{"id":7087,"date":"2017-02-10T13:57:21","date_gmt":"2017-02-10T12:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7087"},"modified":"2017-03-23T13:59:36","modified_gmt":"2017-03-23T12:59:36","slug":"konzert-mit-werken-richard-wagners-hamburg-elbphilharmonie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7087","title":{"rendered":"Konzert mit Werken Richard Wagners &#8211; Hamburg, Elbphilharmonie"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Die Walk\u00fcre <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Tagesgrauen, Siegfrieds Rheinfahrt, Siegfrieds Trauermarsch, Br\u00fcnnhildes Schlu\u00dfgesang<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Anja Kampe (Sieglinde, Br\u00fcnnhilde), Stephen Gould (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Februar 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hamburg-Elbphilharmonie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7088\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hamburg-Elbphilharmonie.png\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hamburg-Elbphilharmonie.png 603w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hamburg-Elbphilharmonie-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 603px) 100vw, 603px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Elbphilharmonie (2.100 Pl\u00e4tze) ist einer der teuersten Konzerthausneubauten und im Fokus des \u00f6ffentlichen Interesses wegen seiner Architektur und seinem Anspruch, das \u201ebeste Konzerthaus\u201c zu sein. Es dient als zweiter gro\u00dfer Konzertsaal in Hamburg neben der Laeiszhalle (2.025 Pl\u00e4tze). Beide H\u00e4user verf\u00fcgen zus\u00e4tzlich \u00fcber einen kleinen Saal und ein Studio.<\/p>\n<p>Die Elbphilharmonie wurde auf der westlichen Spitze der Elbinsel Grasbrook unter Einbeziehung der H\u00fclle des fr\u00fcheren Kaispeichers A errichtet. Auf diesen Sockel wurde ein moderner Aufbau mit einer Glasfassade gesetzt, die an Wellen erinnern soll. Im Innern befinden sich die R\u00e4ume der Philharmonie, ein Parkhaus, Luxuswohnungen, ein Aussichtsumgang, genannt Plaza, ein Hotel und gastronomische Einrichtungen. Baubeginn war 2007, geplanter Fertigungsstellungstermin war 2010. Aufgrund baulicher Probleme, Kostensteigerungen (von 241,3 auf 789 Millionen Euro) und einem anderthalbj\u00e4hrigen Baustop verz\u00f6gerte sich die Fertigstellung bis 2016.<\/p>\n<p>Die feierliche Einweihung erfolgte am 11.Januar 2017 mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Thomas Hengelbrock. Unter dem Titel <em>Zum Raum wird hier die Zeit<\/em> erklangen u.a. das <em>Parsifal<\/em>-Vorspiel, Reminiszenz (Wolfgang Rihm, Auftragswerk) und zu Beginn zwei Renaissance-Arien, vorgetragen von Philippe Jaroussky. Neben viel Lob f\u00fcr das Haus gab es auch vereinzelt Kritik an der Akustik, die offensichtlich abh\u00e4ngig von der Platzwahl ist.<\/p>\n<p><strong>Der Philharmonie Saal<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester befindet sich unten auf einer mittigen Plattform, drum herum steigen kreisf\u00f6rmige R\u00e4nge bis in schwindelnde H\u00f6hen hinauf. Man sollte mehrere Sitzpl\u00e4tze ausprobieren, um den optimalen Platz zu finden. F\u00fcr den Zuh\u00f6rer sind die besten Pl\u00e4tze offensichtlich direkt vor dem Orchester, im R\u00fccken des Dirigenten. Sitzt man seitlich vom Orchester, so ergibt sich kein richtiger Mischklang, da man wegen des breit gestaffelt sitzenden Orchesters jede Instrumentengruppe heraush\u00f6rt. Bei diesem Konzert h\u00f6rt man auf der rechten Seite das Blech nur ged\u00e4mpft, auf der linken Seite die Streicher. Sitzt man hinter dem Orchester, so hat man aufgrund der Tatsache, da\u00df der Streicherklang immer nach vorne strahlt, die Schwierigkeit, da\u00df wegen der l\u00e4ngeren Schallwegstrecke alle Streichinstrumente etwas sp\u00e4ter kommen und leiser sind als das \u00fcbrige Orchester.