{"id":7261,"date":"2017-10-20T21:00:34","date_gmt":"2017-10-20T20:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7261"},"modified":"2017-10-20T21:00:34","modified_gmt":"2017-10-20T20:00:34","slug":"don-carlos-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7261","title":{"rendered":"Don Carlos &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Guiseppe Verdi (1813-1901), grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten (Fassung 1866), Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich von Schiller <em>Don Karlos<\/em>, UA: 11. M\u00e4rz 1867, Paris, Op\u00e9ra, Salle de la rue Le Peletier.<\/p>\n<p>Regie: Krzysztof Warlikowski, B\u00fchne\/Kost\u00fcme:Ma\u0142gorzata Szcz\u0119\u015bniak, Licht: Felice Ross, Video: Denis Gu\u00e9guin, Choreographie: Claude Bardouil, Dramaturgie: Christian Longchamps.<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Chor und Orchester de l\u2019Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso.<\/p>\n<p>Solisten: Ildar Abdrazakov (Philipp II.), Jonas Kaufmann (Don Carlos), Ludovic T\u00e9zier (Rodrigue), Dmitry Belosselskiy (Der Grossinquisitor), Sonya Yoncheva (\u00c9lisabeth de Valois), El\u012bna Garan\u010da (Die Prinzessin Eboli) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Oktober 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>Don Carlos<\/em> \u2013 Verdis franz\u00f6sische <em>grand op\u00e9ra<\/em>. Weitgehend verschwunden sind die mitrei\u00dfenden s\u00fcdlichen Melodien, zu Ende der <em>Triumpf im Dreivierteltakt<\/em>. Verdis Musik hat d\u00fcstere tragische Z\u00fcge angenommen, ist polyphoner geworden. Die F\u00fchrung der melodischen Linie ist weiterreichend. Berlioz ging so weit zu behaupten: <em>Verdi ist keine Italiener mehr. Er macht Wagner&#8230; <\/em>Verdi hat noch verschiedene italienische Versionen der Oper geschrieben, aber keine scheint ihn ganz zufrieden gestellt zu haben. Trotz alledem hat sich dieses erstaunliche Meisterwerk auf Grund seiner immer aktuellen Thematik und der gro\u00dfartig d\u00fcsteren melodischen Sch\u00f6nheit bis heute erfolgreich auf den internationalen B\u00fchnen gehalten.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Paris-Don-Carlos.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7262\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Paris-Don-Carlos.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Paris-Don-Carlos.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Paris-Don-Carlos-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Kronprinz Don Carlos von Spanien und Elisabeth de Valois von Frankreich, die sich bei ihrem ersten Zusammentreffen ineinander verlieben, sollen heiraten. Doch K\u00f6nig, Philipp II. hat aus Staatsgr\u00fcnden beschlossen, Elisabeth von Valois selbst zu ehelichen. Don Carlos ist untr\u00f6stlich. Sein Jugendfreund Rodrigue r\u00e4t ihm als Gouverneur nach Flandern zu gehen und dort seine Liebe und sein Ungl\u00fcck zu vergessen. Ein Abschiedstreffen mit der K\u00f6nigin vergr\u00f6\u00dfert nur seinen Schmerz.<\/p>\n<p>Als der K\u00f6nig Rodrigue zuf\u00e4llig kennenlernt, ist er beeindruckt von der Offenheit und der Weitsichtigkeit des jungen Granden. Die Hofdame der K\u00f6nigin, Prinzessin Eboli liebt Don Carlos, aber schw\u00f6rt Rache, als sie merkt, da\u00df seine Gef\u00fchle nicht ihr, sondern der K\u00f6nigin gelten.