{"id":7299,"date":"2017-12-03T19:19:25","date_gmt":"2017-12-03T18:19:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7299"},"modified":"2017-12-03T19:19:25","modified_gmt":"2017-12-03T18:19:25","slug":"la-boheme-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7299","title":{"rendered":"La Boh\u00e8me &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Akten, Libretto: Guiseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henri Murgers Roman <em>Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me<\/em>, UA: 1. Februar 1896 Turin, Teatro Regio,<\/p>\n<p>Regie: Claus Guth, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Eva Dessecker, Licht: Fabrice Kebour, Video: Arian Andiel, Dramaturgie: Yvonne Gebauer, Choreographie: Teresa Rotemberg<\/p>\n<p>Dirigent: Gustavo Dudamel, Orchester und Chor und Kinderchor der Op\u00e9ra National de Paris, Ma\u00eetrise de Hauts-de-Seine, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Sonya Yoncheva (Mimi), Aida Garifullina (Musetta), Atalla Ayan (Rodolfo), Artur Ruci\u0144ski (Marcello), Alessio Arduini (Schaunard), Roberto Tagliavini (Colline), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Dezember 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Paris-OB-La-Boheme_152.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7300\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Paris-OB-La-Boheme_152.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Paris-OB-La-Boheme_152.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Paris-OB-La-Boheme_152-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Akt. Vier Freunde feiern in einer K\u00fcnstlerbude feuchtfr\u00f6hlich Weihnachten. Als sie anschlie\u00dfend im Quartier Latin bummeln gehen, bleibt nur Rodolfo zur\u00fcck. Er lernt seine Nachbarin Mim\u00ec kennen, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie ist krank, ihre Hand eiskalt.<\/li>\n<li>Akt. Einige Wochen sp\u00e4ter, als der Freundeskreise sehr animiert im Caf\u00e9 Momus beisammensitzt, entdeckt Marcello seine einstige Freundin, die kokette Musetta, die ein Walzerlied singt. Die alte Liebe flammt wieder auf. Musetta kehrt in Marcellos Arme zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Akt. Einige Wochen sp\u00e4ter, sucht Mim\u00ec bei Marcello nach Rodolfo. Sie belauscht ein Gespr\u00e4ch der beiden, worin Rodolfo erkl\u00e4rt, da\u00df er sich f\u00fcr Mim\u00ecs Krankheit verantwortlich f\u00fchlt. Als er Mim\u00ec entdeckt, schw\u00f6ren beide, zusammen zu bleiben.<\/li>\n<li>Akt. Die vier Freunde feiern fr\u00f6hlich in Rodolfos und Marcellos Bude, und fragen sich, was wohl aus Mim\u00ec und Musetta geworden ist, die sie seit langem verlassen haben. Atemlos tritt Musetta ein und k\u00fcndigt die sterbenskranke Mim\u00ec an. Die jungen M\u00e4nner tun alles, um Mim\u00ec zu helfen. Z\u00e4rtlich bettet Rodolfo sie auf ein Lager, aber sie stirbt in seinen Armen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bei Carl Guth und seinem Team ist die Handlung der Oper ein Traum der verlorenen Jugend in der Erinnerung von vier Astronauten, die in einer defekten Raumstation dem Tod entgegensehen. Durch Video-Spruchb\u00e4nder wird das Publikum am Anfang eines jeden Akts \u00fcber die Lage unterrichtet. Am Anfang ist sie bedenklich, dann bedrohlich, darauf verzweifelt und schlie\u00dflich hoffnungslos. Die Szene ist im ersten Teil das Innere der Raumstation, im zweiten eine Mondlandschaft mit den Tr\u00fcmmern der Raumstation nach einer Bruchlandung. Die Kost\u00fcme: Astronauten-Outfits f\u00fcr die vier Freunde, ein einfaches dreiviertel langes Kleid, rot zuerst, dann wei\u00df im letzten Akt f\u00fcr Mim\u00ec, die wie eine Nachtwandlerin \u00fcber die B\u00fchne geht. Musetta ist dagegen sehr vif und modisch chic mit schwarz-lila Mantel und schwarzem Cocktailkleid, sehr einleuchtend als Femme fatale in ihrem Verf\u00fchrungstanz in der Gold- Rotunde im zweiten Akt. Die \u00fcbrigen Kost\u00fcme sind meist schwarz \u2013 wirkungsvoll gegen den wei\u00dfen Hintergrund der Raumstation \u2013 wie die Orangen jonglierenden Kellner in der Jahrmarkt \u00e4hnlichen