<\/p>\n<p>Das alles gilt unabh\u00e4ngig davon in welcher H\u00f6he man sitzt. \u00dcbrigens sollte man f\u00fcr die oberen R\u00e4ngen keine H\u00f6henangst besitzen, denn es geht doch sehr steil hinunter.<\/p>\n<p>Ursache f\u00fcr diese sehr steile Anordnung ist das Platzproblem. Da man die Fundamente mit dem historischen Kaispeicher vorgegeben waren, mu\u00dfte man auf der schmalen Grundfl\u00e4che alle R\u00e4ume unterbringen. Im gro\u00dfen Saal geht es sehr steil nach oben (Minimierung der Grundfl\u00e4che), die Treppenh\u00e4user sind ziemlich schmal, die Foyers klein. Tische kann man deshalb f\u00fcr die Pausengastronomie nicht bestellen, es gibt zu wenige. Auch die Aufenthaltsr\u00e4ume f\u00fcr die K\u00fcnstler sind nicht \u00fcppig: Der Aufenthaltsraum soll nur knapp 40 Pl\u00e4tze haben, f\u00fcr die Anzahl der Toiletten und Garderoben f\u00fcr den Chor gilt \u00e4hnliches. Parken f\u00fcr Mitarbeiter ist nicht vorgesehen, es gibt nur das \u00f6ffentliche Parkhaus.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens h\u00e4tte man auf die Au\u00dfenmauern des Kaispeichers verzichten k\u00f6nnen, da vom wirklich historischen Kaispeicher nach dem Krieg nichts mehr vorhanden war. Er wurde 1963 nur noch mit einer nichtssagenden glatten Au\u00dfenmauer wiederaufgebaut. Daher h\u00e4tte man sich auch die Bauprobleme ersparen k\u00f6nnen, da man dann das Fundament h\u00e4tte einfacher bauen k\u00f6nnen und die entkernten Mauern nicht st\u00fctzen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollte man noch ein Wort zu dem neu entstandenen Stadtviertel Hafencity verlieren, in dem die Elbphilharmonie liegt. Es handelt sich um eine seelenlose Ansammlung von Betonbl\u00f6cken mit B\u00fcros und Wohnungen. Die neuen Einwohner scheinen dort aber nicht wirklich zu leben, denn es gibt dort keinerlei Gesch\u00e4fte \u2013 nur die Miniaturwelt und das Event-Museum Hamburg Dungeon. Sollte man nach dem Konzert in dem Restaurant St\u00f6rtebecker oder der Hotelgastronomie keinen Platz bekommen, so darf man nicht damit rechnen, irgendwo in der N\u00e4he zu sp\u00e4ter Stunde ein Restaurant zu finden. Denn diese leben offensichtlich von den Angestellten in den B\u00fcros und schlie\u00dfen am fr\u00fchen Abend. Hat man sich dann \u00fcber leere halbdunkle Stra\u00dfen zu der Bahnstation Baumwall durchgeschlagen, so kann man in die \u201erichtige Stadt\u201c Hamburg fahren. Der Gastrotip des Schreibers: alle Steakh\u00e4user und das M\u00fcnchner Hofbr\u00e4uhaus haben meist bis Mitternacht offen!<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Konzertabend war die dritte Vorstellung einer Konzertreise, die die Staatskapelle unter der Leitung Christian Thielemanns gegeben hat. Und eine Vorstellung, die alle gl\u00fccklich machte: die Wagnerianer, die normalen Konzertg\u00e4nger, die Event-Touristen, die nur einmal das neue Haus sehen wollen \u2013 und zur Pause ihren Platz r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Den ersten Akt der <strong><em>Walk\u00fcre<\/em><\/strong> spielt man \u00f6fters im Konzert \u2013 ein St\u00fcck, das die Staatskapelle im Schlaf beherrscht. Da ist die Abstimmung aller Instrumentengruppen intern und im Zusammenspiel perfekt. Da gibt es keine Intonationsprobleme oder Lautst\u00e4rkeunterschiede. Wegen