{"id":7258,"date":"2017-10-19T15:14:23","date_gmt":"2017-10-19T14:14:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7258"},"modified":"2017-10-20T15:16:40","modified_gmt":"2017-10-20T14:16:40","slug":"la-traviata-koeln-oper-staatenhaus-saal-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7258","title":{"rendered":"La Traviata &#8211; K\u00f6ln, Oper (Staatenhaus, Saal 2)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig Giuseppe Verdi (1813.-1901)), Melodramma in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach dem Roman bzw. Drama: <em>La dame aux cam\u00e9lias<\/em> (1848, 1852) von Alexandre Dumas d.J., UA: 6. M\u00e4rz 1853 Venedig, Teatro la Fenice<\/p>\n<p>Dirigent: Mathias Foremny, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor der Oper K\u00f6ln, Choreinstudierung: Andrew Ollivant, Choreographie: Athol Framer<\/p>\n<p>Regie: Benjamin Schad, B\u00fchne: Tobias Flemming, Kost\u00fcme; Ingrid Erb, Licht Nicol Hungsberg, Dramaturgie, Tanja Fasching<\/p>\n<p>Solisten: Marine Costa-Jackson (Violetta Val\u00e9ry), David Junghoon Kim (Alfredo Germont), Lucio Gallo (Georgio Germont),<\/p>\n<p>Adriana Bastidas-Gamboa (Flora Bervoix), Judith Thielsen (Annina), Young Woo Kim (Gastone), Insik Choi (Baron Douphol) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Oktober 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/K\u00f6ln-Traviata.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7259\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/K\u00f6ln-Traviata.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/K\u00f6ln-Traviata.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/K\u00f6ln-Traviata-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Fest, das die sch\u00f6ne Kurtisane Violetta Valery f\u00fcr ihre Freunde gibt, lernt Alfredo diese kennen und verliebt sich Hals \u00fcber Kopf in sie. Nach einigem Z\u00f6gern verliebt auch sie sich in ihn und zieht mit ihm in ein Landhaus. Kurze Zeit sp\u00e4ter erf\u00e4hrt Alfredo, da\u00df Violetta ihren ganzen Besitz f\u00fcr ihr gemeinsames Leben ver\u00e4u\u00dfert habe. Sofort eilt er nach Paris, um die Schulden zu \u00fcbernehmen. Sein Vater, Giorgio Germont, kommt in seiner Abwesenheit in das Landhaus und verlangt von Violetta die Trennung von Alfredo. Grund: die finanziellen Mittel zur Verheiratung von Alfredos j\u00fcngerer Schwester reichten nicht aus. Nach anf\u00e4nglicher Zur\u00fcckweisung willigt Valery ein, schreibt Alfredo einen Abschiedsbrief und reist nach Paris. Auf einem Fest ihrer Freundin Flora Bervoix reffen sich Alfredo und Violetta. Er beleidigt sie vor der Festgesellschaft. Der hinzukommende Vater ist emp\u00f6rt und weist seinen Sohn deutlich zurecht. Schlie\u00dflich verschlimmert sich Violettas Krankheit. Sie ist jetzt gl\u00fccklich, da sie durch einen Brief Alfredos erhalten hat, worin sein Vater erkl\u00e4rt, Violetta zur Trennung von ihm veranla\u00dft zu haben. Er will zu ihr zur\u00fcckkehren. Als er in ihr Zimmer tritt, stirbt sie in seinen Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das G\u00fcrzenich Orchester ist links von der B\u00fchne postiert. Ein wei\u00dfer, durchsichtiger Vorhang verschlie\u00dft die B\u00fchne. Vier weitere durchsichtige Vorh\u00e4nge h\u00e4ngen parallel zum vorderen Vorhang. Diese Vorh\u00e4nge teilen die B\u00fchne in Segmenten, die den S\u00e4nger ihren Auftritt wie aus Kulissen erm\u00f6glichen. Die im \u00fcbrigen leere B\u00fchne hat Stufen, die zum Hintergrund ansteigen. Zu Beginn des zweiten Akts, ohne Pause vom ersten getrennt, schweben die vier hinteren Vorh\u00e4nge wie Segel \u00fcber der B\u00fchne. Der Hintergrund besteht aus rechteckigen W\u00e4nden, auf denen wei\u00dfgezackte Linien gezeichnet sind. Sp\u00e4ter werden auf der linken B\u00fchnenseite hellbraune Wandelemente sichtbar. In dem durch die halbrunde Stellung der W\u00e4nde etwas abgeschlossenen Raum h\u00e4ngt an der Decke eine gro\u00dfe Discokugel. Ihre glitzernden Spiegel reflektieren durch Drehung das Licht. In der Mitte liegen umgeworfene Holzst\u00fchle und ein riesiger, fell\u00e4hnlicher Bodenbelag, der als Ruhelager benutzt wird. Die M\u00e4nner tragen schwarze Dinner-Anz\u00fcge, Georgios Germonts Anzug ist wei\u00df. Violetta Kleid war zu Beginn schwarz, wei\u00dfer Hosenanzug im Landhaus, sp\u00e4ter wieder schwarz.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt gegen\u00fcber Verdis Oper <em>La Traviata<\/em> die abf\u00e4llige Bemerkung, sie sei <em>ein Walzer in drei Akten<\/em>. Das kann einmal das Unverst\u00e4ndnis des deutschen Publikums (oder nur der Musikwissenschaftler?) als herabsetzend verstanden werden, kann aber auch \u2013 fa\u00dft man den Walzer als Vergn\u00fcgungssymbol auf \u2013 das Leben der Kurtisane Violetta Val\u00e9ry darstellen.