{"id":7343,"date":"2017-12-10T11:19:44","date_gmt":"2017-12-10T10:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7343"},"modified":"2018-01-17T11:21:59","modified_gmt":"2018-01-17T10:21:59","slug":"haensel-und-gretel-berlin-staatsoper-unter-den-linden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7343","title":{"rendered":"H\u00e4nsel und Gretel &#8211; Berlin, Staatsoper unter den Linden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Engelbert Humperdinck (1854-1921), M\u00e4rchenoper in drei Bildern, Libretto: Adelheid Witte nach dem M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm, U.A. 23. Dezember 1893 Weimar, Hoftheater<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Achim Freyer<\/p>\n<p>Dirigent: Sebastian Weigle, Staatskapelle Berlin, Kinderchor der Staatsoper unter den Linden, Chorleitung: Vinzenz Weissenburger<\/p>\n<p>Solisten: Roman Trekel (Vater), Marina Prudenskaya (Mutter), Katrin Wundsam (H\u00e4nsel), Elsa Dreisig (Gretel), Stephan R\u00fcgamer (Knusperhexe), Corinna Scheurle (Sandm\u00e4nnchen), Sarah Aristidou (Taum\u00e4nnchen).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Dezember 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Berlin-Haensel_und_Gretel_273.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7344\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Berlin-Haensel_und_Gretel_273.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Berlin-Haensel_und_Gretel_273.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Berlin-Haensel_und_Gretel_273-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4nsel und Gretel singen und tanzen, um ihren Hunger zu vergessen, ihre Mutter schickt die Kinder in den Wald, um Beeren zu sammeln, weil sie nichts mehr zum Abendessen hat. Der Vater\u00a0 kommt erfreut nach Hause, weil er all seine Besen verkauft hat und Lebensmittel kaufen konnte. Die Kinder sind im Wald und finden den Weg nicht mehr. Sie f\u00fcrchten sich. Das Sandm\u00e4nnchen legt sie zur Ruhe und vierzehn Engel beh\u00fcten sie. Am Morgen entdecken sie ein verlockendes Knusperh\u00e4uschen, an dem sie ihren Hunger stillen. Doch die Hexe \u00fcberrascht sie und sperrt H\u00e4nsel in einen K\u00e4fig, damit er einen fetten Braten f\u00fcr die Hexe abgebe. Doch Gretel gelingt es, H\u00e4nsel zu befreien, und gemeinsam sto\u00dfen sie die Hexe in den Backofen. Damit befreien sie auch all die anderen Kinder, die von der Hexe gefangen gehalten wurden. Kinder und Eltern feiern ein Freudenfest.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Mit farbenpr\u00e4chtigen Kost\u00fcmen, Verkleidungen und Tieren wie Forsch, Haifisch, Krokodil, Panther, Leopard und Sau ausgestattet zeigt die dunkle B\u00fchne eine Manege, die mit allerlei Zeichen und Malereien bis weit \u00fcber das Portal hinaus verl\u00e4ngert ist. Im Hintergrund ein Vorhang hinter dem sich das Hexenh\u00e4uschen verbirgt. Der Kinderchor am Schlu\u00df rennt als eine Art Tierdressur immer wieder rundherum um die B\u00fchne. H\u00e4nsel und Gretel sind auf \u00fcberdimensionale K\u00f6pfe reduziert. Der Hunger manifestiert sich auf der B\u00fchne in <em>Hunger ist der beste Koch<\/em> als zus\u00e4tzliche Figur, als \u201eKoch mit Loch im Magen\u201c. Die Hexe ist eine lustige bunte Kunstfigur mit Kaffeetasse auf dem Kopf und einem Zeigefinger als Nase, der auch als ein Phallus gesehen werden kann. Am Anfang ist der Dirigent als Projektion zu sehen. Die Befreiung der Kinder wird durch eine farbenpr\u00e4chtige Explosion des Hexenh\u00e4uschens-Ofen eingeleitet \u2013 es ist aber nur eine Projektion mit lautem Knall.