{"id":7291,"date":"2017-11-30T20:43:23","date_gmt":"2017-11-30T19:43:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7291"},"modified":"2017-11-30T20:43:23","modified_gmt":"2017-11-30T19:43:23","slug":"mitridate-schwetzingen-winter-in-schwetzingen-theater-heidelberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7291","title":{"rendered":"Mitridate &#8211; Schwetzingen, Winter in Schwetzingen (Theater Heidelberg)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper von Nicola Antonio Porpora (1686-1768), Libretto: Colley Cibber, UA: 24. Januar 1736 London, Covent Garden<\/p>\n<p>Regie: Jacopo Spirei, B\u00fchne: Madeleine Boyd, Kost\u00fcme: Sarah Rolke, Licht: Wolfgang Philipp<\/p>\n<p>Dirigent: Felice Venanzoni, Statisterie des Theaters und Orchesters Heidelberg, Philharmonisches Orchester Heidelberg<\/p>\n<p>Solisten: David DQ Lee (Mitridate), Ray Chenez (Sifare), Yasmin \u00d6zkan (Semandra), Shahar Lavi (Farnace), Katja Stuber (Ismene), Zachary Wilson (Archelao), Seung Kwon Yang (Arcante), Xiangnan Yoo (Oraculo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. November 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Schwetzingen-Mitridate.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7292\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Schwetzingen-Mitridate.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Schwetzingen-Mitridate.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Schwetzingen-Mitridate-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Allj\u00e4hrlich l\u00e4dt das Theater Heidelberg zum Barockfest <em>Winter in Schwetzingen<\/em>, das neben vielen Konzerten auch stets eine Oper zur Auff\u00fchrung bringt. Meistens handelt es sich um unbekannte und selten gespielte Barockoper, die der Besucher ansonsten kaum erleben kann. Seit einigen Jahren widmet man sich den Werken der neapolitanischen Schule des fr\u00fchen 18. Jahrhunderts. So waren u.a. bereits Opern von Alessandro Scarlatti, Tommaso Tra\u00ebtta und Niccol\u00f2 Jommelli zu h\u00f6ren. Nicola Porporas <em>Mitridate<\/em> entstand 1736 in London, wo er die besten S\u00e4nger seiner Zeit zur Verf\u00fcgung hatte. So zieht Porpora nicht zuletzt wegen seines ber\u00fchmten Rivalen Georg Friedrich H\u00e4ndel alle Register, um seine S\u00e4nger zu k\u00fcnstlerischen Glanzleistungen und seine Zuh\u00f6rer zu Begeisterungsst\u00fcrmen hinzurei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Mitridate von Pontos hat es nicht leicht: der Vater von zwei S\u00f6hnen, Farnace und Sifare, hat sich mit der sch\u00f6nen Ismene verlobt, als ihn pl\u00f6tzlich die Zuneigung zur Verlobten seines Sohnes Sifare ergreift. Um Ismene nicht ehelichen zu m\u00fcssen, manipuliert er das Hochzeitsorakel und erkl\u00e4rt die Verbindung f\u00fcr ung\u00fcltig. Der ungl\u00fccklich in Ismene verliebte Farnace wittert seine Chance und macht ihr Avancen. Da er jedoch seinen Vater vom Thron sto\u00dfen will, lehnt sie emp\u00f6rt ab und erz\u00e4hlt Mitridate von der Intrige. Als die Aufst\u00e4nde gegen Mitridate zunehmen, nimmt dieser aus Verzweiflung ein Gift und bekommt in seinen letzten Atemz\u00fcgen mit, dass Sifare die R\u00f6mer vernichtend geschlagen hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Den Zuschauer erwartet ein schlichtes B\u00fchnenbild, das mit wenigen Mitteln auskommt und der Handlung einen w\u00fcrdigen Rahmen verleiht: Schauplatz ist das Atrium einer Ostr\u00f6mischen Villa, in welches ein steinerner Altar wie ein Meteor durchs Dach eingeschlagen hat. Dieser fungiert teils als Altar \u2013 wie z.B. in der Orakelszene zu Beginn \u2013 oder auch als ein mit Rosen bestreutes Ehebett. Im zweiten Teil (die Pause findet in der Mitte des zweiten Aktes statt) ist der Schauplatz ein kriegerischer geworden. Die R\u00fcckwand des Atriums ist herausgesprengt, im Hintergrund sieht man ein k\u00fchles Metallgitter und der Fu\u00dfboden ist mit paarweisen Lederstiefeln ges\u00e4umt. H\u00e4ufiges Requisit bei Akteuren und Statisten sind Maschinengewehre. Als witzige, sinnreiche Pointe \u00fcberreicht der sterbende Mitridate, Inhaber und Tr\u00e4ger des \u201eGoldenen Maschinengewehrs\u201c, selbiges seinem Sohn.