{"id":7161,"date":"2017-06-14T11:33:59","date_gmt":"2017-06-14T10:33:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7161"},"modified":"2017-06-16T11:52:48","modified_gmt":"2017-06-16T10:52:48","slug":"fidelio-koeln-oper-staatenhaus-saal-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7161","title":{"rendered":"FIDELIO &#8211; K\u00f6ln, Oper (Staatenhaus Saal 1)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner und Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly, 1798\/99. Diese op\u00e9ra comique wurde von Pierre Gaveaux vertont und war in Frankreich sehr erfolgreich.<\/p>\n<p>UA: 1. Fassung (3 Akte) als <em>Fidelio<\/em> <em>oder<\/em> <em>Die eheliche Liebe<\/em>: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien; 2. Fassung (2 Akte), <em>Leonore oder der Triumph der Liebe<\/em>: 29. M\u00e4rz 1806, Wien, Theater an der Wien; 3. Fassung, von Beethoven stark revidiert: 23. Mai 1814, Wien, K\u00e4rtnertortheater, hier gespielt<\/p>\n<p>Regie: Michael Hampe, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Darko Petrovic nach dem Konzept von John Gunter<\/p>\n<p>Dirigent: Alexander Rump, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln, Chor der Oper, Choreinstudierung: Andrew Ollivant, Licht Andreas Gr\u00fcter, Dramaturgie, \u00a0Tanja Fasching, Georg Kehren<\/p>\n<p>Solisten: Lucas Singer (Don Fernando, Minister), Samuel Youn (Don Pizarro, Gouverneur eines Staatsgef\u00e4ngnis), David Pomeroy (Florestan), Emma Bell (Leonore), Stefan Cerny (Rocco, Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter), Ivana Rusko (Marzelline, Tochter Roccos), Dino L\u00fcthy (Jaquino, Pf\u00f6rtner), Young Woo Kim (1. Gefangener), Matthias Hoffmann (2. Gefangener)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. Juni 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/K\u00f6ln-Fidelio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7162\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/K\u00f6ln-Fidelio.jpg\" alt=\"\" width=\"583\" height=\"389\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/K\u00f6ln-Fidelio.jpg 583w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/K\u00f6ln-Fidelio-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Gefangene Florestan hat den Gef\u00e4ngnisgouverneur Don Pizarro zum Todfeind, der ihn namenlos im tiefsten Verlies seines Gef\u00e4ngnisses gefangenh\u00e4lt. Leonore, hatte von dem nicht registrierten Gefangenen geh\u00f6rt und sich daher dem Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter Rocco als Helfer unter dem Namen Fidelio angeboten. Leonore wei\u00df nicht genau, ob es sich bei dem namenlosen Gefangenen um ihren verschwundenen Ehemann handelt.<\/p>\n<p>In einem Brief an Don Pizarro k\u00fcndigt der zust\u00e4ndigen Minister Fernando seinen Besuch im Gef\u00e4ngnis an. Ihm war zu Ohren gekommen, da\u00df einige Gefangene in ungerechtfertigter Weise gefangengehalten w\u00fcrden. F\u00fcr Pizarro war das unmittelbarer Anla\u00df, sich seines \u00e4rgsten Feindes Florestan zu entledigen.<\/p>\n<p>Diesen Mordplan versucht Leonore zu verhindern. Sie \u00fcberredet Rocco, der sie als seinen zuk\u00fcnftigen Schwiegersohn Fidelio ansieht, ihn mit in die Verliese begleiten zu d\u00fcrfen. Das tut Rocco, der die vorhandene Zisterne in ein Grab umwandeln soll. Dann wollte Pizarro kommen, um Florestan zu erstechen. Doch Fidelio stellt sich ihm mit einer Pistole entgegen. Gleichzeitig erscheint der Minister und l\u00e4\u00dft Florestan und die anderen Gefangenen frei. Leonore schlie\u00dft ihren Mann gl\u00fccklich in die Arme.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine hohen Mauer, oben mit Stacheldraht gekr\u00f6nt, bildet den B\u00fchnenhintergrund. Im zweiten Bild verlassen die Gefangenen ihre Gef\u00e4ngniszellen und kommen in den Gef\u00e4ngnishof. Im dritten Bild wird der Boden des Gef\u00e4ngnishofes hochgefahren und zeigt das Verlies mit Florestan. Im vierten und letzten Bild ist wieder der Gef\u00e4ngnishof zu sehen. Zum Opernende verlassen alle den Hof und die hohen Gef\u00e4ngnismauern schlie\u00dfen sich wieder, so da\u00df das Anfangsbild mit der geschlossenen Gef\u00e4ngniswand wieder sichtbar wird.