{"id":7154,"date":"2017-05-15T17:34:32","date_gmt":"2017-05-15T16:34:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7154"},"modified":"2017-06-15T17:36:51","modified_gmt":"2017-06-15T16:36:51","slug":"norma-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7154","title":{"rendered":"NORMA &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Stephane Braunschweig, Kost\u00fcme: Thibault Vancraenenbroeck<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie und Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Hrachuhi Bassenz (Norma), Ilker Arcay\u00fcrek (Pollione) (David Yim, erkrankt), Ida Aldrian (Adalgisa), Alexey Birkus (Oroveso), Ksenia Leonidova (Clotilde), Yongseung Song (Flavio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Mai 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/N\u00fcrnberg-Norma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7155 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/N\u00fcrnberg-Norma.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"402\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/N\u00fcrnberg-Norma.jpg 605w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/N\u00fcrnberg-Norma-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt etwa 50 v. Chr. im von R\u00f6mern besetzten Gallien. Norma, Tochter von Oroveso und Hohepriesterin der Druiden, liebt heimlich den r\u00f6mischen Konsul Pollione, von dem sie zwei Kinder hat. Daher weigert sie auch sich, zum Aufstand gegen die R\u00f6mer aufzurufen. Als sie erf\u00e4hrt, da\u00df Pollione sie mit der Priesterin Adalgisa betr\u00fcgt und diese statt ihrer nach Rom mitnehmen will, sinnt sie auf Rache, will sogar die Kinder t\u00f6ten und ruft zun\u00e4chst zum Krieg gegen die R\u00f6mer auf. Aber dann klagt sie sich selbst an ihre Religion zu verraten. Sie \u00fcberantwortet ihre Kinder Oroveso und bietet sich im Tempel als Opfer dar. Pollione, \u00fcberw\u00e4ltigt von Normas Geradlinigkeit und Treue, folgt ihr auf den Scheiterhaufen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Einheitsb\u00fchne: ein archaischer Kellerraum aus gro\u00dfen rechteckigen Steinplatten. Hinten links f\u00fchren steinerne Stufen herab, rechts wird ein gro\u00dfer Gong aufgeh\u00e4ngt. Die Hinterwand enth\u00e4lt eine Dreht\u00fcr, die f\u00fcr schnelle Auftritte genutzt wird. Schimmert durch den Spalt das helle Licht, entschwinden Norma und Pollione ins Feuer oder in den Sonnenaufgang?<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme lassen sich nicht wirklich zuordnen: die Damen mit blauen Kleider, dar\u00fcber tragen sie lange, dunkle Herrenm\u00e4ntel. \u00c4hnliche Filzm\u00e4ntel tragen die Herren, darunter befinden sich dunkelgrau-karierte Kombinationen aus Hemd\/Hose und Pullover. Die R\u00f6mer tragen schwarze Anz\u00fcge und M\u00e4ntel. Alle fuchteln mit Pistolen oder Springmessern herum. Zum Finale senkt sich ein gro\u00dfer Baum herab, der sich in einer Bonsai-Ausgabe an der Rampe widerspiegelt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Leider ist <strong>David Yim<\/strong> an diesem Abend indisponiert, <strong>Ilker Arcay\u00fcrek<\/strong> vertritt ihn als Pollione. Er ist eigentlich als Flavio vorgesehen, in dieser Rolle wird er von <strong>Yongseung Song<\/strong> vertreten. Die Vorstellung ist so gerettet, der Glanz kommt dank <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong>. Ihr schwerer und eloquenter Koloratursopran besitzt eine enorme Ausdruckskraft, sie verf\u00fcgt \u00fcber ein schwerelos leichtes Pianissimo, kann aber auch Furor mit Kraft und Strahlglanz verbreiten und demonstriert, wie man Koloraturnoten wie Perlen aneinanderreiht. Normas Glanzarie: <em>casta diva<\/em> piano zu gestalten ist kein Problem, ein wohl disponierter <strong>David Yim<\/strong> wird auch die Dialoge mit ihr entsprechend gestalten k\u00f6nnen. <strong>Ida Aldrian<\/strong> verf\u00fcgt in anderen Rollen am Haus \u00fcber sichere italienische Koloraturen, kann die Rolle der Adalgisa aber nicht wirklich im Stil des Belcanto gestalten. Sie hat zwar eine jugendlich leichte Stimme, kann jedoch nicht \u2013 hinsichtlich Leuchtkraft \u2013 im Piano mit <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> mithalten und geht auch bei manchen hohen T\u00f6nen tremolierend fehl. Wenig \u00fcberzeugend <strong>Alexey Birkus<\/strong> als Oroveso, die Stimme klingt unsicher und zerbrechlich \u2013 ein <em>Basso cantante<\/em> ist er nicht. Vielleicht leider er aber auch darunter, da\u00df <strong>Marcus Bosch<\/strong> keinen richtigen Zugang zum Belcanto im Orchester findet. Das Blech wirkt sehr dominant, die Zwischenmusiken klingen eher wie monumentale Marschmusiken, filigrane Zwischent\u00f6ne gehen unter. Auch bei der Untermalung der Solisten ist das Orchester streckenweise zu dominant, Eins\u00e4tze f\u00fcr Einspringer gehen fehl, manche Duette f\u00fchlen sich nach Terzetten an. Die Temposteigerung f\u00fcr den Chor <em>guerra, guerra<\/em> meistert der Chor eindrucksvoll, bleibt dabei aber inhaltlich wirkungslos.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein Einspringer rettet den Abend: diese erfolgreiche L\u00f6sung aus dem eigenen Ensemble zeigt wie flexibel und gut das Staatstheater N\u00fcrnberg aufgestellt ist. Doch leider bleibt in vielerlei Hinsicht ein fahler Nachgeschmack. Die kritische Gesamtausgabe der Partitur, der diese Produktion folgt, enth\u00e4lt positiverweise eine lange Fassung des Vorspiels und die zwei Strophen des <em>guerra<\/em>-Chores. Jedoch ist der zweite Teil von Normas Arie <em>casta diva<\/em> nicht identisch mit historischen Aufnahmen mit Maria Callas. Die Besetzung der Rolle der Adalgisa mit einem schw\u00e4cheren Mezzo entspricht zwar der derzeitigen Besetzungspolitik, entwertet jedoch die Auseinandersetzung zwischen Norma und Adalgisa. \u00dcberhaupt bleibt hier die Frage nach dem Belcanto offen: Orchester und Dirigent Marcus Bosch sind h\u00f6rbar schon beim <em>Ring des Nibelungen<\/em>: blecherne H\u00e4rte, <em>fortissimo<\/em> und <em>accelerando<\/em> \u00fcberdecken jedes filigrane Gewebe, melancholische Attit\u00fcde sowie Piano und lange Melodieketten, wof\u00fcr der Belcantogesang geliebt wird \u2013 Duette gehen im Orchester unter. Ganzen Passagen gleichen eher Melodien Verdis als Bellinis. Aber wenigstens <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> kann die Sch\u00f6nheit des Belcantos aufleben lassen. Die belanglose Beliebigkeit der Inszenierung tut ein \u00fcbriges: immerhin ein sehr freundlicher Applaus des Publikums zum Abschlu\u00df.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jutta Missbach<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hrachuh\u00ed Bass\u00e9nz (Norma), im Hintergrund Chor des Staatstheater N\u00fcrnberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 26. 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