{"id":7229,"date":"2017-08-05T18:43:51","date_gmt":"2017-08-05T17:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7229"},"modified":"2017-10-10T18:46:10","modified_gmt":"2017-10-10T17:46:10","slug":"bregenzer-festspiele-2017-bregenz-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7229","title":{"rendered":"Bregenzer Festspiele 2017, Bregenz"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Carmen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, nach der Novelle <em>Carmen<\/em> von Prosper M\u00e9rim\u00e9e, UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris, Op\u00e9ra-comique (Salle Favart)<\/p>\n<p>Regie: Kaspar Holten, Kost\u00fcme: Anja Vang Kragh, Licht: Bruno Poet, Video: Luke Halls, Choreographie: Signe Fabricius<\/p>\n<p>Dirigent: Paolo Carignani, Wiener Symphoniker, Prager Philharmonischer Chor, Bregenzer Festspielchor, Kinderchor der Musikmittelschule Bregenz-Stadt, Choreinstudierung: Lukas Vasilek , Benjamin Lack.<\/p>\n<p>Solisten: Daniel Johansson (Don Jos\u00e9), Scott Hendricks (Escamillo), Gaelle Arquez (Carmen), Elena Tsallagova (Mica\u00ebla), Sonia Grane (Frasquita), Judita Nagyova (Merc\u00e9d\u00e8s), Adrian Clarke (Dancairo), Istvan Horvath (Remendado), Yasushi Hirano (Zuniga), Wolfgang Stefan Schwaiger (Moral\u00e8s)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Juli 2017 auf der Seeb\u00fchne<\/p>\n<p><strong><em>Mos\u00e8 in Egitto \u2013 Moses in \u00c4gypten <\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Azione tragico-sacra in drei Akten, Libretto: Andrea Leone Tottola<\/p>\n<p>UA 7. M\u00e4rz 1819 Neapel, Teatro San Carlo<\/p>\n<p>Regie: Lotte de Beer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christof Hetzer<\/p>\n<p>Dirigent: Enrique Mazzola, Wiener Symphoniker, Prager Philharmonischer Chor, Choreinstudierung: Lukas Vasilek<\/p>\n<p>Solisten: Goran Juric (Mos\u00e8), Andrew Foster-Williams (Faraone), Clarissa Costanzo (Elcia), Sunnyboy Dladla (Osiride), Mandy Fredrich (Amaltea), Matteo Macchioni (Aronne), Dara Savinova (Amenofi), Taylan Reinhard (Mambre) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. Juli 2017 (Festspielhaus)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Bregenz liegt an der Nahtstelle zwischen Deutschland und der Schweiz, zwischen dem Bodensee und den Alpen. Die Region Bregenzer Wald ist wegen seiner kulinarischen Angebote, Wanderausfl\u00fcgen (z.B. auf der K\u00e4sestra\u00dfe), den Bade- und Schiffsm\u00f6glichkeiten, der herrlichen Natur (Mainau, Reichenau) sehr begehrt. So sind die Bregenzer Seefestspiele das T\u00fcpfelchen auf dem I.<\/p>\n<p>Am bekanntesten ist die Seeb\u00fchne f\u00fcr 7.000 Personen, \u00fcber die schon James Bond Toscas Auge jagte. Dar\u00fcber hinaus gibt es kleinere Schaupl\u00e4tze wie das Festspielhaus (1.650 Pl\u00e4tze) und das Theater am Kornmarkt (550 Pl\u00e4tze). Neben der gro\u00dfen Oper auf der Seeb\u00fchne, einer zweiten kleineren Opernproduktion im Festspielhaus, das sonst nur als Ausweichspielst\u00e4dte f\u00fcr die Seeb\u00fchne dienen w\u00fcrde, befinden sich im Portfolio noch kleinere Produktionen oder ein Opernstudio, um Nachwuchss\u00e4ngern B\u00fchnenpraxis zu vermitteln \u2013 oder besser mit Regietheatereinf\u00e4llen vertraut zu machen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bregenz-Carmen-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7242\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bregenz-Carmen-1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bregenz-Carmen-1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bregenz-Carmen-1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Opern