{"id":7346,"date":"2017-12-18T11:22:28","date_gmt":"2017-12-18T10:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7346"},"modified":"2018-01-17T11:24:53","modified_gmt":"2018-01-17T10:24:53","slug":"die-tote-stadt-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7346","title":{"rendered":"Die Tote Stadt &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern, Libretto: E. W. Korngold und Paul Schott, UA:4. Dezember 1920 Hamburg und K\u00f6ln<\/p>\n<p>Regie: David B\u00f6sch, B\u00fchne: Patrick Bannwart, Kost\u00fcme: Falko Herold<\/p>\n<p>Dirigent: Dmitri Jurowski, Staatskapelle Dresden, S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Kinderchor der S\u00e4chsischen Staatsoper Dresden, Chor: \u00a0J\u00f6rn Hinnerk Andresen und Claudia Sebastian-Bertsch<\/p>\n<p>Solisten: Burkhrad Fritz (Paul,) Manuela Uhl (Marietta\/Marie), Christoph Pohl (Frank\/Fritz), Christa Mayer (Brigitta), Tahnee Niboro (Juliette), Grace Durham (Lucienne), Khanyiso Gwenxane (Victorin), Timothy Oliver (Graf Albert)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. Dezember 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-tote-Stadt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7347\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-tote-Stadt.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-tote-Stadt.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-tote-Stadt-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In der \u201eToten Stadt\u201c Br\u00fcgge lebt Paul zur\u00fcckgezogen nach dem Tod seiner Frau Marie. Unversehens begegnet er der T\u00e4nzerin Marietta, die eine auffallende \u00c4hnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau hat. Auf Maries Laute begleitet sich Marietta beim ber\u00fchmten Lied <em>Gl\u00fcck, das mir verblieb.<\/em> F\u00fcr Paul verschwimmen Wirklichkeit und Traum zu einer Vision: Marietta verl\u00e4\u00dft, von Liebhabern umschw\u00e4rmt, das Theater und spielt die diabolische Nonnenerweckung aus Giacomo Meyerbeers Oper <em>Robert le Diable<\/em>. Paul beschuldigt Marietta daraufhin der Gottlosigkeit. Marietta folgt Paul in sein Haus, tanzt mit der \u201eReliquie\u201c, der Haarflechte der verstorbenen Marie, bis Paul sie in h\u00f6chster Erregung erdrosselt. Paul erwacht aus seiner Vision und beschlie\u00dft, Br\u00fcgge zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Theoretisch ist die <em>Tote Stadt<\/em> nur eine \u201ekleine Oper\u201c, denn neben den zwei Hauptdarstellern existieren nur noch Nebendarsteller, von dem Brigitta, Frank und Fritz die bedeutendsten sind. Allerdings ist die Besetzung dieser Rollen meist schwierig.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild zeigt einen d\u00fcsteren, heruntergekommenen Wohnraum, der wie eine Leichenhalle aus einem Horrorfilm wirkt. Beherrscht wird die Szene durch ein expressionistisches graues Bild von Marie, das man auch als Sterbebild sehen kann. Die wei\u00dfgekleideten Nonnen, die eigentlich gerade aus ihren Gr\u00e4bern heraufsteigen, werden sp\u00e4ter \u00e4hnliche Bilder tragen, die noch deutlicher den Tod zeigen. Der aufbewahrte Zopf der Marie ist durch ein riesiges, staubiges Spinnennetz ins Unendliche verl\u00e4ngert. Einzig die roten Rosen sorgen f\u00fcr einen Farbfleck, genauso wie die Kost\u00fcme der Marie und ihrer rot-wei\u00dfen bleichen Harlekine und Kolumbine. Auch die kirchliche Prozession bringt kein Leben. Das kommt erst wieder auf, wenn mit Marie Licht in die dunkle Bude kommt. Auch Paul findet zum Leben zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Keine Probleme hat <strong>Burkhard Fritz<\/strong> als Paul. Er ist kein gro\u00dfer Heldentenor, aber er klingt durchschlagsstark, bleibt mit langem Atem dem Ziel der unendlichen Melodie verbunden und kann Poesie \u201eausstrahlen\u201c. Manchmal fehlt ihm jedoch ein wenig Sicherheit. Seine Muse ist <strong>Manuela Uhl<\/strong> als Marie\/Marietta, die \u00fcber einen jugendlich klaren Sopran verf\u00fcgt. Das zeigt sich anhand einer sicheren und durchschlagsstarken Mittellage, leider klingt die H\u00f6he manchmal etwas eindimensional, da die Stimme zu eng gef\u00fchrt wird. Eine der Nebenrollen ist eigentlich keine solche, denn die Rolle des Frank und der Pierrots Fritz ist \u2013 wie es meisten geschieht \u2013 zusammengelegt und da hier nichts gestrichen ist, ist dies durchaus eine Herausforderung f\u00fcr <strong>Christoph Pohl<\/strong>, der daran w\u00e4chst. Diesem dreiteiligen Charakter (Freund, Zerrbild eines Freundes und Pierrot mit der Arie <em>Mein Sehnen<\/em>) kann dieser ausdrucksstarke und facettenreiche Spielbariton gerecht werden. <strong>Christa Mayer<\/strong> und ihr schwerer, samtener Mezzo verleiht der Brigitta das trauernde Moment einer verzweifelten Hausdame, die ins Kloster geht, als ihr klar wird, da\u00df sie Paul nicht bekommen kann. Wirklicher Herr des Geschehens ist <strong>Dmitri Jurowski<\/strong>.<\/p>\n<p>Die <strong>Staatskapelle<\/strong> Dresden meistert das schwierige St\u00fcck mit Bravour und meist getragenem Tempo, die sp\u00e4tromantischen und impressionistischen Klangfarben kommen klar zur Geltung und die dargestellten Gef\u00fchlswelten bringen die Zuschauer in Wallung. Auch hinsichtlich der Lautst\u00e4rke kann die Staatskapelle unter <strong>Jurowski<\/strong> deutlich differenzieren \u2013 vom gehauchten Piano bis hin zum wirklich infernalischen Fortissimo. Solide der Chor, auch wenn er meist unsichtbar oder unauff\u00e4llig bleibt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte zwar sagen, da\u00df David B\u00f6sch etwas \u00fcbertreibt, denn bisher wurde die Handlung eher surreal gesehen, hier ist sie sehr d\u00fcster und morbide, aber absolut werkgetreu \u2013 bei schwacher Psyche w\u00fcrde man aber eher vom Besuch abraten: eben einer toten Stadt mehr als w\u00fcrdig. Ebenso w\u00fcrdig die fast strichfreie Spielfassung: Mit der Auferstehungsszene, der impressionistisch flackernden \u00dcbergangsmusik zwischen dem ersten und zweiten Akt und der religi\u00f6sen Prozession im dritten Akt. Auch die musikalische Umsetzung ist in allen Belangen eine herausragende Staatsopernproduktion: St\u00fcrmischer Applaus des Publikums.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: David Baltzer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Manuela Uhl (Marietta), Burkhard Fritz (Paul)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern, Libretto: E. W. Korngold und Paul Schott, UA:4. 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