{"id":719,"date":"2009-06-08T14:49:43","date_gmt":"2009-06-08T12:49:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=719"},"modified":"2010-03-21T23:42:12","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:12","slug":"bremerhaven-stadttheater-die-grossherzogin-von-gerolstein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=719","title":{"rendered":"Bremerhaven, Stadttheater &#8211; DIE GROSSHERZOGIN VON GEROLSTEIN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1881), Op\u00e9ra bouffe in drei Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, neuer Text von Rainer Dachselt und Michael Quast; UA: 12.April 1867, Paris<br \/>\nRegie: Wolfgang Hofmann, B\u00fchne: Lars Peter, Kost\u00fcme: Claudia Krull<br \/>\nDirigent: Hartmut Br\u00fcsch, st\u00e4dtisches Orchester, Chor, Extrachor, Kinderchor, Einstudierung: Ilia Bilenko, Ballett, Chroreographie: Sergei Vanaev<br \/>\nSolisten: Ann Juliette Schindewolf (Hortense), Daniel Kim (Prinz Kingjongpaul), Felipe Peir\u00f3 (Minister P\u00fcck), Kai Moritz von Blanckenburg (General Bumm), Ben Jung (Baron Grog), Ralph Ertel (Sch\u00fctze Fritz), Karolina Pasierbska (Wanda)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 6. Juni 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bremerhaven-die-groherzogin.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/bremerhaven-die-groherzogin.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bremerhaven-die-groherzogin.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/bremerhaven-die-groherzogin.jpg\" \/><\/a>Minister P\u00fcck will die politisch unerfahrene Gro\u00dfherzogin Hortense davon abhalten, sich in seine Regierungsgesch\u00e4fte einzumischen, indem er sie mit Prinz Kingjongpaul verkuppeln will. Der Heerf\u00fchrer General Bumm \u00fcberredet Hortense zu einem Krieg gegen das Nachbarland. Bei einer Truppeninspektion findet Hortense Interesse am Sch\u00fctzen Fritz, der mit Wanda, einem Bauernm\u00e4dchen, gl\u00fccklich ist. Hortense versucht, Fritz gef\u00fcgig zu machen, indem sie ihn schnell zum General macht. Dieser kehrt trotz seiner fehlenden Kriegstauglichkeit mit einem Sieg nach Gerolstein zur\u00fcck. Baron Grog, Ratgeber des Prinzen, gr\u00fcndet eine Verschw\u00f6rergruppe gegen Fritz, der auch Hortense beitritt, nachdem Fritz sich wieder weigert, sich auf sie einzulassen. Nach der Trauung mit seiner Wanda wird Fritz im rosafarbenen Zimmer verhauen und von Hortense anschlie\u00dfend degradiert sowie aus der Armee entlassen. Hortense f\u00fcgt sich eine Hochzeit mit dem Prinzen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas B\u00fchnenbild ist ein dreiteiliges Landschaftsbild, das zeitweilig von seiner mit gl\u00e4nzendem Stoff bespannten R\u00fcckseite sichtbar ist. Der Prinz unterscheidet sich in seinem dunkelblauen Arbeitsanzug kaum von den grau uniformierten Soldaten. Die Herzogin tr\u00e4gt nach ihrer Landung mit einem Fallschirm einen braunen Feldanzug, sp\u00e4ter ein schwarzes, flie\u00dfendes Neckholder-Kleid und hochhackige schwarze Sandalen, zuletzt eine cremefarbene weit ausgestellte Abendrobe. Die Festlichkeit der Kost\u00fcmierung steigert sich, bis zum Schlu\u00df alle Mitwirkenden in Hochzeitskleidung auftreten. Ein Kinderchor demonstriert mit zusammengehaltenen Papptafeln die Portr\u00e4ts der Herzogin und des Prinzen im Stil von Andy Warhol. Um das Milit\u00e4rische zu parodieren, wird die \u00dcbergabe des Degens in einer Art Kulthandlung a la Lohengrin zelebriert. Ein Minipanzer als Nachbildung der dicken Bertha f\u00e4hrt auf die B\u00fchne und richtet sein Rohr in das rosafabene Zimmer, ein von der Decke herabfallendes pinkfarbenes Stoffrohr, und auch ins Publikum. Sch\u00fcsse ersetzen die Schl\u00e4gerei. Wichtigstes Requisit ist der Helmbusch des Generals, der st\u00e4ndig die H\u00e4upter wechselt.