{"id":7211,"date":"2017-09-26T18:18:09","date_gmt":"2017-09-26T17:18:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7211"},"modified":"2017-09-26T18:31:22","modified_gmt":"2017-09-26T17:31:22","slug":"miranda-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7211","title":{"rendered":"Miranda &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Eine Kreation zusammengestellt von Rapha\u00ebl Pichon, Katie Mitchell et Cordelia Lynn (Text) inspiriert durch <em>The Tempest<\/em> von William Shakespeare mit Musik von Henry Purcell (1659-1695)<\/p>\n<p>Regie: Katie Mitchell, B\u00fchne: Chlo\u00e9 Lamford, Choreographie: Joseph Alford, Dramaturgie: Sam Prichard, Kost\u00fcme: Susie Juhlin-Wallen, Licht: James Farncombe, Tongestaltung: Max Pappenheim<\/p>\n<p>Dirigent: Rapha\u00ebl Pichon, Chor und Orchester Pygmalion<\/p>\n<p>Solisten: Kate Lindsey (Miranda), Alain Buet (Prospero), Katharine Watson (Anna), Alan Clayton (Ferdinand), Marc Mauillon (Der Pastor), Aksel Rykkvin (Anthony), Ma\u00eetrise Populaire de l\u2019Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. September 2017 (Erstauff\u00fchrung, Koproduktion mit dem Th\u00e9\u00e2tre de Ca\u00ebn und der Oper K\u00f6ln<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Paris-Miranda.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7212\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Paris-Miranda.png\" alt=\"\" width=\"638\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Paris-Miranda.png 638w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Paris-Miranda-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Musiker Rapha\u00ebl Pichon und die englische Regisseurin Katie Mitchell, zwe<strong>i <\/strong>K\u00fcnstler<strong>,<\/strong> die schon einmal, beim Festival d\u2019Aix-en-Provence in einer Inszenierung von Bach\u2019scher Kantatenmusik <em>Trauernacht,<\/em> zusammengearbeitet haben, bringen hier erneut gemeinsam eine \u201eKreation\u201c auf die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Bei <strong>Katie Mitchell<\/strong> k\u00f6nnte man sagen, ist es die Abrechnung einer militanten Feministin mit dem, wie sie meint, patriarchalischen Macho-Shakespeare. Sie l\u00e4\u00dft dazu die Charaktere seines letzten Theaterst\u00fccks <em>The Tempest, <\/em>nach 13 Jahren auf der verwunschenen Insel, zur\u00fcck in die \u201eZivilisation\u201c kommen und dort rechnet Miranda dann mit ihren M\u00e4nnern ab.<\/p>\n<p>Bei <strong>Rapha\u00ebl <\/strong>Pichon ist es der Versuch, jene spezifisch englische Art der Barockoper, die <em>semi-opera<\/em>, zu einer Gesamtoper zu gestalten und sie zu \u201emodernisieren\u201c, indem man ihr einen zeitgen\u00f6ssischen Inhalt unterschiebt, was ganz einer alten Tradition der Op\u00e9ra Comique entspricht. Er ben\u00fctzt neben Musik von Purcell auch Ausschnitte aus Werken von Purcells Zeitgenossen.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In einer Dorfkirche an der englischen Ostk\u00fcste bereitet man den Totengottesdienst f\u00fcr Miranda vor. Drei Frauen erz\u00e4hlen, sie sei ins Meer hinausgegangen und nie wiedergekommen. Die junge Anna, die schwanger ist, erz\u00e4hlt, da\u00df ihr Mann Prospero, seit dem Verschwinden ihrer Tochter Miranda ungemein gereizt sei. Mirandas Mann Ferdinand sei in Depression und ihr Sohn Anthony spr\u00e4che nur noch mit Anna. Der Pastor versucht alle zu beruhigen. Die Beerdigungsfeier wird durch das Erscheinen einer verschleierten Braut gest\u00f6rt, die ank\u00fcndigt, da\u00df man nun die wirkliche Geschichte Mirandas erfahren w\u00fcrde. Trotz Protests halten Schauspieler die Gemeinde mit Pistolen in Schach und spielen ein St\u00fcck in drei Akten \u2013 <em>Exil, Sch\u00e4ndung<\/em>, das <em>verheiratete Kind<\/em>. Die verschleierte Braut, in Wirklichkeit Miranda, wirft auf diese Weise voller Ha\u00df ihrem Vater und ihrem Mann die Traumata ihrer Kindheit und ihrer Ehe vor. W\u00e4hrend Ferdinand verspricht sich zu bessern, lehnt Prospero jegliche Verantwortung ab. Er tr\u00e4umt von der, wie ihm scheint, gl\u00fccklichen Zeit der Kindheit Mirandas. Anna erinnert ihn, da\u00df sie ein Kind erwartet und er in die Zukunft schauen m\u00fcsse. Doch Prospero denkt eher an seinen Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist ein moderner Kirchenraum mit geraden Kirchenst\u00fchlen und modernen, einfachen Leuchtern. Die Kost\u00fcme sind dunkle Anz\u00fcge und dunkle Kleider der heutigen Zeit.