{"id":7332,"date":"2017-10-09T14:36:18","date_gmt":"2017-10-09T13:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7332"},"modified":"2018-01-10T14:38:18","modified_gmt":"2018-01-10T13:38:18","slug":"le-troyens-die-trojaner-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7332","title":{"rendered":"Le Troyens &#8211; Die Trojaner &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz (1803-1869), Grand Opera in 5 Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils \u00c4neis und Shakespeares &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220;, UA der f\u00fcnfaktigen Fassung: 5.-6. Dezember 1890 Karlsruhe<\/p>\n<p>Regie: Calixto Bieito, B\u00fchne: Susanne Gschwender, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor, Extrachor und Chorg\u00e4ste des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Mirko Roschkowski (En\u00e9e), Jochen Kupfer (Chor\u00e8be), Wonyong Kang (Panth\u00e9e), Nicolai Karnolsky (Narbal \/ Hectors Schatten), Alex Kim (Iopas \/ Helenus), Ina Yoshikawa (Ascagne), Roswitha Christina M\u00fcller (Cassandre), Katrin Adel (Didon), Irina Maltseva (Anna \/ H\u00e9cube), <span style=\"text-decoration: line-through;\">NN (Hylas),<\/span> Jens Waldig (Priam), Petro Ostapenko (Soldat \/ Mercure), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Oktober 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/N\u00fcrnberg-Trojaner_16.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7333\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/N\u00fcrnberg-Trojaner_16.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/N\u00fcrnberg-Trojaner_16.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/N\u00fcrnberg-Trojaner_16-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper orientiert sich am bekannten Aeneis-Mythos: Troja f\u00e4llt durch die List der Griechen mit dem Pferd, die Seherin Kassandra mu\u00df dabei tatenlos zusehen. Der Trojaner Aeneas flieht mit seinen Leuten, da die G\u00f6tter ihm den Auftrag gegeben haben, mit Rom ein zweites Troja in Italien zu errichten. Unterwegs landen sie in Karthago, wo sich die dortige K\u00f6nigin Dido unsterblich in Aeneas verliebt. Nach kurzem Liebesgl\u00fcck jedoch verl\u00e4\u00dft Aeneas Dido wieder in Richtung Italien, da ihn Italien ruft. Dido verflucht Aeneas und die Trojaner, dann geht sie in den Freitod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum des B\u00fchnenbildes steht ein zweist\u00f6ckiges Holzger\u00fcst, das von Statisten in langwieriger Handarbeit gedreht und nach lautstarker h\u00e4mmernder Bearbeitung auch geteilt und verschoben werden kann. Das Ger\u00fcst steht sowohl f\u00fcr den K\u00f6nigspalast in Troja als auch f\u00fcr den in Karthago. Vor dem Ger\u00fcst h\u00e4ngt Anfangs eine wei\u00dfe Leinwand, auf die ein Kind mit langem Pinsel ein Pferd zeichnet. Beim Fall Trojas wird es von Kassandra heruntergerissen. Die Trojaner tragen Anfangs Milit\u00e4rkleidung in Flecktarnung zum Patronen-Spreng-Gurt. F\u00fcr den Selbstmord bei\u00dft man hinein, w\u00e4hrend Kassandra blut\u00fcberstr\u00f6mt daneben steht. In Karthago bevorzugt man hingegen wei\u00dfe Bauarbeiter-Staubschutzanz\u00fcge mit Staubschutzmaske. Die Trojaner bringen viele Dollars und Perlenketten mit, was von den Trojanern begeistert angenommen wird: Sie tanzen mit afrikanischen Prunkmasken ein wildes Getrampel. Dido tr\u00e4gt ein langes blaues Kleid, barfu\u00df, mit auftoupierter blonder M\u00e4hne, Schwester Anna eine Designerrobe mit Schuhen. Zuerst begeht Aeneas mit Tabletten Selbstmord, dann tut ihm Dido dies nach.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Ein herausragender schwerer Tenor ist <strong>Mirko Roschkowski<\/strong>. Mit seinem vollmundigen, warmen und samtigen Timbre kratzt er an der Grenze zwischen lyrischen und Heldentenor. Seinem En\u00e9e gibt er Kontur und Verve. <strong>Roswitha Christina M\u00fcller <\/strong>gibt der Cassandre Z\u00fcge zwischen Genie und Wahnsinn, mit viel Kraft gibt sie dieser mit ihrem weichen Mezzo einen vielschichtigen Charakter. Auch den Dialog mit <strong>Jochen Kupfer<\/strong> als Chor\u00e8be gestaltet sie dominant, obwohl er als ausdrucksstarker Haus-Bariton dagegenhalten kann. <strong>Katrin Adel<\/strong> kann sich von Cassandra deutlich abgrenzen. Ihre Didon ist eher ein zerbrechliches Wesen, etwas zur\u00fcckhaltend in der Lautst\u00e4rke. <strong>Nicolai Karnolsky <\/strong>kann mit seinem markigen, fast schwarzen Ba\u00df, seiner stimmigen Tiefe und solider H\u00f6he die Doppelrolle als Hectors Schatten und Narbal s\u00e4ngerisch dominant gestalten. Und das sogar im gleichen Einheits-Kost\u00fcm.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe erweiterte Chor macht seine Sache gut, klingt ausgewogen und sicher in den Eins\u00e4tzen &#8211; auch wenn er des \u00f6fteren als Bewegungschor mi\u00dfbraucht wird. <strong>GMD Marcus Bosch <\/strong>f\u00fchrt den gesamten riesigen Apparat zusammen, Chor und Solisten k\u00f6nnen sich in diesen gewaltigen Klangk\u00f6rper einf\u00fchlsam integriert f\u00fchlen. Er f\u00fchrt die <strong>Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg<\/strong> solide, aber leider stellenweise etwas zu durchschlagsstark, obwohl das Werk von Berlioz viel davon vertr\u00e4gt &#8211; besonders in den monumentalen Zwischenmusiken.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>In N\u00fcrnberg sind die Trojaner musikalisch keine Chefsache: <strong>Marcus Bosch<\/strong> f\u00fchrt feinf\u00fchlig durch die Partitur und bringt dank der Solisten Berlioz zum Klingen und zum Leuchten. Leider konnte er sich hinsichtlich der Strichfassung gegen die Regie nicht durchsetzen: Es fehlen wichtige Szenen wie das Lied des Hylas (die ganze Rolle gestrichen!), in Summe eine ganze Stunde Musik. Daf\u00fcr findet Calixto Bieito gen\u00fcgend Zeit das Holzger\u00fcst mehrfach &#8222;still und leise&#8220; um sich selbst zu drehen. Oder noch ein v\u00f6llig deplaziertes Gedicht von Michel Houellebecq aufzunehmen. Das taktlose Zertrampeln der Jagd-Pantomime, eingebettet in immer sinnlosere, obsz\u00f6ne, nackige oder &#8222;bildgewaltige&#8220; Szenen ohne Bezug zur Handlung f\u00fchrt irgendwann zu g\u00e4hnender Langeweile. St\u00fcrmischer Applaus f\u00fcr die musikalische Seite, heftiges Buh-Gewitter f\u00fcr Regie &#8211; das Publikum fl\u00fcchtet schnell ins Freie &#8211; falls es nicht schon in der Pause gegangen ist.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor, Katrin Adel (Didon), Willkommen in Karthago<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz (1803-1869), Grand Opera in 5 Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils \u00c4neis und Shakespeares &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220;, UA der f\u00fcnfaktigen Fassung: 5.-6. 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