<br \/>\nDie Sprache der Mitwirkenden ist teilweise ordin\u00e4r, beispielsweise wird Fritz als \u201eM\u00e4useficker\u201c bezeichnet, die Herzogin fordert zum \u201eAbbechern bis die Pupillen querstehen\u201c auf.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Bremerhavener Inszenierung bezieht sich auf eine Textfassung zweier Kabarettisten, und so wird Jaques Offenbachs Oper zur Operette oder zum Schauspiel mit Musik. Marschrhythmen und eing\u00e4ngige Melodien, die der Chor von den Solisten \u00fcbernimmt, werden vom Orchester in die deutsch gesprochenen Passagen eingeworfen. Dem <strong>Chor<\/strong> gelingt es, Offenbachs beschwingte und temporeiche Musik zum H\u00f6rgenu\u00df zu machen. Die Solisten singen zwar schwer verst\u00e4ndlich, aber stimmlich ganz annehmbar.<br \/>\n<strong>Ann Juliette Schindewolf<\/strong> (Hortense) spielt und singt ihre Rolle zwischen Salonsch\u00f6nheit und Flintenweib mit einiger \u00dcberzeugungskraft. <strong>Ralph Ertel<\/strong> mimt einen emotional unbewegten Fritz. <strong>Karolina Pasierbska<\/strong> (Wanda) f\u00fcllt ihre Soubrettenrolle eher stimmlich als schauspielerisch aus. <strong>Daniel Kim<\/strong> gibt dem Prinzen eine d\u00fcmmliche Note, indem er \u2013 wie der Clown im Zirkus \u2013 immer in seiner Wortwahl danebengreift und alsbald korrigiert wird. <strong>Kai Moritz von Blanckenburg<\/strong> darf sich als General die Kreide, die er zur primitiven Darstellung seiner Kriegspl\u00e4ne benutzt, auch ins Gesicht schmieren und mit seiner Schreckschu\u00dfpistole zur rhythmischen Unterst\u00fctzung knallen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMit der Qualit\u00e4t der leichten Muse, mit einer feinsinnigen Satire auf die Entmachtung falscher Autorit\u00e4ten und mit dem doppelb\u00f6digen Charakter einer Milit\u00e4rparodie gelang es Jacques Offenbach im Jahr der Weltausstellung 1867, dem Theater volle H\u00e4user und gro\u00dfe Erfolge zu bringen. Das schafften die Produzenten der Bremerhavener Auff\u00fchrung nicht. Das Theater war zu einem Viertel unbesetzt, und die Auff\u00fchrung blieb in teils grotesken Bem\u00fchungen um Witz und Komik stecken. Da konnten auch Offenbachs beschwingte Musik und seine spritzigen Rhythmen nicht viel ausrichten.<br \/>\nEs wird eine unbeantwortete Frage bleiben, wem der kr\u00e4ftige Beifall des Publikums am Ende galt, dem ach, so netten Happy End oder gar den tiefsinnigen Schlu\u00dfworten der Herzogin:<br \/>\n<em>Und die Moral von der Geschicht: man liebt etwas und kriegt es nicht. Am Ende liebt man irgendwann, was andres, das man kriegen kann.<\/em><\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Heiko Sandelmann<br \/>\nDas Bild zeigt: Ben Jung (Baron Grog), Daniel Kim (Prinz Kingjongpaul), Ann Juliette Schindewolf (Hortense), Kai Moritz von Blanckenburg (General Bumm) und Felipe Peir\u00f3 (Minister P\u00fcck).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1881), Op\u00e9ra bouffe in drei Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, neuer Text von Rainer Dachselt und Michael Quast; UA: 12.April 1867, Paris Regie: Wolfgang Hofmann, B\u00fchne: Lars Peter, Kost\u00fcme: Claudia Krull Dirigent: Hartmut Br\u00fcsch, st\u00e4dtisches<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=719\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[108,1],"tags":[],"class_list":["post-719","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bremerhaven-stadttheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=719"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/719\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1324,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/719\/revisions\/1324"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}