{"id":7254,"date":"2017-10-16T10:02:23","date_gmt":"2017-10-16T09:02:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7254"},"modified":"2017-10-16T10:02:23","modified_gmt":"2017-10-16T09:02:23","slug":"candide-bremen-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7254","title":{"rendered":"Candide &#8211; Bremen, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Operette\/Musical in zwei Akten: Libretto: Hugh Wheeler nach Voltaires <em>Candide<\/em>, Neufassung: John Caird; UA: 1. Dezember 1956 (Erstfassung) New York, Martin Beck Theatre; UA: 13. April 1999 London, Royal National Theatre der Neufassung von John Caird<\/p>\n<p>Regie: Marco \u0160torman, B\u00fchne: Jil Bertermann, Kost\u00fcme: Bettina Werner, Licht: Christian Kemmetm\u00fcller, Choreographie: Alexandra Morales<\/p>\n<p>Dirigent: Christopher Ward, Bremer Philharmoniker, Chor des Theaters Bremen, Einstudierung: Alice Meregaglia<\/p>\n<p>Solisten: Christian-Andreas Engelhardt (Candide), Nerita Pokvytyt\u0117 (Cunegonde), Birger Radde (Maximilian), Paquette (Irina Dziashko), Nathalie Mittelbach (The Old Woman), Moritz L\u00f6we (Voltaire; Sprechrolle), Holger B\u00fclow (Pangloss; Sprechrolle), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Oktober 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bremen-Candide009.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7255\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bremen-Candide009.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bremen-Candide009.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bremen-Candide009-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Candide, ein Bastard des westf\u00e4lischen Barons Thundertentronck, wird von seinem Lehrer Pangloss zum Optimisten erzogen und glaubt, in der besten aller Welten zu leben. Er wird aus dem Schlo\u00df des Barons vertrieben, als er ank\u00fcndigt, die Baronesse Cunegonde heiraten zu wollen. Von nun an widerfahren ihm, Pangloss und Cunegonde eine Reihe wilder Abenteuer. Candide wird Soldat, desertiert und wird brutal bestraft. Er reist mit Pangloss nach Lissabon, wo nach dem gro\u00dfen Erdbeben ein Autodaf\u00e9 stattfindet, bei dem auch Pangloss hingerichtet wird. Candide trifft dort auf Cunegonde, die zugleich die Kurtisane des Gro\u00dfinquisitors und eines reichen j\u00fcdischen Kaufmanns ist. Er t\u00f6tet beide und flieht mit Cunegonde und der alten Frau \u00fcber Spanien nach Amerika, wo sie El Dorado entdecken und sich wieder aus den Augen verlieren. Nach weiteren aberwitzigen Wendungen der Geschichte findet Candide Pangloss und Cunegonde in Europa wieder. Er hat seinen Glauben an den Optimismus verloren und l\u00e4\u00dft sich mit Cunegonde auf einem kleinen St\u00fcck Land nieder.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht im wesentlichen nur aus einem gro\u00dfen, zerlegbaren und verschiebbaren Spiegel, der die gesamte B\u00fchne ausf\u00fcllt. Es sind die h\u00e4ufigen Kost\u00fcmwechsel, mit deren Hilfe die zahlreichen Ortswechsel angedeutet werden. Die Kost\u00fcme der Darsteller sind, wie die Handlung und die Musik dieses zwischen Operette und Musical stehenden Werks, sehr bunt, teilweise schrill. So tritt der Chor der Portugiesen bei dem Autodaf\u00e9 in gl\u00e4nzenden, goldenen Kutten auf, Candide und Cundegonde schl\u00fcpfen vor ihrer Reise in die Neue Welt in Astronautenanz\u00fcge, die alte Frau tritt in einem Kost\u00fcm auf, das gut zum Karneval in Rio passen w\u00fcrde usw. Der Chor singt sowohl auf und hinter der B\u00fchne, als auch in den Proszeniumslogen oder im Zuschauerraum.