{"id":7218,"date":"2017-09-11T11:22:51","date_gmt":"2017-09-11T10:22:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7218"},"modified":"2017-10-02T11:27:15","modified_gmt":"2017-10-02T10:27:15","slug":"andrea-chenier-kassel-staatstheater-kassel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7218","title":{"rendered":"Andrea Ch\u00e9nier &#8211; Kassel, Staatstheater Kassel"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Umberto Giordano (1867-1948), Dramma di ambiente storico in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica, UA: 28. M\u00e4rz 1896 Milano, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Michael Schulz, B\u00fchne: Dirk Becker, Kost\u00fcme: Renee Listerdal<\/p>\n<p>Dirigent: Francesco Angelico, Staatsorchester, Opernchor und Extrachor des Staatstheaters Kassel , Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti<\/p>\n<p>Solisten: Rafael Rojas (Andrea Ch\u00e9nier), Hansung Yoo (G\u00e9rard), Vida Mikneviciute (Maddalena de Coligny), Marie-Luise Dre\u00dfen (Bersi\/Idia Legray), Lona Culmer-Schellbach (Gr\u00e4fin von Coigny\/Madelon), Marc-Olivier Oetterli (Roucher), Szczepan Nowak (Haushofmeister\/Dumas), Daniel Holzhauser (Pietro Fleville\/Fouquier-Tinville), Hee Saup Yoon (Mathieu), Daniel Jenz (Incredibile), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. September 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kassel-andrea-chenier.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7219\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kassel-andrea-chenier.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kassel-andrea-chenier.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kassel-andrea-chenier-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Ball der Gr\u00e4fin de Coigny tr\u00e4gt der Dichter Andrea Ch\u00e9nier seine Werke vor, das f\u00fchrt zu gro\u00dfer Aufregung: er greift den Adel und seinen ausschweifenden Lebensstil an. Der Diener G\u00e9rard, der die Tochter des Hauses, Maddalena, heimlich liebt, st\u00f6rt mit einigen Revolution\u00e4ren das Fest. Er wird zur\u00fcckgeschlagen und entlassen. Obwohl Ch\u00e9nier mit den revolution\u00e4ren Ideen sympathisiert, wird er aufgrund seiner Kontakte zum Adel bespitzelt. Sein Freund Roucher r\u00e4t ihm zur Flucht. Der Dichter weigert sich wegen der Liebesbriefe einer geheimnisvollen Unbekannten, die er kennenlernen will. Sie entpuppt sich als Maddalena de Coigny. Es kommt zu einer Liebesszene, die vom Incredibile beobachtet und an den, mittlerweile zum Revolutionsf\u00fchrer aufgestiegenen, G\u00e9rard gemeldet wird. Im Duell mit Ch\u00e9nier wird G\u00e9rard verwundet. Nach seiner Genesung l\u00e4\u00dft er den Dichter verhaften und stellt ihn vor das Tribunal. Maddalena setzt sich f\u00fcr seine Rettung ein, kann aber das Todesurteil nicht verhindern. W\u00e4hrend Andrea Ch\u00e9nier im Kerker auf seine Hinrichtung wartet, besticht Maddalena einen W\u00e4rter, sie anstelle einer verurteilten Delinquentin aufs Schafott zu schicken. Unter falschem Namen geht sie an der Seite ihres Geliebten in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind von der franz\u00f6sischen Revolution, dem Zeitpunkt der Opernhandlung, und der Zeit des Ancien Regime gepr\u00e4gt, jedoch sind sie eine Spur zu farbenfroh ausgefallen, so da\u00df es zu grotesk verzerrten Bildern kommt. Dar\u00fcber hinaus hat die Gegenwartskunst bei der aktuellen <em>Documenta<\/em> Einzug gehalten, dort kommen Verkehrszeichen als Waffen ins Bild. Die B\u00fchne dreht sich schlicht und einfach um eine Rampe, wo Polsterst\u00fchle oder Holztische als Requisiten dienen. Auf der Rampe steht noch ein B\u00fchnenportal, das sich mitdreht und so auch von hinten als Kulisse erkennbar wird.