\u00e4ngerdarsteller sind hoch. Allerdings ergeben sich schon Probleme f\u00fcr die Rolle des Figaro. <strong>Alex Esposito<\/strong> klingt schwach, hat weder Ausdruck noch Glanz in seiner Stimme. Schon das <em>Vermessungsduett<\/em> geht im Wettrennen mit dem Orchester unter. Er ist eindeutig kein stimmgewaltiger Ba\u00df, aber eine solide Tiefe ist vorhanden. Dabei ist <strong>Olga Kulchynska<\/strong> als Susanna ein wirklich kraftvoller, jugendlich strahlender und mitrei\u00dfend Duettpartner \u2013 und der Liebling des Abends. <strong>Christian Gerhaher<\/strong>, ist ein guter Lieds\u00e4nger, aber noch lange kein guter Operns\u00e4nger. Er kostet die Sch\u00f6nheiten Mozarts aus, aber Ausdruck und Charakterzeichnung gewinnt er selten, nur im Forte: sein Graf Almaviva wirkt hier wie ein v\u00f6llig Unbeteiligter. <strong>Federica Lombardi<\/strong> (Gr\u00e4fin Almaviva), ist eher ein Mezzo als der geforderte Sopran. Ihre Gr\u00e4fin hat Konturen, sie verf\u00fcgt \u00fcber ein zart schwebendes Piano f\u00fcr ihre Auftrittsarie <em>Porgi, amor, qualche ristoro al mio duolo, a\u2018 miei sospir \u2013 Gib, Liebe, etwas Linderung<\/em> <em>meinem Schmerz, meinen Seufzern<\/em> bez\u00fcglich der Sauberkeit der Koloraturen scheut sie aber den Vergleich mit <strong>Olga Kulchynska. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Anne Sofie von Otter<\/strong>, entspricht der Forderung der neuen Mozartausgabe als Sopran, ist aber entsprechend der Rolle der Marcellina meist keifig. Ihr immer noch gl\u00e4nzendes Stimmpotential kann sie mit der meist gestrichenen Arie Nr. 25: <em>Der Ziegenbock und die Ziege<\/em> unter Beweis stellen, das mit heftigen Szenenapplaus goutiert wird. Ebenso Soloapplaus bekommt <strong>Manuel G\u00fcnther<\/strong> (Basilio) als sch\u00f6ner tenoraler Liebhaber, w\u00e4hrend <strong>Paolo Bordogna<\/strong> (Bartolo), h\u00e4ufig zu tief und au\u00dferhalb des Takts singt und nicht unbedingt als Ba\u00df durchgeht. Auch <strong>Solenn&#8216; Lavanant-Linke<\/strong> hat Probleme als Cherubino. Die erste Arie ist zu verhetzt, die zweite Arie wird nicht so schnell gespielt, wirkt eloquenter, bleibt aber v\u00f6llig unauff\u00e4llig. Das ist nicht \u00fcberraschend, denn die Solisten erhalten kaum Unterst\u00fctzung durch<strong> Constantinos Carydis<\/strong>, der das<strong> Bayrische Staatsorchester <\/strong>wenig inspiriert leitet &#8211; und das Tempo streckenweise viel zu \u00fcberhastet nimmt. Schon die Begleitung zu Figaros Arie <em>Non pi\u00f9 andrai, farfallone amoroso, notte et giorno d\u2019intorno girando \u2013 du streichst nicht mehr Tag und Nacht wie ein verliebter Schmetterling umher<\/em><\/p>\n<p>ist weder ein Spottlied auf Cherubino, noch eine Karikatur eines Marsches. Im \u00fcbrigen glaubt man, da\u00df Solisten und der bestens eingestellte <strong>Chor<\/strong> unabh\u00e4ngig vom Orchester wirken \u2013 also ein Nebeneinander und kein harmonisches Miteinander.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man \u00fcberlegt wie viele hochgelobte Produktionen von <em>Figaros Hochzeit<\/em> es in der Geschichte der M\u00fcnchner Staatsoper gegeben hat, dann wird die Entt\u00e4uschung noch schlimmer. Szenisch geht das \u201ewachsende\u201c B\u00fchnenbild nicht auf, die Szenen im Garten wirken ungeprobt und erzeugen keinen Zauber, sondern Langeweile. Auch musikalisch Licht und Schatten. Am Ende halbherziger Applaus des Publikums. Von der M\u00fcnchner Staatsoper (gerade auch f\u00fcr die Opernfestspiele) mu\u00df man mehr erwarten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Wilfried H\u00f6sl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Olga Kulchynska (Susanna), Alex Esposito (Figaro), Christian Gerhaher (Graf Almaviva)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791); Opera buffa in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte UA: 1. 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