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christian-Andreas Engelhardt <\/strong>liefert in der Titelrolle eine sehr gute s\u00e4ngerische Leistung ab. Seine wie auch die englische Aussprache der \u00fcbrigen S\u00e4nger ist gut verst\u00e4ndlich. Stellenweise wird seine Stimme im zweiten Akt \u00fcber Mikrophon verst\u00e4rkt oder verfremdet. Als Darsteller ist er ein wenig unbeweglich. <strong>Nathalie Mittelbach <\/strong>(The Old Woman) verf\u00fcgt \u00fcber eine vollt\u00f6nende Mezzosopranstimme und starke B\u00fchnenpr\u00e4senz.<\/p>\n<p><strong>Nerita Pokvytyt\u0117 <\/strong>landet als Cunegonde mit ihrer Parade-Arie <em>Glitter and Be Gay<\/em> \u2013 <em>Funkele und sei heiter<\/em>, deren Ausdruck br\u00fcsk zwischen Euphorie und Selbstzerst\u00f6rung wechselt, einen gesanglichen Volltreffer. Bei dieser Arie handelt es sich neben der Ouvert\u00fcre um die bekannteste Nummer des ganzen St\u00fccks.<\/p>\n<p>Der Orchesterpart ist \u00fcberaus abwechslungsreich instrumentiert. Neben den klassischen Instrumenten kommen ein erweitertes Schlagwerk zum Einsatz und die Musiker haben nicht nur anspruchsvolle Soloparts zu bew\u00e4ltigen, sondern dem Ganzen auch rhythmischen Schwung zu verleihen. Klangliche Strukturen, Orchestration, Ausdruck und Tempo wechseln st\u00e4ndig, abrupt und in schneller Folge. Die <strong>Bremer Philharmoniker<\/strong> unter <strong>Christopher Ward<\/strong> hatten mit dieser Aufgabe keinerlei Probleme. Auch die Eins\u00e4tze des Chores, der kraftvoll und bestimmt auftrat, wie diejenigen der Solisten sa\u00dfen rhythmisch tadellos. Neben den genannten S\u00e4ngern sind die Sprechrollen des Voltaire, gespielt von <strong>Moritz L\u00f6we<\/strong>, und Pangloss, gespielt von <strong>Holger B\u00fclow<\/strong>, tragend f\u00fcr die Handlung. Beide Schauspieler f\u00fcllten ihre Rollen aus und trugen ihre kurzen Gesangsparts gekonnt humoristisch vor.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schwer, die Leistung der Regie, Musiker und Schauspieler angemessen zu beurteilen, ohne kurz auf die dramaturgischen Probleme dieses St\u00fcckes einzugehen. Voltaires Satire mit ihrer z.T. absichtlich absurd gehaltenen Handlung auf die B\u00fchne zu bringen, ist eine enorme Herausforderung, wovon auch die verschiedenen Umarbeitungen dieser Musical-Operette zeugen, die Bernstein hinterlassen hat. Die in Bremen gespielte Fassung strafft den zweiten Akt, der aber in seiner zweiten H\u00e4lfte ohne die Kenntnis von Voltaires Roman <em>Candide<\/em> nicht recht verst\u00e4ndlich ist. Die Handlung zerfasert hier.<\/p>\n<p>Der Buntheit, ja, Buntscheckigkeit des Librettos und Musik steht die Bremer Inszenierung in nichts nach. Herausgekommen ist eine Produktion, die im besten Sinne unterhaltend, spektakul\u00e4r und abwechslungsreich ist. <strong>Marco \u0160torman <\/strong>ist es gelungen, die farbigen, schmissigen Kl\u00e4nge der Partitur ins Visuelle zu \u00fcbertragen und den Darstellern trotz der mitunter hektischen Wechsel der Schaupl\u00e4tze und Gef\u00fchle genug Raum zu geben, um ihre Figuren mit Leben zu f\u00fcllen. Der ironisch-sarkastische Grundton des Romans bleibt allgegenw\u00e4rtig und das \u201aschwere\u2019 Thema des Buches \u2013 die Frage, ob die Welt als solche gut oder schlecht ist \u2013 wird mit einer Operette angemessenen Leichtigkeit pr\u00e4sentiert. Den Zuschauer erwartet eine musikalisch-dramatische Achterbahnfahrt, bei der garantiert keine Langeweile aufkommt.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Birger Radde (Maximilian), Christian-Andreas Engelhardt (Candide), Moritz L\u00f6we(Voltaire; Sprechrolle)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Operette\/Musical in zwei Akten: Libretto: Hugh Wheeler nach Voltaires Candide, Neufassung: John Caird; UA: 1. Dezember 1956 (Erstfassung) New York, Martin Beck Theatre; UA: 13. 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