{"id":7245,"date":"2017-09-02T09:37:12","date_gmt":"2017-09-02T08:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7245"},"modified":"2017-10-16T07:23:44","modified_gmt":"2017-10-16T06:23:44","slug":"salzburger-festspiele-2017","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7245","title":{"rendered":"Salzburger Festspiele 2017"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Lady Macbeth von Mzensk<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), Oper in vier Akten (9 Bilder), Libretto: Arkadi Preiss und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Nikolai Leskow, UA: 22. Januar 1934 Leningrad, Maly Theater.<\/p>\n<p>Regie: Andreas Kriegenburg, B\u00fchne: Harald B. Thor, Kost\u00fcme: Tanja Hofmann<\/p>\n<p>Dirigent: Mariss Jansons, Wiener Philharmoniker, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor<\/p>\n<p>Solisten: Dmitry Ulyanov (Boris Timofejewitsch Ismailow), Maxim Paster (Sinowij Borissowitsch Ismailow), Evgenia Muraveva (Katerina Ismailowa), Brandon Jovanovich (Sergej), Svetlana Chuklinova (Aksinja\/Zwangsarbeiterin), Andrei Popov (Der Sch\u00e4bige), Stanislav Trofimov (Pope), Alexey Shishlyaev (Polizeichef), Ksenia Dudnikova (Sonetka).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. August 2017 (Gro\u00dfes Festspielhaus)<\/p>\n<p><strong><em>Jedermann &#8211; Das Spiel vom Sterben des Reichen Mannes<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), Trag\u00f6die, UA: 1911, Berlin<\/p>\n<p>Inszenierung: Michael Sturminger, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Renate Martin und Andreas Donhauser<\/p>\n<p>Solisten: Peter Lohmeyer (Stimme des Herrn\/Tod\/Der Spielansager), Tobias Moretti (Jedermann), Edith Clever (Jedermanns Mutter), Hanno Koffler (Jedermanns guter Gesell), Sigrid Maria Schn\u00fcckel (Koch), Roland Renner (Armer Nachbar), Fritz Egger (Schuldknecht), Stefanie Reinsperger (Buhlschaft), Christoph Franken (Mammon), Mavie H\u00f6rbiger (Werke) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. August 2017 auf dem Domplatz<\/p>\n<p><strong><em>I Due Foscari<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von G. Verdi (1813-1901) Tragedia lirica in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach <em>The Two Foscari<\/em> (1822) von Lord Byron, UA: 3. November 1844 Teatro Argentina, Rom.<\/p>\n<p>Dirigent: Michele Mariotti, Mozarteumorchester Salzburg, Philharmonia Chor Wien, Einstudierung: Walter Zeh<\/p>\n<p>Solisten: Placido Domingo (Francesco Foscari), Joseph Calleja (Jacopo Foscari), Guanqun Yu (Lucrezia Contarini), Roberto Tagliavini (Jacopo Loredano), Bror Magnus Todenes (Barbarigio), Marvic Monreal (Pisana), Jamez McCorkle (Ratsdiener), Alessandro Abis (Diener des Dogen).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. August 2017 (gro\u00dfes Festspielhaus<\/p>\n<p><strong><em>Ariodante<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel, Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Antonio Salvi, UA: 8. Januar 1735 London<\/p>\n<p>Regie: Christof Loy, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Ursula Renzenbrink, Choreographie: Andreas Heise<\/p>\n<p>Dirigent: Gianluca Capuano, <em>Les Musiciens du Prince &#8211;<\/em> Monaco, Salzburger Bachchor<\/p>\n<p>Solisten: Cecilia Bartoli (Ariodante), Kathryn Lewek (Ginevra), Nathan Berg (K\u00f6nig), Rolando Villazon (Lurcanio), Christophe Dumaux (Polinesso), Sandrine Piau (Dalinda), Kristofer Lundin (Odoardo).