{"id":7177,"date":"2017-04-11T17:44:21","date_gmt":"2017-04-11T16:44:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7177"},"modified":"2017-06-26T17:51:28","modified_gmt":"2017-06-26T16:51:28","slug":"parsifal-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7177","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211;  Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach. UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchnenbild&amp;Lichtgestaltung: Guido Petzold, Kost\u00fcme: Sven Bindseil<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Opern- und Extrachor des Landestheaters Coburg (Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio)<\/p>\n<p>Solisten: Michael Bachtadze (Amfortas), Felix Rathgeber (Titurel), Michael Lion (Gurnemanz), Michael Bachtadze (Klingsor),\u00a0 Roman Payer (Parsifal), T\u00fcnde Szaboki (Kundry), Kora Pavelic (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. April 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Coburg-Parsifal.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7179\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Coburg-Parsifal.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"382\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Coburg-Parsifal.png 600w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Coburg-Parsifal-300x191.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Toren\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Einheitsb\u00fchnenbild macht von Anfang an klar, da\u00df mit einem Weihefestspiel in einem sakralen Raum nicht zu rechnen ist \u2013 es beginnt eine Auseinandersetzung mit Schopenhauer und Brecht. Man sieht eine gro\u00dfe leere B\u00fchne mit Seitenw\u00e4nden, auf die Farben, Formen und Assoziationen zur aktuellen Handlung projiziert werden. \u00dcber diese Versammlungshalle w\u00f6lbt sich eine im Hintergrund einst\u00fcrzende Neonr\u00f6hrendeckenkonstruktion. Manchmal m\u00fcssen die Gralsritter f\u00fcr zus\u00e4tzliche Beleuchtung sorgen, halten Neonr\u00f6hren hoch \u2013 oder soll es Erleuchtung sein? Diese Gralsritter tragen eher eine milit\u00e4rische Parteiuniform, nur Gurnemanz l\u00e4\u00dft einen Priester oder Guru noch erahnen. Kundry wirkt zuerst wie eine Landstreicherin, der Auftritt als Nachtklubs\u00e4ngerin hat wenig erotische Anziehungskraft, \u00fcberzeugt mehr f\u00fcr Parsifal in einer Mutterrolle. So ist es nur konsequent, da\u00df auch die Blumenm\u00e4dchen im wei\u00dfen Landdiskokleid Parsifal nicht verf\u00fchren k\u00f6nnen. Parsifal nimmt Klingsor (als andere Seite des Amfortas) den Speer ab, der wirkungslose Zaubergarten, der aus eher h\u00e4schenrosa Projektionen besteht, mu\u00df nicht untergehen. Parsifal kehrt orange gewandet als Buddhist zur\u00fcck, daher gibt es auch keinen optischen Karfreitagszauber, kein Fr\u00fchlings-Erwachen. Parsifal taucht den Speer in den von Kundry hoch gehaltenen Gralskelch ein. Das ist die Erl\u00f6sung. Kundry und Parsifal gehen ab, die Ch\u00f6re singen nur aus dem Zuschauerraum: Leere B\u00fchne am Schlu\u00df.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Den hohen Aufwand im musikalischen Bereich erkennt man kaum: der Extrachor wurde eigens zusammen gerufen, Solisten zus\u00e4tzlich verpflichtet. Dank des charakterstarken, explosiven und dennoch harmonisch ausbalancierenden Dirigats von GMD <strong>Roland Kluttig<\/strong> f\u00e4llt eigentlich nur im Streicherklang eine h\u00f6rbar reduzierte Orchesterbesetzung auf \u2013 was man eben auf bescheidenen sechsundsiebzig\u00a0 Quadratmetern im Graben. Das ist beim <strong>Chor<\/strong> manchmal schwierig, da er h\u00e4ufiger weit im gesamten Haus verteilt steht und dennoch sehr gut einheitlich intoniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis auf die Blumenm\u00e4dchen, da hakte es doch im Einsatz und der Sch\u00f6nheit. Allerdings sollte es laut Regie nicht sch\u00f6n sein, was auch f\u00fcr die Rolle der Kundry von <strong>T\u00fcnde Szaboki<\/strong> gilt. Sie forciert viel zu heftig und ist in der H\u00f6he etwas zu schrill. Ihr \u00a0gehen alle sinnlichen Sch\u00f6nheiten ab, die man von einem Mezzo eigentlich erwartet \u2013 ihr fehlt \u00fcber weite Strecken die Gelenkigkeit in der Stimmf\u00fchrung. Da\u00df sie Parsifals Mutter sein k\u00f6nnte, ist somit glaubhaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie man Durchschlagskraft sinnvoll einsetzen kann, zeigt <strong>Michael Lion<\/strong>. Er kann in der Stimmf\u00fchrung chargieren, jedes Wort verst\u00e4ndlich betonen, zeichnet mit feinen Nuancen den Gurnemanz als zentrale Pers\u00f6nlichkeit. <strong>Michale Bachtadze<\/strong> ist ein klangvoller lyrischer Bariton mit gro\u00dfer dramatischer Verve. Er kann in der Doppelrolle als Amfortas und als Klingsor Gemeinsamkeiten und kleine Unterschiede herausarbeiten. Etwas zu gro\u00df ist noch f\u00fcr <strong>Roman Payer<\/strong> die Titelpartie. Er singt am Haus eher die italienischen Tenorpartien, verf\u00fcgt \u00fcber eine leuchtende baritonale Mittelage, aus der heraus er sich in die tenoralen H\u00f6hen aufschwingt. F\u00fcr den Parsifal mu\u00df man aber auch expressiv t\u00e4tig werden, mu\u00df Ausdruck und \u201eHelden-Technik\u201c zeigen. Wozu er in der Lage ist, zeigt er am Schlu\u00df in <em>Nur eine Waffe taugt<\/em>! Er nimmt die Stimme zur\u00fcck, erz\u00e4hlt im Sch\u00f6ngesang, um mit <em>Enth\u00fcllet den Gral<\/em> zu explodieren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Heftiger Jubel, teils einheimisch, teils von weithin angereisten Wagnerianern verursacht. Man feiert ein kleines, aber historisch feines Haus, das zum Ende der Intendanz von Bodo Busse dieses gro\u00dfen anspruchsvollen Opus magnum zur allgemeinen Zufriedenheit stemmt. Vor allem wenn man bedenkt, wie reduziert die vorhandenen M\u00f6glichkeiten und Ressourcen sind: kleiner Orchestergraben, relativ kleiner Chor, zus\u00e4tzliche G\u00e4ste als Solisten und so weiter. Da mu\u00df man schon den Hut sehr tief ziehen: f\u00fcr das Landestheater Coburg ein gro\u00dfer Abend und f\u00fcr die G\u00e4ste, mit dem Resultat zufrieden, mag der Heimweg auch diesmal ein wenig l\u00e4nger sein.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Bachtadze (Amfortas), Michael Lion (Gurnemanz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach. UA: 26. 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