{"id":7128,"date":"2017-05-07T18:54:29","date_gmt":"2017-05-07T17:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7128"},"modified":"2017-05-07T18:54:29","modified_gmt":"2017-05-07T17:54:29","slug":"aniara-eine-revue-ueber-den-menschen-in-zeit-und-raum-malmoe-opera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7128","title":{"rendered":"Aniara \u2013 Eine Revue \u00fcber den Menschen in Zeit und Raum, Malm\u00f6, Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Karl-Birger Blomdahl (1916\u20131968), Oper in zwei Akten und sieben Tableaus, Libretto: Erik Lindegren nach dem Versepos <em>Aniara<\/em> von Harry Martinson, UA: 1959 Stockholm<\/p>\n<p>Regie: Stefan Johansson, B\u00fchne und Video: Jan Lundberg, Maske und Kost\u00fcm: Bea Szenfeld, Licht und Video: Torben Lendorph, , Choreographie und K\u00f6rpersprache: Patrik S\u00f6rling<\/p>\n<p>Dirigent: Tobias Ringborg, Orchester und Chor der Oper Malm\u00f6<\/p>\n<p>Solisten: Alexandra B\u00fcchel (die blinde Poetin), Frida Engstr\u00f6m (Daisi Doody\/La Gar\u00e7onne), Daniel Hallstr\u00f6m (der Mimarob), Lars Arvidson (Chefone), Ole Alexander Bang (Cheftechniker 1), Rickard S\u00f6derberg (Cheftechniker 2), Bengt Kranz (Cheftechniker 3), Conny Thimander (Hochkomiker Sandon), Tina H\u00f8jlund (Pilotin Isagel; Tanzrolle) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. Mai 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Malm\u00f6-Aniara.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7130\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Malm\u00f6-Aniara.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"536\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Malm\u00f6-Aniara.jpg 357w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Malm\u00f6-Aniara-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das Raumschiff <em>Aniara<\/em> hat mit 8000 Emigranten an Bord die zerst\u00f6rte Erde verlassen und ist zum Mars unterwegs. W\u00e4hrend eines Festes wird das Fahrzeug jedoch aus seiner Bahn geworfen und fliegt nun unaufhaltsam in die Weiten des Weltalls. Sechs Jahre sp\u00e4ter empf\u00e4ngt Mima, die k\u00fcnstliche Intelligenz des Raumschiffes, letzte Signale von der Ausl\u00f6schung der Erde. Mimas Trauer dar\u00fcber f\u00fchrt zu ihrem Tod. Chefone, der diktatorische Kommandant des Schiffes, gibt dem Mimaroben, einem Diener und Werkzeug des Supercomputers Mima, und der Pilotin Isagel die Schuld daran. Die Emigranten beginnen in verschiedene sektiererische Gruppen zu zerfallen. Zwanzig Jahre nach dem Start hat die blinde Poetin eine Vision und versetzt alle in Ekstase. Sie wird auf Befehl Chefones abgef\u00fchrt. Die Pilotin Isagel tanzt zum letzten Mal w\u00e4hrend die blinde Poetin den Tod als Erl\u00f6ser besingt. Der Mimarob beschreibt das Ende des Lebens an Bord. Das Raumschiff fliegt weiter in Richtung des Sternbilds Leier und sendet sein Signal.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Inszenierung ist in Teilen eine Rekonstruktion der Urauff\u00fchrung von 1959. Kost\u00fcme, B\u00fchnenbild, Effekte, Tanz und Choreographie sind nach Dokumenten und Erinnerungen von daran beteiligten K\u00fcnstlern und Zuschauern gestaltet und davon inspiriert. Das B\u00fchnenbild ist symmetrisch und dunkel, es dominieren die Farben Schwarz und Wei\u00df, Rot und Silber setzen punktuell Akzente. Im zweiten Akt wird eine holographische Tanzeinlage gezeigt. Bemerkenswert ist, da\u00df auch eine der Hauptrollen \u2013 die Pilotin Isagel, dargestellt von <strong>Tina H\u00f8jlund<\/strong> \u2013 stumm ist und sich ausschlie\u00dflich t\u00e4nzerisch-pantomimisch \u00e4u\u00dfert. Ihre Bewegungen gehen auf Instruktionen der T\u00e4nzerin der Urauff\u00fchrung Birgit \u00c5kesson zur\u00fcck. Das Spiel der Akteure ist zumeist nach vorne, in den Zuschauerraum gerichtet. Am Ende \u00f6ffnet sich der Hintergrund und gibt den Blick auf den mit Sternen erf\u00fcllten Weltraum frei.