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Humperdinck z\u00e4hlt zu den Wagner-Epigonen. Da bietet es sich an, die Rollen der Eltern mit Wagner-Heroen zu besetzen. <strong>Roman Trekel<\/strong> ist ein altgedienter lyrischer Tenor, sein Vater Peter ist eine nachdenkliche Figur, das <em>Rallalala, rallalala, heissa, Mutter, ich bin da<\/em> ist ausdrucksvoll, genau in der Notenlinie. <strong>Marina Prudenskaya<\/strong> ist ein schwerer harter Mezzo mit sicherer H\u00f6he. Der Mutter Gertrud gibt sie mentale H\u00e4rte, aber auch tr\u00e4umerische mitf\u00fchlende Momente. Die Knusperhexe ist mit einem ausdrucksstarken Charaktertenor, mit <strong>Stephan R\u00fcgamer<\/strong> besetzt, der der Hexe jede Art von B\u00f6sartigkeit nimmt. <strong>Elsa Dreisig<\/strong> hat einen jugendlich naiven Sopran mit Tendenz zum Koloratursopran: Sie rei\u00dft das Publikum mit ihren Jungm\u00e4dchen-Charme mit. Herzerfrischend das <em>Br\u00fcderlein, komm tanz mit mir<\/em>. <strong>Karin Wundsam<\/strong> ist ein solider Mezzo, dem noch ein wenig die Phrasierung und Durchschlagskraft abgeht, ihr H\u00e4nsel bleibt bla\u00df. Sand- und Taum\u00e4nnchen sind getrennt besetzt und bieten zwei Opernstudio-Mitgliedern die M\u00f6glichkeit Erfahrung zu sammeln. Ein wichtiger R\u00fcckhalt der Vorstellung ist der gro\u00dfe Kinderchor mit gef\u00fchlten 40 Mitgliedern. Sie klingen sauber und rein, hell und klar. Humperdincks Musik ist bald polternd, bald unheimlich dunkel, dann wieder ausgelassen, fast operettenhaft fr\u00f6hlich, mit den hineingewobenen bekannten Volksweisen ein Meisterwerk der Romantik. Dank <strong>Sebastian Weigle<\/strong> wird das nicht klar, so uninspirierend ist das: Er findet einfach keinen Zugang zum Werk. Sogar der <em>Abendsegen<\/em> gebiert eher langweilige, aber sch\u00f6ne Musik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>So ein Zirkus! Eine M\u00e4rchenoper als Nummernrevue in einer Zirkusmanege.<\/p>\n<p>Eine der bedeutendsten Opernb\u00fchnen nimmt wieder ihren Spielbetrieb auf und wird kaum \u00f6ffentlich wahrgenommen. Zwar war die offizielle Er\u00f6ffnung mit <em>Szenen aus Goethes Faust<\/em> bereits im Oktober 2017, aber die Wiederer\u00f6ffnung nach letzten Korrekturen erfolgte offiziell am 7. Dezember 2017mit einem Konzert. Dann am 8. Dezember 2017 die erste Opernproduktion. Die ersten Zuschauer gingen in der Pause. Der Schlu\u00dfapplaus war nur f\u00fcr die S\u00e4nger freundlich. H\u00e4nsel und Gretel als zwar farbenpr\u00e4chtige, doch nichtssagende Zirkusproduktion und Nummernrevue zu spielen, entwertet Humperdincks \u201eKinderstubenweihfestspiel\u201c und entzieht ihm den m\u00e4rchenhaften Charakter. Grimms M\u00e4rchen sind vielschichtig tiefgehend mit Hunger und Not! Sie blo\u00dfzustellen gelingt wohl kaum mit bunter Kapitalismuskritik.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Engelbert Humperdinck (1854-1921), M\u00e4rchenoper in drei Bildern, Libretto: Adelheid Witte nach dem M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm, U.A. 23. 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