{"id":7082,"date":"2017-02-20T11:02:18","date_gmt":"2017-02-20T10:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7082"},"modified":"2017-03-23T11:05:36","modified_gmt":"2017-03-23T10:05:36","slug":"elektra-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7082","title":{"rendered":"ELEKTRA &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949) Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal; UA 25. Januar 1909, Dresden.<br \/>\nRegie: Markus Dietz, B\u00fchne: Ines Nadler, Kost\u00fcme: Henrike Bromber<\/p>\n<p>Dirigent: Patrik Ringborg, Staatsorchester Kassel, Opernchor des Staatstheaters Kassel (Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti)<\/p>\n<p>Solisten: Ingela Brimberg (Elektra), Vida Mikneviciute (Chrysothemis ), Ulrike Schneider (Klyt\u00e4mnestra), Johannes An (Aegisth), Young Doo Park (Orest), Marc-Olivier Oetterli (Pfleger des Orest, alter Diener), Nayeon Kim (Vertraute), Inna Kalinina (Schlepptr\u00e4gerin), Bassem Alkhouri (junger Diener), Doris Neidig (Aufseherin), Almerija Delic, Maren Engelhardt, Marta Herman, Ani Yorentz, Lin Lin Fan (M\u00e4gde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Februar 2017 (Premiere, deutsche \u00dcbertitel)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Kassel-Elektra.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7083\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Kassel-Elektra.png\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Kassel-Elektra.png 555w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Kassel-Elektra-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Klyt\u00e4mnestra hat mit ihrem Buhlen Aegisth Agamemnon, ihren Mann im Bad erschlagen. Ihr Sohn Orest wurde in Sicherheit gebracht, Tochter Elektra mu\u00df sich schlimmste Dem\u00fctigungen gefallen lassen und lebt nur noch f\u00fcr den Tag, an dem Orest Vergeltung \u00fcben wird. Da wird die vermeintliche Todesnachricht des Orest \u00fcberbracht. Die Schwester Chrysothemis flieht, als Elektra das Beil, mit dem der Vater erschlagen wurde, in wilder Entschlossenheit ausgr\u00e4bt. Als der Trauerbote sich als ihr Bruder Orest zu erkennen gibt, mahnt Elektra die r\u00e4chende S\u00fchne an. Als Aegisth naht, f\u00fchrt ihn Elektra scheinbar freundlich ins Haus, wo auch er gerichtet wird. In \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Freude beginnt sie einen wilden, ekstatischen Tanz, bevor sie tot zusammenbricht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip besteht das B\u00fchnebild nur aus einer wei\u00dfen Wand, die rot bemalt wird und als gro\u00dfe Video-Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Augen dient oder an der einfach nur das Blut hernieder rinnt. Auf der Fl\u00e4che vor der Wand gibt es Lachen von Blut, die immer wieder aufspritzen. Am Anfang stehen die vier Namen der Kinder des K\u00f6nigs auf der Wand, davor stehen Kinderstatisten, die sich im sp\u00e4teren Verlauf immer wieder als Erinnerungen manifestieren. Nach und nach wird die Wand aufgerissen, es entstehen Ausguckposten oder Zug\u00e4nge zur \u201eBurg\u201c. Die festlichen Kost\u00fcme sind eher in der heutigen Zeit verortet, die wei\u00dfen Kleider bleiben aber nicht lange wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ingela Brimberg<\/strong> als Elektra verf\u00fcgt \u00fcber einen dramatischen Sopran, der nicht frei ist von Sch\u00e4rfen. Mit etwas Kraft werden die Ha\u00dfausbr\u00fcche sehr glaubhaft, aber im Dialog mit Orest gelingen ihr auch nachdenklichere Momente \u2013 durch ein tragf\u00e4higes Piano der Stimme. <strong>Vida Mikneviciute<\/strong> als Chrysothemis versucht einen jugendlichen, schwebend leichten, lyrischen Klang zu erreichen, bleibt aber \u00fcber weite Strecken zu bla\u00df. Lediglich im Forte kann sie Emotionen erzeugen. Man k\u00f6nnte das als Hysterie bezeichnen.<\/p>\n<p><strong>Young Doo Park<\/strong> leiht als hell timbrierter Ba\u00df dem Orest seine Stimme. Er kann die Tiefen dieser gespaltenen Pers\u00f6nlichkeit ausloten und zeichnet mit Wohlklang einen mitf\u00fchlenden, aber auch seelisch kranken Charakter.<strong> Ulrike Schneider<\/strong> stellt ein gro\u00dfes Ausdrucks- und Gestaltungsverm\u00f6gen als Klyt\u00e4mnestra vor. Dabei trifft sie einen keifigen, h\u00e4mischen Ton, auch im Forte verliert sie die Gesangslinie nie. <strong>Johannes An<\/strong> macht aus dem kurzen Auftritt als Aegisth das beste. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine strahlende baritonale Mittellage, seine tenoralen H\u00f6hen klingen manchmal etwas eng. <strong>Marc-Olivier Oetterli<\/strong> ist ein durchschlagsstarker Bariton, der sich als Pfleger des Orest meist dezent im Hintergrund stimmlich zur\u00fcckh\u00e4lt, um dann mit Furor einzugreifen.<\/p>\n<p>Die zahlreichen Nebenrollen sind aus dem Ensemble oder dem Opernstudio besetzt und stehen f\u00fcr die hohe Leistungsf\u00e4higkeit des Opernensembles in Kassel. <strong>Patrik Ringborg<\/strong> gelingt es erneut ein Fingerspitzengef\u00fchl f\u00fcr feinf\u00fchlige gro\u00dfformatige Klangwelten unter Beweis zu stellen und so dem Staatsorchester Kassel eine Erz\u00e4hlung von Ha\u00df und Liebe zu entlocken. Das Orchester kann diese zu Harmonien b\u00fcndeln \u2013 und es gelingt, die exstatische Raserei im Orchester zu b\u00e4ndigen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>So richtig klar wird die Intention der Regie nicht. Sie schwankt zwischen Kindheitserinnerungen und wirren Alptr\u00e4umen der Protagonisten, in denen auch ein lebender Agamemnon und Iphigenie vorkommen. Iphigenie ist schwierig in der Handlung einzuordnen, denn sie kommt dort eigentlich nicht vor, weil sie ja von Agamemnon geopfert und von den G\u00f6ttern entr\u00fcckt wurde. So bleibt ein etwas wirrer Eindruck einer Produktion, in der das Blut in Str\u00f6men flie\u00dft, die auch beim Publikum wenig Gefallen findet.<\/p>\n<p>Umjubelt hingegen die musikalische Leistung auf hohem Niveau: Ganz besonders f\u00fcr Patrik Ringborg und f\u00fcr die aus den eigenen Ensemble heraus besetzten Hauptdarsteller, die nur mit drei herausragenden G\u00e4sten (Ingela Brimberg als Elektra, Vida Mikneviciute als Chrysothemis und Young Doo Park als Orest) erg\u00e4nzt wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vida Mikneviciute (Chrysothemis), Daria Zolotov, Nelio Neumann (Kinder), vorne: Young Doo Park (Orest)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949) Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal; UA 25. Januar 1909, Dresden. 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