{"id":7329,"date":"2017-10-04T12:40:27","date_gmt":"2017-10-04T11:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7329"},"modified":"2018-01-09T12:44:39","modified_gmt":"2018-01-09T11:44:39","slug":"le-troyens-die-trojaner-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7329","title":{"rendered":"Le Troyens \u2013 Die Trojaner &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz (1803-1869), Grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils <em>Aeneis<\/em> und Shakespeares <em>Der Kaufmann von Venedig<\/em>, UA: 5.-6. Dezember 1890 Karlsruhe Hoftheater (f\u00fcnfaktige Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Lydia Steier, B\u00fchne: Stefan Heyne, Kost\u00fcme: Gianluca Falaschi<\/p>\n<p>Dirigent: John Fiore, Staatskapelle Dresden, S\u00e4chsischer Staatsopernchor und Sinfoniechor Dresden, Extrachor und Kinderchor der S\u00e4chsischen Staatsoper Dresden, Choeinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen und Claudia Sebastian-Bertsch<\/p>\n<p>Solisten: Bryan Register (En\u00e9e), Christoph Pohl (Chor\u00e8be), Ashley Holland (Panth\u00e9e), Evan Hughes (Narbal), Joel Prieto (Iopas), Emily Dorn (Ascagne), Jennifer Holloway (Cassandre), Christa Mayer (Didon), Agnieszka Rehlis (Anna), Simeon Esper (Hylas\/Helenus), Chao Deng (Priam), Jiri Rajnis (Trojanischer Soldat\/Un chef grec), Alexandros Stavrakakis (L\u2019ombre d\u2019Hector\/Mercure), Ute Selig (H\u00e9cube), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Oktober 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen-Troyaner.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7330\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen-Troyaner.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen-Troyaner.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresen-Troyaner-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper orientiert sich am bekannten Aeneis-Mythos: Troja f\u00e4llt durch die List der Griechen mit dem Pferd, die Seherin Kassandra mu\u00df dabei tatenlos zusehen. Der Trojaner Aeneas flieht mit seinen Leuten, da die G\u00f6tter ihm den Auftrag gegeben haben, mit Rom ein zweites Troja in Italien zu errichten. Unterwegs landen sie in Karthago, wo sich die dortige K\u00f6nigin Dido unsterblich in Aeneas verliebt. Nach kurzem Liebesgl\u00fcck verl\u00e4\u00dft Aeneas jedoch Dido wieder in Richtung Italien, da ihn Italien ruft. Dido verflucht Aeneas und die Trojaner, dann geht sie in den Freitod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum des B\u00fchnenbildes steht ein drehbarer turmhoher Aussichtspavillon mit mehreren Etagen, der sich wiederum um eine Wendeltreppe dreht. In einem eingerichteten Raum auf einer oberen Etage befindet sich ein Raum mit gro\u00dfem Sofa, wo es zwischenmenschlich \u00f6fter hart zur Sache geht. Vor den Pavillon kann man einen Zeichnungsprospekt der Semperoper h\u00e4ngen, der mit der Erst\u00fcrmung der Griechen f\u00e4llt. Die Trojaner tragen Gesellschaftskleidung des s\u00e4chsischen Fin de Si\u00e8cle, Soldaten gr\u00fcne Milit\u00e4rkleidung, Priam ist als letzter s\u00e4chsischer K\u00f6nig unterwegs.<\/p>\n<p>Das trojanische Pferd ist das Reiterstandbild K\u00f6nig Johanns vom Theaterplatz vor der Semperoper, allerdings mit den Gesichtsz\u00fcgen des Aeneas. Der Sieg wird gefeiert mit Bratw\u00fcrsten und Bier wie beim Oktoberfest, nur das Fa\u00df wird im falschen Loch angesteckt. Die griechischen Soldaten wirken wie ein \u00dcberfall der roten Soldaten aus dem Nu\u00dfknackerballett, die Numider tragen dunkle wallende Kaftane, rauschende B\u00e4rte und Turbane. Sie werden nach der Gefangennahme hingerichtet und ausgepl\u00fcndert. W\u00e4hrend Troja blaue Fahnen schwenkt, feiert man in Karthago im Zeichen von Hammer und Sichel mit roten Fahnen. Dido begeht Selbstmord auf dem brennenden Reiterstandbildsockel.