{"id":7108,"date":"2017-04-17T10:39:27","date_gmt":"2017-04-17T09:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7108"},"modified":"2017-04-24T12:26:19","modified_gmt":"2017-04-24T11:26:19","slug":"la-fille-de-neige-schneefloeckchen-sniegurotschka-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7108","title":{"rendered":"La Fille de Neige (Schneefl\u00f6ckchen) \u2013 Sniegurotschka \u2013 Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Von Nikolai Rimski-Korssakow (1844 &#8211; 1908), Oper (Fr\u00fchlingsm\u00e4rchen) in vier Akten mit Prolog, Textbuch vom Komponisten nach einem M\u00e4rchendrama von Alexander Ostrowski, UA: Mariinki Theater, Sankt Petersburg, 10. Februar 1882.<br \/>\nRegie und B\u00fchne: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zairseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Video: Tieni Burkhalter<br \/>\nDirigent: Mikhail Tatarnikov, Chor und Orchester der Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<br \/>\nSolisten: Aida Garifullina (Schneefl\u00f6ckchen), Yuriy Mynenko (Lel), Martina Serafin (Kupava), Maxim Paster (Zar Berendej), Thomas Johannes Mayer (Mizguir), Elena Manistina (Fr\u00fchlingsfee), Wladimir Ognovenko (V\u00e4terchen Frost), Franz Hawlata (Bermiata), Vasily Gorshkoy (Bobyl Bakula), Carole Wilson (Bobylicka), Vasily Efimov (Waldgeist), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 15. April 2017 (Premi\u00e8re)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_7109\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisa_Haberer_Opera_national_de_Paris-La-Fille-de-neige-small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7109\" class=\"wp-image-7109 size-full\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisa_Haberer_Opera_national_de_Paris-La-Fille-de-neige-small.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisa_Haberer_Opera_national_de_Paris-La-Fille-de-neige-small.jpg 450w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisa_Haberer_Opera_national_de_Paris-La-Fille-de-neige-small-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7109\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Elisa Haberer, Op\u00e9ra National de Paris<\/p><\/div>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Nikolai Rimski-Korssakow hatte schon erfolgreich eine Karriere bei der kaiserlich-russischen Marine begonnen, und war nach eigener Aussage als Musiker noch Dilettant, als er sich seiner Berufung zum Musiker und Komponist bewusst wurde.\u00a0 Neben Borodin, Mussorgskij und anderen wurde er Mitglied der <em>Novatoren<\/em> und strebte eine vom Westen unbeeinflusste national-russische Musik an. Nach eingehenden Studien wird Rimski-Korssakow 1871 Professor am Sankt Petersburger Konservatorium und einflussreicher Lehrer u.a. von Glasunow und Strawinsky. Seine eigene Musik ist von Berlioz und Liszt beeinflusst. Seine archaischen M\u00e4rchenopern, die heute ausserhalb Russlands nur noch relativ selten zur Auff\u00fchrung gelangen,<em> sind in lockerer Bilderbogenmanier entworfen und relativ arm an dramatischer Spannkraft. Ihre lyrisch-epischen Stimmungsbilder sind farbenpr\u00e4chtig, bisweilen impressionistisch get\u00f6nt (Korssakow kannte Werke von Debussy). <\/em>(Hans Renner<em>).<\/em><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Waldgeist verk\u00fcndigt den Fr\u00fchling. Der Winter muss weichen. Er tut es ungern, weil er seine Tochter Schneefl\u00f6ckchen zur\u00fccklassen muss. Er beschliesst mit deren Mutter, der Fr\u00fchlingsfee, das h\u00fcbsche junge M\u00e4dchen der Obhut von Bobyl und seiner Frau anzuvertrauen. Doch darf sie keinen jungen Mann treffen, denn die Sonne hat geschworen, sie zu zerschmelzen, falls sie sich in einen jungen Menschen verliebt. Der Hirte Lel macht ihr sch\u00fcchtern den Hof, aber sie versteht die Liebe der Menschen nicht. Ihre Freundin Kupava erz\u00e4hlt ihr strahlend, dass sie Mizguir heiraten wird. Doch dieser und auch andere junge M\u00e4nner verlieben sich nun alle in Schneefl\u00f6ckchen. Kupava wendet sich in ihrem Schmerz an den Zaren. Auch er ist von Schneefl\u00f6ckchens Sch\u00f6nheit beeindruckt. Weil der Sonnengott auf sein Land b\u00f6se ist, bestimmt er, dass alle heiratsf\u00e4higen jungen Leute, auch Schneefl\u00f6ckchen, am Tag des Sonnenfestes heiraten sollen. Doch das Feen Kind versteht immer noch nicht die Liebe der Menschen und das Werben Mizguirs. Verzweifelt ruft sie ihre Mutter zu Hilfe. Die Fr\u00fchlingsfee schenkt ihr eine Blumenkrone, die ihr das Verstehen gibt, das sie sucht. Doch soll sie es vor der Sonne verstecken. Der Zar verheiratet Lel mit Kupava und nun auch Mizguir mit