<\/p>\n<p>Was eine Kurtisane betrifft, sollte man sich vergegenw\u00e4rtigen, da\u00df eine solche Person der damaligen Gesellschaft von 1820 in Frankreich, besonders in Paris, heute nicht mehr existiert. Sie mit heutigen Augen etwa als gew\u00f6hnliche Prostituierte zu sehen und mit unseren v\u00f6llig anderen sozialen Vorstellung zu<\/p>\n<p>beurteilen oder sogar abzuurteilen, w\u00e4re zumindest unredlich.<\/p>\n<p>Normalerweise wird der <strong>Dirigent<\/strong> mit Applaus empfangen. Nicht an diesem Abend. <strong>Mathias Foremny<\/strong> nimmt seinen Platz neben der B\u00fchne unbemerkt ein. Die zarten Geigenkl\u00e4nge lenken die Aufmerksamkeit der Zuh\u00f6rer auf das Preludio und seiner makellosen Musik. Die Koordination zwischen S\u00e4nger und dem G\u00fcrzenich Orchester ist im Opernverlauf wenig ausgeglichen, die Dynamik undifferenziert, das Forte auch brutal laut, z.B. beim Er\u00f6ffnungsfest am Opernbeginn. Einzig die Pianostellen sind gut ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Marine Costa-Jackson<\/strong> (Violetta Val\u00e9ry), eine in Philadelphia ausgebildete Amerikanerin, hat einen sehr raumf\u00fcllenden Sopran. Ihre \u00e4u\u00dfere Erscheinung entspricht sicher weitgehend der Vorstellung einer eleganten, sch\u00f6nen Kurtisane.<\/p>\n<p>Das G\u00fcrzenich-Orchester kann sie kaum, nicht einmal mit dem st\u00e4rksten Forte \u00fcbertrumpfen. Auffallend ist, da\u00df sie ihrer Stimme stets ein starkes Vibrato beimischt, was leider manchmal in ein Stimmflattern \u00fcbergeht. H\u00e4ufig kommen in der mittlere Lagen (von e\u2018\u2018 bis g\u2018\u2018) Intonationsschwankungen vor, die sie mit ihrem Vibrato abzumildern versucht. Ihre Dynamik ist nicht immer der Gesangslinie ad\u00e4quat, wahrscheinlich bedingt durch die Saalakustik. Dann gelingen ihr bestimmte Spitzent\u00f6ne wieder sehr lyrisch und sauber. Sogar das mehrmaligen hohe C in der Kabaletta ihrer Arie <em>\u00c8 strano \u2013 es ist seltsam<\/em> trifft sie gut. Das erbringt ihr rauschender Beifall des K\u00f6lner Publikums.<\/p>\n<p>Ihr Partner <strong>David Junghoon Kim<\/strong> (Alfredo Germont) besitzt eine gut fokussierte, tragende Tenorstimme, die er mit dynamisch-lyrischem Ausdruck, einmal als Liebhaber, einmal als w\u00fctender, von Leidenschaft, Eifersucht und Sehnsucht gepr\u00e4gter Mann, darzustellen wei\u00df. Sehr sch\u00f6n gelingt ihm <em>De\u2018 miei bollenti spiriti \u2013 dies jugendliche Feuer meines erhitzten Gem\u00fcts<\/em> zu Beginn des zweiten Akts.<\/p>\n<p><strong>Lucio Gallo<\/strong> (Georgio Germont) harmoniert gut mit den beiden Hauptfiguren. Seine hohe Gestalt in einem vornehmen Anzug und sein wohlt\u00f6nender Bariton zeigen glaubw\u00fcrdig der erforderlichen patriarchalischen Gestalt als Vater. Diese verleiht sowohl seiner Unerbittlichkeit gegen\u00fcber Violetta, als auch seiner robusten Zur\u00fcckweisung des Sohns auf Floras Fest wegen dessen unerh\u00f6rtem Verhalten gegen\u00fcber Violetta eine gro\u00dfe Authentizit\u00e4t. Aber auch er hat ein wenig Schwierigkeiten mit der Tongenauigkeit. Die Nebenrollen sind allesamt dem allgemeinen Niveau des Ensembles entsprechend.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Plazierung des Orchesters neben der B\u00fchne zieht allgemeine Unausgewogenheit in musikalischer Hinsicht nach sich. Der Wassergraben vor der B\u00fchne, ein \u201eEinfall\u201c des Regisseurs <strong>Benjamin Schad<\/strong>? war wohl der Grund dieser Rochade des Orchesters. Die \u00fcberhaupt meist zu wenigen Wochen Vorbereitungszeit f\u00fcr Opern verursachen au\u00dferdem eine unausgewogene Koordination von S\u00e4ngern und Dirigent wie auch eine wenig ausgefeilte Dynamik.<\/p>\n<p>Die Aktionen der S\u00e4nger, z.B. das Kopfhalten der Partnerperson mit beiden H\u00e4nden von Vater Germont (s. Bild), das Anrempeln der eigenen G\u00e4ste gegen Violetta, die K\u00fcsse Vater Germonts auf Violettas Mund zum Schlu\u00df von Akt zwei, sind nicht nur unverst\u00e4ndlich und auch unangebracht. Des Regisseurs krampfhaftes Erzwingen, die traurige Geschichte der Marie Duplessis in unsere Jetztzeit zu verlegen, mi\u00dflingt auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marine Costa-Jackson (Violetta Val\u00e9ry), Lucio Gallo (Georgio Germont)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig Giuseppe Verdi (1813.-1901)), Melodramma in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach dem Roman bzw. Drama: La dame aux cam\u00e9lias (1848, 1852) von Alexandre Dumas d.J., UA: 6. 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