{"id":7079,"date":"2017-02-23T10:59:19","date_gmt":"2017-02-23T09:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7079"},"modified":"2017-03-23T11:01:12","modified_gmt":"2017-03-23T10:01:12","slug":"wozzeck-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7079","title":{"rendered":"WOZZECK &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: Alban Berg nach dem Fragment von Georg B\u00fcchner, UA: 14. Dezember 1925 Berlin, Staatsoper und den Linden.<\/p>\n<p>Regie\/Choreographie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Stefan Brandtmyr, Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Gabor Kali, Staatsphilharmonie und Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Jochen Kupfer (Wozzeck), Tilmann Unger (Tambourmajor), Ilker Arcay\u00fcrek (Andres), Hans Kittelmann (Hauptmann), Jens Waldig (Doktor), Wonyong Kang (1. Handwerksbursch), Petro Ostapenko (2. Handwerksbursch), Katrin Adel (Marie), Irmgard Vilsmaier (Margret), Carl Schreiber (Mariens Knabe), Luzuko Mahlaba (ein Soldat), Han-Bo Jeon (ein Bursche)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar 2017<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/N\u00fcrnberg-Wozzeck-14.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7080\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/N\u00fcrnberg-Wozzeck-14.png\" alt=\"\" width=\"532\" height=\"355\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/N\u00fcrnberg-Wozzeck-14.png 532w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/N\u00fcrnberg-Wozzeck-14-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 532px) 100vw, 532px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Soldat Wozzeck, ein sonderbarer, \u00e4ngstlicher und mi\u00dftrauischer Mensch, f\u00fchrt ein \u00e4rmliches Leben. Um sein Gehalt aufzubessern, rasiert er t\u00e4glich den Hauptmann und stellt sich dem Arzt f\u00fcr skurrile medizinische Experimente zur Verf\u00fcgung. Der Mensch Wozzeck ist beiden egal. Mit seiner Geliebten Marie verbindet Wozzeck ein uneheliches Kind. Eines Tages mu\u00df er beobachten, wie Marie mit dem Tambourmajor tanzt, wodurch er eine gro\u00dfe Dem\u00fctigung erf\u00e4hrt. Als der Tambourmajor sich auch noch mit der Eroberung \u201eseiner\u201c Marie vor ihm br\u00fcstet, ist Wozzeck rasend vor Eifersucht und erdolcht sie wenig sp\u00e4ter am Ufer eines Teiches. Als man in einer Kneipe daraufhin Blut an seinem Arm entdeckt und ihn des Mordes verd\u00e4chtigt, flieht er zum Tatort, um seine Spuren zu verwischen und das dortige vergessene Messer ausfindig zu machen, dabei ertr\u00e4nkt er sich selbst \u2013 zur\u00fcck bleibt das einsame Kind.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das moderne Leben spielt sich in beweglichen w\u00fcrfelartigen R\u00e4umen ab, die variabel im B\u00fchnenraum vor dem \u00fcberdimensionalen \u201eGl\u00fcck\u201c-Schild angeordnet werden k\u00f6nnen. Das gesellschaftliche Leben rollt in der Spielfl\u00e4che vor diesen R\u00e4umen ab, das Privatleben im Innern. Wozzeck mu\u00df mehrere Jobs aus\u00fcben, um \u00fcber die Runden zu kommen. Zum einen gibt es beim Hauptmann (in Lack-Leder-Unterhose!) besondere Dienstleistungen mit einem G\u00fcrtel, beim Doktor nimmt er an Ern\u00e4hrungsexperimenten teil, bei dem aus gro\u00dfen Plastikeimern die Suppe ausgel\u00f6ffelt wird, au\u00dferdem wird eine T\u00e4tigkeit als Zusteller bei Amazon assoziiert. Der Tambourmajor ist ein exzessiver Lebemann und Frauenheld, dem Marie verf\u00e4llt. Als Kleidung findet Alltagskleidung aus dem \u201eHier und Heute\u201c Verwendung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der Abend des <strong>Jochen Kupfer<\/strong>. Selten erf\u00fcllt ein Rollendeb\u00fct alle Erwartungen und f\u00fchrt zu tosendem Szenenapplaus des Publikums. Er versucht jede Note, jede Phrase voll auszusingen, die Dynamik in der schwierigen atonalen Harmonik beherrscht er so, da\u00df es zu einer \u00fcberaus eloquenten Gestaltung der Titelrolle f\u00fchrt. Das Haus-Deb\u00fct von <strong>Katrin Adel<\/strong> als Marie ist mehr als gelungen. Es gelingt ihr Marie als zerbrechliches Wesen zu zeichnen, eine Marie, die immer etwas verhalten in der Lautst\u00e4rke ist: sie ist ein getriebener Charakter, ihr Handeln ist von au\u00dfen fremdbestimmt. So ben\u00f6tigt <strong>Tilmann Unger <\/strong>(Tambourmajor), ein Tenor mit Ausstrahlung, auch wenn ihm manchmal der Glanz in den hohen Lagen fehlt, nur ein L\u00e4cheln und eine Lederjacke, um sie zu verf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Hans Kittelmann<\/strong> ist ein dominierend mit schneidender Stimme auftretender Hauptmann, auch wenn er etwas nasal klingt. <strong>Jens Waldig <\/strong>zeigt sich als ein jugendlich leichter Spielbariton, der auch in der Tiefe \u00fcberzeugen kann. Als Doktor fehlt ihm trotz Durchschlagskraft eine Priese B\u00f6sartigkeit. <strong>Carl Schreiber<\/strong> (Mariens Knabe) singt mit solider Tenor-Stimme im Kinderchor der Musikschule N\u00fcrnberg und mu\u00df in den Folgevorstellungen nur noch seine Nervosit\u00e4t ablegen. <strong>Gabor Kali<\/strong> ist der unauff\u00e4llige Strippenzieher im Hintergrund, der die F\u00e4den der unterschiedlichen Harmoniestr\u00e4nge in der Staatsphilharmonie zusammenf\u00fchrt und zu einem atonalen Klangteppich verwebt, in dem die Solisten sicher eingebettet sind und auch der Chor zumeist sicher einsetzen kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese atonale Meister-Oper von Alban Berg in einer teilweise schwer verst\u00e4ndlichen, teils absurden Inszenierung von Georg Schmiedleitner ist ein harter Tobak. Dank seiner handwerklich soliden Personenregie und der \u00fcberragenden musikalischen Leistung der Gesangssolisten werden zumindest die Charaktere deutlich. Etwas st\u00f6rend auch der oberlehrerhafte Duktus mit dem erhobenen Zeigefinger mit der Schmiedleitner seine \u201etagesaktuelle\u201c politische Deutung darlegt. Insgesamt freundlicher Applaus, f\u00fcr Katrin Adel und Jochen Kupfer sehr st\u00fcrmisch.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Totale B\u00fchne, Musiker Tilmann Unger (Tambourmajor), \u00a0Katrin Adel (Marie), Jochen Kupfer (Wozzeck)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: Alban Berg nach dem Fragment von Georg B\u00fcchner, UA: 14. Dezember 1925 Berlin, Staatsoper und den Linden. 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