{"id":7075,"date":"2017-03-22T10:25:56","date_gmt":"2017-03-22T09:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7075"},"modified":"2017-03-23T10:46:15","modified_gmt":"2017-03-23T09:46:15","slug":"doktor-faust-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7075","title":{"rendered":"DOKTOR FAUST &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ferruccio Busoni (1866-1924), zwei Vorspielen, einem Zwischenspiel und drei Hauptbildern, Libretto: F. Busoni, UA: 21. Mai 1925 Dresden (Philipp Jarnach-Fassung), nach Skizzen Busonis erg\u00e4nzt und vervollst\u00e4ndigt von Antony Beaumont (1984), Auff\u00fchrung: 1985 Bologna (Beaumont-Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Keith Warner, B\u00fchne: Tilo Steffens, Kost\u00fcme: Julia M\u00fcer<\/p>\n<p>Dirigent: Tomas Netopil, Staatskapelle Dresden, S\u00e4chsischer Staatsopernchor Dresden, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/p>\n<p>Solisten: Lester Lynch (Doktor Faust), Michael Eder (Wagner), Mark Le Brocq (Mephistopheles\/Nachtw\u00e4chter), Michael K\u00f6nig (Meg\u00e4ros\/Herzog von Parma), Manuela Uhl (Herzogin von Parma), Magnus Piontek (Gravis\/Zeremonienmeister), Sebastian Wartig (Soldat\/Naturgelehrter), J\u00fcrgen M\u00fcller (Beelzebuth\/Leutnant), Erik Stoklo\u00dfa, Bernhard Hansky, Allen Boxer (Drei Studenten aus Krakau), Tilmann R\u00f6nnebeck (Levis\/Theologe), Stephan Klemm (Asmodus\/Jurist) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. M\u00e4rz 2017 (Premiere, Beaumont-Fassung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-DoktorFaust.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7076\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-DoktorFaust.png\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"396\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-DoktorFaust.png 594w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Dresden-DoktorFaust-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vorspiel<\/strong> I: Am Ende seines Lebens sieht Faust sein Streben nach Wissen als gescheitert an. Wagner f\u00fchrt drei Studenten aus Krakau herein, die ihm das Buch <em>Clavis Astartis Magica<\/em> schenken, das ihm neue Wege er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><strong>Vorspiel<\/strong> II: So beschw\u00f6rt Faust um Mitternacht sechs Geister und verlangt Genie und Weltkenntnis. Erst der sechste Geist, Mephistopheles, verspricht, so schnell zu sein <em>als wie des Menschen Gedanke<\/em>. Er verlangt daf\u00fcr ewige Dienste. Als Faust bewu\u00dft wird, da\u00df sein Haus von Gl\u00e4ubigern und Pfaffen umzingelt ist, mu\u00df Faust den Pakt unterzeichnen und Mephistopheles l\u00e4\u00dft seine Feinde verschwinden.<\/p>\n<p><strong>Zwischenspiel<\/strong>: Ein Soldat will Rache f\u00fcr seine von Faust gesch\u00e4ndete Schwester (Gretchen), die aus Verzweiflung in den Tod ging. Mephistopheles l\u00e4\u00dft ihn von Soldaten ermorden.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Bild<\/strong>: Der Herzog und die Herzogin von Parma feiern ihre Hochzeit. Die Herzogin ist von Faust fasziniert. Sie verl\u00e4\u00dft f\u00fcr ihn ihren eifers\u00fcchtigen Gatten.<\/li>\n<li><strong> Bild<\/strong>: In einer Schenke versucht Faust den Studenten seine Einsichten zu vermitteln. Nach seinen Frauengeschichten befragt, erinnert er sich der Aff\u00e4re mit der Herzogin. Mephistopheles berichtet, da\u00df die Herzogin begraben wurde. Er \u00fcbergibt Faust ihr totes Kind, das sich jedoch als Strohwisch entpuppt. Mephistopheles will Faust mit dem Bild der trojanischen Helena ablenken, doch Fausts Versuch scheitert, das Ideal weiblicher Sch\u00f6nheit zu fassen. Die drei Studenten aus Krakau verlangen das Buch zur\u00fcck, doch Faust hat es zerst\u00f6rt. Die Studenten verk\u00fcnden, er werde <em>noch vor Mitternacht<\/em> sterben.<\/li>\n<li><strong> Bild<\/strong>: Der Nachtw\u00e4chter ruft die volle Stunde. Fausts ehemaliger Assistent Wagner macht als Hochschullehrer Karriere. Fausts Sch\u00fcler gratulieren, er selbst sucht vergeblich, sich in seiner Todesstunde mit seinem kranken Herzen zu vers\u00f6hnen. In einer Bettlerin erkennt Faust die Herzogin von Parma. Sie \u00fcberreicht ihm das tote Kind.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Schlu\u00df nach Jarnach<\/strong>: Um sich von seiner Schuld zu befreien, versucht Faust zu beten, bleibt wortlos, bricht tot zusammen.