{"id":735,"date":"2009-06-17T10:05:26","date_gmt":"2009-06-17T08:05:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=735"},"modified":"2010-03-21T23:42:10","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:10","slug":"kiel-opernhaus-pique-dame","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=735","title":{"rendered":"Kiel, Opernhaus &#8211; PIQUE DAME"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Peter Iljitsch Tschaikowski, Oper in 3 Akten, Libretto: Modest Iljitsch Tschaikowski nach einer Novelle von Alexander Puschkin, Deutsch von Wolf Ebermann und Manfred Koerth (unter Mitarbeit von Horst Seeger), UA: 19.  Dezember 1890, Mariinski-Theater, Sankt Petersburg<br \/>\nRegie: Sandra Leupold, B\u00fchne: Andreas Walkows, Kost\u00fcme: Gabriele Jaenecke, Dramaturgie: Hannah D\u00fcbgen, Beleuchtung: Martin Witzel<br \/>\nDirigent: Till Hass, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Kiel<br \/>\nSolisten: Ivar Gilhuus (Hermann), J\u00f6rg Sabrowski (Graf Tomski), Tomohiro Takada (F\u00fcrst Jeletzki), Fred Hoffmann (Tschekalinski, Festordner), Hans Griepentrog (Surin), Steffen Doberauer (Tschaplitzki), Hans Georg Ahrens (Narumow), Ortrun Wenkel (Gr\u00e4fin), Ekaterina Romanova (Lisa), Marina Fideli (Polina), \u015een Acar (Mascha) und Anka Perfanova (Gouvernante)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 13. Juni 2009 (Premiere, in deutscher Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"kiel-pique-dame.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kiel-pique-dame.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"kiel-pique-dame.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kiel-pique-dame.jpg\" \/><\/a>Hermann leidet unter Mittellosigkeit und der ungl\u00fccklichen Liebe zu Lisa, die unfreiwillig F\u00fcrst Jeletzki versprochen wurde. Hermanns letzte Hoffnung ist die Gr\u00e4fin: Sie kennt eine geheime Kartenkombination. Kennt man diese, gewinnt man jedes Gl\u00fccksspiel. In der Vergangenheit wurde ihr die Kombination anvertraut und eine Prophezeiung besagte, da\u00df sie durch den Mann, dem sie das Blatt verraten w\u00fcrde, get\u00f6tet werden w\u00fcrde. Auf einem Maskenball steckt Lisa Hermann einen Schl\u00fcssel f\u00fcr ein Rendezvous im Hause der Gr\u00e4fin zu. Statt Lisa zu treffen, kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen Herrmann und der Gr\u00e4fin, bei der die Gr\u00e4fin stirbt und das Karten-Geheimnis mit in den Tod nimmt. Lisa sieht in Hermann einen M\u00f6rder und erkennt, da\u00df er nicht ihretwegen in das Haus gekommen ist. In einer Vision erscheint die Gr\u00e4fin Hermann und verr\u00e4t ihm die Kartenkombination: Drei, Sieben, As. Lisa scheidet aus dem Leben, weil ihre Liebe unerf\u00fcllt bleibt und Hermann nur noch von den Karten besessen ist. Hermann macht bei einem Spiel mit, bei dem ihm die ersten beiden Karten zum Gewinn verhelfen. Bei der dritten nennt er statt As Pique Dame. Nun bleibt auch Hermann nur noch der Tod.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Einheitsb\u00fchnenbild von <strong>Andreas Walkows<\/strong> ist karg gehalten, so da\u00df lediglich eine sehr steile Rampe zu erkennen ist, aus dessen Hintergrund die Darsteller an der Spitze auftauchen. Die einzigen Requisiten sind Feuerzeug, Brautkleid, Karton, Kartenspiel und rote Lippenstifte, mit denen die Maskenballszene durch gro\u00dfe gemalte M\u00fcnder bei den Darstellern angedeutet wird. Die Kleidung ist durchweg unauff\u00e4llig in dunklen Farben gehalten, das russische Milieu wird durch Pelz und Stiefel verdeutlicht. Einzig die Gr\u00e4fin sticht in ihrem roten Kleid und der aufget\u00fcrmten barocken Frisur hervor. Unterschiedliche Lichteffekte bewirken auf der d\u00fcsteren B\u00fchne verschiedene Stimmungen. So wird der Zuschauer nach Lisas Tod so geblendet, da\u00df er kaum noch etwas erkennen kann.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Ivar Gilhuus<\/strong> (Hermann) pr\u00e4gt den Abend. Facettenreich stellt er die seelischen Abgr\u00fcnde dar: Zum einen die Liebe zu Lisa, die er gef\u00fchlvoll, aber auch eindringlich und fordernd mit <em>Liebe, du einzige, du G\u00f6ttin, du Engel!<\/em> darstellt. Weiterhin seine Au\u00dfenseiter-Stellung, der Wahnsinn und die Kartenspiel-Besessenheit, die gequ\u00e4lt, schrill und rauh in seiner Stimme von Anfang an wiederzufinden sind: Ich kenne mich selber schon nicht mehr. Neben ihm gl\u00e4nzt<strong> Ortrun Wenkel <\/strong>als wandelbare Gr\u00e4fin. Einerseits ist sie die w\u00fcrdevolle alte Dame, andererseits l\u00e4\u00dft sie ihre Jugend mit der franz\u00f6sischen Arie aufleben (eine Komposition von A.E.M. Gr\u00e9try (1741-1813), in der ihre Stimme unverbraucht und frisch klingt. <strong>Ekaterina Romanova<\/strong> (Lisa) verleiht der ungl\u00fccklichen Liebe durch ihren jugendlichen, traurigen und gef\u00fchlvollen Sopran Glaubw\u00fcrdigkeit. In ihrer Sterbe-Szene versinkt sie wahrhaftig im Boden. Dem Philharmonischen Orchester unter der Leitung von <strong>Till Hass<\/strong> gelingen jederzeit die schnellen Stimmungswechsel: Mal klingt das <strong>Orchester<\/strong> unmittelbar wirklichkeitsnah, mal todtraurig. Die Szenen des <strong>Opernchores<\/strong>, die die Hochzeitsvorfreude oder den Spa\u00df am Kartenspiel darstellen, schaffen einen gelungenen unterhaltsamen und energievollen Kontrast.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nSchon in der Pause wirft die Oper Kontroversen auf \u2013 die Meinungen scheiden sich  zwischen \u201eatemberaubend\u201c und \u201ef\u00fcrchterlich\u201c. Letztlich wird die Leistung der Darstellung von schonungsloser Dramatik mit solidem, aber langanhaltendem Applaus belohnt. Die Inszenierung tritt in den Hintergrund, so da\u00df Musik und Schauspiel sich vereinen und Hermanns Gef\u00fchle der Verzweiflung und des Wahnsinns in ihrer vollen Auspr\u00e4gung wirken k\u00f6nnen.<br \/>\nFrederike Arns<\/p>\n<p>Bild: Olaf Struck<br \/>\nDas Bild zeigt Ivar Gilhuus als Hermann und den Opernchor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Iljitsch Tschaikowski, Oper in 3 Akten, Libretto: Modest Iljitsch Tschaikowski nach einer Novelle von Alexander Puschkin, Deutsch von Wolf Ebermann und Manfred Koerth (unter Mitarbeit von Horst Seeger), UA: 19. 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