{"id":7249,"date":"2017-08-26T15:56:27","date_gmt":"2017-08-26T14:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7249"},"modified":"2017-10-14T15:59:01","modified_gmt":"2017-10-14T14:59:01","slug":"bayreuther-festspiele-2017","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7249","title":{"rendered":"Bayreuther Festspiele 2017"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Heda! <\/em><\/strong><strong><em>Heda! Hedo! \u2013 What the Fuck is Wagner<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Uwe Hoppe (1954); Schauspiel in zwei Aufz\u00fcgen, UA: 2017, Bayreuth.<\/p>\n<p>Regie: Uwe Hoppe, B\u00fchne: Michael Bachmann<\/p>\n<p>Solisten: Lukas St\u00fchle (Wilhelm), Anja Kraus (Roswitha), Finn Leible (Caspar), Annette Lauckner (Hedwig), Frank Joseph Maisel (Max), Conny Trapper (Esche)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Juli 2017 im Hoftheater im Steingraeber-Palais<\/p>\n<p><strong><em>Der Theatermacher<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Thomas Bernhard (1931-1989); Kom\u00f6die in einem Aufzug, UA: 1985, Salzburg.<\/p>\n<p>Regie: Carl Philip von Maldeghem, B\u00fchne und Kost\u00fcme : Thomas Pekny<\/p>\n<p>Solisten: Michael Lerchenberg (Bruscon, Theatermacher), Adela Florow (Frau Bruscon), David Zieglmaier (Ferruccio), Carolin Waltsgott (Sarah), Alfred Schedl (Wirt), Josepha Sem (Wirtin), Romina Nowak (Erna)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Juli 2017 (Premiere) in der Luisenburg bei Wunsiedel<\/p>\n<p><strong><em>Parsifal &#8211; Vorspiel und Verwandlungsmusik aus dem I. Aufzug<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), UA: 1882, Bayreuth.<\/p>\n<p>Dirigent: Hartmut Haenchen, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele<\/p>\n<p>Solisten: Claudia Mahnke (Marie), Camilla Nylund (Desdemona), Christa Mayer (Emilia), Stephen Gould (Otello)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Juli 2017<\/p>\n<p><strong><em>Die Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813 &#8211; 1883) in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1868 M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Regie: Barrie Kosky, B\u00fchne: Rebecca Ringst<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Michael Volle (Hans Sachs), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Veit Pogner), Johannes Martin Kr\u00e4nzle (Sixtus Beckmesser), Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing), Daniel Schmutzhard (Fritz Kothner), Daniel Behle (David), Anne Schwanewilms (Eva), Wiebke Lehmhuhl (Magdalene), Georg Zeppenfeld (Nachtw\u00e4chter), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Juli 2017 (Er\u00f6ffnungspremiere)<\/p>\n<p><strong><em>Tannh\u00e4user &#8211; f\u00fcr Kinder<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Fassung von Katharina Wagner und Dorothea Becker.<\/p>\n<p>Regie: Zsofia Gereb, B\u00fchne : Jule Saworski<\/p>\n<p>Dirigent: Boris Sch\u00e4fer, Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Oder)<\/p>\n<p>Solisten: Jukka Rasilainen (Landgraf Hermann), Hans-Georg Priese (Tannh\u00e4user), Kay Stiefermann (Wolfram), Stefan Heibach (Walther), Raimund Nolte (Biterolf), (Heinrich), (Reinmar), Caroline Wenborne (Elisabeth), Stephanie Houtzeel (Venus)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 04. August 2017<\/p>\n<p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), Text vom Komponisten, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882, Bayreuth.