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. August 2017 (Haus f\u00fcr Mozart)<\/p>\n<p><strong><em>Lucrezia Borgia<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Melodramma in einem Prolog und zwei Akten, Libretto: Felice Romani nach dem Drama Lucr\u00e8ce Borgia von Victor Hugo, UA: 26. Dezember 1833 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Dirigent: Marco Armiliato, Mozarteumorchester Salzburg, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor<\/p>\n<p>Solisten: Ildar Abdrazakov (Don Alfonso), Krassimira Stoyanova (Lucrezia Borgia), Juan Diego Florez (Gennaro), Teresa Iervolino (Maffio Orsini), Mingjie Lei (Jeppo Liverotto), Ilker Arcay\u00fcrek (Oloferno Vitellozzo) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. August 2017 (konzertant, Gro\u00dfen Festspielhaus<\/p>\n<p><strong><em>Don Quixote <\/em><\/strong>von Richard Strauss (1864-1949), UA: 8.M\u00e4rz 1898, K\u00f6ln und <em>die<strong> Symphonie Nr. 5 e-Moll<\/strong><\/em><\/p>\n<p>von Peter Iljitsch Tschaikowski (1809-1847), UA: 5. November 1888, St. Petersburg<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, West-Eastern Divan Orchestra<\/p>\n<p>Solisten: Miriam Manasherov (Viola), Kian Soltani (Violincello)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. August 2017 im Gro\u00dfen Festspielhaus<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Salzburg steht f\u00fcr Kunst und Kultur mit und ohne Mozart, aber auch f\u00fcr Prominentenrummel und Blitzlichtgewitter. Die Festspielproduktionen bieten ein j\u00e4hrliches stattliches Angebot an Oper, Schauspiel und Konzert. Von den Festspielh\u00e4usern ist es nur ein Schritt zur barocken Altstadt, zu den Wohnungen Mozarts, zur Residenz und Dom. Auf dem Domplatz wird <em>Jedermann<\/em> aufgef\u00fchrt, gleich daneben steht auch die Videoleinwand des Sponsors Siemens, die tagt\u00e4glich Touristen und Festspielg\u00e4ste mit \u00dcbertragungen und Aufzeichnungen erfreuen. Ebenso wenige Schritte entfernt die stets gut gef\u00fcllten, zahlreichen Kaffeeh\u00e4user und Restaurants. Ausfl\u00fcge in die n\u00e4here Umgebung bieten viele M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-LadyMacbeth.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7246\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-LadyMacbeth.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-LadyMacbeth.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-LadyMacbeth-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/strong><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die akustischen Verh\u00e4ltnisse im gro\u00dfen Festspielhaus sind schwierig, schon wegen der \u00fcberbreiten B\u00fchne. In der Produktion der <strong><em>Lady Macbeth von Mzensk<\/em><\/strong> wird sie immerhin in voller Breite genutzt und auch akustisch optimiert.<\/p>\n<p>Man blickt in einen heruntergekommenen, an Kommunismus erinnernden Hinterhof, links und rechts stehen zwei br\u00f6ckelnde Geb\u00e4uderiegel mit absturzgef\u00e4hrdeten, vorgeblendeten Balkonen, nach hinten zu erhebt sich ein marodes, labyrinthartiges, auswegloses Treppenhaus. In die Wohnungen kann man hineinsehen, indem man die Wohnr\u00e4ume herauszieht, Regisseur <strong>Andreas Kriegenburg<\/strong> zeigt die Charaktere mit Mitteln der Satire auf. Links wohnt Katerina Ismailowa mit ihrem Gatten. Rechts befindet sich das Kontor der beiden Kapitalisten Ismailow. Das Polizeirevier ist gleich daneben mit der korrupten Polizei ist nicht wirklich an ihrer Aufgabe interessiert, man strickt und kocht lieber. Erst eine pers\u00f6nliche Herausforderung fordert sie in ihrer ganzen H\u00e4rte heraus. Im Hinterhof treffen sich die jeweiligen Gruppen zur Hochzeitsfeier, zu gewaltsamen Exzessen bis hin zum Finale, wenn ein gro\u00dfer K\u00e4fig das Gefangenenlager in Richtung Sibirien verdeutlicht.