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Gr\u00fcnde warum <em>Andrea Ch\u00e9nier<\/em> seltener gespielt wird, ist sicherlich das gro\u00dfe Problem, einen herausragenden <em>Verismo<\/em>-Tenor zu finden, der sowohl die lyrischen Momente, als auch die dramatischen, fast heldentenoralen Momente verbinden kann. <strong>Rafael Rojas<\/strong> erf\u00fcllt diese Anforderungen mit weicher, warmer und samtiger Stimme in herausragender Weise: <em>Come un bel d\u00ec di Maggio \u2013 Wie ein sch\u00f6ner Tag im Mai<\/em>. <strong>Hansung Yoo<\/strong> ist sein ebenb\u00fcrtiger Gegenspieler Carlo Gerard, ein spielerisch sicherer Spielbariton. F\u00fcr seine Arie <em>Nemico della patria \u2013 Feind des Vaterlandes<\/em> gibt es gro\u00dfen Szenenapplaus.<strong> Vida Mikneviciute<\/strong> ist die passende jugendliche Geliebte Maddalena. Ihr jugendlich, schwebend leichter Sopran hat sich verfestigt und erreicht ein gro\u00dfes lyrisches Klangvolumen. Die Stimmen der beiden Liebenden am Schlu\u00df verschlingen sich in echter Liebesglut. Als Maddalenas Vertraute Bersi kann der Mezzo von <strong>Marie-Luise Dre\u00dfen<\/strong> Sch\u00f6nklang verbreiten. <strong>Lona Culmer-Schellbach<\/strong> agiert gl\u00e4nzend mit ihrem gro\u00dfvolumigen, etwas matten, dramatischen Sopran als Grande Dame \u2013 sowohl als mond\u00e4ne Gr\u00e4fin Coigny, aber auch als <em>Le miserable<\/em>-Figur Madelon. <strong>Marc-Olivier Oetterli<\/strong> als Roucher ist ein durchschlagsstarker Bariton. <strong>Francesco Angelico <\/strong>hat das richtige Fingerspitzengef\u00fchl f\u00fcr den <em>Verismo<\/em>, f\u00fcr die lyrischen, aber auch dramatischen Momente. Er kann dem Staatsorchester Kassel einen italienischen, spielfreudigen Klang entlocken. Wahre Harmonien kommen geb\u00fcndelt aus dem versenkten Orchestergraben! Eine \u00fcberzeugende Figur macht auch der gro\u00dfe <strong>Chor<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Regie l\u00e4\u00dft jedes Feingef\u00fchl vermissen, wenn ein Kinderstatist am Ende des ersten Bildes der Gr\u00e4fin de Coigny die Kehle durchschneidet. Das Publikum verweigert vor Schreck den Applaus. Nachdem die Gegenwartskunst der <em>Documenta<\/em> in Szene und Bild in Ankl\u00e4ngen aufgenommen wird, mu\u00df man konstatieren, da\u00df die belanglos brutale Inszenierung genauso wie die zeitgleich ablaufende <em>Documenta<\/em> phasenweise sehr bunt ist und mit gro\u00dfen Menschenmengen arrangierte Tableaus bietet, aber ansonsten meist langweilig und nichtssagend bleibt. F\u00fcr die Regie gibt es nur m\u00e4\u00dfigen Applaus, w\u00e4hrend die gro\u00dfartige Leistung der Solisten, Chor, Orchester und musikalischer Leitung v\u00f6llig zu Recht enthusiastisch gefeiert wird. Im Gesang eine Sternstunde f\u00fcr den <em>Verismo<\/em> in Deutschland.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marie-Luise Dre\u00dfen (Bersi), Mitglieder des Opernchores, Kinderstatist<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Umberto Giordano (1867-1948), Dramma di ambiente storico in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica, UA: 28. 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