{"id":7270,"date":"2017-11-07T20:31:28","date_gmt":"2017-11-07T19:31:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7270"},"modified":"2017-11-07T20:32:35","modified_gmt":"2017-11-07T19:32:35","slug":"die-zauberfloete-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7270","title":{"rendered":"Die Zauberfl\u00f6te &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Singspiel in 2 Akten, Libretto: Emmanuel Schikaneder, U.A.: 30. September 1791 Wien, im Theater Freihaustheater auf der Wieden<\/p>\n<p>Regie: Suzanne Andrade\/Barrie Kosky, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Esther Bialas, Animation: Paul Barrit, Konzeption: Collectif 1927 (Susanne Andrade\/Paul Barritt) und Barrie Kosky, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Licht: Diego Leetz<\/p>\n<p>Dirigent: Kevin John Edusei, Orchester der Komischen Oper Berlin und der Arnold Sch\u00f6nberg Chor.<\/p>\n<p>Solisten: Vera-Lotte B\u00f6cker(Pamina), Tansel Akzeybek (Tamino), Christina Poulitsi (K\u00f6nigin der Nacht), Wenwei Zhang (Sarastro, Sprecher), Dominik K\u00f6niger (Papageno), Martha Eason (Papagena), Johannes Dunz (Monostatos), Nina Bernsteiner (1. Dame), Gemma Coma-Alabert (2. Dame), Nadine Weissmann (3. Dame), Timothy Richards (Erster Geharnischter), Philipp Maierh\u00f6fer (Zweiter Geharnischter), Drei Knaben des T\u00f6lzer Knabenchors<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. November 2017 (Premiere, eine Produktion der Komischen Oper Berlin)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Paris-OC-Zauberfl\u00f6te.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7271\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Paris-OC-Zauberfl\u00f6te.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Paris-OC-Zauberfl\u00f6te.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Paris-OC-Zauberfl\u00f6te-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin der Nacht schickt dem fremden Prinzen Tamino das Bild ihrer Tochter Pamina, in das er sich verliebt. Sie fordert ihn auf, Pamina aus der Gefangenschaft des b\u00f6sen Magiers Sarastro zu befreien, was Tamino verspricht. Er macht sich mit dem Vogelf\u00e4nger Papageno als Begleiter auf den Weg. Tamino findet Pamina, und ihre Liebe zueinander entflammt.<\/p>\n<p>Tamino erkennt bald, da\u00df Sarastro kein b\u00f6ser Geist, sondern ein nobler Weiser ist, der Pamina vor ihrer selbsts\u00fcchtigen Mutter retten will. Um Pamina zu gewinnen, ist Tamino bereit, die Proben auf sich zu nehmen, die Sarastro ihm auferlegt. Sein vorgeschriebenes Schweigen treibt Pamina fast in den Freitod. Papagenos menschliche Schw\u00e4chen lassen ihn die Proben nicht bestehen, aber die G\u00f6tter bescheren ihm dennoch die lang ersehnte Papagena. Die letzten Proben bestehen Tamino und Pamina gemeinsam, bevor sie die Weihen empfangen d\u00fcrfen. Die <em>K\u00f6nigin der Nacht<\/em> macht verschiedene Versuche, ihre Tochter wiederzugewinnen, st\u00fcrzt aber schlie\u00dflich in ewige Nacht hinab.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen treten, durch drehbare \u00d6ffnungen entweder unten oder oben wie auf kleinen Balkonen, vor der b\u00fchnengro\u00dfen \u201eFilmleinwand\u201c auf. Oft sieht man nur deren Kopf oder deren B\u00fcste, w\u00e4hrend der \u00fcbrige K\u00f6rper mit seinen Bewegungen projiziert wird. Das l\u00e4\u00dft fantastische Bilder zu, faszinierend schaurig die <em>K\u00f6nigin der Nacht<\/em> als Riesenspinne oder \u2013 zauberhaft \u2013 die Schmetterlingsschw\u00e4rme bei der Rettung Paminas durch die drei Knaben-Schmetterlinge oder \u2013 voller Fantasie \u2013 die Tiefseefische, die bei der Wasserprobe vorbeiziehen. Auch sonst h\u00fcpfen, flattern oder kriechen eine Unzahl virtueller Gesch\u00f6pfe \u00fcber die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind meist schwarz-wei\u00df gehalten. Smoking und Cocktail- oder Abendkleid f\u00fcr Tamino und Pamina, Sarastro, hoch zu Elefant, und seine Priester in schwarzen M\u00e4nteln mit Vollbart und Zylinder, Monostatos als wei\u00dfer Nosferatu mit schwarzem Teufel Gefolge. Nur Papageno tr\u00e4gt einen beigefarbenen Anzug und seine Papagena ein Glitzerkleidchen, aufputzt wie ein Zirkuspferd. Alle haben wei\u00dfe Gesichter mit stark geschminkten Augen und M\u00fcnder.