<\/p>\n<p>Diese Neuproduktion ist bis in die zahllosen Nebenrollen hinein mit russischen Solisten werkgetreu besetzt. Nina Stemme sang nur die Premiere, <strong>Evgenia Muraveva<\/strong> \u00fcbernahm die Rolle der Katerina Ismailowa und zeigt auf, wie man die tragischen, frivolen und abgrundtief b\u00f6sen Momente mit Verve und Ausdruck gestaltet. Dazu passend ihr Liebhaber Sergej, alias <strong>Brandon Jovanovich<\/strong>, der tenorale Glanzlichter mit viel russischer Durchschlagskraft auch in den hohen Tonlagen verbreitet. Er verf\u00e4llt jedoch der lasziven Sonetka (<strong>Ksenia Dudnikova<\/strong>), die mit spielerisch leichtem Sopran dies erreicht. <strong>Dimitry Ulyanov <\/strong>als Katharina bedr\u00e4ngender Schwiegervater Boris bleibt leider zu bla\u00df und wirkt leider etwas zu leise, w\u00e4hrend sich der devote Gatte (<strong>Maxim Paster<\/strong>) stimmlich als Pantoffelheld hinter dem Schreibtisch verschanzt.<\/p>\n<p>Indessen ist der angeheiterte Pope des <strong>Stanislav Trofimov<\/strong> stimmlich passend besetzt, genauso wie der Polizeichef <strong>Alexey Shishlyaev<\/strong> mit tiefen T\u00f6nen einfach nur bitterb\u00f6se ist. Das Dirigent von <strong>Mariss Jansons<\/strong> pa\u00dft zu dieser tragisch-satirischen Oper perfekt. Er versteht die Feinheiten der Instrumentierung, kann die Untiefen und die H\u00f6hepunkte klar herausstellen: Hier gibt es viele lyrische Momente voll Feingef\u00fchl und weniger polterndes Pathos mit viel Blech. Kongeniale Partner sind die <strong>Wiener Philharmoniker<\/strong>, die dies mit ihrem legend\u00e4ren Tuttiklang, weichen Holzbl\u00e4sern und einf\u00fchlsamen, einheitlich intonierenden Blech umsetzen. Ein hysterisch umjubelter Dirigent, gefeierte Solisten und viel Bravi f\u00fcr Orchester und Chor!<\/p>\n<p>Die Neuinszenierung des <strong>Jedermann<\/strong> durch <strong>Michael Sturminger<\/strong> ist nach dem Ausstieg der bisherigen Regisseure Julian Crouch und Brian Mertes schwierig: Es gilt in wenigen Wochen eine Neuinszenierung zu stemmen. Das St\u00fcck ist ver\u00e4ndert, gek\u00fcrzt und von einem unbestimmbaren Zeitpunkt in die harte Gegenwart verlegt. Die Figuren tragen Kleidung von heute, Hauptdarsteller Tobias Moretti tr\u00e4gt am Anfang einen Morgenmantel und spielt Trompete. Die Spielansage <em>Jetzt habet allesamt Achtung Leut<\/em> hat der Tod alias Peter Lohmeyer. Neu gestaltet wurde auch die Beziehung zwischen Jedermann und seiner Buhlschaft (Stefanie Reinsperger). Ihr rosa Kleidchen ist derart unvorteilhaft, da\u00df es schon an K\u00f6rperverletzung grenzt. Sie ist kein gekauftes Objekt, sondern eine Geliebte: Ein gro\u00dfer theatralischer Moment, wenn die geliebte Buhlschaft angesichts des Todes bedauernd, aber ohne Gewissensbisse die Flucht ergreift. Man hat auch ins Textbuch eingegriffen, viele der holprigen Verse gegl\u00e4ttet, gestrichen und auch inhaltlich andere Bez\u00fcge hergestellt. Der Glaube wird diesmal von einem Mann, Johannes Silberschneider, gespielt &#8211; er k\u00f6nnte auch Gott sein. Die Guten Werke der Mavie H\u00f6rbiger sind schwinds\u00fcchtig oder eine sterbende Drogenabh\u00e4ngige. Diese schauspielerische Leistung rettet die Produktion und f\u00fcr viele Zuschauer den Abend: Szenenapplaus! F\u00fcr die Zukunft bieten sich