{"id":7120,"date":"2017-04-29T20:00:12","date_gmt":"2017-04-29T19:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7120"},"modified":"2017-04-29T20:00:12","modified_gmt":"2017-04-29T19:00:12","slug":"alcione-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7120","title":{"rendered":"ALCIONE &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von\u00a0 Marin Marais (1656-1728), Trag\u00e9die lyrique in 5 Akten mit einem Prolog, Libretto: Antoine Houdar de la Motte, U.A.: 18. Februar 1706 Paris, Acad\u00e9mie royale de Musique<\/p>\n<p>Regie: Louise Moaty, B\u00fchne: Tristan Baudoin et Louise Moaty, Kost\u00fcme: Alain Blanchot, Choreographie: Rapha\u00eblle Boitel, Licht: Arnaud Lavisse, Zirkus Regisseur: Nicolas Lourdelle, u.a.<\/p>\n<p>Dirigent: Jordi Savall, Chor und Orchester <em>Le Concert des Nations<\/em>, Choreinstudierung: Lluis Vilamaio<\/p>\n<p>Solisten: Lea Desandre (Alcione), Cyril Auvity (Ceix), Marc Mauillon (P\u00e9l\u00e9e), Lisandro Abadie (Pan, Phorbas), Antonio Abete (Tmole, Grand Pr\u00eatre, Neptune), Hasnaa Bennani (Ism\u00e8ne, erster Matrose), Hanna Bayodi-Hirt (Hirte\/zweiter Matrose, Junon), Sebastian Monti (Apollon\/der Schlaf), Maud Gnidzaz (Doris), Lise Viricel (C\u00e9phise), u. a.<\/p>\n<p>Produktion: Op\u00e9ra-Comique, in Koproduktion mit Gran Teatre del Liceu de Barcelona; der Koproduktion angeschlossen: Ch\u00e2teau de Versailles Spectacles, Th\u00e9\u00e2tre de Caen; angeschlossener Partner: La Br\u00e8che \u2013 P\u00f4le National des Arts du Cirque de Normandie\/Cherbourg-en-Cotentin<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. April 2017 ( zweite Vorstellung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Paris-Alcione.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7121\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Paris-Alcione.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Paris-Alcione.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Paris-Alcione-300x192.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung <\/strong><\/p>\n<p>Nach fast zwei Jahren Restauration wurde die <em>Op\u00e9ra Comique<\/em> in neuer Pracht mit Marin Marais\u2018 <em>Alcione<\/em> er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Marin Marais war schon ein bekannter Gambenspieler, als er als Sch\u00fcler der Kompositionslehre und Proteg\u00e9 Lullys ins Orchester der k\u00f6niglichen <em>Acad\u00e9mie royal de Musique<\/em> eintrat, zu dessen Dirigent er 1679 ernannt wurde. Als Komponist blieb er vor allem durch seine kammermusikalischen Werke f\u00fcr Gambe bekannt. Weniger bekannt sind seine nach dem Tode Lullys geschriebenen Opern, von denen <em>Alcione<\/em> sein gr\u00f6\u00dfter Erfolg war. Sie gilt als die letzte grosse <em>trag\u00e9die en musique<\/em> des Zeitalters Ludwigs XIV. Und dennoch ist es schon ein \u00dcbergangswerk, das einerseits noch die strenge Form der <em>op\u00e9ras-ballets <\/em>des 17. Jahrhunderts einh\u00e4lt, in dem andererseits aber auch schon Z\u00fcge jener neuen Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts hervortreten. Besonders bekannt geblieben jedoch ist die Oper durch den ber\u00fchmten Seesturm in vierten Akt.