<\/p>\n<p>Anl\u00e4\u00dflich eines Autodaf\u00e9s bittet Don Carlos um Milde f\u00fcr die protestantischen Flamen. Der K\u00f6nig winkt ab: Ketzer m\u00fcssen bestraft werden. Als Don Carlos den Degen zieht, entwaffnet ihn Rodrigue. Der Prinz, der in seinem Freund nun einen Verr\u00e4ter sieht, wird abgef\u00fchrt. Der Gro\u00dfinquisitor verlangt vom K\u00f6nig, da\u00df er Rodrigue an die Inquisition ausliefere, weil er ihn f\u00fcr den eigentlichen Aufwiegler der Flamen h\u00e4lt. Philipp II. wagt nicht zu widersprechen, obwohl Rodrigue der einzige Mensch ist, zu dem er Vertrauen gefa\u00dft hat.<\/p>\n<p>Prinzessin Eboli hat eine Schatulle der K\u00f6nigin dem K\u00f6nig zugespielt, in der er Don Carlos\u2018 Portrait findet. Au\u00dfer sich vor Schmerz und Eifersucht beschuldigt er seine Gemahlin der Untreue, sie beteuert ihre Unschuld und f\u00e4llt in Ohnmacht. Rodrigue und die Prinzessin Eboli st\u00fcrzen herein. Letztere bittet die K\u00f6nigin um Vergebung f\u00fcr die Intrige, die sie aus Eifersucht angezettelt hat. Elisabeth vergibt ihr die Intrige, nicht aber, das Gest\u00e4ndnis, da\u00df sie die Geliebte des K\u00f6nigs sei.<\/p>\n<p>Rodrigue sucht Don Carlos im Gef\u00e4ngnis auf und berichtet, er habe alle kompromittierenden Dokumente zu sich genommen, um seinen Freund zu entlasten. Er best\u00fcrmt ihn nochmals als Gouverneur nach Flandern zu fahren, um das Schicksal der dortigen Bev\u00f6lkerung zu mildern. Noch im Gef\u00e4ngnis wird Rodrigue von einem von der Inquisition gedungenen M\u00f6rder erschossen. Der K\u00f6nig will nun seinem Sohn verzeihen und ihn wieder in seine Rechte einsetzen, aber dieser wirft ihm den Mord an Rodrigue vor. Im Kloster, in das Elisabeth sich zur\u00fcckgezogen hat, verabschiedet sich Don Carlos von ihr, bevor er nach Flandern aufbricht. Der K\u00f6nig \u00fcberrascht sie und \u00fcbergibt w\u00fctend seinen Sohn dem Gro\u00dfinquisitor. Doch bevor man ihn abf\u00fchren kann, f\u00fchrt ihn ein unbekannter M\u00f6nch ins nahe Grabmal Karls V.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Gehaben der k\u00f6niglichen Familie und ihres Hofstaats stehen \u2013 mit Ausnahme der Figur des Rodrigue \u2013 der menschlich-schwachen Darstellung eines Goya n\u00e4her als der hoheitsvoll-unnahbaren eines Velazquez. Das B\u00fchnenbild wird manchmal ver\u00e4ndert. So werden die k\u00f6niglichen spanischen G\u00e4rten zu einer modernen Turnhalle, in der die Hofdamen, alle in wei\u00dfen Fechtanz\u00fcgen sich im Florettfechten \u00fcben. Sonst ist die B\u00fchne karg: wenig M\u00f6bel oder Requisiten in einem gro\u00dfen, holzget\u00e4felten Raum. Gro\u00dfe Gitterk\u00e4fige hinterlassen einen Eindruck der Beklemmung, des Eingesperrtseins. Die Kost\u00fcme sind zeitgen\u00f6ssisch oder zeitlos, die Uniformen von um 1866, die Glitzerabendkleider der Hauptdarstellerinnen farbenpr\u00e4chtig. Eine Galerie von Prunkh\u00fcten in der Szene des h\u00f6fischen Festes. Im Gro\u00dfinquisitor mit Glatze und dunklen Brillen darf man wohl ein Jaruzelski-Trauma des polnischen Regisseurs vermuten<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jonas Kaufmann<\/strong>, der offensichtlich den Vollbesitz seiner Stimme wiedergewonnen hat, singt mit bet\u00f6rendem Timbre den ungl\u00fccklichen Don Carlos, wie in der Romanze <em>Je l\u2019ai vu, et dans son sourire <\/em>gleich im ersten Akt. <strong>Sonya Yoncheva<\/strong> bietet mit vibratoreichem, vollem Sopran eine emotionelle, leidenschaftliche und sinnliche Elisabeth de Valois, strahlend, wenn sie singt <em>Ah! je tremble encor, mais non d\u2019effroy<\/em> im Liebesduett des ersten Akts und ergreifend in der gro\u00dfen Arie der Todessehnsucht <em>Beaux jardins espagnols, \u00e0 l\u2019heure p\u00e2le et sombre<\/em> im letzten Akt.