{"id":7207,"date":"2017-09-26T12:30:48","date_gmt":"2017-09-26T11:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7207"},"modified":"2017-09-26T12:31:03","modified_gmt":"2017-09-26T11:31:03","slug":"tannhaeuser-und-der-saengerkrieg-auf-wartburg-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7207","title":{"rendered":"Tannh\u00e4user und der S\u00e4ngerkrieg auf Wartburg &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Akten, Text: Richard Wagner, UA: 19. Oktober 1845, Hoftheater Dresden<\/p>\n<p>Regie: Patrick Kinmonth, B\u00fchne: Darko Petrovic, Kost\u00fcme: Annina von Pfuehl<\/p>\n<p>Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier Roth und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Karl-Heinz Lehner (Hermann, Landgraf von Th\u00fcringen), David Pomeroy (Tannh\u00e4user), Kristiane Kaiser (Elisabeth), Dalia Schaechter (Venus), Miljenko Turk (Wolfram von Eschenbach), Dino L\u00fcthy (Walther von der Vogelweide), Lucas Singer (Biterolf)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. September 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/K\u00f6ln-Tannh\u00e4user.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7208 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/K\u00f6ln-Tannh\u00e4user.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/K\u00f6ln-Tannh\u00e4user.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/K\u00f6ln-Tannh\u00e4user-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Als Sterblicher hat Tannh\u00e4user den Weg zum Venusberg gefunden, der Welt der Sinnlichkeit. Doch er ist des Genusses \u00fcberdr\u00fcssig und will wieder zur\u00fcckkehren zu Menschen. Venus versucht ihn zum Bleiben zu \u00fcberreden, aber Tannh\u00e4user ist entschlossen, den Venusberg zu verlassen. Bei einem S\u00e4ngerfest besingt er das wahre Wesen der Liebe, auch um das Herz Elisabeths, der Nichte des Landgrafen, zu gewinnen. Wegen seines Aufenthalts im Venusberg wird er vom F\u00fcrsten veranla\u00dft, nach Rom zu gehen und Vergebung zu finden. Tannh\u00e4user kehrt ohne die Gunst des Papstes wieder. Elisabeth opfert ihr Leben f\u00fcr Tannh\u00e4users Vergebung. Tannh\u00e4user stirbt und bittet Elisabeth, Gott um Hilfe zu erflehen. Da sendet Gott ihm in Form des bl\u00fchenden Priesterstabs ein Zeichen f\u00fcr seine Vergebung.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Zentrum der B\u00fchne bildet der Orchestergraben, der sich wie eine Schlucht in das Landschaftsbild gr\u00e4bt. Kreisf\u00f6rmig darum herum ist ein mit Moos und Steinen bedeckter Boden zu sehen sowie Lichts\u00e4ulen im Vordergrund der B\u00fchne. Die Kost\u00fcme sind zeitlos in schwarz-wei\u00df, jeweils um das Konservativ-B\u00fcrgerliche und das Extatisch-Wilde voneinander abzugrenzen. Die Venus erscheint beispielsweise in schwarzem Ledermantel und T\u00fcllkleid, die Minnes\u00e4nger in Anz\u00fcgen mit Frack und wei\u00dfem Hemd. Elisabeth wird in ihrer Zerrissenheit zwischen der unschuldigen Maria-Figur, die ebenfalls darstellerisch verk\u00f6rpert wird und der Venus als Sinnbild der Lust gezeigt. Erst nach ihrem Tod traut Elisabeth sich, Tannh\u00e4user n\u00e4her zu kommen und ihn zu k\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Ouvert\u00fcre wird von <strong>Fran<\/strong><strong>\u00e7<\/strong><strong>ois-Xavier Roth<\/strong> mit einem vorsichtigen, sehr zarten Dirigat eingeleitet, da\u00df in den H\u00f6rnern und Fagotten langsam das Thema aufbaut. Die Partien der Bl\u00e4ser und Streicher akzentuiert Roth so, da\u00df sich die Kontraste gut entfalten k\u00f6nnen und durch lange Crescendi-B\u00f6gen