<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne : Gisbert J\u00e4kel<\/p>\n<p>Dirigent: Hartmut Haenchen, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Ryan McKinny (Amfortas), Karl-Heinz Lehner (Titurel), Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Andreas Schager (Parsifal), Derek Welton (Klingsor), Elena Pankratova (Kundry), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. August 2017<\/p>\n<p><strong><em>Der Ring des Nibelungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Musik und Text von Richard Wagner, Ein B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend, UA: 1876, Bayreuth<\/p>\n<p>Regie: Frank Castorf, B\u00fchne: Aleksandar Denic und Kost\u00fcme: Adriana Braga Peretzki<\/p>\n<p>Dirigent: Marek Janowski, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Ian Paterson (Rheingold-Wotan), John Lundgren (Walk\u00fcren-Wotan), Thomas J. Mayer (Wanderer), Albert Dohmen (Alberich), Roberto Sacca (Loge), Christopher Ventris (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Camilla Nylund (Sieglinde), Stefan Vinke (Siegfried), Catherine Foster (Br\u00fcnnhilde), Nadine Weissmann (Erda), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. August bis 28. August 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Festspielhaus und damit die Bayreuther Festspiele wurden 1876 mit dem <em>Ring des Nibelungen<\/em> er\u00f6ffnet \u2013 in der <em>abgelegenen Kleinstadt<\/em> (Wagner) Bayreuth, um sich auf das Werk zu konzentrieren. Das wichtigste Werk war das Festspielhaus selbst. Einst gedacht, nach der Vorstellung abgebrannt zu werden, wird es nun generalsaniert. Bisher wurde die Frontfassade saniert. Nach der Festspielzeit 2017 folgt die Nord-, West- und Ostfassade. Neu ist das neue Sicherheitskonzept! Man darf ab zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn nicht mehr direkt vorfahren. Die Zufahrt zum Parkplatz geschieht jetzt \u00fcber eine Nebenstra\u00dfe hinter dem Festspielhauskomplex. Das bef\u00fcrchtete Chaos blieb aus, weil vermutlich immer weniger G\u00e4ste mit dem Auto kommen. Der Taxiplatz ist mitten im Festspielpark. Behinderte m\u00fcssen mit der Polizei verhandeln. Ein privater Sicherheitsdienst bewacht einen Gitterzaun um das Festspielhaus und verhindert so den direkten Umgang um das Haus. Die Kosten f\u00fcr diese sicherheitssteigernde Ma\u00dfnahme mit erheiterndem Moment werden sp\u00e4ter geregelt. Erst einmal werden sie dem Vernehmen nach dem Etat f\u00fcr die n\u00e4chste <em>Ring<\/em>-Konzeption entnommen. Das Geld wird also erst 2020 ben\u00f6tigt. Mal sehen, ob es reicht!<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong><em><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bayreuth-17-Die-Meistersinger.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7250\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bayreuth-17-Die-Meistersinger.png\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bayreuth-17-Die-Meistersinger.png 651w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bayreuth-17-Die-Meistersinger-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><\/a>Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hauptaugenmerk liegt wie jedes Jahr auf dieser Er\u00f6ffnungspremiere am 25. Juli. <strong>Barrie Kosky<\/strong> hat die Regie der Neuinszenierung.<\/p>\n<p>Der erste Akt spielt als lustige Kaffee-L\u00f6ffel-Geklimper-Gesellschaft in der Villa Wahnfried: Franz Liszt und Hermann Levi sind gekommen, Cosima hat laut Text Migr\u00e4ne und Wagner kommt mit seinen Neufundl\u00e4ndern. Man liest die Noten, man beginnt die Meistersinger nachzuspielen: Cosima wird Eva, die Hausdienerin wird deren Amme Magdalene, Vater Liszt der alte, reiche Pogner. Aus dem Fl\u00fcgel steigen Wagner-Doppelg\u00e4nger f\u00fcr Stolzing und David, Wager ist Sachs. Der Beckmesser wird Hermann Levi aufgen\u00f6tigt, zun\u00e4chst als Niete, der die Partitur nicht versteht, den man zu allem zwingen mu\u00df, sp\u00e4ter ist er nur noch eine h\u00e4\u00dfliche Judenkarikatur, auf die man einschl\u00e4gt. Der platte Klamauk endet wenn die Villa Wahnfried verschwindet und der Schwurgerichtssaal der N\u00fcrnberger Prozesse einzieht. Beckmesser mu\u00df w\u00e4hrend seines St\u00e4ndchens einen Judenkopf tragen, nach dem schrecklich zerklopften (mit dem Hammer auf den Leisten und auf Beckmessers Kopf) Finale bl\u00e4st sich eine h\u00e4\u00dfliche Fratze als Judenkarikatur auf.