drei M\u00f6glichkeiten: Ein ganz neues St\u00fcck schreiben lassen, z.B. von Michael Sturmiger, der ein fragw\u00fcrdiges, humorloses und zerrissenes St\u00fcck pr\u00e4sentiert hat. Oder man rekonstruiert es so, wie es noch im letzten Jahr gespielt wurde, oder so wie das Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt 1911 auf den Weg gebracht haben. Oder man gibt Michael Sturmiger Gelegenheit das St\u00fcck im n\u00e4chsten Jahr weiter zu entwickeln. Nach der mit eineinhalb Stunden sehr kurzen Auff\u00fchrung, werden Tobias Moretti, Mavie H\u00f6rbiger und Stefanie Reinsperger gefeiert. Altgediente Festspielg\u00e4ste verlassen grummelnd die Trib\u00fcne.<\/p>\n<p><strong><em>I due Foscari<\/em><\/strong><\/p>\n<p>An Verdis aufw\u00fchlender Musik kann es nicht liegen, da\u00df <em>diese Oper <\/em>kaum gespielt wird. Es gibt kaum \u00e4u\u00dfere Handlungsmomente, kein gl\u00fcckliches Ende, aber daf\u00fcr ist der Streit musikalisch sehr pr\u00e4gnant umgesetzt. Vielleicht liegt die Zukunft des Werkes in konzertanten Auff\u00fchrungen, denn auf diese Weise hat die Oper es in die Salzburger Festspiele geschafft. Das Salzburger Mozarteum Orchester setzt sie leuchtend und strahlend unter dem zupackenden Dirigat von <strong>Michele Mariotti <\/strong>um. Er befeuert die italienische Liebesglut f\u00fcr Verdi und f\u00fchrt auch Chor und Solisten zu einer feurigen Darstellung von Emotionen. F\u00fcr diese emotionalen Darstellungen sind prim\u00e4r die vier Hauptdarsteller zust\u00e4ndig. Zuerst zu nennen <strong>Guanqun Yu<\/strong>, die die verzweifelte Lucrezia als Ehefrau und Mutter mit durchschlagskr\u00e4ftigem leuchtenden Sopran und Selbstbewu\u00dftsein auszeichnet. In der Rolle des ebenso leidenschaftlichen Jacopo Foscari \u00fcberzeugt <strong>Joseph Calleja<\/strong> mit herrlich farbenreicher Mittellage und leuchtenden, selten unsicheren tenoralen H\u00f6hen. <strong>Roberto Tagliavini<\/strong> ist mit profunder Tiefe der B\u00f6sewicht Jacopo Loredano. Vor 42 Jahren deb\u00fctierte Domingo in Salzburg in <em>Don Carlos<\/em> unter Karajan. Damals ein Tenor, firmiert er seit einiger Zeit als Bariton. Zwar ist ein Tenor quasi ein Bariton mit gro\u00dfer H\u00f6he, aber ein Bariton kein Tenor ohne H\u00f6he. Mit gro\u00dfer Kraft gelingen <strong>Placido Domingo<\/strong> als Francesco Foscari durchaus noch tenorale Lagen, aber die Phrasierungen und die Technik schwindet, besonders bei komplexeren St\u00fccken. Domingo ist und bleibt ein Liebling des Publikums, sein Auftritt ist ein Ereignis, besonders in Salzburg.<\/p>\n<p><strong><em>Ariodante<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Cecilia Bartoli<\/strong> leitet seit 2012 die <em>Salzburger Pfingstfestspiele<\/em> und hat dieses Jahr diese H\u00e4ndeloper herausgebracht. Diese Produktion wurde von den <em>Salzburger Festspielen<\/em> \u00fcbernommen. Der helle karge barockisierende Wohnraum, dessen Seitenw\u00e4nde sich nach hinten zu verj\u00fcngen und dessen R\u00fcckwand teilbar ist, kommt mit nur einem Sofa als Requisit aus. <strong>Christoph Loy<\/strong> nutzt diese Spielfl\u00e4che, um die Personen dieser Ritterdichtung und ihre Schicksale, den Liebestaumel und Schmerz, den Wahn und die Rache und all die anderen Gef\u00fchlslagen zu zeigen. Die Kost\u00fcme verweisen auf die Barockzeit, <strong>Cecilia Bartoli<\/strong> tritt in der Hosenrolle des Ritters Ariodante zun\u00e4chst in R\u00fcstung mit Schwert auf, um dann \u00fcber die Zwischenstufe eines schwarzen Kleides den Bart zu verlieren und rollenfreie weibliche Ausstrahlung zu zeigen. Sie ist eine eigene Klasse, sie arbeitet mit einer Art forciertem Tremolo, was die Stimme zwar in Schwingungen versetzt, aber es gelingen ihr, die Koloraturen und Lautst\u00e4rkeabstufungen einwandfrei und auch gestalterisch in Nuancen und charakterliche Farbschattierungen wiederzugeben.