{"id":7349,"date":"2017-11-22T11:25:31","date_gmt":"2017-11-22T10:25:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7349"},"modified":"2018-01-17T11:29:06","modified_gmt":"2018-01-17T10:29:06","slug":"tannhaeuser-und-der-saengerkrieg-auf-wartburg-wiesbaden-hessisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7349","title":{"rendered":"Tannh\u00e4user und der S\u00e4ngerkrieg auf Wartburg  &#8211; Wiesbaden, Hessisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, , UA: 10. Oktober 1845 Dresden, K\u00f6nigliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne: Rolf Glittenberg<\/p>\n<p>Dirigent: Patrick Lange, Hessisches Staatsorchester, Opern- und Extrachor des Hessischen Staatstheaters, Choreinstudierung: Albert Horne<\/p>\n<p>Solisten: Young Doo Park (Landgraf Hermann), Lance Ryan (Tannh\u00e4user), Benjamin Russell (Wolfram), Aaron Cawley (Walther), Thomas de Vries (Biterolf), Joel Scott (Heinrich), Alexander Knight (Reinmar), Sabina Cvilak (Elisabeth), Jordanka Milkova (Venus), Stella An (Hirt), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. November 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Wiesbadenr_tannhaeuser.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7352\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Wiesbadenr_tannhaeuser.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"419\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Wiesbadenr_tannhaeuser.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Wiesbadenr_tannhaeuser-300x193.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg zugebracht, dem legend\u00e4ren Zufluchtsort der Liebesg\u00f6ttin. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft sie, als er der erotischen Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig wird. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet auf die Wartburg zu einem S\u00e4ngerwettstreit zur\u00fcckzukehren. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe. Der Preis wird von Elisabeth, der Tochter des th\u00fcringischen Landgrafen, vergeben, die Tannh\u00e4user in Zuneigung ergeben ist. W\u00e4hrend seines Gesangsbeitrags gesteht Tannh\u00e4user jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten. Man stellt ihm eine Bedingung: nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Der aber \u00fcberantwortet Tannh\u00e4user der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip handelt es sich um ein Einheitsb\u00fchnenbild, jedoch wird es sehr variabel an die drei Akte angepa\u00dft. Links und rechts befindet sich eine h\u00f6lzerne Panel-Wand. Auf der linken Seite kann man als Jagdtroph\u00e4en Hirschgeweihe aufh\u00e4ngen. Der Hintergrund kann als monumentale Fensterfront im Stile des Hitlerschen Berghofs dienen, oder als Projektionsfl\u00e4chen f\u00fcr Waldlandschaften, Schnee oder Feuer-Licht-Effekte. Im ersten Akt sitzen die Pilger auf Kirchenb\u00e4nken, bevor Venus mit Ihrem Gefolge ein hocherotisches Bacchanal inszeniert. Danach verwandelt sich alles in eine Waldlandschaft, bevor es auf die Wartburg geht, die im Zeichen einer monumentalen Adler-B\u00fcste vor dem Fenster steht. Auf zwei parallelen Sitzreihen sitzen Vertreter des Deutschritterordens. Der dritte Akt ist eine Schneelandschaft, auf der ein wei\u00dfes Kreuz liegt, Wolfram haust dort in einem kleinen Zelt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die ideale Besetzung der Titelrolle f\u00fcr den Tannh\u00e4user zu finden, ist und bleibt schwierig. <strong>Lance Ryan <\/strong>verf\u00fcgt zwar \u00fcber die heldentenorale Durchschlagskraft, allein ihm fehlt das Standverm\u00f6gen und \u00f6fters auch die Technik, um die vertrackten Spr\u00fcnge in der Gesangslinie sauber zu treffen. Keine Probleme hat <strong>Sabina Cvilak<\/strong> den Dialog nach der Hallenarie der Elisabeth <em>Oh F\u00fcrstin<\/em> an sich zu reisen. Ihr stark fokussierender hochdramatischer Sopran klingt sicherer. Stille Andachtsmomente zeichnen das Gebet der Elisabeth <em>Allm\u00e4chtige Jungfrau<\/em> nicht aus.<\/p>\n<p><strong>Jordanka Milkova <\/strong>\u2013 ein stimmlich sehr ausgewogener Mezzo \u2013 hat hingegen die anr\u00fcchige Verruchtheit, um eine teuflisch verf\u00fchrerische Venus zu gestalten. <strong>Thomas de Vries<\/strong> als Biterolf ist ein herrlicher Bariton mit schier unersch\u00f6pflicher Durchschlagskraft. Mit sicherer Tiefe durchaus ein Ba\u00dfbariton, \u00fcberzeugt er auch hinsichtlich Ausdruckskraft, stimmlicher Gestaltung und Reichweite in den oberen Registern. <strong>Benjamin Russell <\/strong>gelingt ein sehr einschmeichelnder Wolfram. Er verf\u00fcgt \u00fcber einen sehr beweglichen lyrischen Bariton, der die alle Stimmungslagen dieser Rolle auslotet. <strong>Young Doo Park <\/strong>gestaltet mit dem sicher durch alle Tiefen gef\u00fchrten hell timbrierter Ba\u00df den Landgraf Hermann als eine F\u00fchrungsrolle auch wenn ihm etwas mehr Legatokultur gut getan h\u00e4tte. <strong>Aaron Cawley <\/strong>kann den Kurzauftritt des Walther im S\u00e4ngerkrieg aufregend gestalten, er verf\u00fcgt \u00fcber eine strahlende baritonale Mittellage, die H\u00f6hen erreicht er spielerisch leicht. Die gr\u00f6\u00dfte Freude macht dem Publikum der Auftritt von <strong>Stella An <\/strong>als junger Hirt. Mit ihrer glockenklaren, technisch sicheren H\u00f6he, die sich dennoch noch f\u00fcllig anh\u00f6rt, bietet sie sich f\u00fcr h\u00f6here Weihen an.<\/p>\n<p><strong>Patrick Lange<\/strong> ist noch nicht lange GMD in Wiesbaden, aber mit dieser musikalischen Leitung verdient er den Ritterschlag. Seine Spielfassung orientiert sich an der Wiener-Fassung, zus\u00e4tzlich ein l\u00e4ngeres Bacchanal und Walther bekommt seinen Auftritt im S\u00e4ngerkrieg. Das l\u00e4ngere Bacchanal ist elegisch, nicht schw\u00fclstig und singt das Hohelied auf die Erotik. Schon das furiose Finale, das den Chor klanglich einrahmt ist bewundernswert. Und der verst\u00e4rkte Chor kann aufgrund seiner harmonischen Einheit begeistern.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein musikalischer Abend, der die Zuschauer in seinen Bann zieht. S\u00e4ngerisch \u00fcberzeugen sind besonders die vermeintlich kleinen Rollen, die sich stark einbringen. Das Orchester kennt genau die St\u00e4rken der Partitur und kann das Publikum mit den Orchesterst\u00fccken mitrei\u00dfen. Laufenberg perfektioniert die Darstellung des Eros als Kunstform: Szenisch fesseln diese erotischen Bilder mit gro\u00dfer Ausstrahlungskraft, auch wenn sich die vielen Regieeinf\u00e4lle nicht immer nahtlos aneinander reihen lassen. St\u00fcrmischer Applaus f\u00fcr die Produktion.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Karl und Monika Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Solisten, Chor, Extrachor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, , UA: 10. 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