Schneefl\u00f6ckchen, doch ein Sonnenstrahl trifft sie und sie schmilzt. Die Sonne ist wieder mit dem Land vers\u00f6hnt. Doch Mizguir sucht aus Verzweiflung den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zu Anfang des Prologs tanzen und singen die Waldv\u00f6gel mit der Fr\u00fchlingsfee, doch die Szene ist hier in eine Balletschule versetzt, wo kleine Kinder bunt als V\u00f6gel verkleidet sind und die Fr\u00fchlingsfee mit weisser Lockenper\u00fccke und hell violettem Abendkleid die Balletlehrerin ist. Der Szene, die charmant aber nicht m\u00e4rchenhaft ist, wohnen der Vater Frost im Regenmantel und das Schneefl\u00f6ckchen h\u00fcbsch in ganz weisser Winterkleidung bei. Die \u00fcbrige Oper spielt in einem Wald mit ganz hohen, uralten B\u00e4umen. Zuerst stehen dort unter den B\u00e4umen Schrebergartenh\u00e4uschen, ein Campingcar und unz\u00e4hlige Klappst\u00fchle. Dort trifft sich die Jugend in l\u00e4ssiger moderner Kleidung. Doch zunehmend und in den letzten beiden Akten sind sie dann alle in bunte, volkst\u00fcmliche Trachten gekleidet, die M\u00e4dchen mit Blumenkr\u00e4nzen auf dem Kopf. Auch die Kulisse ist dann nun mehr reiner Wald. Als die hohen B\u00e4ume in der Szene zwischen Fr\u00fchlingsfee und Schneefl\u00f6ckchen dann anfangen sich in langsamer Bewegung gegeneinander zu verschieben, kommt fast so etwas wie eine m\u00e4rchenhafte Atmosph\u00e4re zustande. Das Sonnenfest hat fast etwas Bacchantisches, mit einigen splitter-faser-nackten jungen Gesch\u00f6pfen, die \u00fcber die B\u00fchne huschen. Kupava ist in leuchtend rot-bunte Volkstracht gekleidet, Schneefl\u00f6ckchen in ein einfaches weisses dreiviertellanges Kleidchen. Der Zar, auch in bunter Volkstracht, malt ein Portrait der Fr\u00fchlingsfee.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aida Garifullina,<\/strong> klein und schlank, wie f\u00fcr diese Rolle geschaffen, ist das bezaubernde, fragile Feen Kind, stimmlich beeindruckt sie durch einen jugendlichen, etwas herben, aber klangsch\u00f6nen Sopran, und eine gut kontrollierte, klare Stimmf\u00fchrung. Der Kontratenor <strong>Yurij Mynenko<\/strong> singt die Lieder des Lel mit einer instrumental gef\u00fchrten, fast Vibrato losen Stimme und erwirkt damit eine Eindringlichkeit, ja fast eine Verzauberung, die der Komponist wohl mit dieser Rolle verbinden wollte. <strong>Martina Serafin<\/strong> sehr \u00fcberzeugend als die ungl\u00fcckliche, sinnliche Kupava mit vollem, manchmal dramatischem Sopran. <strong>Thomas Johannes Mayer <\/strong>singt und spielt den Mizguir mit Temperament und sonorem Bariton. Dem k\u00fchlen Mezzosopran von <strong>Elena Manistinas<\/strong> Fr\u00fchlingsfee h\u00e4tte man etwas mehr Tragkraft gew\u00fcnscht. <strong>Maxim Paster <\/strong>singt und spielt mit etwas d\u00fcnner, schneidender Tenorstimme den weisen Zaren, aber findet beim Anblick des Schneefl\u00f6ckchens auch lyrische T\u00f6ne. Sehr komisch und stimmlich \u00fcberzeugend das Ehepaar Bakula <strong>Vasily Gorshkov <\/strong>und<strong> Carole Wilson. <\/strong>Mit sch\u00f6n timbrierten Bass ist <strong>Vladimir Ognovenko <\/strong>das V\u00e4terchen Frost. Alles in allem ein ausgezeichnetes Ensemble.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen sei noch der sehr wirkungsvolle<strong> Chor<\/strong>\u00a0 und\u00a0 sein Chormeister <strong>Jos\u00e9 Luis Basso<\/strong>, aber auch die Ch\u00f6re Rimski-Korssakows, in denen bisweilen geistliche Chor\u00e4le anklingen und dann wieder ruckartige Taktwechsel und stampfende Rhythmen, die schon das in \u00e4hnlichem Sinne geschriebene <em>Sacre du Printemps <\/em>seines Sch\u00fclers Strawinsky vorwegnehmen.<\/p>\n<p><strong>Mikhail Tatarnikov<\/strong> bringt die klangvolle Tonmalerei des Komponisten in all seiner Vielfalt zur Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es nicht ganz klar, was Dmitri Tcherniakov und sein Team mit ihrem Durcheinander von zeitgen\u00f6ssischer und altrussisch-traditioneller Inszenierung bewirken wollte, aber sie st\u00f6rte auch nicht sonderlich die musikalisch ausgezeichnete Auff\u00fchrung dieser selten in Paris gegebenen Oper.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Elisa Haberer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:\u00a0 Aida Garifullina (links) und Elena Manistina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Nikolai Rimski-Korssakow (1844 &#8211; 1908), Oper (Fr\u00fchlingsm\u00e4rchen) in vier Akten mit Prolog, Textbuch vom Komponisten nach einem M\u00e4rchendrama von Alexander Ostrowski, UA: Mariinki Theater, Sankt Petersburg, 10. 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