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es wimmelt auf der B\u00fchne mit bis zu 160 Personen, der gro\u00dfe erweiterte Chor samt Kinderchor wird \u00fcber die gesamt Breite der B\u00fchne mitsamt den beiden Proszeniumslogen aufgestellt. Trotz der gegebenen r\u00e4umlichen Schwierigkeit gelingen die Eins\u00e4tze, und der Chor klingt ausgezeichnet homogen und ausgeglichen. Ein Bravo an Chorleiter <strong>J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/strong>!<\/p>\n<p><strong>John Fiore<\/strong> h\u00e4lt den gesamten Orchesterapparat zusammen, schafft auch die Verbindung zum Orchester, die Solisten bekommen ihre Freir\u00e4ume und sind bestens in diesen gewaltigen Klangk\u00f6rper integriert. Die Staatskapelle zeigt, wie man blechlastige Passagen mit einem erfrischenden Streicherklang zusammenf\u00fchren kann. Das alles ist wahrlich einer Staatsoper w\u00fcrdig. Leider gelingt es <strong>Fiore<\/strong> aber nicht, den Raumklang von Berlioz oder die franz\u00f6sischen Klangeffekte der <em>Grande Opera<\/em> zum Leben zu erwecken. Die musikalischen Welten kommen effektvoll rumpelnd und krachend zur Geltung, bleiben an der Oberfl\u00e4che, dringen nicht in Berlioz Welt ein. Die mitrei\u00dfenden Momente, ja sogar die \u00a0Liebesgeschichte zwischen Dido und Aeneas wirkt nicht \u2013 weder szenisch noch musikalisch. Immerhin lobenswert, da\u00df eine nahezu vollst\u00e4ndige Fassung gespielt wird, nur das Septett im vierten Akt ist gestrichen, die Jagd-Pantomime und das Sklavenballett werden ohne Tanzeinlage auf der B\u00fchne gespielt. Da\u00df der gro\u00dfe Sterbemonolog der Dido ein so gro\u00dfer mitrei\u00dfendes Moment (\u00fcber mehr als 30 Minuten!) wird, ist <strong>Christa Mayer<\/strong> zu verdanken.<\/p>\n<p><strong>Bryan Register<\/strong> kann als En\u00e9e wenig Strahlkraft aufbringen, erreicht auch die hohen T\u00f6ne nicht sauber und kann technisch nicht \u00fcberzeugen. <strong>Joel Prieto<\/strong> gewinnt als eloquenter Lieds\u00e4nger mit der Tenor-Arie des Iopas <em>O blonde Ceres<\/em> h\u00f6chste Aufmerksamkeit, gleiches gelingt auch <strong>Simeon Esper<\/strong> als Hylas mit <em>Vallon Sonore \u2013 klingendes Tal<\/em>. <strong>Jennifer Holloway<\/strong> ist eine durchschlagskr\u00e4ftige Cassandre, die etwas weniger dem Sch\u00f6ngesang verpflichtet ist. Auch die \u00fcbrige S\u00e4ngerbesetzung entspricht dem wichtigen Anspruch einer Staatsoper.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein Kennzeichen der <em>Grande Opera<\/em> ist der gro\u00dfe prunkvolle Aufwand, der getrieben wird. In Dresden stehen 160 Personen auf der B\u00fchne, der Chor ist auf gesch\u00e4tzte 130 S\u00e4nger vergr\u00f6\u00dfert, das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme sind an Phantasie mit Farbenfreude kaum zu \u00fcberbieten. Aber Lydia Steier reduziert die griechische Trag\u00f6die zu einem Trauerspiel, das irgendwie um Krieg und Kriegsgreuel kreist, aber auch um Dresden mit der Semperoper \u2013 und in der Mischung wenig Konkretes entstehen l\u00e4\u00dft. Dazu kommen Geschmacklosigkeiten wie ein Selbstmord mit offen liegenden Eingeweiden, viel spritzendes Blut und eine gen\u00fc\u00dflich zelebrierte Vergewaltigung. Musikalisch ist die Produktion durchwachsen (gro\u00dfer Jubel f\u00fcr Christa Mayer als Dido, Chor und Orchester!) und die Frage, warum Thielemann diese wichtige Produktion nicht selbst \u00fcbernommen hat. Dazu pa\u00dft ein bekanntes Zitat des letzten K\u00f6nigs von Sachsen (Friedrich August III., hier als Priam) bei seiner Abdankung als K\u00f6nig: <em>Macht Euren Dreck doch alleene!<\/em><\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Karl und Monika Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Jennifer Holloway (Cassandre), S\u00e4chsischer Staatsopernchor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz (1803-1869), Grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils Aeneis und Shakespeares Der Kaufmann von Venedig, UA: 5.-6. 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