{"id":7171,"date":"2017-04-19T19:39:30","date_gmt":"2017-04-19T18:39:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7171"},"modified":"2017-06-25T20:00:14","modified_gmt":"2017-06-25T19:00:14","slug":"die-walkuere-salzburg-osterfestspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7171","title":{"rendered":"DIE WALK\u00dcRE &#8211; Salzburg, Osterfestspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Libretto: R. Wagner, UA: 26. Juni 1870 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches \u00a0Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Vera Nemirova, B\u00fchnenbild G\u00fcnther Schneider-Siemssen, Rekonstruktion B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Jens Kilian<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Peter Seiffert (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Vitalij Kowaljow (Wotan), Anja Harteros (Sieglinde), Anja Kampe (Br\u00fcnnhilde), Christa Mayer (Fricka), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. April 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Salzburg-Walkuere.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7172\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Salzburg-Walkuere.png\" alt=\"\" width=\"647\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Salzburg-Walkuere.png 647w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Salzburg-Walkuere-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der verfolgte W\u00e4lsunge Siegmund findet bei der verlorengeglaubten Zwillingsschwester Sieglinde Zuflucht und zeugt Siegfried. Fricka verlangt S\u00fchne f\u00fcr Ehebruch und Blutschande. Durch die eigenen Gesetze gebunden, mu\u00df Wotan Siegmund opfern. Todgeweiht will Siegmund die Schwester lieber t\u00f6ten, als ungesch\u00fctzt zur\u00fcckzulassen. Da beschlie\u00dft Br\u00fcnnhilde, entgegen Wotans Befehl, die W\u00e4lsungen zu retten, doch Wotan bewirkt Siegmunds Tod. Br\u00fcnnhilde flieht zun\u00e4chst mit Sieglinde vor Wotan, aber Wotan bestraft Br\u00fcnnhilde und bettet sie in einen Feuerring, aus dem nur ein Held sie erretten kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Dominant, omnipr\u00e4sent und aus dem mystischen Dunkel stets wirkend: die B\u00fchnenbilder von G\u00fcnther Schneider-Siemssen haben Operngeschichte geschrieben, zeigen relativ einfach gestaltete Motive. Da ist die riesige Esche mit einem Tor zwischen den Wurzeln, wie ein riesiger Mammutbaum. Da ist die b\u00fchnenf\u00fcllende Ringscheibe, die sich teilen und verfahren kann und die beiden letzten Akte bestimmt. Relativ wenige Gegenst\u00e4nde kommen noch in den Blick: ein Sessel f\u00fcr Wotan und Fricka (getragen von zwei Widdern), eine Feuerstelle f\u00fcr die W\u00e4lsungen, Stockpferde f\u00fcr die Walk\u00fcren und ein schlicht-feuriger Feuerzauber zum Schlu\u00df. Die Kost\u00fcme sind den Original-Kost\u00fcmen nachempfunden, entstammen mystischen Urzeiten oder einem Designer der Gegenwart.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit der <em>Walk\u00fcre<\/em> ist die Staatskapelle wie im Schlaf vertraut: die Abstimmung aller Instrumentengruppen ist perfekt austariert, da gibt es keine Intonationsprobleme oder im Zusammenspiel Lautst\u00e4rkeunterschiede. Man kann die Crescendos \u00fcber mehrere Takte hinweg verfolgen (und es ist wirklich eine Steigerung!) oder einen harten Schnitt zwischen Fortissimo und Pianissimo machen. So wird der <em>Walk\u00fcrenritt<\/em> eher zu einer epischen Erz\u00e4hlung \u00fcber die Walk\u00fcren und weniger zu einer blechlastigen Filmmusik. Man kann von einer Zusammenarbeit und eher weniger von einer Leitung durch <strong>Christian Thielemann<\/strong> sprechen: man atmet miteinander, man wirkt zusammen, da wird das Gesamtkunstwerk Wagners zum Leben erweckt und nicht herunter gespielt.