<\/p>\n<p><strong>Kathryn Lewek<\/strong> ist der Bartoli ebenb\u00fcrtige Koloratursopran als Ginevra, denn ihr Crescendo und Decrescendo bis in h\u00f6chste H\u00f6hen ist einfach gro\u00dfartig. <strong>Sandrine Piau<\/strong> ist eine naive Dalinda mit dunklem, aber klarem Sopran. Der Countertenor <strong>Christophe Dumaux<\/strong> als Polinesso h\u00e4lt sich etwas zur\u00fcck, kann aber auch in der Sopranlage mit unbeschwerten Koloraturen punkten. <strong>Rolando Villaz\u00f2n<\/strong> ist als Lurcanio eine Neubesetzung. Seit der <em>Traviata<\/em> 2005 mit Anna Netrebko liebt ihn die Salzburger Opernwelt. Sein Humor, sein schauspielerisches Talent, seine Darstellung eines gescheiterten Verliebten \u00fcberdeckt alles, da\u00df das Forte nur noch mit Kraft zu erreichen ist und die Stimme in der H\u00f6he immer kehliger klingt. Nur noch mit gro\u00dfer Anstrengung kann er Koloraturen singen. Besonders erfreulich ist, da\u00df die Ballettst\u00fccke nicht gestrichen sind, sondern durch eine <strong>Tanzgruppe<\/strong> als pseudo-barockes Ballett aufgef\u00fchrt werden. Die furiose Handlung wird von dem Barock-Ensemble <strong><em>Les Musiciens du Prince<\/em><\/strong> unter der fachkundigen Leitung von <strong>Gianluca Capuano<\/strong> untermalt.<\/p>\n<p><strong><em>Lucrezia Borgia<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auch diese Oper wird zumeist konzertant aufgef\u00fchrt. So auch im Salzburger Festspielsommer mit einer herausragenden Besetzung. <strong>Juan Diego Fl\u00f3rez<\/strong> ist im Belcanto die derzeitige Referenz \u2013 der verzweifelte Gennaro hat genau diese Rolle. Fl\u00f3rez\u2018 gro\u00dfe Leucht- und Strahlkraft ist noch breiter geworden, die Sicherheit, mit der auch h\u00f6chste tenorale H\u00f6hen erreicht werden, ist un\u00fcbertrefflich. Die gro\u00dfe Gennaro-Arie wird daher zu einem zentralen Punkt der Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>Krassimira Stoyanova<\/strong> nutzt die Lucrezia zu einer gesangstechnischen Lehrstunde f\u00fcr das Publikum. Eine mitrei\u00dfende Gratwanderung zwischen Giftmischerin und z\u00e4rtlich-mitf\u00fchlender Mutter. Das Resultat ist Erbarmen und Verunsicherung. <strong>Ildar Abdrazakov<\/strong> gebietet \u00fcber einen volumenstarken Ba\u00df. Die Koloraturen gelingen, aber etwas mehr d\u00e4monische Ausdruckskraft f\u00fcr Alfonso w\u00e4re sch\u00f6n. In der Hosenrolle des Orsini ist der Mezzo der <strong>Teresa Iervolino<\/strong> gut aufgehoben. Es klingt nach einem gealterten Cherubino, aber verbittert und griesgr\u00e4mig. Ihr Schwerpunkt liegt im versierten Belcanto, sie kann aber auch dramatische Sopranausbr\u00fcche beisteuern. Der Dirigent <strong>Marco Armiliato<\/strong> kommt trotz Salzburger Mozarteumorchester \u00fcber ein solides Begleiten im Hintergrund nicht hinaus.