<\/p>\n<p>Der dritte Akt, die Schusterstube und die Festwiese werden zu einem Aussagemarathon von Wagner vor einem imagin\u00e4ren Gerichtshof. Viele Geschichten werden nebenher erz\u00e4hlt, viele Wagner-Doubles tanzen um das Cosima-Portr\u00e4t von Franz von Lenbach. Musikalisch ist <strong>Philippe Jordan<\/strong> der Erf\u00fcllungsgehilfe der Regie. Er bleibt unauff\u00e4llig und ohne H\u00f6hepunkte, aber es funktioniert weitgehend ausgezeichnet, nur die <em>Pr\u00fcgelfuge<\/em> l\u00e4uft leicht auseinander. S\u00e4ngerisch gibt es leider H\u00f6he- und Schwachpunkte. Auf der H\u00f6he der Zeit ist <strong>Michael Volle<\/strong> als Hans Sachs, der Beckmesser des <strong>Johannes M. Kr\u00e4nzle<\/strong> ist stets pointiert und wohlartikulierend. <strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> ist als Walther immer noch der jugendliche Tenor vom Dienst, auch wenn es nicht mehr so elegant vonstatten geht. Da singt <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> den Veit Pogner als alten Mann viel solider. <strong>Anne Schwanewilms<\/strong> als Eva hat ihren Zenit deutlich \u00fcberschritten, den Nachtw\u00e4chter singt <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> verschwenderisch aus dem Graben.<\/p>\n<p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Starkes Interesse gilt der Wiederaufnahme des <em>Parsifal<\/em>. Weniger wegen dem im Sande verlaufenen Diskurs zwischen Islam und Christentum, zwischen Amfortas und Klingsor von Uwe Eric Laufenberg, sondern wegen des letztmaligen Dirigats von <strong>Hartmut Haenchen<\/strong>. Innerhalb der letzten beiden Jahre hat sich ein tiefes Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen dem <em>Parsifal<\/em> und ihm entwickelt. Durch das Studium der Quellen und das best\u00e4ndige Suchen nach dem Originalklang, erreicht er ein Klangbild, das zugleich der religi\u00f6sen Frage als auch der ewigen Frage zwischen Sein und Nichtsein, M\u00e4nnlich und Weiblich sowie Liebe und Ha\u00df nachgeht \u2013 wenn man so will. Er erreicht die romantischste Darstellung einer romantischen Oper: Zur\u00fcckhaltend, aber scheinbar immer auf dem Sprung zum Fortissimo, Furioso oder einfach nur zum leidenschaftlichen Dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Diese romantische Entr\u00fcckung gelingt ihn auch im <strong>Festakt zum 100.Geburtstag von Wieland Wagner<\/strong>. Der <em>Wozzeck<\/em> von Alban Berg klingt nun wie eine sp\u00e4tromantsche Komposition in der Nachfolge von Richard Wagner. Ein <em>Wozzeck<\/em> in der Tradition des Scheiterns des Erik oder Siegfrieds. Auch bei Verdi und dem verzweifelten Scheitern des <em>Otellos<\/em> finden sich romantische, sehr dramatische Parallelen. Es w\u00e4re gut f\u00fcr Bayreuth, wenn Haenchen wiederkommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong><em>Der Ring des Nibelungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Er steht zum letzten Mal in dieser Inszenierung auf dem Spielplan. Es ist auch Zeit sich davon zu verabschieden! Bei dieser \u00a0dekonstruktive Inszenierung sinkt die Nachfrage nach Karten, B\u00fchnenbild und Personenf\u00fchrung hat dem<em> Ring des Nibelungen<\/em> wenig zu tun \u2013 eher mit dem Leben von Frank Castorf und seinem Regieassistenten Patric Seibert<\/p>\n<p>Wirklich bedeutsam sind einige Umbesetzungen. Der erste Wotan <strong>Wolfgang Koch<\/strong> wurde durch <strong>Ian Paterson<\/strong> (<em>Rheingold<\/em>-Wotan), <strong>John Lundgren<\/strong> und <strong>Thomas J. Mayer<\/strong> (Wanderer) ersetzt und keiner kann ihm hinsichtlich Reichweite, Ausdruckskraft und Stimmfarbe das Wasser reichen. Die Rheint\u00f6chter und die Nornen haben sich deutlich verbessert und harmonisiert, der altgediente <strong>Roberto Sacc\u00e0<\/strong> kann den Loge nicht mehr lyrisch kantabel gestalten und die G\u00f6ttinnen k\u00f6nnen eigentlich nur keifen. Positiv zu nennen sind <strong>Markus