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dirigent <strong>Alexander Rump<\/strong> beginnt in ruhigem Tempo die Leonore Nr. 3 Ouvert\u00fcre, die Beethoven der Wiederaufnahme der Oper 1806 voranstellte. Der dramatische Operninhalt wird angedeutet. In der problematischen Akustik von Saal 1 im Staatenhaus wird sie passabel h\u00f6rbar. Die H\u00f6hepunkte sind deutlich hervorgehoben.<\/p>\n<p>Die zahlreichen Duette, Terzette und Quartette dieser Oper bew\u00e4ltigen die S\u00e4nger in harmonischem Zusammenspiel. Mit klarer Sopranstimme gl\u00e4nzt <strong>Ivana Rusko<\/strong> (Marzelline) in ihrer Arie <em>O w\u00e4r ich schon mit dir vereint<\/em>, obwohl ihre H\u00f6hen ein wenig gepre\u00dft klingen und sie die Koloraturnoten verschleift. Doch im Opernverlauf verliert sich das etwas. <strong>Dino L\u00fcthy<\/strong> (Jaquino) hat ebenfalls M\u00fche, die H\u00f6hen ohne Pressen zu erreichen, w\u00e4hrend er seiner Tenorstimme aber die angemessene Dynamik verleiht. Bassist <strong>Stefan Cerny<\/strong> l\u00e4\u00dft in guter Wortverst\u00e4ndlichkeit die \u201eGoldarie\u201c: <em>Hat man nicht auch Gold beineben<\/em> h\u00f6ren und seine gut fokussierte Stimme, die auch in den H\u00f6hen noch rund klingt, gibt dieser wichtigen Arie ihren n\u00f6tigen Nachdruck.<\/p>\n<p>Der schon international erfolgreiche, aus dem K\u00f6lner Opernstudio hervorgegangenen Koreaner <strong>Samuel Youn<\/strong> (Don Pizarro) stellt in Auftreten und dem gut gef\u00fchrten Ba\u00dfbariton den\u00a0 machtbetonten Gouverneur eines Staatsgef\u00e4ngnis dar, \u00e4u\u00dferlich unterst\u00fctzt mit einem lange, grauen Milit\u00e4rmantel. Er kennt nur Rache ohne Pardon.<\/p>\n<p>Die Britin <strong>Emma Bell<\/strong> (Leonore) hat einen sch\u00f6nen lyrischen Sopran, den sie versteht gut einzusetzen. Leider vermindern einige Tr\u00fcbungen der Intonation und vor allem ihre unsch\u00f6ne Aussprache des Deutschen, besonders bei gesprochenen Stellen, den Genu\u00df ihrer Gesangslinien. <strong>David Pomeroy<\/strong> als im tiefen Verlies gefangener Florestan gestaltet seine ausgedehnte Arie (2. Akt), die von Einsamkeit und Hunger erf\u00fcllt ist, mit gro\u00dfem Engagement und beeindruckender Lebendigkeit.<\/p>\n<p>Eine unvermittelte, auf das Publikum \u00fcbergreifende Stimmung vermittelt der <strong>Gefangenenchor.<\/strong> Sie dr\u00fccken darin den lang vermi\u00dften Aufenthalt im Hof des Gef\u00e4ngnisses aus: <em>O welche Lust, in freier Luft, den Atem frei zu heben<\/em>. Die hier im Pianissimo zu vernehmenden Chorstimmen werden leider vom Orchester \u00fcberlagert. Resultiert dieser Eindruck von der ung\u00fcnstigen Akustik des Saals? Daf\u00fcr sind die Crescendi danach und die Wortverst\u00e4ndlichkeit tadellos<\/p>\n<p>Viellicht bemerkten einige im Publikum eine Wendung im gesungenen: <em>Sprecht leise, haltet euch zur\u00fcck, wir sind belauscht mit Ohr und Blick<\/em>. Klingt das nicht wie eine Warnung vor dem heute alles beherrschenden Geheimdienste des Internet?<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Eine sehenswerte, ber\u00fchrende Auff\u00fchrung dieser einzigen Oper von Beethoven, die sicher der behutsamen Personenf\u00fchrung von Regisseur <strong>Michael Hampe<\/strong> geschuldet ist. Eventuell vermissen bei der ruhig verlaufenden Handlung einige Opernbesucher \u201ebesondere\u201c Regieeinf\u00e4lle, denn man kennt ja andere Auff\u00fchrungsformen. Doch der langanhaltende Befall des Premierenpublikums widerspricht einer solchen Annahme. Hier zahlt sich gediegene Regiearbeit aus. Sie ist auch nicht teurer, wie \u00f6fters angef\u00fchrt. Sind wir in K\u00f6ln froh, einen solchen versierten Regisseur immer mal wieder begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Samuel Youn (Don Pizarro) begleitet von Gef\u00e4ngnisaufseher<\/p>\n<p>(Im gleichen Heft erscheint ein Interview mit Professor Hampe.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner und Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly, 1798\/99. Diese op\u00e9ra comique wurde von Pierre Gaveaux vertont und war in Frankreich sehr erfolgreich. UA: 1. 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