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kate Lindsay<\/strong> singt mit kr\u00e4ftiger expressiver, etwas herben Mezzosopranstimme die ha\u00dferf\u00fcllte Miranda, wie in ihrer Tirade gegen Prospero <em>Who but a slave can well express<\/em>. Ihr zur Seite als heftige M\u00e4nner-Ankl\u00e4gerin singt <strong>Katherine Watson<\/strong> mit bewundernswert verhaltener Dramatik das gro\u00dfartige Lamento der jungen Anna: <em>O, let me foreever weep.<\/em> <strong>Allan Clayton<\/strong> ist mit sch\u00f6n timbriertem Tenor der zerknirschte Ferdinand und <strong>Alain Buet<\/strong> springt im letzten Moment mit klangvollem Bariton als Propero f\u00fcr den unp\u00e4\u00dflichen Henry Waddington ein. <strong>Marc Mauillon<\/strong> ist der \u00fcberforderte Pastor.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen sei auch die engelhafte Sopranstimme des 14-j\u00e4hrigen <strong>Aksel Rykkvin<\/strong> als Anthony, besonders bewegend im Duett mit Katherine Watson <em>Now that the sun hath veil\u2018d his light. <\/em>Ebenso erw\u00e4hnenswert die <strong>Maitrise Populaire<\/strong> und der <strong>Chor Pygmalion<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Rapha\u00ebl <\/strong><strong>Pichon <\/strong>dirigiert das Ensemble Pygmalion mit strenger Metrik. Die Musik nimmt hin und wieder eine kammermusikalische Intimit\u00e4t an.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine Auff\u00fchrung in der Op\u00e9ra Comique ist nie banal, was nicht hei\u00dfen soll, da\u00df man immer einverstanden ist mit dem, was man sieht und h\u00f6rt. Im vorliegenden Fall scheint es, da\u00df Katie Mitchell versucht, sensationsl\u00fcstern und <em>coram populo<\/em> ihre pers\u00f6nlichen Traumata und Zwangsvorstellungen loszuwerden, indem sie sich als erkl\u00e4rte Feministin am Theater-Genie\u00a0 der Renaissance Shakespeare vergreift. Aber im Grunde hat ihr Problem nichts mit <em>The Tempest<\/em> zu tun. Denn im Theaterst\u00fcck (5. Akt, 1. Szene) lauten Mirandas begl\u00fcckte Worte als sie die reale Welt erf\u00e4hrt: <em>Oh, wonder! <\/em><em>How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, that has such people in\u2019t!<\/em><\/p>\n<p>Also, wo ist Katie Mitchells Problem?\u00a0 Man kann nur mutma\u00dfen, da\u00df der unantastbare Shakespeare da stellvertretend f\u00fcr eine verha\u00dfte Vaterfigur steht. Schade, da\u00df so viel ausgezeichnetes musikalisches Talent daf\u00fcr verschwendet wurde, denn die Musik (und ihre Interpretation) ist sublim.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: DR Pierre Grosbois<\/p>\n<p>Das bild zeigt im Vordergrund: Kate Lindsey (die verschleierte Miranda), Allain Clayton (Ferdinand), Katharine Watson (Anna) und Aksel Rykkvin (Anthony).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kreation zusammengestellt von Rapha\u00ebl Pichon, Katie Mitchell et Cordelia Lynn (Text) inspiriert durch The Tempest von William Shakespeare mit Musik von Henry Purcell (1659-1695) Regie: Katie Mitchell, B\u00fchne: Chlo\u00e9 Lamford, Choreographie: Joseph Alford, Dramaturgie: Sam Prichard, Kost\u00fcme: Susie Juhlin-Wallen,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7211\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7212,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-7211","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7211","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7211"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7211\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7216,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7211\/revisions\/7216"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7212"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}