Eiche<\/strong> als kr\u00e4ftig durchschlagender Donner, <strong>Albert Dohmen<\/strong> als h\u00e4misch drohender Alberich und <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> als Fasolt mit unendlich gro\u00dfem Stimmumfang und viel Volumen. <strong>Christopher Ventris<\/strong> als Siegmund mit viel Strahlkraft in den <em>W\u00e4lse<\/em>-Rufen, nachdem er sich freigesungen hat, <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als verschwenderische Besetzung eines Hunding und <strong>Camilla Nylund<\/strong>, die der Sieglinde mit weichen, warmen T\u00f6nen einen tragischen Charakter gibt. <strong>Stefan Vinke<\/strong> als Siegfried harmoniert mit <strong>Catherine Foster<\/strong> als Br\u00fcnnhilde mit viel Kraft, vollem Volumen, und dramatischer Durchschlagskraft. Das ist Weltklasse! <strong>Marek Janowski<\/strong> hat immer noch Abstimmungsprobleme mit dem Orchester und Solisten. Mit seiner legend\u00e4ren Platteneinspielung aus alten Tagen erreicht er wesentlich mehr. Schade!<\/p>\n<p><strong>Kinderoper<\/strong><\/p>\n<p>Ein Publikumsrenner ist jedes Jahr die Kinderoper, mehrheitlich beliebt bei Jung und Alt. Zum zweiten Mal steht <em>Tannh\u00e4user<\/em> auf dem Spielplan. Faszinierend wie einfach man eine komplexe Handlung um Liebe und Erl\u00f6sung erz\u00e4hlen kann: Liebe ist ein Kinderspiel! Der reduzierten Kinderschar (Heinrich und Reinmar sind nicht dabei) ist es verboten, mit der b\u00f6sen Venus zu \u201espielen\u201c. Als Heinrich bei einem Wettbewerb (der Sieger darf Elisabeth \u201eheiraten\u201c) genau das zugibt, wird er ausgeschlossen \u2013 aber auf F\u00fcrbitte Elisabeths bei den Eltern wieder zugelassen. So einfach kann man f\u00fcr Kinder die komplexe Thematik um Liebe und Eros reduzieren! Die musikalische Strichfassung verzichtet auf Ch\u00f6re und k\u00fcrzt allgemein. <strong>Hans-Georg Priese<\/strong> ist Heldentenor f\u00fcr die kleine B\u00fchne als Tannh\u00e4user. <strong>Kay Stiefermann<\/strong> ist ein lyrisch gl\u00e4nzender Wolfram, <strong>Jukka Rasilainen<\/strong> legt den Landgraf als lieben gro\u00dfen Bruder an und zeigt noch einmal wie \u201eSch\u00f6ngesang im Wagnerfach\u201c aussieht. Das Publikum hat an der zweist\u00fcndigen Vorstellung seine helle Freude, auch daran, da\u00df altgediente S\u00e4nger sich als Kinder darstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Beiprogramm<\/strong><\/p>\n<p>Da der Aufenthalt in Bayreuth durch Wagner nicht mehr allein ersch\u00f6pfend ist, ist es sch\u00f6n, da\u00df es ein kulturelles Beiprogramm gibt. Neben den historischen Geb\u00e4uden \u2013 meist aus der preu\u00dfischen Markgrafenzeit \u2013 sind zwei Angebote zu nennen.<\/p>\n<p>Das Felsentheater der <strong>Luisenburg<\/strong> bei <strong>Wunsiedel<\/strong> ist ein wildromantisches Freilichttheater und in einer dreiviertel Stunde von Bayreuth zu erreichen. 14 Jahre lang war <strong>Michael Lerchenberg<\/strong> der Chef auf der Burg und hat das Theater von einem Familienausflugsziel und einem Lehrer-Sch\u00fcler-Programm-Theater zu einem modernen Sprechtheater mit Musikprogramm geformt. Die technischen Anlagen sind modernisiert, die Nutzgeb\u00e4ude entsprechend ausgebaut. Leider kam es immer wieder zum Streit mit dem Gemeinderat in Wunsiedel, zum Teil \u00fcber Interna. Immer wieder ging es auch ums Geld. Entnervt wirft Lerchenberg fr\u00fcher hin, hinterl\u00e4\u00dft aber ein bestens bestelltes Haus und beweist dies mit dem <strong><em>Theatermacher<\/em><\/strong> von Thomas Bernhard. Der <em>Theatermacher<\/em> ist ein St\u00fcck \u00fcber einen gro\u00dfartigen Schauspieler \u2013 oder, der sich daf\u00fcr h\u00e4lt, und seiner Umwelt gewaltig auf die Nerven geht. Familie, Kollegen, Wirtsleute, Unbeteiligte. Eine Rolle f\u00fcr einen Burgschauspieler. Und das r\u00fcckt die Luisenburg in die N\u00e4he von Salzburg und dem Burgtheater in Wien.