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wo im Heidelberger Orchester fr\u00fcher manche Musiker mit historischen Instrumenten hantierten, ist man mittlerweile zu einem traditionellen Klang auf heutigen Instrumenten mit barocker Akzentuierung zur\u00fcckgekehrt. Dies erinnert an barocke Einspielungen der siebziger Jahre, erbringt aber einen weichen und warmen Klang, der v\u00f6llig auf \u00dcberinterpretation und Andersmacherei verzichtet.<\/p>\n<p>Unter der Leitung von <strong>Felice Venanzoni<\/strong> bekommt das Orchester nicht zuletzt dank der guten Akustik des Schwetzinger Theaters einen flexiblen und transparenten Klang, der in sch\u00f6nem Wechselspiel mit den S\u00e4ngern steht. Zuallererst ist die Titelpartie des Mitridate mit <strong>David DQ Lee<\/strong> zu nennen, zweifellos der erfahrenste Countertenor an diesem Abend. Sein Timbre ist rund, geschmeidig und technisch ausgereift. Die Stimme liegt angenehm auf dem Orchester und findet sich in Solo- wie in den zahlreichen Ensemblenummern gut zurecht.<\/p>\n<p><strong>Ray Chenez<\/strong> in der Partie des Sifare hat zwar eine blendende Technik, vor allem was die Beherrschung virtuoser Partien angeht, doch leider tr\u00e4gt seine Stimme herzlich wenig und scheint stark im K\u00f6rper des S\u00e4ngers verhaftet. Als strahlender Held h\u00e4tte man gerade von dieser Partie erhofft, er w\u00fcrde sein Heldentum trompetenhaft von der B\u00fchne herab schmettern anstatt st\u00e4ndig vom Orchester \u00fcbert\u00f6nt zu werden. Die kleinste Partie hatte <strong>Seung Kwon Yang<\/strong> aus dem Heidelberger Opernchor als Arcante. Man h\u00f6rt sofort, da\u00df er als einziger S\u00e4nger dieses Abends in Italien studiert hat. Zwar hat er \u201enur\u201c Rezitative zu deklamieren, diese \u00fcberragen jedoch an rhetorischem Schliff und Pr\u00e4zision alle anderen Partien, da er mit federndem Rhythmus auf alle sanglich-affektieren Elemente verzichtet und erfreulicherweise dem deklamierten Wort seinen urspr\u00fcnglichen Wert zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu erscheint <strong>Shahar Lavi<\/strong> in der Partie des Farnace. Zwar steht der S\u00e4ngerin ein warmes dunkles Timbre zur Verf\u00fcgung, doch leider \u00fcberwiegt hier der reine Klang gegen\u00fcber jeglicher Textverst\u00e4ndlichkeit. Die Interpretation ihrer Partie scheint von einem rein instrumentalen Standpunkt erdacht und erarbeitet zu sein, was leider den Wert ihrer Arien und ausdrucksstarken Accompagnato-Rezitative schm\u00e4lert. <strong>Katja Stuber<\/strong> tritt in ihrer Partie der Ismene leider nur wenig in Erscheinung. Ihre Klagearie meistert sie eindrucksvoll, wenn auch etwas brav, auch springt an zentralen Punkten das Pathos des Affektes nicht immer auf den Zuh\u00f6rer \u00fcber. Die ebenfalls anspruchsvolle Partie der Semandra wird von <strong>Yasmin \u00d6zkan<\/strong> interpretiert. Sie verf\u00fcgt \u00fcber eine solide Koloraturtechnik, die allen Anforderungen gerecht wird. Allerdings ist das Volumen dieser am Anfang ihres K\u00fcnstlerlebens stehenden S\u00e4ngerin streckenweise noch sehr d\u00fcnn und hart. Die in vielen F\u00e4llen von Porpora im Orchester grundierten Affekte finden auf gesanglicher Ebene daher leider nur teilweise Widerhall.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Porporas <em>Mitridate<\/em> ist ein kurzweiliges Werk, in welchem der Komponist durch zahlreiche Accompagnati, den Wechsel zwischen kurzen Arietten und ausgedehnten Arien, mit oder ohne Da Capo-Arien die Handlung in den entsprechenden Augenblicken zu be- und entschleunigen wei\u00df. Der Besucher kann dem ihm v\u00f6llig unbekannten St\u00fcck gut folgen, auch wenn man bei der Konzeption des Programmheftes str\u00e4flicherweise auf eine Auflistung der einzelnen Nummern der S\u00e4nger (Arien und Accompagnati) verzichtet hat und den Opernfreund bei der Orientierung innerhalb des St\u00fcckes im Dunkeln l\u00e4\u00dft. Wenn man in Heidelberg nachhaltig auf professionellem Niveau Interesse an unbekannten Opern vermitteln will, sollte man auch solche Dinge bei k\u00fcnftigen Neuentdeckungen bedenken.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Sebastian B\u00fchler<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Semandra (Yasmin \u00d6zkan), Sifare (Ray Chenez), Mitridate (David DQ Lee)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper von Nicola Antonio Porpora (1686-1768), Libretto: Colley Cibber, UA: 24. 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