auf der Seeb\u00fchne der Bregenzer Festspiele haben immer etwas mit dem See zu tun. Auch f\u00fcr die <em>Carmen<\/em> in der Regie von <strong>Kaspar Holten<\/strong> finden sich M\u00f6glichkeiten: so fahren Schmuggler im Boot vor, das Ballett tanzt halb im Wasser und Don Jos\u00e9 wird seine Carmen im Bodensee ertr\u00e4nken. Vor diesem Finale gibt es zwei Stunden lang eine zirkusartige Unterhaltung, inklusive Feuerwerk, Hochgebirgsklettern am Seil im B\u00fchnenbild, Stierkampf-Pantomime und auf die Spielkarten raffinierte Projektionen von assoziativen Bildern oder Gro\u00dfaufnahmen der Liebesszenen. Diese 62 Spielkarten (respektive Projektionsfl\u00e4chen) werden von Spielerh\u00e4nden in die Luft geworfen. Es ragen zwei riesige, nicht sehr gepflegte Frauenarme aus dem Bodensee \u2013 abgesto\u00dfene lackierte Fingern\u00e4gel und zittrige T\u00e4towierungen fallen auf. In der linken Hand glimmt eine Zigarette \u2013 Carmen arbeitet schlie\u00dflich in einer Tabakfabrik.<\/p>\n<p><strong><em>Carmen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Carmen ist rubinrot gekleidet, Fabrikarbeiterinnen blau, Ballett in Pink, das Milit\u00e4r zitronengelb (inklusive Don Jos\u00e9), alle Gruppen farblich unterschieden, da kommt keine Verwirrung auf. Die Kost\u00fcme sind eine Mischung aus pseudo-spanischer Folklore und karibischen Feuer a la <em>Fluch der Karibik<\/em> \u2013 ergo sehr phantasievoll. Der Hauptverdienst von <strong>Kaspar Holten<\/strong> ist in all diesem Trubel und Gewimmel, da\u00df die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Solisten gelenkt wird. Besonders die Solistinnen k\u00f6nnen beim Publikum punkten. <strong>Ga\u00eblle Arquez<\/strong> kann den lasziven Ausdruck der Carmen sehr gut transportieren, <strong>Elena Tsallagova<\/strong> gibt eine sensationell umjubelte, jugendlich naive Mica\u00ebla vom Land. Genauso naiv sind <strong>Judita Nagyova<\/strong> (Mercedes) und <strong>Sonia Grane<\/strong> (Frasquita). <strong>Daniel Johansson<\/strong> gibt dem Don Jos\u00e9 eine kr\u00e4ftige Stimme, hat aber Probleme mit den hohen T\u00f6nen, klingt ab dem \u00dcbergang zur Kopfstimme sehr d\u00fcnn und scharf. <strong>Scott Hendricks<\/strong> (Escamillo) oszilliert um die T\u00f6ne herum, die er ungenau trifft, was \u00fcber die \u00dcbertragungstechnik auch noch verst\u00e4rkt wird. <strong>Paolo Carignani<\/strong> h\u00e4tte ruhig etwas mehr Feuer bei den Solisten und den Wiener Symphonikern entfachen k\u00f6nnen, es wirkt etwas zu gehetzt. Daf\u00fcr gelingt es ihm, die dramatischen Momente mit den pseudospanisch-franz\u00f6sischen Klangbildern Bizets zu zelebrieren.<\/p>\n<p>Das Interessante an der Oper <strong><em>Mos\u00e8 in Egitto<\/em><\/strong> ist, da\u00df sich gro\u00dfe Tableaus wie Plagen oder Teilung des roten Meeres mit kammerspielartigen Szenen abwechseln. Die Oper wurde w\u00e4hrend der Fastenzeit in Neapel gespielt und hat neben dem Auszug der Hebr\u00e4er aus \u00c4gypten unter Moses eine tragische Liebesgeschichte zwischen dem \u00e4gyptischen Thronfolger Osiride und der Hebr\u00e4erin Elcia zum Thema. Umgesetzt wird die Handlung in einer sandigen W\u00fcstenlandschaft, der g\u00f6ttliche Wille wird durch Puppenspieler verdeutlicht, die die \u00fcberdimensionalen Puppen tanzen lassen. Gleichzeitig bev\u00f6lkern auch noch Chor und Solisten in pseudohistorischer