<\/p>\n<p>Im <strong>Hoftheater <\/strong>im<strong> Steingraeber-Palais <\/strong>(Studiob\u00fchne Bayreuth) wird das neue St\u00fcck aus der Feder des Autors und Regisseurs <strong>Uwe Hoppe<\/strong> aufgef\u00fchrt: <em>Heda! Heda! Hedo! \u2013 What the Fuck is Wagner<\/em>. Es dreht sich um die Frage, wie man neues Publikum gewinnt, wie man jungen Menschen im medialen Zeitalter das Werk Richard Wagners nahe bringt. Hoppe reflektiert \u00fcber die Geschichte der Bayreuther Festspiele, bringt den Inhalt der Wagneropern im \u00dcberblick, mit vielen Anspielungen auf die aktuelle Situation am Gr\u00fcnen H\u00fcgel. Mit Cosima, Siegfried, Wieland, Wolfgang und Katharina Wagner, bis hin zu dem Geist von G\u00f6tz Friedrich oder Patrice Ch\u00e9reau. Ein lohnender Abend \u2013 nicht nur f\u00fcr Insider!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Welche Erkenntnisse resultieren aus der Festspielsaison 2017? Eine <em>Meistersinger-<\/em>Premiere, die fast alle irgendwie zufriedengestellt hat, die zwanghaft witzig sein soll, aber auch zeigt, wie sch\u00e4big die Juden Hermann Levi bzw. Beckmesser behandelt werden. Eine schreckliche Judenkarikatur wie aus einem Antisemitischen Hetzblatt wird b\u00fchnenf\u00fcllend pr\u00e4sentiert, Sachs bzw. Wagner verteidigt sich im N\u00fcrnberger Schwurgerichtssaal der N\u00fcrnberger Prozesse. Das ist alles perfekt gemacht, handwerkliche Personenf\u00fchrung vom Feinsten, gro\u00dfe Tableaus, die \u00fcberzeugen. Es ist umjubelt \u2013 weil es in der Tradition der Herheim-Inszenierung steht und somit zu den H\u00f6hepunkten des Regietheaters.<\/p>\n<p>Das Regietheater generiert seine Probleme selbst, wenn es die Dominanz \u00fcber die Musik anstrebt. So lie\u00dfen sich beim <em>Parsifal<\/em> drei Dinge nicht realisieren:<\/p>\n<p>Da hinter der Kuppel des Grals keine Ger\u00fcste aufgebaut werden k\u00f6nnen, sind auch keine Stimmen aus der H\u00f6he zu h\u00f6ren. Weil w\u00e4hrend der Verwandlung ein Vorhang niedergeht, um einen Sternenfilm zu projizieren, kann man die Gralsglocken nicht auf der B\u00fchne, sondern nur per Band und Lautsprecher einspielen. Ebensowenig ist die Verwendung eines Kinderchores m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Allgemein scheint die Nachfrage zu sinken, jedenfalls nach bestimmten \u201eunbeliebten\u201c St\u00fccken. Die Premieren werden dennoch bis zu 400 Euro kosten. Damit n\u00e4hert man sich dem Preisniveau Salzburgs.<\/p>\n<p>Die Absicht Wagners, seine Festspiele kostenlos durchzuf\u00fchren, wird ein immer unwirklich werdender Traum.<\/p>\n<p><strong>Aussichten<\/strong><\/p>\n<p>Im kommenden Jahr 2018 wird <strong>Yuval Sharon<\/strong> den <em>Lohengrin<\/em> inszenieren. Und so wartet Bayreuth schon wieder auf einen Erl\u00f6ser, da Anna Netrebko abgesagt hat, bleibt dies an <strong>Anja Harteros<\/strong> und ihrem Lohengrin <strong>Roberto Alagna<\/strong> h\u00e4ngen. Nicht nach sieben Jahre, sondern nach nur einem Jahr Pause hat er den Holl\u00e4nder gemacht, bevor er noch einmal sechsmalig an Land gesp\u00fclt wird. Es w\u00e4re besser gewesen, wenn das Publikum vom pseudowitzigen <em>Holl\u00e4nder<\/em> des Jan Philipp Gloger erl\u00f6st w\u00fcrde, aber im eigentlich <em>Ring<\/em>-losen n\u00e4chsten Jahr ist eine zus\u00e4tzliche Oper notwendig. \u00dcberraschenderweise kommt die <em>Walk\u00fcre<\/em> noch einmal f\u00fcr drei Auff\u00fchrungen auf die B\u00fchne, um Placido Domingo ein Deb\u00fct als Dirigent in Bayreuth zu erm\u00f6glichen. Ob dies eine gute Idee ist, auch hinsichtlich des Aufwandes f\u00fcr eine Wiederaufnahme und der hohen Anforderungen an eine musikalische Einstudierung, wird sich zeigen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: 3. Aufzug: Chor, Solisten Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heda! Heda! Hedo! \u2013 What the Fuck is Wagner von Uwe Hoppe (1954); Schauspiel in zwei Aufz\u00fcgen, UA: 2017, Bayreuth. 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