<\/p>\n<p><strong>El\u012bna Garan\u010da<\/strong> spielt \u00fcberzeugend die sch\u00f6ne, verf\u00fchrerische Prinzessin Eboli und singt in den hohen wie in den dunklen tiefen Lagen mit bewundernswert beherrschten Mezzo. Bezaubernd leicht spielt sie mit ihrer Stimme wie auf einem Instrument im<em> Sarazenenlied: Au palais des f\u00e9es, des rois grenadins<\/em> (2. Akt, 2. Bild). Und zeigt gro\u00dfe Gesangskunst in der Arie <em>Ah! Je ne verrai plus la Reine!<\/em> (4. Akt, 1. Bild)<em>. <\/em><\/p>\n<p>Es ist immer ein besonderes Vergn\u00fcgen die gediegene, wohlklingende, von der Textur her warme, sch\u00f6n timbrierte Stimme <strong>Ludovic T\u00e9ziers<\/strong> zu h\u00f6ren. Hier ist er Rodigue sehr eindrucksvoll im Duett mit Don Carlos <em>Carlos C\u2019est mon jour supr\u00eame!<\/em> (4. Akt, 2. Bild). <strong>Ildar Abdrazakov<\/strong> als der eifers\u00fcchtige Philipp II. gro\u00dfartig in der tragischen Arie <em>Elle ne m\u2019aime pas<\/em> (4. Akt, 1. Bild).<\/p>\n<p><strong>Dmitry<\/strong> <strong>Belosselskiy<\/strong> singt mit tiefem orgelndem Ba\u00df den Gro\u00dfinquisitor. Die Diktion der S\u00e4nger war auffallend gut. Mit guten S\u00e4ngern in den Nebenrollen und einem besonders kraftvollen <strong>Chor<\/strong> ist es ein hervorragendes Ensemble! Philippe Jordan h\u00e4lt dieses Ensemble souver\u00e4n zusammen und l\u00e4\u00dft alle Feinheiten der Partitur, vor allem auch in den Holz- and Blechbl\u00e4sern, voll zur Geltung kommen<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>In Krzysztof Warlikowskis Inszenierung mu\u00df man kleine Indizien suchen um zu verstehen, da\u00df er die Handlung ver\u00e4ndert hat. So verraten nur die beiden verbundenen Handgelenke und das trostlose Kost\u00fcm des barf\u00fc\u00dfigen Don Carlos, da\u00df der Anfang der Oper ihr Ende ist. Nicht im Garten von Fontainebleau, sondern als Gefangener im Kloster von St. Yuste erinnert sich Don Carlos, der eben Selbstmord versucht hat, in einem <em>flash-back<\/em> an das erste verliebte Zusammentreffen mit Elisabeth. Ebenso zeigt nur eine kleine Geste mit einer Phiole an, da\u00df sich Elisabeth am Ende der Oper mit Gift den Tod gibt.<\/p>\n<p>Die Inszenierung ist nicht genial, aber vertretbar. Nur die beharrliche Video Besp\u00fclung der ganzen B\u00fchne wirkt \u00fcberfl\u00fcssig und st\u00f6rend. Die musikalische Darbietung dagegen ist von seltener Intensit\u00e4t auf ganz hohem Niveau. Eine sehr denkw\u00fcrdige Auff\u00fchrung. Es gab viel und anhaltenden Applaus.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Agathe Poupeney, OnP<\/p>\n<p>Das Bild zeigt in Akt 3, Bild 2 das <em>Autodaf\u00e9 \u2013 Glaubensgericht, <\/em>li. Jonas Kaufmann (Don Carlos) mit Degen, re. Ildar Abdrazakov (Philipp II.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Guiseppe Verdi (1813-1901), grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten (Fassung 1866), Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich von Schiller Don Karlos, UA: 11. 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