{"id":7097,"date":"2017-02-24T19:19:10","date_gmt":"2017-02-24T18:19:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7097"},"modified":"2017-03-30T19:20:58","modified_gmt":"2017-03-30T18:20:58","slug":"otello-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7097","title":{"rendered":"OTELLO &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in viel Akten, Libretto: Arrigo Boito, nach der Trag\u00f6die <em>Othello<\/em> (1604) von William Shakespeare, UA: 5. Februar 1887 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Vincent Boussard, B\u00fchne: Vincent Lemaire, Kost\u00fcme: Christian Lacroix<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Staatskapelle Dresden, S\u00e4chsischer Staatsopern- und Kinderchor der S\u00e4chsischen Staatsoper Dresden, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen und Claudia Sebastian-Bertsch<\/p>\n<p>Solisten: Stephen Gould (Otello), Dorothea R\u00f6schmann (Desdemona), Andrzej Dobber (Jago), Antonio Poli (Cassio), Robin Yujoong Kim (Roderigo), Georg Zeppenfeld (Lodovico), Martin-Jan Nijhof (Montano), Christa Mayer (Emilia), Alexandros Stavrakakis (Araldo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. Februar 2017 (\u00dcbernahme von den Salzburger Osterfestspielen)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-Otello.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7098\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-Otello.png\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"553\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-Otello.png 441w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-Otello-239x300.png 239w\" sizes=\"auto, (max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Sieg \u00fcber die T\u00fcrken kehrt der Venezianer Otello nach Zypern zur\u00fcck. W\u00e4hrend der Siegesfeier beginnt Jago seine Intrige. Er verleitet Cassio dazu, sich zu betrinken, worauf Otello diesen suspendiert. Dann schickt Jago Cassio zu Otellos Geliebter Desdemona, um sie um F\u00fcrsprache bei Otello f\u00fcr Cassio zu bitten. Otello belauscht das Gespr\u00e4ch der beiden, was ihn eifers\u00fcchtig gegen\u00fcber Cassio macht. Cassio zeigt Jago Desdemonas Taschentuch, das Cassio f\u00fcr ein Geschenk seiner Angebeteten h\u00e4lt. Otello erkennt Desdemonas Taschentuch und ist nun nicht mehr zu bremsen: in grenzenloser Wut erdrosselt er Desdemona. Beim Eintritt der Helfer ersticht sich Otello neben ihrem Leichnam.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Augen m\u00fcssen sich erst einmal an die stete Dunkelheit gew\u00f6hnen: im Hintergrund h\u00e4ngt ein schwarzer Vorhang \u2013 am Anfang flattert er im nicht vorhandenen Wind und wirkt sozusagen den Wellen des sturmgepeitschten Meers, das man auch nicht sieht. Sp\u00e4ter dient er als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr vielerlei Bilder und Videos. In der Mitte zeichnet sich manchmal ein schmaler Durchla\u00df ab, durch den sich abwechselnd Solisten und Chor zw\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist sparsam best\u00fcckt, mal steht zentral ein riesiger schwarzer Tisch mit vielen Kerzen, mal h\u00e4ngt das wei\u00dfe Brautkleid Desdemonas \u00fcber der T\u00fcr. Der Chor tr\u00e4gt einfarbige Renaissancegew\u00e4nder mit schmalen wei\u00dfen Kragen, der Kinderchor klassische Me\u00dfgew\u00e4nder, die Solisten zeitlos festliche Mode oder Alltagskleidung. In fast jedem Bild tritt ein schwarzer Engel auf, dessen Fl\u00fcgel einmal sogar Feuer fangen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Beachtlich ist der absolute Einklang zwischen Staatskapelle und <strong>Christian Thielemann.