<\/p>\n<p><strong>Konzertveranstaltungen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die <em>Salzburger Festspiele<\/em> sind die Konzerte namhafter Orchester immer von besonderer Bedeutung. Ein besonderer H\u00f6hepunkt ist der Auftritt von Daniel Barenboim mit dem <strong>West-Eastern Divan Orchestra<\/strong>. In der <strong>F\u00fcnften Symphonie<\/strong> von <strong>Peter Tschaikowsky <\/strong>zeigt das Orchester gro\u00dfartig den j\u00e4hen Wechseln zwischen den zarten, lyrischen Stellen, der fragilen Wehmut und den extremen Temperamentsausbr\u00fcchen Im Gegensatz dazu steht der <strong><em>Don-Quixote<\/em><\/strong> von <strong>Richard Strauss<\/strong>. Barenboim musiziert die verschiedenen Variationen anschaulich, die jungen Musiker spielen sie mit Verve. Im zweiten Konzert sa\u00df <strong>Martha Argerich<\/strong> als Gastsolistin am Klavier, die Solotrompete war mit <strong>Bassam Mussad<\/strong> besetzt. Da\u00df die jahrelange Zusammenarbeit mit Barenboim ein kongeniales Zusammenspiel hervorgebracht hat, wird mit dem Konzert f\u00fcr Klavier, Trompete und Streichorchester mehr als deutlich. Den anspruchsvollen Klavierpart hatte Schostakowitsch bei der Urauff\u00fchrung f\u00fcr sich selbst vorgesehen. Martha Argerich hatte keine Schwierigkeit. Die ganze F\u00fclle des musikalischen Repertoires wird besonders ausgepr\u00e4gt im langsamen zweiten Satz. Mit <em>lento<\/em> ist der Walzer \u00fcbergeschrieben, mit dem an Ravel erinnert wird, vielleicht aber auch auf Beethoven. Gro\u00dfer Jubel f\u00fcr diese denkw\u00fcrdigen Konzerte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Salzburg bietet seinen Besuchern viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Oper, Schauspiel oder Konzerte \u2013 live an vielen Spielorten, per \u00dcbertragung oder aus der Konserve. Mittlerweile werden ausgew\u00e4hlte St\u00fccke im Folgejahr wieder aufgenommen. Falls die gro\u00dfen Namen wie Netrebko oder Domingo dabei sind, kann man das Pech haben, keine Karten zu bekommen. Zwar ist Schostakowitschs L<em>ady Macbeth von Mzensk<\/em> kein Publikumsliebling. Sie gilt 2017als <em>beste Produktion<\/em>! Die <em>Aida<\/em> mit Netrebko ist vollst\u00e4ndig ausgebucht: Dank Netrebko gro\u00dfe Nachfrage, aber szenisch entt\u00e4uschend. Doch wer keine Karte bekam, konnte es auf der Gro\u00dfleinwand oder dem Fernsehen verfolgen. Die Qualit\u00e4t der \u00dcbertragung h\u00e4ngt dabei stets von Lautsprecher oder Soundsystem ab. Aber auch gro\u00dfe Namen sind keine Garantie mehr f\u00fcr ein Ausverkauft! Gerade im konzertanten Bereich kann man noch (allerdings teure) Karten an der Abendkasse erhalten. Gespannt erwartet man nun den Spielplan im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Salzburger Festspiele \/ Thomas Aurin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lady Macbeth von Mzensk 2017: Nina Stemme (Katerina Lwowna Ismailowa)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Young Singers Project YSP Abschlu\u00dfkonzert Mozarteum Orchester<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. August 2017 (Mozarteum \u2013 Gro\u00dfer Saal)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-Konzert.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7247\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-Konzert.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-Konzert.