{"id":727,"date":"2009-06-16T09:17:45","date_gmt":"2009-06-16T07:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=727"},"modified":"2010-05-01T14:54:30","modified_gmt":"2010-05-01T13:54:30","slug":"kassel-staatstheater-lucia-di-lammermoor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=727","title":{"rendered":"LUCIA DI LAMMERMOOR &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Gaetano Donizetti, Dramma tragico in drei Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach dem Roman The Bride of Lammermoor von Sir Walter Scott. UA: 26. Sept. 1835, Neapel, Teatro San Carlo<br \/>\nRegie: Sabine Hartmannshenn, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Susana Mendoza, Dramaturgie: Ursula Benzing<br \/>\nDirigent: Marco Comin, Orchester, Opernchor, Extrachor des Staatstheaters Kassel<br \/>\nSolisten: Geani Brad (Lord Enrico Ashton), Nicole Chevalier (Lucia di Lammermoor, seine Schwester), Erin Caves (Edgardo di Ravenswood), Johannes An (Lord Arturo Bucklaw), Derrick Ballard (Raimondo Bidebent, Geistlicher), Inna Kalinina (Alisa, Vertraute Lucias), Jae-Wan Kim (Normanno, Untergebener Enricos)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 12. Juni 2009 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"kassel-lucia.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kassel-lucia.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"kassel-lucia.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kassel-lucia.jpg\" \/><\/a>Die Adelsh\u00e4user Ravenswood und Ashton sind verfeindet. Um seine Macht zu retten, will Lord Ashton seine Schwester Lucia mit dem reichen Lord Bucklaw verheiraten. Diese aber liebt Edgardo di Ravenswood. Normanno, ein vertrauter Ashtons, berichtet vom Verdacht, da\u00df Lucia den Feind liebt. Edgardo mu\u00df nach Frankreich. Zum Abschied tauscht er mit Lucia Ringe. Mit einem gef\u00e4lschten Brief Edgardos, der seine Untreue bezeugt, \u00fcberredet Enrico Lucia zur Hochzeit mit Bucklaw. Lucia w\u00fcnscht sich den Tod, unterzeichnet aber, dem Bruder zuliebe, den Ehevertrag. Da erscheint Edgardo und fordert seine rechtm\u00e4\u00dfige Braut. Als ihm der unterschriebene Ehevertrag gezeigt wird, verst\u00f6\u00dft er Lucia. Die Hochzeitsfeier wird von Raimondo unterbrochen, der berichtet, Lucia habe Bucklaw im Brautbett ermordet. Sie erscheint, blut\u00fcberstr\u00f6mt und wahnsinnig. Dann bricht sie zusammen. Als Edgardo h\u00f6rt, da\u00df Lucia gestorben sei, folgt er ihr in den Tod.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer vordere Teil der B\u00fchne, auf dem die erste Szene stattfindet, ist vom hinteren Teil mit einem Vorhang aus Plastik-Lamellen getrennt wie man sie in Schwimmb\u00e4dern findet. Wieso das zweite Bild in Lucias Badezimmer spielt, blieb unklar. Im 50er-Jahreschick sind B\u00fchnenbild sowie Kost\u00fcme: braun, ocker und senfgelb dominieren die B\u00fchne.<br \/>\nErstarrt wie eine Puppe wird Lucia nach ihrer Zustimmung zur Hochzeit, in ihr Brautkleid gesteckt.<br \/>\nIm letzten Akt ist das B\u00fchnenbild auf einer Leinwand mehrfach nach hinten projiziert. In Grau- und Gr\u00fcnstufen gehalten ergibt dies einen gruseligen Effekt, als die geistig verwirrte Lucia, nun in dreifacher Ausf\u00fchrung, auf der Hochzeitstafel entlangkrabbelt. Sie h\u00e4lt einen Eimer Blut, aus dem sie sch\u00f6pft und immer wieder ihr Gesicht, das Kleid und schlie\u00dflich die Hochzeitsg\u00e4ste beschmiert. Zum Entsetzen vieler Zuschauer trinkt sie auch daraus.