{"id":7336,"date":"2017-11-02T14:39:11","date_gmt":"2017-11-02T13:39:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7336"},"modified":"2018-01-10T14:42:12","modified_gmt":"2018-01-10T13:42:12","slug":"goetterdaemmerung-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7336","title":{"rendered":"G\u00f6tterd\u00e4mmerung &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Dritter Tag <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Text vom Komponisten UA: 17. August \u00a01876 Bayreut., Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Willy Decker, B\u00fchne: Wolfgang Gussmann, Kost\u00fcme: Frauke Schernau<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Staatskapelle Dresden, S\u00e4chsischer Staatsopernchor Dresden, Chor: \u00a0J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/p>\n<p>Solisten: Andreas Schager (Siegfried), Iain Paterson (Gunther), Falk Struckmann (Hagen), Nina Stemme (Br\u00fcnnhilde), Albert Dohmen (Alberich), Edith Haller (Gutrune), Christa Mayer (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. November 2017 (Wiederaufnahme)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen_goetterdaemmerung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7337\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen_goetterdaemmerung.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen_goetterdaemmerung.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen_goetterdaemmerung-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der von Alberich verfluchte Ring des Nibelungen ewige Macht. Auch Hagen, Halbbruder des F\u00fcrsten Gunther, m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt, verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde, heiratet Gutrune und verspricht Gunther Br\u00fcnnhilde zur Frau. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und berichtet, da\u00df sie quasi verm\u00e4hlt seien. F\u00fcr seinen Betrug an Gunther t\u00f6tet Hagen auf der Jagd Siegfried, doch Hagen erringt nicht den Ring, denn Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr Siegfried brennenden Scheiterhaufen. Die Flammen erfassen Walhall, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung bricht an: Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Nornen treffen sich noch auf den Stuhlreihen aus der Walk\u00fcre, auf den Walk\u00fcrenfelsen sieht man durch ein rundes Guckloch. Die Gibichungen wohnen in einer monumentalen Villa mit Panoramafenster, durch das man auf das Rheintal blickt. Ein riesiger Globus und Ledersofa geh\u00f6ren auch zum Inventar. Siegfrieds Tod findet wieder auf einer Stuhlreihe statt. Auf dieser finden sich auch die G\u00f6tter ein samt letztem Auftritt Wotans, um den Weltenbrand zu erleben, der leider nur ein roter Feuerschein ist. Zum Schlu\u00df rollt Erda die Weltenkugel aus dem Rheingold herein. Die Kost\u00fcme sind etwas phantasielos einer zeitlosen Abendgarderobe-Mode entnommen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andreas Schager<\/strong> hat sich zu einem der f\u00fchrenden schweren Wagner Heldenten\u00f6re entwickelt. So zeigt er tenoralen Sch\u00f6nklang, strahlenden Glanz, auch in der H\u00f6he Durchschlagskraft und klingt doch immer unangestrengt und leuchtend. Und er kann dem tumben Naturburschen Siegfried durchaus intellektuell-menschliche Z\u00fcge verleihen. <strong>Iain Paterson<\/strong> ist ein unangestrengter Gunther, <strong>Albert Dohmen<\/strong> ist in der Rolle des h\u00e4misch drohenden Alberich an jeder Staatsoper die erste Wahl. <strong>Falk Struckmann <\/strong>gibt den Hagen mit einer wortgewaltigen Rollengestaltung, wenn der altgediente Wagnerbariton machtvoll zum Mord ruft.<\/p>\n<p><strong>Nina Stemme<\/strong> ist durchaus ein dramatischer Sopran, zeichnet von der Br\u00fcnnhilde ein dynamisches, ein vielschichtiges Bild. Auch <strong>Edith Haller <\/strong>kann man zu den dramatischen Sopranen rechnen. Mit klaren sicheren H\u00f6hen sorgt sie f\u00fcr vokale Klarheit. Sozusagen eine \u201everschwenderische\u201c Besetzung der Gutrune, die so die Konturen einer stolzen germanischen F\u00fcrstentochter bekommt. <strong>Christa Mayer<\/strong> und ihr schwerer, samtener Mezzo ist kaum noch aus dem Wagnerfach wegzudenken. Der Verzweiflung und der nachdr\u00fccklichen Forderungen der Waltraute gibt sie weiten Raum.<\/p>\n<p>Diese <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> zeigt eindrucksvoll, wie stark die Staatskapelle und <strong>Christian Thielemann<\/strong> zusammengewachsen sind: Die Abstimmung aller Instrumentengruppen ist perfekt austariert, da gibt es keine Intonationsprobleme oder im Zusammenspiel Lautst\u00e4rkeunterschiede. Man kann die Crescendos \u00fcber mehrere Takte (und sie zeigen wirklich eine Steigerung!) oder einen harten Schnitt zwischen Fortissimo und Pianissimo hin verfolgen. So wird der Siegfrieds <em>Rheinfahrt<\/em> eher zu einer epischen Erz\u00e4hlung und keinesfalls zu einer blechlastigen Filmmusik. Diese Zusammenarbeit mit <strong>Christian Thielemann<\/strong> ist eindrucksvoll: Man atmet miteinander, man wirkt zusammen, da wird das Gesamtkunstwerk Wagners zum Leben erweckt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Sicherlich, etwas problematisch ist die Inszenierung: Willy Decker war nach der G\u00f6tterd\u00e4mmerungs-Premiere sogar bereit den ganzen <em>Ring<\/em> noch einmal zu \u00fcberarbeiten. Am Ende der langen Entstehungsdauer (die gro\u00dfe Elbeflut unterbrach die Arbeiten am <em>Ring<\/em>) wirkt das Finale sehr erzwungen, um seine Vorgaben aus dem <em>Rheingold<\/em> und <em>Walk\u00fcre<\/em> zu treffen. Aber au\u00dfer der Vergewaltigung Gutrunes und ihre Ermordung Hagens bleibt die Handlung und die plausible Personenregie erfreulich werkkonform. Die Solisten sind eine stimmgewaltige Auswahl der besten Wagners\u00e4nger derzeit. <strong>Thielemann<\/strong> und die <strong>Staatskapelle<\/strong> sind im Wagnerfach ebenfalls in der Weltspitzengruppe \u2013 wenn man von den Wacklern im Blech absieht: das verbucht man unter der Tagesform. Nach dem Finale atemlose Spannung im Publikum, bis nach gef\u00fchlten 30 Sekunden sich der Enthusiasmus Bahn bricht. Eine Sternstunde!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Erwin D\u00f6ring<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Dritter Tag Der Ring des Nibelungen, Text vom Komponisten UA: 17. 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