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Prolog gewinnt Apollo den Wettstreit gegen Pan und erz\u00e4hlt darauf die Geschichte von Alcione:<\/p>\n<p>Ceix, der K\u00f6nig der Trachinen soll Alcione, die Tochter des Windgottes Aeolus heiraten. Das betr\u00fcbt Ceix\u2018 Freund P\u00e9l\u00e9e, denn auch er liebt Alcione. Auch der Zauberer Phorbas und die Zauberin Ism\u00e8ne sind mit der Heirat nicht einverstanden, sie vereiteln die Hochzeitszeremonie und brennen das k\u00f6nigliche Schlo\u00df nieder. Jetzt wendet sich Ceix an den Zauberer um Hilfe. Doch als er sich weigert auf Alcione zu verzichten, ruft Phorbas die M\u00e4chte der Unterwelt an und verk\u00fcndet dann perfide, Ceix m\u00fcsse \u00fcber See nach Claros fahren, um Apollos Rat einholen. Ceix kann dem Spruch der G\u00f6tter nicht zuwider handeln und l\u00e4\u00dft Alcione schlie\u00dflich, nach einem z\u00e4rtlichen Abschied, in der Obhut seines Freundes zur\u00fcck. Doch Ceix\u2019 Reise macht auch P\u00e9l\u00e9e unruhig. Er will sein Gl\u00fcck nicht auf das Ungl\u00fcck seines Freundes bauen. Alcione fleht in ihrer Not Juno um Hilfe an, die G\u00f6ttin schl\u00e4fert sie ein und zeigt ihr im Traum, wie Ceix in einem Seesturm ertrinkt. Als Alcione erwacht, will auch sie sterben. Und als sie Ceix am Strand tot auffindet, erdolcht sie sich. Da taucht Neptun als <em>deus ex machina<\/em> auf, und erweckt das Liebespaar wieder zum Leben, segnet ihren Bund und verleiht ihnen die Gabe Seest\u00fcrme bes\u00e4nftigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Tatsache, da\u00df die Handlung der Oper am Meer spielt, und da\u00df die B\u00fchnentechnik der venezianischen Barockopern von Marine-Ingenieuren geschaffen wurde, haben <strong>Louise Moaty<\/strong>, <strong>Rapha\u00eblle Boitel <\/strong>und ihr Team dahingehend inspiriert. So h\u00e4ngen in dem leeren B\u00fchnenraum, wie die Takelage eines Segelschiffs, unz\u00e4hlige Taue und Seile von oben herab, scheinbar wahllos, aber genauestens ausgekl\u00fcgelt, denn sie sind die Grundlage einer von vier T\u00e4nzern und vier Zirkusk\u00fcnstler ausgef\u00fchrten Choreographie auf der B\u00fchne, aber vor allem \u00fcber der B\u00fchne, die in oft gewagten und genauestens berechneten Pirouetten, Spiralen, Drehungen, Schwingungen oder akrobatischen Kletterpartien bis in schwindelnde H\u00f6hen die zahlreichen Ballette der Oper bev\u00f6lkern. Sogar die S\u00e4nger sind in diese schwebende Welt miteinbezogen und wenn Apollo sich im Prolog in die Luft emporhebt, ist er einem Barockengel nicht un\u00e4hnlich. Auch der Gott des Schlafes r\u00e4kelt sich in einem senkrechten Daunenbett hoch \u00fcber der B\u00fchne.<br \/>\nIn der Unterweltszene hingegen sind es sich schleppende, am Boden kriechende, verdammte Gesch\u00f6pfe, ganz in schwarz, die M\u00e4nner mit nacktem Oberk\u00f6rpern, oder, wie gest\u00fcrzte Engel, an mehreren Seilen h\u00e4ngende, sich auf und ab aufb\u00e4umende Kreaturen, zum Takt stark rhythmischer Tanzweisen. Die Kost\u00fcme sind meist einfache Hosen und Hemden oder Kittel, geschmackvoll und dezent farbig, zeitgen\u00f6ssisch, aber dann auch wieder barock verziert. Alcione tr\u00e4gt lange, weite Kleider. Die Beleuchtung