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Salzburg-Konzert-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Allj\u00e4hrlich findet im Rahmen der Salzburger Festspiele das <strong>Young Singers Project<\/strong> (YSP) statt. Sein Ziel ist es, jungen Talenten neben einer musikalischen Weiterbildung und szenischem Unterricht auch die M\u00f6glichkeit zu geben, Proben zu besuchen und mit den K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen der Salzburger Festspiele zu arbeiten. Oder in Opernproduktionen in Nebenrollen eingesetzt zu werden oder an Meisterklassen (z.B. von Christa Ludwig) teilzunehmen. Der musikalische Leiter des YSP ist <strong>Adrian Kelly<\/strong>, der auch das Abschlu\u00dfkonzert mit dem Mozarteumorchester Salzburg an diesem Abend dirigierte. Der Vortrag der S\u00e4nger beginnt sodann mit Terzetten von Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso aus \u00a0<strong><em>Cos\u00ec fan tutte<\/em><\/strong> , und zwar mit <em>La mia Dorabella capace non \u00e8 \u2013 \u00c8 la fede delle femmine \u2013 Una bella serenata<\/em>. Der italienische Ba\u00df <strong>Alessandro Abis<\/strong> ist in der Rolle des Don Alfonso zu erleben. Abis singt den Alfonso bei starker Mimik und Ausdruckskraft mit einem gut intonierenden und flexiblen Ba\u00df. Er wird damit zum Zentrum der Terzette. Sp\u00e4ter singt er noch die Kavatine des Don Magnifico aus <em>La Cenerentola<\/em> <em>Miei rampolli femmini<\/em> mit ebenso gro\u00dfer Ausdruckskraft und hoher Empathie sowie treffender Mimik. Der S\u00e4nger verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe Musikalit\u00e4t. Der polnische Tenor <strong>Maciej Kwasnikowski<\/strong> verk\u00f6rpert den Ferrando. Er l\u00e4\u00dft als Ferrando einen durchschlagskr\u00e4ftigen Tenor mit stabiler H\u00f6he erklingen. Sp\u00e4ter kann er noch mehr gl\u00e4nzen mit der Arie des Don Ottavio <em>Il mio tesoro intanto<\/em>. Hier kann man auch eine leichte dramatische Ausrichtung seines kraftvoll intonierenden Tenors erkennen. Guglielmo schlie\u00dflich wird vom russischen Bariton <strong>Ilya Kutyukin<\/strong> gesungen. Er l\u00e4\u00dft als Guglielmo einen nicht allzu gro\u00dfen Bariton h\u00f6ren. Bei der sp\u00e4ter gesungenen Arie des Robert aus Jolanthe wird auch das begrenzte stimmliche Volumen offenbar, sowie eine etwas fahle H\u00f6he. Sodann singt die polnisch-deutsche Sopranistin <strong>Alina Adamski<\/strong> Rezitativ und Arie der Giunia aus Lucio Silla <em>In un istante oh come s\u00b4accrebbe il mio timor! \u2013 Parto, m\u00b4affretto<\/em>. Adamski verf\u00fcgt \u00fcber einen leicht abgedunkelten, deshalb in der Mittellage sehr charaktervoll klingenden Sopran, den sie ausgezeichnet f\u00fchrt. Sie l\u00e4\u00dft in dieser Arie aber auch gute Koloraturen sowie eine kraftvolle Attacke erkennen und setzt viele dramatische Akzente, was ihr starker Applaus einbringt. Sp\u00e4ter wird sie einen starken Orlofsky im Finale des zweiten Akts verk\u00f6rpern. Sie hat das Talent zu einer echten S\u00e4ngerdarstellerin. Es folgt der ausgezeichnete russische Ba\u00df <strong>Gleb Peryazev<\/strong> mit der Arie des Basilio <em>La calunnia \u00e8 un venticello<\/em>. Peryazev singt die Arie mit einem kraftvollen und profunden Ba\u00df, den er auch sehr beweglich f\u00fchrt. Es besticht ferner durch gute und lang gehaltene H\u00f6hen sowie allgemein gro\u00dfe s\u00e4ngerische und darstellerische Souver\u00e4nit\u00e4t. Die \u00f6sterreichische Sopranistin <strong>Anita Rosati<\/strong> singt darauf die Arie der Zerlina <em>Vedrai, carino<\/em> aus Don Giovanni. Rosati hat einen wohlklingenden, warmen lyrischen Sopran und dr\u00fcckt sowohl darstellerisch wie stimmlich viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen f\u00fcr die N\u00f6te Masettos aus. Als Adele im sp\u00e4teren Quartett aus dem Finale des 2. Akts aus Die Fledermaus l\u00e4\u00dft sie auch kr\u00e4ftigere T\u00f6ne h\u00f6ren. <strong>Richard Walshe<\/strong> singt sodann die Arie des Leporello <em>Madamina, il