<\/strong> Das Orchester stellt seine Perfektion im Zusammenspiel zwischen Chor, Solisten und Orchester unter Beweis und erreicht dies auch nach einigen Einpendelversuchen (die Solisten werden vom Orchester \u00fcberdeckt, Eins\u00e4tze mit dem Chor sind asynchron), der das Publikum in kulinarische Verz\u00fcckung versetzt. Da ergeben sich pathetische Klangwolken wie beim <em>Siegeschor<\/em> und die entsprechenden Gef\u00fchle in den Klangwelten der Oper des Risorgimento. Der <strong>Chor<\/strong> und der <strong>Kinderchor<\/strong> zeigen einen in sich geschlossenen Klangk\u00f6rper \u2013 sieht man von einigen Wacklern in den Eins\u00e4tzen der Stimmgruppen ab, denn die Kinderstimmen des Kinderchores wiegen alles wieder auf. Eindeutig der derzeit beste Tenor ist <strong>Stephen Gould<\/strong>. Mit seinem weichen samtigen Timbre bleibt er an der Grenze zwischen Lyrischen und Heldentenor. Als Otello kann er im Forte die Ekstase der Gef\u00fchle deutlich machen. Die italienischen Farbschattierungen gelingen weniger, au\u00dferdem wirkt die Stimme dann \u2013 besonders im Piano und den tieferen Lagen \u2013 br\u00fcchig.<\/p>\n<p><strong>Dorothea R\u00f6schmann<\/strong> gibt der Desdemona eher altersweise Z\u00fcge, sie legt sehr viel Kraft in diese Rolle, kann meist nur eine einzige Klangfarbe aufbieten. <strong>Andrzej Dobber<\/strong> ist ein genial gestaltender Jago und die eigentliche Hauptrolle des Abends: ungeheuer eloquent und vielschichtig in der Charakterisierung der einzelnen Phrasen wirkt sein Intrigenspiel in seiner B\u00f6sartigkeit jederzeit glaubhaft. Herausragend besetzt sind s\u00e4mtliche Nebenrollen, besonders zu nennen sind <strong>Christa Mayer<\/strong> als Emilia und <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als Lodovico. Seine samtweiche Stimme, mit gro\u00dfer Reichweite in der Tiefe \u2013 ohne schwarz zu klingen \u2013 ist unverkennbar.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Entt\u00e4uschung schwingt beim Schlu\u00dfapplaus mit, denn wenig \u00fcberzeugend ist das Szenengeschehen und kaum nachvollziehbar der Furor, der sich zwischen Otello und Desdemona aufbaut. Was wenig erstaunt, denn genau das hat man der Produktion bereits in Salzburg bei den Osterfestspielen 2016 attestiert. Au\u00dferdem beeintr\u00e4chtigt das B\u00fchnenbild die musikalische Pr\u00e4sentation: so bleibt dem Kinderchor nur ein schmaler Durchgang f\u00fcr seinen Auftritt, der \u00fcbrige Chor steht unsichtbar hinter der Wand. Hier kommen der Chor und seine Stimmgruppen nicht zusammen.<\/p>\n<p>Regisseur Vincent Boussard entr\u00fcmpelt zun\u00e4chst die B\u00fchne, ergo gibt es weder Kirche, noch Altar \u2013 nur massenweise Kerzen! Und dann holt man neue, nicht vorgesehene, wenig \u00fcberzeugende Accessoires auf die B\u00fchne: um den keimenden Zweifel zu verdeutlichen h\u00e4lt Otello eine Espressotasse, die er erst in mehreren Z\u00fcgen austrinkt und dann zerbricht.<\/p>\n<p>Zu allem wird ein omnipr\u00e4senter Engel eingef\u00fcgt, der viel sinnlose Bewegung erzeugt, aber nichts zur Handlung oder zum Verst\u00e4ndnis beitr\u00e4gt. Und etwas mehr Einfallsreichtum f\u00fcr die Kost\u00fcme h\u00e4tte man von dem bekannten K\u00fcnstler Christian Lacroix schon erwarten d\u00fcrfen. Diese vielen Vers\u00e4umnisse nervten das Publikum, die statische Personenf\u00fchrung verbreitet eher Langeweile, und so f\u00e4llt der Beifall f\u00fcr die Regie deutlich unterk\u00fchlt aus, f\u00fcr Dirigat und Solisten gibt es Beifallsst\u00fcrme. Zu Recht: Christian Thielemann entwickelt einen gef\u00fchlvollen Zugriff auf das Verdische Meisterwerk.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Karl und Monika Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vorn: Stephen Gould (Otello), Dorothea R\u00f6schmann (Desdemona), Hinten: Andrzej Dobber (Jago)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in viel Akten, Libretto: Arrigo Boito, nach der Trag\u00f6die Othello (1604) von William Shakespeare, UA: 5. 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