schafft wirkungsvoll die jeweilige Atmosph\u00e4re. Die Requisiten bestehen aus Elementen, wie man sie auf Schiffen findet: Holzkisten, gro\u00dfe Trommeln, um Seile aufzuspulen, im vierten Akt nur wei\u00dfe Vorh\u00e4nge und wei\u00dfe Segel. W\u00e4hrend des Seesturms sieht man die hin und her rennenden Matrosen nur als Silhouetten gegen diese Segel und Vorh\u00e4ngen von hinten beleuchtet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea Desandre<\/strong> ist eine sensible und zartf\u00fchlende<em> Ancione<\/em>. Sie singt die ungl\u00fcckliche Prinzessin mit einfacher jugendlicher Frische, aber mit Sicherheit und reiner, subtiler Stimmf\u00fchrung in den Melismen. <strong>Cyril Auvity<\/strong> ist mit hoher leuchtender Tenorstimme der tapfere Ceix. Sehr stimmungsvoll beide im Abschiedsduett <em>Quoi, les soupirs<\/em> (3. Akt, 3. Szene), in der die barocke Empfindsamkeit sehr stark hervortritt. <strong>Marc Mauillon<\/strong> singt souver\u00e4n mit klangvollem, etwas nasalem Bariton den hin und her gerissenen P\u00e9l\u00e9e, wie in der sehr sch\u00f6nen Meditation <em>\u00d4 Mer, dont le calme infid\u00e8le<\/em> (3. Akt, 1. Szene).<\/p>\n<p><strong>Lisandro Abadie<\/strong> verk\u00f6rpert glaubhaft den grimmiger Phorpas und <strong>Hasnaa Bennani<\/strong>, stimmlich etwas weniger \u00fcberzeugend, seine Rachegef\u00e4hrtin Ism\u00e8ne. <strong>Antonio Abetes<\/strong> tiefer voller Ba\u00df macht ihn zu einem w\u00fcrdigen Neptun. <strong>Hanna Bayodi-Hirt<\/strong> singt mit klangsch\u00f6ner Stimme die Juno. <strong>Sebastian Monti<\/strong> ist Apollo und Schlafgott. Mit allen anderen Mitwirkenden ergibt das ein ausgezeichnetes, voll aufeinander abgestimmtes Ensemble. Hervorzuheben sei noch der allgegenw\u00e4rtige, sehr gut einstudierte <strong>Chor<\/strong>, der der Musik oft etwas Euphorisches gibt und das klangfreudige Orchester <em>Le Concert des Nations<\/em>, das auf alten Instrumenten spielt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Alcione<\/em> wurde zum letzten Mal 1771 in Paris aufgef\u00fchrt. Die Frage erhebt sich dann immer, wie soll man solch ein Werk der Vergangenheit heute wieder auferstehen lassen.<\/p>\n<p><strong>Louise Moaty<\/strong> und ihr Team tauchen das mythologische Geschehen auf der B\u00fchne in eine einzigartig reizvolle, zauberhafte Atmosph\u00e4re leichten, schwebenden Nebeneinanders und \u00dcbereinanders.<\/p>\n<p><strong>Jordi Savall <\/strong>hat seit dem Spielfilm \u00fcber Marin Marais <em>Tous les Matins du Monde<\/em> \u2013 Die Siebente Saite, dessen Soundtrack er dirigierte hatte, immer davon getr\u00e4umt, diese Oper auf die B\u00fchne zu bringen. Das ist ihm nun mit dem von ihm gegr\u00fcndeten Orchester und mit einem ausgezeichneten S\u00e4nger Ensemble meisterhaft gelungen.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: DR Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sebastian Monti (Apollon), Alba Faivre, Maud Payen (Doris)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von\u00a0 Marin Marais (1656-1728), Trag\u00e9die lyrique in 5 Akten mit einem Prolog, Libretto: Antoine Houdar de la Motte, U.A.: 18. 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