catalogo \u00e8 questo<\/em> aus Don Giovanni. Walshe singt die Registerarie sowohl mit beeindruckender Attacke als auch mit gutem Legato bei exzellenter Diktion und Mimik &#8211; sowie sehr guter Technik. Sein Ba\u00dfbariton hat eine gute Resonanz. Der britische Bariton <strong>Huw Montague Rendall<\/strong> singt sodann Rezitativ und Arie des Conte Almaviva <em>Hai gi\u00e0 vinta la causa! \u2013 Vedr\u00f2 mentre io sospiro<\/em> aus Le nozze di Figaro. Er singt die Arie mit einem klangvollen Bariton mit gro\u00dfer Ausdruckskraft und guter H\u00f6he. Nach der Pause folgt die russische Mezzosopranistin <strong>Vasilisa Berzhanskaya<\/strong> mit der Arie des Ariodante <em>Tu, preparati a morire <\/em>aus Ariodante. Ihr kraftvoller Mezzo besticht durch eine klangvolle Mittellage und sie singt die Arie des Ariodante sowohl mit kr\u00e4ftiger H\u00f6he als auch beeindruckender Tiefe und l\u00e4\u00dft dabei sch\u00f6ne Piani h\u00f6ren. Die britische Sopranistin <strong>Carrie-Ann Williams<\/strong> singt nun das Arioso <em>Otchego eto prezhde ne znala<\/em> aus Jolanthe. Williams interpretiert das Arioso mit einem klangvollen, dunkel gef\u00e4rbten Sopran. Sie hat eine kr\u00e4ftige Stimme mit guter H\u00f6he. Die maltesische Mezzosopranistin <strong>Marvic Monreal<\/strong> singt sodann die Szene der Olga <em>Ah, Tanja, Tanja!<\/em> Aus Eugen Onegin. Sie verf\u00fcgt \u00fcber einen vollen Mezzo, den sie mit der Szene der Olga kraft- und ausdrucksvoll vortr\u00e4gt. Der aus New Orleans stammende <strong>Jamez McCorkle<\/strong> singt danach die Blumenarie des Don Jos\u00e9 <em>La fleur que tu m\u00b4avais jet\u00e9e <\/em>aus \u00a0Carmen. Bei einer intensiven Mimik und viel Emotion gestaltet er die Arie des Don Jos\u00e9 mit seinem kr\u00e4ftigen Tenor, auch wenn es etwas an Resonanz und Klangf\u00fclle fehlt. Die deutsche Sopranistin <strong>Anne-Fleur Werner<\/strong> schlie\u00dft das Arien-Programm mit dem Rezitativ und Rondo der Vitellia <em>Ecco il punto, oh Vitellia \u2013 Non pi\u00f9 di fiori vaghe catene<\/em> aus La clemenza di Tito ab. Sie singt das Rondo der Vitellia mit viel Gef\u00fchl und guter Diktion. Ihr kraftvoller Sopran wird sehr gut gef\u00fchrt, sie verf\u00fcgt sowohl \u00fcber eine beeindruckende Tiefe, wie auch \u00fcber eine gute Attacke. Daneben gestaltet sie ihren Vortrag sehr facettenreich. Danach beeindrucken <strong>Carrie-Ann Williams<\/strong> und <strong>Vasilisa Berzhanskaya<\/strong> mit dem Duett Fiordiligi und Dorabella aus <em>Cos\u00ec fan tutte<\/em>. Sie singen es mit klangvollen und kr\u00e4ftigen Stimmen. Zum Abschlu\u00df gibt es dann noch zwei Quartette und ein Sextett, mit denen die jungen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger ihre beeindruckenden Qualit\u00e4ten nochmals unter Beweis stellen. Insgesamt agieren die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger neben einem sehr guten stimmlichen Vortrag auch mit einer intensiven und kommunikativen Darstellung. Sie sind somit als Operns\u00e4nger ganz offenbar auf einem viel versprechenden Weg.<\/p>\n<p>Klaus Billand<\/p>\n<p>Bild: Salzburger Festspiele \/ Thomas Aurin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Young Singers Project YSP Abschlu\u00dfkonzert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), Oper in vier Akten (9 Bilder), Libretto: Arkadi Preiss und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Nikolai Leskow, UA: 22. Januar 1934 Leningrad, Maly Theater. 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