der messerscharfen direkten \u00dcberakustik h\u00f6rt man jeden Ton, aber auch jeden Hustenanfall im gesamten Raum. So kann man deutlich die Crescendi \u00fcber mehrere Takte hinweg verfolgen oder gewaltige Lautst\u00e4rkeunterschiede heraush\u00f6ren, die noch nie aufgefallen sind. Hier liegen die St\u00e4rken in der Akustik der Elbphilharmonie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Hornruf bl\u00e4st das erste Horn vom Rang aus, es ist der H\u00f6hepunkt des zweiten Konzertteils mit den Orchesterst\u00fccken des <strong><em>Rings<\/em><\/strong>, die sehr blechlastig sind. Und es ist jetzt eigentlich unfair anzumerken, da\u00df es hier doch Wackler im Blech gibt. Aber bei dieser Akustik fallen sie sozusagen deutlich ins Ohr.<\/p>\n<p>Und <strong>Stephen Gould<\/strong>, eindeutig der beste Siegmund und Siegfried unserer Tage! Mit seiner weichen samtenen, aber doch ausdauernden Tenorstimme an der Grenze zum Heldentenor kann er dem Siegmund Ausstrahlung verleihen, die zwischen Ekstase und Mitleid liegt. \u00c4hnliches kann man zu <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> im Ba\u00dffach als Hunding sagen. Mit seiner wohlklingenden Stimme gibt er jeder Rolle entsprechende Tiefe und charakterisiert den Hunding als intellektuellen B\u00f6sewicht.<\/p>\n<p>\u00dcberragend <strong>Anja Kampe<\/strong> als Sieglinde, die tadellose Stimmf\u00fchrung mit m\u00e4dchenhafter Attit\u00fcde vereint. Nur bei den dramatischen Ausbr\u00fcchen ganz am Ende ihrer Partie kann die S\u00e4ngerin der Versuchung zu forcieren, nicht ganz widerstehen. Dieses Forcieren setzt sie als Br\u00fcnnhilde fort, was zu einem unsch\u00f6nen Forte und zu Wortunverst\u00e4ndlichkeit f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Konzertabend war die wirkliche Feuertaufe f\u00fcr die Elbphilharmonie: den Erfolg mu\u00df man Thielemann und der S\u00e4chsischen Staatskapelle zuschreiben. Sie spielen Wagner auf h\u00f6chstem Weltniveau! Und auch die Solisten z\u00e4hlen zur Weltspitze im Wagnerfach. Allerdings wird deutlich, da\u00df man an der Akustik herum\u00e4ndern mu\u00df, wie auch der Chefdirigent der S\u00e4chsischen Staatskapelle Dresden feststellt:<\/p>\n<p><em>Zweifelsohne einer der besten S\u00e4le der Welt. Es ist ein gro\u00dfes Vergn\u00fcgen, hier zu musizieren. Sicherlich wird man noch ein wenig experimentieren, was die perfekte Klangabmischung anbelangt, aber das ist ein v\u00f6llig normaler Proze\u00df, den man auch von anderen ber\u00fchmten S\u00e4len kennt. Hamburg wird von diesem Saal enorm profitieren, und wir freuen uns schon auf eine hoffentlich baldige Wiederkehr.<\/em><\/p>\n<p>Insgesamt mu\u00df man sagen, da\u00df die Elbphilharmonie und der ganze Stadtteil Hafencity \u00fcberbewertet ist. Einzig die Au\u00dfenarchitektur der Philharmonie ist sehenswert. Alles andere, Innenausstattung, Baugeschichte, Kosten, oder Logistikkonzept hat wenig mit hanseatischer Weltl\u00e4ufigkeit zu tun. Eher mit st\u00e4dtebaulicher Fehlplanung auf h\u00f6chster Ebene.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden, Anja Kampe (Sieglinde, Br\u00fcnnhilde), Stephen Gould (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Walk\u00fcre G\u00f6tterd\u00e4mmerung Tagesgrauen, Siegfrieds Rheinfahrt, Siegfrieds Trauermarsch, Br\u00fcnnhildes Schlu\u00dfgesang Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden Solisten: Anja Kampe (Sieglinde, Br\u00fcnnhilde), Stephen Gould (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding) Besuchte Auff\u00fchrung: 6. 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