{"id":7239,"date":"2017-10-10T18:42:55","date_gmt":"2017-10-10T17:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7239"},"modified":"2017-10-11T11:56:34","modified_gmt":"2017-10-11T10:56:34","slug":"linvisible-deutsche-oper-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7239","title":{"rendered":"L\u2019Invisible &#8211; Deutsche Oper Berlin"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Aribert Reimann (* 1936), Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlinck, Libretto: der Komponist in Franz\u00f6sisch<\/p>\n<p>Regie: Vasily Barkhatov, B\u00fchne: Zinovy Margolin, Kost\u00fcme: Olga Shaishmelashvili, Licht: Ulrich Niepel, Video: Robert Pflanz<\/p>\n<p>Dirigent: Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Rachel Hamisch (Ursula\/Marie\/Ygraine), Annika Schlicht (Marthe\/Bellang\u00e8re), Seth Carico (der Vater), Stephen Bronk (Gro\u00dfvater\/der Alte\/Aglovale), Thomas Blondelle (der Onkel\/der Fremde), Salvador Macedo (das Kind\/Tintagiles), Tim Severloh, Matthew Shaw, Martin W\u00f6lfel (drei Dienerinnen der K\u00f6nigin), Ronnita Miller (Dienerin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Oktober 2017 (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung ist aus drei Maeterlinck-Dramen zusammengestellt.<\/p>\n<ol>\n<li><em>L\u2019intruse \u2013 Der Eindringling<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Gro\u00dfvater, Vater, Onkel, Ursule und ihre Schwestern warten auf einen Verwandten. Im Nebenzimmer liegt die Mutter im Kindbett im Sterben. Der blinde Gro\u00dfvater sp\u00fcrt die Ankunft einer Person, die niemand sieht. Als das Neugeborene seinen ersten Schrei ausst\u00f6\u00dft, stirbt die Mutter.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em>Int\u00e9rieur \u2013 Das Innere<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Alte und der Fremde sehen durch das Fenster eines Hauses eine Familie. Im Dorf hat man die Leiche von deren Tochter gefunden, wovon die Familie noch nichts wei\u00df. Marie und Marthe, die Enkelinnen des Alten, fordern ihn auf, ins Haus zu gehen, um es ihnen zu sagen, was er nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern auch tut.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><em>La mort de Tintagiles <\/em>\u2013 <em>Der Tod Tintagiles\u2019<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die K\u00f6nigin hat ihren Enkel Tintagiles in ihr d\u00fcsteres Schlo\u00df holen lassen. Seine Schwestern Bellang\u00e8re und Ygraine leben dort zusammen mit Aglovale, ihrem alten Vertrauten. Sie f\u00fcrchten f\u00fcr das Leben Tintagiles\u2019, weil seine Br\u00fcder verschwunden sind. Den drei Dienerinnen der K\u00f6nigin, einer Art Todesbotinnen, gelingt es, auch ihn mit sich zu nehmen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Berlin-L_INVISIBLE_27HarnischSchlichtBlondelle_hf.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7240\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Berlin-L_INVISIBLE_27HarnischSchlichtBlondelle_hf.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Berlin-L_INVISIBLE_27HarnischSchlichtBlondelle_hf.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Berlin-L_INVISIBLE_27HarnischSchlichtBlondelle_hf-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Den d\u00fcsteren Handlungen entspricht das karge B\u00fchnenbild, eine H\u00e4userwand, die sich vor und zur\u00fcck verschieben und auf der linken Seite \u00f6ffnen l\u00e4\u00dft, um z.B. den Blick ins Innere des Hauses im zweiten Teil freizugeben. Die Farben Grau und Schwarz dominieren und die Beleuchtung und animierte Videoprojektionen von Schatten geben dem B\u00fchnenbild zus\u00e4tzlich einen d\u00fcsteren Anstrich. Die Kost\u00fcme der beiden ersten Teile sind im Stile der Nachkriegszeit gehalten. Der letzte Teil spielt in einem Krankenhaus. Es gibt neben den S\u00e4ngern viele stumme Rollen. So \u00f6ffnet sich kurz vor dem Ende der Oper, also kurz vor dem Tod von Tintagiles, die H\u00e4userfront und man erkennt etliche Szenen mit toten Kindern, die durch Krieg, Ungl\u00fcck oder Selbstmord ums Leben gekommen sind.