Sandalenfilmkleidung die Szenerie, die unabh\u00e4ngig vom Puppenspiel handeln. Auf dem meist dunklen Hintergrundprospekt kann man auch Kugeln oder flie\u00dfendes Wasser projizieren. W\u00e4hrend sich Moses (<strong>Goran Juric<\/strong>) und der leicht beeinflu\u00dfbare Faraone (<strong>Andrew Foster-Williams<\/strong>) mit eher wohlklingender tiefer Ba\u00dfstimme streiten, haben Osiride (<strong>Sunnyboy Dladla<\/strong>) und Elcia (<strong>Clarissa Costanzo<\/strong>) ein wunderbar harmonisches Liebesduett <em>ah, se puoi cos\u00ec lasciarmi \u2013 ach, wenn du mich so verlassen kannst<\/em>. Dabei trifft ein jugendlich lyrischer, aber auch kr\u00e4ftig strahlender Tenor auf einen jugendlich dynamischen Sopran. Gewichtiges beizutragen hat auch <strong>Mandy Fredrich<\/strong> als Amaltea mit der Arie im zweiten Akt <em>La pace mia smarrita \u2013 Der Friede ist mir entschwunden<\/em>. Wenn auch in der szenischen Beweglichkeit indisponiert, kann sie stimmlich sehr bewegen.<\/p>\n<p>Dirigent<strong> Enrique Mazzola<\/strong> zieht alles was m\u00f6glich ist an Sch\u00f6nheiten, Dramatik oder Tobsuchtsanf\u00e4llen aus diesem v\u00f6llig zu Unrecht meist unbeachteten Meisterwerk Rossinis. Die Wiener Symphoniker folgen ihm hier bereitwilligst und kongenial.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung der <strong><em>Carmen<\/em><\/strong> arbeitet sich genau der tats\u00e4chlichen Handlung entlang, ist bunt, plakativ und zeigt immer wieder sehenswerte Bilder. Das hat eine sehr positive Folge: es bewahrt das Touristenpublikum und die Opernfreunde vor allerlei unverst\u00e4ndlichen Regieeinf\u00e4llen. Zusammen mit einer durchaus soliden musikalischen Produktion stellt man offensichtlich das Publikum zufrieden &#8211; heftigem Jubel. Zufriedenes Publikum macht auch positive Mundpropaganda und das beweisen auch die Zahlen: Alle Vorstellungen ausverkauft!<\/p>\n<p>Als zweite Opernproduktion wurde <strong><em>Mos\u00e8 in Egitto<\/em><\/strong> f\u00fcr das Festspielhaus ausgew\u00e4hlt. Diese Oper von Rossini ist nicht oft in den Spielpl\u00e4nen zu finden. Leider erf\u00fcllt die wenig verst\u00e4ndliche und wirre Regie nicht die Anforderungen an eine <em>Azione tragico-sacra \u2013 heilig-tragische Handlung<\/em> wie Rossini sein Werk nannte. So gibt es eher ein Puppenspiel in einer Ausgrabungsst\u00e4tte, aber keine biblischen Plagen und die Teilung des Roten Meeres nur als Projektion. Die Langeweile lenkt das Publikum von den musikalischen Kostbarkeiten Rossinis ab, aber f\u00fcr das Liebesduett im zweiten Akt gibt es Szenenapplaus, und die <em>Preghiera<\/em> (Gebet) der Israeliten zur Teilung des Roten Meeres ist ein echter Ohrwurm. St\u00fcrmischer Applaus f\u00fcr die seltene Auff\u00fchrung, Mi\u00dfachtung f\u00fcr die Regie und Puppenspieler.<\/p>\n<p>2018 gibt es in Bregenz eine Oper des verfemten j\u00fcdischen Komponisten Berthold Goldschmidt, dessen Oper Beatrice Cenci dabei erst zum zweiten Mal eine Auff\u00fchrung erlebt. Au\u00dferdem wird es im Festspielhaus eine in die Zirkuswelt verlagerte Kinderopern-Version der <em>Carmen<\/em> geben \u2013 mit Happy-End.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Karl Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Carmen (Gaelle Arquez) mit T\u00e4nzerinnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carmen von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, nach der Novelle Carmen von Prosper M\u00e9rim\u00e9e, UA: 3. 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