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die individuellen Rollen in dieser Oper haben vergleichsweise kurze und isolierte Solost\u00fccke. Stattdessen tr\u00e4gt der Chor \u00fcber weite Strecken die Handlung und hat dementsprechend viel zu singen. Dessen Leistung ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben, beispielsweise zu Beginn, wenn l\u00e4ngere Passagen a cappella zu bew\u00e4ltigen sind, die es harmonisch in sich haben. Blomdahls Musik ist avantgardistisch atonal und <em>Aniara<\/em> die erste Oper \u00fcberhaupt, in der elektronische Musik zum Einsatz kam, vor allem am Schlu\u00df des ersten Aktes, wenn der Computer Mima die letzten Signale von der Erde wiedergibt. Hier ist in Malm\u00f6 die originale Tonbandaufnahme, die bei der Urauff\u00fchrung von 1959 zum Einsatz kam, zu h\u00f6ren. Das dynamische Zusammenspiel zwischen Orchester und Chor ist filigran durchgearbeitet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger <\/strong><strong>und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter den solistischen Beitr\u00e4gen sind an erster Stelle die wortlosen Koloraturen <strong>Alexandra B\u00fcchels<\/strong> als blinde Poetin im zweiten Akt zu erw\u00e4hnen. Rhythmisch und vor allem von der Lage her \u2013 die S\u00e4ngerin dieser Partie hat mit geschlossenem Mund in der dreigestrichenen Oktave zu singen \u2013 ist dieser Abschnitt wahrhaft akrobatisch und der einzige Szenenbeifall des Abends war von daher hochverdient. Auch andere Partien, etwa diejenige der Entertainerinnenkarikatur Daisi Doody, mit Mikrophon gesungen von <strong>Frida Engstr\u00f6m<\/strong>, oder des gespenstischen Clowns Sandon, gesungen von <strong>Conny Thimander<\/strong>, ber\u00fchren extrem hohe Lagen, die die S\u00e4nger dennoch nicht vor gr\u00f6\u00dfere Probleme stellten. <strong>Daniel Hallstr\u00f6m <\/strong>stand als der Mimarob f\u00fcr die lyrischen Momente dieses Abends. Bei ihm wie auch <strong>Lars Arvidson<\/strong> als Chefone und den drei Cheftechnikern (<strong>Ole Alexander Bang<\/strong>, <strong>Rickard S\u00f6derberg<\/strong> und <strong>Bengt Kranz<\/strong>), die stets zu dritt auftreten, ist der deutliche Textvortrag unbedingt hervorzuheben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Aniara<\/em> ist bis heute die erfolgreichste schwedische Oper. Sie hielt sich lange im schwedischen Repertoire und wurde auch im Ausland inszeniert. Wenn man sie live auf der B\u00fchne erlebt, versteht man auch, weshalb. M\u00f6gen Libretto und Musik f\u00fcr sich betrachtet auch deutliche Spuren ihrer Entstehungszeit aufweisen, so zeigen sich bei einer szenisch derart gelungenen Auff\u00fchrung wie der Malm\u00f6er die zeitlosen Qualit\u00e4ten von Musik und Text. Den Zuschauer erwartet sicherlich keine heitere Handlung, aber ein packendes und gerade auch wegen seines starken szenischen Bezugs zu den Inszenierungen der 50er Jahre vollkommen au\u00dfergew\u00f6hnliches Opernerlebnis. Es d\u00fcrfte sich hier um eine der interessantesten europ\u00e4ischen Neuproduktionen dieser Saison handeln.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Malin Arnesson<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Frida Engstr\u00f6m (Daisi Doody)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karl-Birger Blomdahl (1916\u20131968), Oper in zwei Akten und sieben Tableaus, Libretto: Erik Lindegren nach dem Versepos Aniara von Harry Martinson, UA: 1959 Stockholm Regie: Stefan Johansson, B\u00fchne und Video: Jan Lundberg, Maske und Kost\u00fcm: Bea Szenfeld, Licht und Video:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7128\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7130,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[204,1],"tags":[],"class_list":["post-7128","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-malmo-opera","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7128"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7131,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7128\/revisions\/7131"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7130"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}