Bistroszene, oder der Kinderchor als schwarze Wichtel mit Zipfelm\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonya Yoncheva<\/strong>, die uns erst k\u00fcrzlich als Elisabeth in <em>Don Carlos<\/em> begl\u00fcckt hat, ist hier mit demselben klanglichen Reichtum und sanfter Mezza voce eine bewegende Mim\u00ec, gleich eingangs in <em>Mi chiamano Mim\u00ec<\/em> (1. Akt) und besonders in der Schlu\u00dfszene im zweiten Akt. Ihr gegen\u00fcber Atalla Ayan mit romantischem Tenor und leuchtendem Timbre als Rudolfo. Besonders eindringlich in der Arie <em>Che gelida manina<\/em> und im anschlie\u00dfenden im Duett mit Mim\u00ec <em>O soave fanciulla<\/em> im ersten Akt.<\/p>\n<p><strong>Aida Garifullina<\/strong> singt und spielt ber\u00fcckend mit leichter, beweglicher, hervorragend pr\u00e4ziser Stimmf\u00fchrung die Musetta. Ber\u00fcckend im Verf\u00fchrungsspiel <em>Quando men vo<\/em> in zweiten. Akt. <strong>Artur Ruci\u0144ski<\/strong> singt mit warmem Bariton den Marcello. <strong>Allessio Arduini<\/strong> als Schaunard und <strong>Roberto Tagliavini<\/strong> als Colline vollenden das klangvolle Quartett.<\/p>\n<p>Ein gut einstudiertes Ensemble und Orchester begleiten die Solisten in einer, nicht zuletzt durch Gustavo Dudamels erfahrene Leitung, musikalisch bemerkenswerten Interpretation von Puccinis Oper.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte die Auff\u00fchrung auch Carl Guths Raumfahrt-Delirium nennen, doch der Kontrast zwischen der romantischen Welt der Midinettes der <em>Belle Epoque<\/em> und dem hochgradig technologischen Raumfahrzeitalter ist sogar mit viel Phantasie nicht leicht zu \u00fcberbr\u00fccken. Dennoch kann man der Inszenierung nicht eine gewisse Poesie absprechen. Zum Beispiel, der schwarz gekleidete Mime\/Zauberk\u00fcnstler mit Zylinder im vierten Akt, der beim letzten Totentanz vor einem b\u00fchnenhohen Lametta-Vorhang die Regie f\u00fchrt und schlie\u00dflich jedem das Lebenslicht ausbl\u00e4st. Oder die Gestalt des schwarzen Wichtels mit seinem kurzen M\u00e4ntelchen und dem roten Luftballon in der Mondlandschaft.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise tut diese extravagante, aber nicht aggressive Inszenierung dem Musikgenu\u00df wenig Abbruch. Man lauscht Puccinis Musik, freut sich \u00fcber die sch\u00f6nen Stimmen und l\u00e4\u00dft gleichzeitig den interstellaren Klamauk wie ein Cartoon an sich vorbeiziehen, fast als ob das eine mit dem anderen nichts zu tun h\u00e4tte. Ist das vielleicht die Zukunft der Oper? Ich hoffe doch nicht! Sollte hingegen dem Ganzen eine tiefsch\u00fcrfende Philosophie zu Grunde liegen, so mu\u00df sie wohl ebenso tiefsch\u00fcrfend versteckt sein, denn ich habe sie nicht entdecken k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Das Premierenpublikum hat das Spektakel eher gelassen am\u00fcsiert zur Kenntnis genommen und mit zahlreichen ironischen Zwischenrufen bedacht. Dagegen gab es viel Applaus f\u00fcr die S\u00e4nger und Musiker.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Berndt Uhlig\/Op\u00e9ra National de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Aida Garifullina (Musetta), Artur Rucinski (Marcello) et Sonya Yoncheva (Mim\u00ec)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Akten, Libretto: Guiseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henri Murgers Roman Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me, UA: 1. Februar 1896 Turin, Teatro Regio, Regie: Claus Guth, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Eva Dessecker,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7299\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7300,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,69],"tags":[],"class_list":["post-7299","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-paris-opera-bastille"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7299"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7301,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7299\/revisions\/7301"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7300"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}