{"id":7174,"date":"2017-04-18T19:43:34","date_gmt":"2017-04-18T18:43:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7174"},"modified":"2017-06-25T19:46:56","modified_gmt":"2017-06-25T18:46:56","slug":"parsifal-wien-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7174","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Wien, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach. UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne: Alvis Hermanis,: Kost\u00fcme: Kristine Jurjane<\/p>\n<p>Dirigent: Semyon Bychkov, Orchester der Wiener Staatsoper, Chor, Extrachor und Kinder der Opernschule der Wiener Staatsoper (Chorleitung: Martin Schebesta)<\/p>\n<p>Solisten: Gerald Finley (Amfortas), Jongmin Park (Titurel), Kwangchul Youn (Gurnemanz), Jochen Schmeckenbecher (Klingsor),\u00a0 Christopher Ventris(Parsifal), Nina Stemme (Kundry), Monika Bohinec (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. April 2017 (Ostersonntag)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Wien-Parsifal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7175\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Wien-Parsifal.jpg\" alt=\"\" width=\"568\" height=\"402\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Wien-Parsifal.jpg 568w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Wien-Parsifal-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Toren\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alvis Hermanis <\/strong>verlegt die Handlung in die Zeit der ersten Auff\u00fchrung des <em>Parsifals<\/em> in Wien, die Geb\u00e4ude der Wiener Sezession des Namensvetters Otto Wagner dominieren wortw\u00f6rtlich die B\u00fchne: Da ist das Otto Wagner-Spital am Steinhof: in dieser Nervenheilanstalt werden Geisteskranke wie Amfortas auch in K\u00e4figen behandelt. Die Fassade im Hintergrund geh\u00f6rt zu der Otto-Wagner-Kirche, deren Altarkuppel sich als heiliger Gral herabsenkt und ein \u00fcberdimensionales Gehirn zu umfassen sucht. Klingsor ist der alternative Doktor im Leichenschauhaus, in dessen B\u00fccherwand pr\u00e4chtige Folianten und medizinische Pr\u00e4parate kleiner Kinder stehen. Der Otto Wagner-Pavillon am Karlsplatz ist nur als Portal, aber nicht in seiner Benutzung zu sehen. Die Gralsritter haben offensichtlich gerade die <em>Walk\u00fcre<\/em> als Therapie genossen \u2013 in goldenen G\u00f6tterr\u00fcstungen. Sonst kann man die Kost\u00fcme der Wiener Gesellschaft bzw. deren Krankenbehandlung zuordnen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es w\u00e4re unfair, einen Star aus diesem Ensemble hochrangiger altgedienter Solisten auszuw\u00e4hlen. Vielleicht <strong>Christopher Ventris<\/strong> als Parsifal, der sich in dieser Rolle zu einem f\u00fchrenden Heldentenor entwickelt hat. So zeigt er strahlenden Glanz, auch wenn es keine gro\u00dfvolumige Stimme ist. Ebenfalls ein alter Bekannter ist <strong>Kwangchul Youn<\/strong> in der Rolle des Gurnemanz. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine weiche, warme, aber dennoch vollt\u00f6nende und durchschlagsstarke Stimme, die immer pr\u00e4sent ist und immer wortverst\u00e4ndlich ist. <strong>Gerald Finley<\/strong> ist ein Konzerts\u00e4nger, der im Mozartfach aufgewachsen ist. Zus\u00e4tzlich hat er sich als Hans Sachs oder Escamillo eine dramatische Durchschlagskraft erarbeitet und ist so in der Lage, die unendlichen Leiden und Verzweiflungsrufe des Amfortas umzusetzen. <strong>Jochen Schmeckenbecher <\/strong>ist als hellklingender Klingsor der ebenb\u00fcrtige Gegenspieler des Amfortas. Leider kann die gro\u00dfe dramatische <strong>Nina Stemme<\/strong> an diesem Abend der Kundry nicht den verf\u00fchrerischen Ausdruck und Zungenschlag geben.<\/p>\n<p><strong>Semyon Bychkow<\/strong> hat sich gro\u00dfe Bekanntheit erarbeitet, als er in der \u00c4ra Sinopoli an der Semperoper die Wagnerdirigate \u00fcbernahm. Er zelebriert das weihevolle Pathos der musikalischen Gralswelt wie eine symphonische Dichtung: langsame Tempi dominieren allerdings. Es gelingt ihm auch das Blech in den Streicherklang zu integrieren, so klingen die Gralszenen auch im Fortissimo nicht hart und blechern, sondern ausgewogen und monumental. Die Solisten k\u00f6nnen ihre Gesangslinien optimal gestalten, Wortverst\u00e4ndlichkeit ist so selbstverst\u00e4ndlich. Gro\u00dfes Lob dem Chor, dem Kinderchor und den Blumenm\u00e4dchen, die sich an der Wiener Staatsoper harmonisch in den Orchesterklang einf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wie im Traum! Man schlie\u00dft die Augen und lehnt sich zur\u00fcck. Der Tuttiklang der Streicher in der Wiener Staatsoper beginnt zu tragen, man schwebt \u00fcber den Dingen, f\u00fchlt den Einklang von Musik und Natur, der Karfreitagszauber beginnt zu wirken, die Sonne geht auf und vertreibt das Dunkel der Zeit. Man \u00f6ffnet die Augen und st\u00fcrzt auf den harten B\u00fchnenboden herunter. Nichts in der Szenerie hat etwas mit der Erz\u00e4hlung der Musik zu tun. Zwar sind die Jugendstil-Geb\u00e4ude f\u00fcr Wien pr\u00e4gend, aber sp\u00e4testens bei dem Gehirn in der Gralszene fragt man sich, wo der Bezug zwischen dem Baumeister Otto Wagner und Richard Wagner ist. Und ist dennoch dankbar, da\u00df <strong>Alvis Hermanis<\/strong> nicht den Bezug zu einem Pizzab\u00e4cker gleichen Namens genommen hat \u2013 und da\u00df es m\u00f6glich ist, f\u00fcr eine Ostervorstellung in Wien Karten zu bekommen \u2013 \u00fcblicherweise ein schwieriges Unterfangen! Obschon die musikalische Leistung der Wiener Staatsoper vom Publikum enthusiastisch gefeiert wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Michael P\u00f6hn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nina Stemme (Kundry) li., Christopher Ventris (Parsifal), Mitte, Jochen Schmeckenbecher(Klingsor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach. UA: 26. 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