<br \/>\nVon der Reue des Enrico ist in dieser Inszenierung nichts zu sehen. Der Betrunkene tanzt torkelnd mit der entsetzten Alisa um die zusammenbrechende Lucia herum.<br \/>\nHervorgehoben wird in dieser Fassung die Verderbtheit des Raimondo: Er ist nicht nur f\u00fcr den gef\u00e4lschten Brief verantwortlich, sondern zieht im zweiten Bild ein kleines M\u00e4dchen auf seinen Scho\u00df, im dritten ber\u00fchrt er Lucia mehrmals unsittlich. Passend hierzu wirft sie sich im Wahn Raimondo in die Arme, entbl\u00f6\u00dft seinen Oberk\u00f6rper und \u00fcbergie\u00dft ihn mit dem restlichen Blut aus ihrem Eimer, begleitet vom Schlu\u00df der Wahnsinnsarie<br \/>\nEdgardo erscheint mit Benzinkanistern und verteilt deren Inhalt auf der B\u00fchne und zuletzt \u00fcber sich selbst. So will er Lucia in den Tod folgen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMit ihrer fantastischen Stimme und genialen schauspielerischen Leistung vervollkommnet <strong>Nicole Chevalier<\/strong> als Lucia das Drama. Sie singt Donizettis Belcanto so glasklar, sauber und emotionsgeladen, da\u00df man die Augen schlie\u00dfen und sich w\u00fcnschen m\u00f6chte, die ganze Oper sei eine einzige Arie der Lucia. F\u00fcr ihre Darstellung erhielt Chevalier tosenden Applaus. Das Duett <em>Sulla tromba \u2013 auf dem Grab<\/em> verliert an Harmonie, da <strong>Erin Caves<\/strong> (Edgardo) mehrmals die Stimme wegbricht. In der Pause gibt es eine Ank\u00fcndigung und Entschuldigung ob seiner bereits angegriffenen Stimmb\u00e4nder. Da\u00df er trotz seiner Disposition seinen anspruchsvollen Part mit nur wenigen Patzern zu Ende singt, bringt ihm Bravorufe ein.<strong> Derrick Ballard <\/strong>(Raimondo) bekommt f\u00fcr seine Darstellung ebenfalls Bravorufe, sein sanfter Ba\u00df w\u00e4re jedoch f\u00fcr eine positiven Rolle des Raimondo passender. Die Ten\u00f6re<strong> Jae-Wan Kim<\/strong> (Normanno) und <strong>Johannes An<\/strong> (Bucklaw) runden mit dem Bariton <strong>Geani Brad<\/strong> (Ashton) die starke Riege der Solisten positiv ab.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nBuhrufe gab es f\u00fcr Kost\u00fcme, Bild und Inszenierung, da die drei Verantwortlichen jedoch nicht einzeln auf die B\u00fchne kamen, war unklar, wem diese galten. Bedauerlich, da\u00df einige G\u00e4ste bereits in der Pause gingen, sie verpa\u00dften ein wesentlich besseres B\u00fchnenbild, den H\u00f6hepunkt der dramatisch-verst\u00f6renden Inszenierung, welche jedoch vielen Zuschauern zu sehr einem Horrorstreifen \u00e4hnelte, und die geniale Wahnsinnsarie der Lucia, welche allein bereits einen Besuch dieser Oper wert ist.<br \/>\nJanine Schreier<\/p>\n<p>Bild: Dominik Ketz<br \/>\nDas Bild zeigt: Erin Caves (Edgardo), Nicole Chevalier (Lucia di Lammermoor) und Inna Kalinina (Alisa) mit Opernchor und Statisterie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti, Dramma tragico in drei Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach dem Roman The Bride of Lammermoor von Sir Walter Scott. UA: 26. 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