<\/p>\n<p>Die gesprochenen Dialoge des Singspiels, die nicht-deutschen S\u00e4ngern und Zuh\u00f6rern oft Schwierigkeiten bereiten, sind hier, wieder in Anlehnung an den Stummfilm, durch Mimik mit projizierten Spruchb\u00e4ndern ersetzt, die von Mozartischer Klaviermusik begleitet werden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vera-Lotte B\u00f6cker<\/strong>, eine der vielversprechendsten jungen S\u00e4ngerinnen der deutschen B\u00fchnen, war mit leuchtendem, nuanciertem Sopran eine anr\u00fchrende und begl\u00fcckende Pamina. <strong>Tansel Akzeybeks <\/strong>Stimme wirkte etwas gequetscht; vielleicht war er indisponiert oder auf Kriegsfu\u00df mit der deutschen Sprache, oder beides, jedenfalls wuchs er erst im Laufe des Abends halbwegs in seine Rolle hinein. <strong>Christina Poulitsi<\/strong> beeindruckte als <em>K\u00f6nigin der Nacht<\/em> durch k\u00fchle Dramatik und kristallklares Timbre.<\/p>\n<p><strong>Wenwei Zhang<\/strong>s Ba\u00df ist als Sarastro gediegen und auch in der gro\u00dfen Tiefe noch klangvoll. <strong>Dominik K\u00f6niger<\/strong> spielt und singt den gepeinigten Papageno mit sch\u00f6ntimbrierter Leichtigkeit und sauberer Stimmf\u00fchrung. <strong>Martha Eason<\/strong> ist die kinderreiche Papagena und <strong>Johannes Dunz<\/strong> der d\u00e4monische Monostatos.<\/p>\n<p>Klangvoll erfreulich vollenden die drei Schwatz-Tratsch-Klatsch-Damen und die drei Knaben das Ensemble. Der <strong>Sch\u00f6nberg Chor<\/strong> singt kraftvoll die quasi sakralen Ch\u00f6re der Oper und die <strong>zwei Geharnischten<\/strong> singen Furcht erregend Mozarts Version des strengen Lutherchorals von 1524.<\/p>\n<p><strong>Kevin John Edusei<\/strong> leitet mit Freude und Ernsthaftigkeit Soli, Chor und Orchester.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung ist weitgehend von der k\u00fcnstlerischen Entwicklung der 1920iger Jahre inspiriert, vor allem von Stummfilm, Kabarett, aber auch von den lebendigen Scherenschnitt-Filmen Lotte Reinigers, von Comicstrips, Tarockkarten, Walt Disney Figuren und alten Trickfilmen, ein bi\u00dfchen Arik Brauer, ein bi\u00dfchen Roy Lichtenstein. Kurz, ein vielf\u00e4ltiges Kaleidoskop, das, getragen von raffinierter, genauestens ausgekl\u00fcgelter Video- und Filmtechnologie und bereichert durch Hunderte von witzigen, sich \u00fcberst\u00fcrzenden Einf\u00e4llen, eine verspielte, etwas k\u00fchle und statische, aber heitere Kintopp-mit-Gesang-Auff\u00fchrung ergibt. Man mag nicht mit allem einverstanden sein, aber es ist ohne Zweifel eine der am\u00fcsantesten und einfallsreichsten <em>Zauberfl\u00f6ten<\/em> Inszenierungen der letzten Jahrzehnte und gerade auch f\u00fcr Kinder, denen man die Oper n\u00e4herbringen will, ein reichhaltiges Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die musikalische Darbietung steht der szenischen nicht nach und erfreut durch jugendliche Frische. Der Applaus war stark und einhellig.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: KOB Zauberfloete DRIko Freese drama-berlin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christina Poulitsi (K\u00f6nigin der Nacht), Tansel Akseybek (Tamino)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Singspiel in 2 Akten, Libretto: Emmanuel Schikaneder, U.A.: 30. 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