{"id":7198,"date":"2017-06-28T15:54:15","date_gmt":"2017-06-28T14:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7198"},"modified":"2017-09-18T15:56:45","modified_gmt":"2017-09-18T14:56:45","slug":"attila-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7198","title":{"rendered":"ATTILA &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in einem Prolog und 3 Akten (7 Bilder), Libretto: Temistocle Solera und Francesco Maria Piave, UA: 17. M\u00e4rz 1846 Venedig, Teatro La Fenice<\/p>\n<p>Regie: Peter Konwitschny, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Johannes Leiacker<\/p>\n<p>Dirigent: Gabor Kali, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor des Staatstheaters, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Nicolai Karnolsky (Attila), Mikolaj Zalasinski (Ezio), Helena Dix (Odabella), David Yim (Foresto), Yongseung Song (Uldino), Wonyong Kang (Leone).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Juni 2017<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_7199\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/N\u00fcrnbeg-Attila.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7199\" class=\"size-full wp-image-7199\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/N\u00fcrnbeg-Attila.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"359\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/N\u00fcrnbeg-Attila.jpg 620w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/N\u00fcrnbeg-Attila-300x174.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7199\" class=\"wp-caption-text\">Staatstheater Nurnberg Spielzeit 2016\/2017<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper spielt in Aquileia, in den adriatischen Lagunen davor und vor Rom in der Mitte des f\u00fcnften Jahrhunderts. Hunnenk\u00f6nig Attila erobert Aquileia, l\u00e4\u00dft dessen Herrscher t\u00f6ten und will nun gegen Rom vorr\u00fccken. Odabella, die Tochter des get\u00f6teten Herrschers, beeindruckt Attila mit ihrem Mut und ihrer Sch\u00f6nheit. Da sie den Tod ihres Vaters r\u00e4chen will, geht sie auf Attilas Avancen ein. Aber sowohl der r\u00f6mische Feldherr Ezio wie auch Odabellas Geliebter Foresto wollen Attila vergiften. Ezio versucht zun\u00e4chst ein B\u00fcndnis mit Attila, um mit ihm die Weltherrschaft zu teilen, was Attila ablehnt, da er keinem Verr\u00e4ter traut. Der Papst Leone hindert Attila durch sein pers\u00f6nliches Erscheinen am Weitermarsch auf Rom. Wie die biblische Judith ersticht Odabella Attila.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist eine gro\u00dfe leere wei\u00dfe Spielfl\u00e4che: Die R\u00fcckwand hat zahlreiche kleine und gro\u00dfe L\u00f6cher, die manchmal nur als schwarzes oder rotes Loch, aber auch als Zu- oder Abgang zur B\u00fchne dienen. Im ersten Akt sieht man zwei Kindergartengruppen sich bekriegen. Die Hunnen haben sich in F\u00e4lle geh\u00fcllt, die Italiener in wei\u00dfe abgerissene Laken (als Toga?). Alltagsgegenst\u00e4nde wie Kelle oder L\u00f6ffel dienen als Waffen, ein gro\u00dfer Leiterwagen ist das Transportmittel. Im zweiten Akt tr\u00e4gt man Anzug und gehobene Gesellschaftskleidung, w\u00e4hrend die Darsteller im dritten Akt altern und im Rollstuhl und Rollator ins Altersheim kommen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Bis auf <strong>Helena Dix<\/strong> stammen alle Solisten aus dem Ensemble des Staatstheaters. Sie wird den Anforderungen an einen schweren italienischen Sopran f\u00fcr Verdi-Opern in der Rolle der Odabella mehr als gerecht, kann mit sicheren Koloraturen und hohen Spitzent\u00f6nen absolut sicher punkten. <strong>Nicolai Karnolsky <\/strong>kann mit seinem markigen Ba\u00df und seiner stimmigen Tiefe in der Titelrolle Attila brillieren. Sein fast schwarzer Ba\u00df, der auch mit einer soliden H\u00f6he gl\u00e4nzt, \u00fcberzeugt mit einer gro\u00dfen Registerbreite. <strong>Mikolaj Zalasinski<\/strong> gibt dem Ezio die verschlagenen Z\u00fcge eines Verr\u00e4ters. Sein gro\u00dfvolumiger Ba\u00dfbariton zeigt viel Pathos in der Tiefe, kann auch in den hohen Tonlagen \u00fcberzeugen. Gefeiert wird er bei den Arien am Anfang des zweiten Akts, wenn er spielerisch einfach durch die technisch anspruchsvollen Klangbilder sich hindurchbewegt \u2013 das Publikum versucht man w\u00e4hrenddessen durch eine Schie\u00dferei und \u00fcberdimensionalen Sprechblasen abzulenken.<\/p>\n<p><strong>David Yim<\/strong> ist nicht nur im Wagner-Fach zu Hause, er hat sich zu einem beeindruckenden italienischen Tenor mit Eloquenz besonders in den hohen Lagen entwickelt. Den Foresto stattet er mit viel tenoraler Durchschlagskraft als Liebhaber aus. <strong>Yongseung Song<\/strong> hat eine klare, sch\u00f6ne H\u00f6he und k\u00f6nnte im Legatogesang eine Zukunft finden. Er f\u00e4llt selbst in der relativ kleinen Nebenrolle des Uldino als Mitglied des Opernstudios auf. <strong>Gabor Kali<\/strong> bleibt mit der <strong>Staatsphilharmonie<\/strong> N\u00fcrnberg der Strippenzieher im Hintergrund, stellt sich eher als solider Begleiter der Solisten dar und stellt weniger die orchestralen St\u00fccke in den Mittelpunkt. Das Finale des zweiten Aktes ger\u00e4t besonders furioso (mitrei\u00dfend).<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Warum <em>Attila<\/em> eine selten gespielte Oper ist, macht diese Produktion deutlich: musikalisch keineswegs ein Fr\u00fchwerk, es ist ein reifer Verdi mit sehr anspruchsvoller Partitur zu h\u00f6ren, es fehlen nur musikalische H\u00f6hepunkte zum Mitsingen, wie im <em>Nabucco<\/em>, der vor dem Attila entstand. Allein, die Handlung kann nicht \u00fcberzeugen, die Szene in der der Papst Leone die Gei\u00dfel Gottes Attila zur Umkehr bewegt, ist mehr als unglaubw\u00fcrdig und die Schlu\u00dfformel <em>Auch Du, Odabella?<\/em> ist unfreiwillig komisch. Peter Konwitschny l\u00f6st dieses Problem durch die Darstellung als \u201eKindergarten mit infantilen Handlungen\u201c. Die Weiterentwicklung der \u00fcbergest\u00fclpten Handlung von \u201eErwachsenen als Giftmischern\u201c zum \u201eMord im Altenheim\u201c f\u00fchrt allerdings zu noch mehr Unglaubw\u00fcrdigkeiten, Gel\u00e4chter an falscher Stelle und irgendwann zeigt die Auff\u00fchrung gewaltige L\u00e4ngen. Das N\u00fcrnberger Publikum nimmt die \u00dcbernahme vom Theater an der Wien doch freundlich auf. F\u00fcr die S\u00e4nger aus dem Ensemble zu Recht gro\u00dfer Jubel.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jutta Missbach<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Unauff\u00e4llige Sprechblasen (2.Akt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in einem Prolog und 3 Akten (7 Bilder), Libretto: Temistocle Solera und Francesco Maria Piave, UA: 17. 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