{"id":729,"date":"2009-06-15T09:14:33","date_gmt":"2009-06-15T07:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=729"},"modified":"2010-03-21T23:42:10","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:10","slug":"meiningen-sudthuringisches-staatstheater-wozzeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=729","title":{"rendered":"Meiningen, S\u00fcdth\u00fcringisches Staatstheater &#8211; WOZZECK"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg, Oper in 3 Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 14. Dezember 1925, Berlin<br \/>\nRegie: Klaus Rag; B\u00fchnenbild: Bernd Dieter M\u00fcller; Kost\u00fcme: Annette Zepperitz<br \/>\nDirigent: Stefanos Tsialis, Meininger Hofkapelle, Chor, Einstudierung: Sierd Quarr\u00e9<br \/>\nSolisten: Erdem Baydar (Wozzeck), Elizabeth Hagedorn (Marie), Stan Meus (Hauptmann), Dominik Nekel (Doktor), Jacques le Roux (Andres), Hans Georg Priese (Tambourmajor), Maida Kari\u0161ik (Margret), Jannis Biehler (Mariens Knabe)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 12. Juni 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"meiningen-wozzeck.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/meiningen-wozzeck.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"meiningen-wozzeck.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/meiningen-wozzeck.jpg\" \/><\/a>Der arme Soldat Wozzeck k\u00e4mpft sich durch das Leben indem er seinen Hauptmann regelm\u00e4\u00dfig rasiert und einem Arzt als Versuchsobjekt dient. Unverstanden, gehetzt und schikaniert von der Gesellschaft hofft er bei seinem Freund Andres oder seiner Geliebten Marie, welche einen Sohn von ihm hat, Verst\u00e4ndnis zu finden. Aber auch diese schrecken vor den verr\u00fcckten Reden Wozzecks zur\u00fcck. Zu der geistigen Verwirrung paart sich Wut und Eifersucht, nachdem er erfahren mu\u00df, da\u00df sich Marie mit dem stattlichen Tambourmajor eingelassen hat. Bei einem gemeinsamen Abendspaziergang schneidet Wozzeck ihr kaltbl\u00fctig die Kehle durch. Von der Gesellschaft angeekelt und von seiner eigenen Tat verfolgt ertr\u00e4nkt er sich kurze Zeit sp\u00e4ter in einem Teich. Am Ende bleibt nur der das Kind von ihm und Marie zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie B\u00fchne wird durch einen grauen, nach rechts schr\u00e4g ansteigenden Kasten ausgef\u00fcllt. Die R\u00fcckseite besteht aus drei verschiebbaren Wandteilen mit an Schie\u00dfscharten erinnernden Fenstern. Der linke und einzige gerade Teil des Bodens ist mit Sand gef\u00fcllt. Im Verlauf der Oper wird dieser neutrale Raum abwechselnd zu Maries Stube, Kaserne, Zimmer des Doktors, Wald, Stra\u00dfe oder Kneipe umfunktioniert. Dazu dienen vor allem verschiedene Lichtstimmungen und Effekte. So werden zum Beispiel alle Au\u00dfenszenen und die Wirtshausszene im zweiten Akt mit einer Wasserprojektion \u00fcberzogen, wodurch zus\u00e4tzlich die Verwirrtheit Wozzecks unterstrichen wird. Ist zu Beginn der Oper die B\u00fchne hell, grau und kalt, so erscheint beim Abendspaziergang nun ein drohender, roter Mond im Hintergrund, welcher beim Mord zerflie\u00dft und die gesamte B\u00fchne blutig \u00fcberzieht. Die Kost\u00fcme sind der zeitlichen Einordnung der Handlung entsprechen. Die M\u00e4ntel und Jacken sind aus derben Stoffen. Auch hier dominiert grau. Maries Kleid und Mantel setzen sich nur durch eine Verschiebung zu taubenblau von der Allgemeinheit hab. Einzige Ausnahme bildet das Kost\u00fcm Margrets, die Nachbarin Maries. Als Charakter eher lebhaft, vulg\u00e4r und aufreizend, so ist sie auch die Einzige in rot gekleidete Figur.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEs ist grunds\u00e4tzlich schwierig \u00fcber die Musik dieses Werkes zu sprechen, da sie abgesehen von ihrer F\u00e4higkeit die dramatischen Situationen zu durchleuchten und zu verst\u00e4rken, haupts\u00e4chlich aus sogenannten absoluten Formen der reinen Instrumentalmusik, zum Beispiel Fugen, Inventionen, Sonatens\u00e4tzen etc. besteht, welche aber, von Alban Berg gewollt, wenig beim H\u00f6ren erkannt bleiben.<br \/>\nDennoch erreicht die<strong> Meininger Hofkapelle<\/strong> unter der Leitung von<strong> Stefanos Tsialis<\/strong> mit der deutschen Erstauff\u00fchrung der Fassung f\u00fcr kleines Orchester von John Rea ein klar strukturiertes, transparentes Zusammenspiel zwischen S\u00e4ngern und Musikern. <strong>Erdem Baydar<\/strong> interpretiert Wozzeck vor allem als eifers\u00fcchtigen, w\u00fctenden Menschen, doch der geistigkranke M\u00f6rder bleibt darstellerisch flach. Stimmlich hingegen bringt er alles, was man sich von einem Wozzeck erwartet: technische Exaktheit in der schwierigen, zwischen Gesang und gesteigertem Sprechgesang wechselnden Partie, gepaart mit Gef\u00fchl und Ausdruck. Auch <strong>Elizabeth Hagedor<\/strong>n als Marie l\u00e4\u00dft sich sowohl stimmlich als auch schauspielerisch \u2013 im positiven Sinne \u2013 gehen. Ihr kraftvoller Sopran \u00fcberstrahlt das, zwar kleinere, aber dadurch nicht kraftlosere Orchester und wechselt problemlos von h\u00f6chster H\u00f6he in tiefen, naturalistischen Sprechgesang. <strong>Stan Meus<\/strong> (Hauptmann), <strong>Dominik Nekel<\/strong> (Doktor), <strong>Jacques le Roux<\/strong> (Andres), <strong>Hans Georg Priese<\/strong> (Tambourmajor) und <strong>Maida Kari\u0161ik<\/strong> (Margret) pr\u00e4sentieren sich stimmlich von ihren besten Seiten und bilden darstellerisch ein groteskes, ausgelassenes Ensemble.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDer Mensch liebt den Skandal. Auch ein Opernpublikum kann sich dieser Eigenschaft nicht entziehen und so bleibt das Schicksal Wozzecks f\u00fcr immer zum einen ergreifend-traurig und unfa\u00dfbar grauenvoll, zum anderen eine unterhaltsame, in Falle Bergs, kunstvolle Ablenkung vom Alltag. Auch in Meiningen dankt das Publikum dem gro\u00dfartigen Ensemble mit langem und freundlichem Applaus. Doch die letzte Szene mit dem allein zur\u00fcckbleibenden Kind bleibt noch lange nach dem Verlassen des Theaters wie ein dunkler Schatten auf dem Gem\u00fct h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: H. H. Dohmen<br \/>\nDas bild zeigt: Elisabeth Hagedorn (Marie) ist frustriert von dem Verhalten Erdem Baydars (Wozzeck),<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg, Oper in 3 Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 14. 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