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Reimanns Musik ist auf die Stimme fokussiert. Er schreibt ausdrucksvolle Melodien, die nicht selten zu l\u00e4ngeren Koloraturen auswachsen, und das Orchester ist trotz des Reichtums an Klangfarben und der anspruchsvollen, mitunter sich in Viertelt\u00f6nen bewegenden Stimmf\u00fchrung dem S\u00e4nger dynamisch stets untergeordnet.<\/p>\n<p>Dirigent <strong>Donald Runnicles<\/strong> stellte eine ausgewogene Balance zwischen S\u00e4ngern und Orchester her, die ersteren stets den Vortritt l\u00e4\u00dft. Das Tempo bleibt durchweg gem\u00e4chlich, was das breite Aussingen der Kantilenen erm\u00f6glicht. Reimanns Musik ist kurz gesagt s\u00e4ngergisch \u00fcberaus dankbar. Wie in der traditionellen Oper sind einige Partien spektakul\u00e4rer als andere. Die Sopranistin <strong>Rachel Hamisch<\/strong>, die in allen drei Teilen auftritt, hat als Ygraine diejenige Partie, die dem S\u00e4nger am meisten abverlangt. Ihre ausdrucksvollen und kraftvollen Passagen am Ende der Oper pr\u00e4sentierte sie wirklich souver\u00e4n. Neben ihr hat der Mezzosopran <strong>Annika Schlicht<\/strong> als Bellang\u00e8re eine musikalisch und dramatisch tragende Rolle, die sie ohne Probleme bew\u00e4ltigte. Dramatisch \u00fcberaus effektvoll sind die von den drei Counterten\u00f6ren <strong>Tim Severloh<\/strong>, <strong>Matthew Shaw<\/strong> und<strong> Martin W\u00f6lfel <\/strong>gesungenen drei Dienerinnen, die stets als Gruppe auftauchen und bereits im ersten Teil akustisch ins Spiel kommen.<\/p>\n<p><strong>Stephen Bronk<\/strong> (Gro\u00dfvater\/der Alte\/Aglovale) spielt in allen drei Teilen eine dramatisch und musikalisch tragende Rolle, die auf Zur\u00fcckhaltung und W\u00fcrde des Charakters setzt, und die er gut ausf\u00fcllen vermochte. Der einzige Kritikpunkt an der Leistung der S\u00e4nger ist die oft mangelnde Textverst\u00e4ndlichkeit. Inwieweit hieran jedoch die musikalische Faktur einen Anteil haben k\u00f6nnte, w\u00e4re n\u00e4her zu eruieren. Die symbolistische dramatische Handlung ergeht sich \u00fcber weite Strecken in Andeutungen, d.h. die Aktionen der Darsteller bleiben generell eher dezent und verhalten. Lediglich am Ende der Oper ist etwas mehr an dramatischem Ausdruck gefordert.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Reimanns Oper ist ein kompaktes und in dieser Inszenierung \u00fcberaus suggestives Werk. Neben musikalischen und dramatischen gibt es auch eine Vielzahl b\u00fchnenbildnerischer Querverbindungen zwischen den drei Teilen, die in dieser Form als eine Variation \u00fcber das Thema Familie, Kinder und Tod erscheinen. Die Personenf\u00fchrung ist stringent, die Gestaltung der B\u00fchne ansprechend und die Qualit\u00e4t der musikalischen Darbietungen \u00fcberragend. Das gilt f\u00fcr Orchester und S\u00e4nger gleicherma\u00dfen. Vor ausverkauftem Haus lie\u00df sich der Komponist f\u00fcr seine neunte Oper feiern. Den Besucher dieser Produktion erwartet ein starkes Opernerlebnis.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Rachel Hamisch (Ursula\/Marie\/Ygraine), Annika Schlicht (Marthe\/Bellang\u00e8re), Thomas Blondelle (der Onkel\/der Fremde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aribert Reimann (* 1936), Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlinck, Libretto: der Komponist in Franz\u00f6sisch Regie: Vasily Barkhatov, B\u00fchne: Zinovy Margolin, Kost\u00fcme: Olga Shaishmelashvili, Licht: Ulrich Niepel, Video: Robert Pflanz Dirigent: Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin Solisten: Rachel<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7239\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7240,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-7239","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7239"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7244,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7239\/revisions\/7244"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7240"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}