den fr\u00f6hlichen Dur-Teil von dem dramatischen Moll-Teil abheben. W\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre r\u00e4keln sich im Hintergrund M\u00e4nner, sich langsam ausziehend und von rothaarigen Frauen verw\u00f6hnen lassen. <strong>David Pomeroy<\/strong> (Tannh\u00e4user) ist ein Heldentenor wie er im Buche steht: seine volumin\u00f6se Tenorstimme ist in der Intonation sehr klar und fast schon scharf. In der H\u00f6he gelingt es ihm besonders in der Arie <em>Stets soll nur dir mein Lied ert\u00f6nen,<\/em> seinen Tenor anmutig ins Forte anschwellen zu lassen. Allerdings kann er sich nicht immer gen\u00fcgend zur\u00fccknehmen, und ist dynamisch nicht vielseitig genug.<\/p>\n<p>Das gelingt <strong>Dalia Schaechter<\/strong> (Venus) mit ihrem warmen Sopran besser. In der H\u00f6he l\u00e4\u00dft sie ihre Stimme geheimnisvoll anschwellen und haucht dabei Passagen wie <em>Geliebter komm<\/em> im <em>sotto voce<\/em>. <strong>Kristiane Kaiser<\/strong> (Elisabeth) \u00fcberzeugt mit einem strahlenden Sopran, der in der H\u00f6he glockenklar und rein klingt. Dabei zeigt sie dynamische Abwechslung durch im <em>sotto voce<\/em> gejauchzte Passagen und dramatisch akzentuierte Spitzent\u00f6ne. Im Duett <em>Gepriesen sei die Stunde<\/em> erg\u00e4nzt sie sich hervorragend mit dem scheppernden Tenor von Pomeroy und legt sich gesanglich wie ein seidiger Schleier um seine Stimme. Ebenfalls erw\u00e4hnenswert ist <strong>Miljenko Turk<\/strong> (Wolfram von Eschenbach), dessen warmer, sehr zarter Tenor einen Kontrast zu Pomeroys Organ bildet und dabei die erz\u00e4hlerischen Partien sehr kunstvoll und mit viel Gef\u00fchl ausschm\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Karl-Heinz Lehner<\/strong> (Hermann, Landgraf von Th\u00fcringen) bildet mit seinem knarzenden Bariton einen stimmlichen Kontrast und pa\u00dft durch sein stolzes Schauspiel gut in die Rolle des Herrschers. Besonderer H\u00f6hepunkt der Oper sind allerdings die wundersch\u00f6nen Chorpartien. Im ersten Akt \u00fcberzeugt der <strong>M\u00e4nnerchor<\/strong> durch einen perfekten aufeinander abgestimmten <em>a capella<\/em> Gesang im unisono. Sowohl harmonisch wie auch rhythmisch bilden die S\u00e4nger eine Einheit. Gro\u00dfes Finale ist aber <em>Heil! Heil! Der Gnade Wunder Heil!<\/em> im dritten Akt, in der der Chor zu H\u00f6chstform aufl\u00e4uft und im Fortissimo sehr glanzvoll in der H\u00f6he singt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch l\u00e4\u00dft der Abend keine W\u00fcnsche offen: das perfekt aufeinander abgestimmte Ensemble zeigt viele Raffinessen und wei\u00df Wagner bestens zu interpretieren. H\u00f6hepunkt des Abends sind aber nicht die Solisten, sondern der Chor und das Orchester, die vom Publikum mit besonders heftigem Applaus belohnt werden. Unter dem Dirigat von Fran\u00e7ois-Xavier Roth gelingt es dem Orchester wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlich gut, die Stimmungen der Musik zu vermitteln, und im Zusammenklang mit dem Chor gibt es viele Momente, die G\u00e4nsehaut erzeugen. Auch f\u00fcr David Pomeroy, Dalia Schaechter, Kristiane Kaiser und allen voran Miljenko Turk spendet das Publikum frenetischen Applaus. Die moderne Inszenierung ist an einigen Stellen nicht selbsterkl\u00e4rend, hat aber einen roten Faden und sorgt f\u00fcr spannende Interaktionen. Insgesamt ein wirklich runder Opernabend.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: David Pomeroy (Tannh\u00e4user)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Akten, Text: Richard Wagner, UA: 19. 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