<\/p>\n<p>Auch bei der Solisten-Besetzung kann man von historisch sprechen. <strong>Peter Seiffert<\/strong> sang bis 2000 in Bayreuth den Ritter Stolzing \u2013 als einer der wenigen Heldenten\u00f6re im Wagnerfach, die dieses Attribut verdienen. Als Siegmund nimmt er sich etwas zur\u00fcck, die Stimme klingt kaum br\u00fcchig, die exponierten T\u00f6ne sitzen. So wird die Rolle tiefsinnig ausgeleuchtet.<\/p>\n<p><strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> befindet sich jetzt als Wagnerba\u00df in der Weltspitze. Mit seiner wohlklingenden Stimme gibt er jeder Rolle entsprechende Tiefe und charakterisiert den Hunding als intellektuellen B\u00f6sewicht. <strong>Anja Kampe<\/strong> hat als Br\u00fcnnhilde bei den dramatischen Ausbr\u00fcchen kleinere Probleme. Das Forcieren kostet Kraft und geht auf Kosten der Sch\u00f6nheit. Die Gestaltung von <em>Br\u00fcnnhildes Abschied<\/em> gelingt dank tadelloser Stimmf\u00fchrung, vereint mit m\u00e4dchenhafter Attit\u00fcde. Da\u00df dieses Duett unverge\u00dflich ist liegt an <strong>Vitalij Kowaljow<\/strong> als Wotan: Sichere H\u00f6he, fast schwarze aber dennoch leuchtende Tiefe und unendliche Kraftreserven. M\u00fchelos sicher gelingt ihm <em>Leb wohl, du herrliches k\u00fchnes Kind<\/em> als Ausdruck von Verzweiflung und Zuneigung: Fast k\u00f6nnte man von Taschentuch-Oper sprechen.<\/p>\n<p><strong>Anja Harteros<\/strong> ist ein schwerer Sopran und deckt damit gerade im ersten Akt die Sch\u00f6nheiten im Liebeschwur der Sieglinde zu. Der Verzweiflung und Dramatik w\u00e4hrend der Flucht gestaltet sie hingegen mit gro\u00dfem Ausdruck. Auch <strong>Christa Mayer<\/strong> hat viel Erfahrung im Wagner-Fach. Ihre Fricka ist durch dezent ge\u00e4u\u00dferte H\u00e4me und Spott gegen\u00fcber ihrem sich windenden Gatten gekennzeichnet. <em>Deiner ew&#8217;gen Gattin heilige Ehre<\/em> wird zum Menetekel des Untergangs Siegmunds und damit auch Wotans.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcnfzig Jahre alt werden die Salzburger Osterfestspiele in diesem Jahr. Da ist es zul\u00e4ssig auf diese f\u00fcnfzig Jahre zur\u00fcckzublicken und sich mit der Er\u00f6ffnungsproduktion aus dem Jahr 1967 zu besch\u00e4ftigen, f\u00fcr das <strong>G\u00fcnther Schneider-Siemssen<\/strong> legend\u00e4re B\u00fchnenbilder schuf, w\u00e4hrend <strong>Herbert von Karajan<\/strong> f\u00fcr Regie und musikalische Leitung verantwortlich zeichnet, er hat die Festspiele auch aus dem Boden gestampft. Die B\u00fchnenbilder hat man aufwendig liebevoll rekonstruiert.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnengeschehen wird von <strong>Vera Nemirova<\/strong> neu in Szene gesetzt, die sich hinsichtlich Regieeinf\u00e4llen und \u00dcberaktionismus dankenswerterweise zur\u00fcckgenommen hat und wahrscheinlich den Intentionen Karajans sehr nahe kommt \u2013 wenn man absieht von Texten und Grafiken zus\u00e4tzlichen, die in den Hintergrund projiziert werden. Die mystischen B\u00fchnenbilder tragen die Produktion, beseelen auch die Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann, den man ja auch als eine Art Nachfolger Karajans sehen kann. St\u00fcrmischer Applaus ungeahnten Ausma\u00dfes f\u00fcr alle Beteiligten \u2013 eine Sternstunde der Oper!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: OFS\/Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anja Harteros (Sieglinde), Georg Zeppenfeld (Hunding)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto: R. Wagner, UA: 26. 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