<\/p>\n<p><strong>Schlu\u00df nach Beaumont<\/strong>: Fausts Gebet bleibt unbeantwortet, er \u00fcberwindet die Grenze des Menschlichen und l\u00e4\u00dft seinen Geist und Willen auf sein Kind \u00fcbergehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild taucht Keith Warner und sein B\u00fchnenbildner Tilo Steffens ins mystische Dunkel: Mehrere S\u00e4ulenreihen bilden immer neue R\u00e4ume, B\u00fchnenbildfragmente dahinter deuten die Studierstube, das M\u00fcnster, den Hochzeitssaal oder das Studenten-Cafe an. Wunschvorstellungen Fausts oder die Gier nach Wissen manifestieren sich auf der B\u00fchne: Newton, Albert Einstein, Stephen Hawking aber auch Che Guevara. Monstranzen laden ein zum Mysterienspiel statt Hochzeitsfeier, auf der Salome der Kopf von Johannes pr\u00e4sentiert wird. Auch die Kost\u00fcme bilden eine Reise durch die Zeit ab: Es beginnt mit einem Talar aus dem Sp\u00e4tmittelalter, f\u00fchrt \u00fcber die goldenen Zwanziger zur Hippie-Bewegung und endet in heutiger Gesellschaftskleidung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dem Essener GMD <strong>Tom\u00e1\u0161 Netopil<\/strong> gelingt es, das riesige Ensemble zusammenzuf\u00fchren. Das ist schon wegen des komplexen Kompositionsstils schwierig genug, da finden sich Ankl\u00e4nge an Strau\u00df <em>Salome<\/em>, der Nachtw\u00e4chter scheint Wagners <em>Meistersingern<\/em> entsprungen: da ergeben sich pathetische Klangwolken im Fortissimo, dabei m\u00fcssen dynamische Steigerungen und Decrescendos abgefedert werden. Bemerkenswert wie harmonisch die Staatskapelle zusammenfindet, welche traumwandlerisch sicheren Harmonien entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Leistungstr\u00e4ger ist der allzeit pr\u00e4sente <strong>Staatsopernchor<\/strong>. In der Einstudierung von <strong>J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/strong> bildet der Chor einen stets geschlossenen Klangk\u00f6rper, eine harmonischen Bindung wie eine Wand und Synchronizit\u00e4t zwischen allen Stimmgruppen \u2013 er kann mit dem Choralzitat <em>Ein feste Burg<\/em> auftrumpfen, im Forte reist er das Publikum aus allen Tr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Lester Lynch<\/strong> als Doktor Faust kann aus dem vollen sch\u00f6pfen: Er entwickelt eine sehr hohe vokale Durchschlagskraft, im Forte entwickelt seine Stimme dabei tenorale Strahlkraft \u2013 leider entwickelt sich im Piano eine zunehmende Rauhigkeit, die in einem unsch\u00f6nen Vibrato endet. Aber er wird den Anforderungen an die riesige Rolle gerecht, kann die Zerrissenheit des Wissenssuchenden zwischen Hoffnung und Verzweiflung charakterisieren. <strong>Mark Le Brocq<\/strong> ist ein eloquenter Mephistopheles mit eher baritonalen Timbre, die tenoralen H\u00f6hen erreicht er aber ohne Probleme. Er ist vor allem in der Charakterzeichnung ein gleichwertiger Gegenspieler.<\/p>\n<p><strong>Manuela Uhl<\/strong> hat mit der Stimmf\u00fchrung der Herzogin Probleme, die Stimme klingt zwar jugendlich klar, aber leider zu eng gef\u00fchrt und wirkt manchmal zu keifig. Auch die vielen \u00fcbrigen Ensemblemitglieder haben manchmal solche kleineren Probleme, erf\u00fcllen aber ihre Aufgaben auf Staatsopernniveau. Besonders <strong>Michael Eder<\/strong> ist ein sauber akzentuierender Gelehrter (Wagner), <strong>Michael K\u00f6nig<\/strong> ein technisch sehr sicherer Spieltenor als Herzog. Die drei <strong>Studenten<\/strong> aus Krakau haben einen sehr dramatischen Auftritt, der in der Wirkung an die Hexen in <em>Macbeth<\/em> denken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Premiere macht deutlich, warum das Werk sich im Repertoire nicht durchsetzen kann. Die Handlung bleibt fragmentarisch, viel zu langatmig, und es bleibt schwierig, diese sinnstiftend nachzuvollziehen. Warner versucht alles, um mit eindrucksvollen Tableaus die Handlung plausibel zu machen \u2013 leider zeigt das Publikum nach drei Stunden Erm\u00fcdungserscheinungen. Die musikalische Umsetzung dieser Komposition, die am Endpunkt der Romantik und am Anfang der neuen freitonalen Musik steht, ist der Semperoper mehr als w\u00fcrdig, besonders weil hier das Werk 1925 uraufgef\u00fchrt wurde. Chor und Orchester gehen an die Grenze der Belastbarkeit, ein riesiges Ensemble wird stark gefordert. Deshalb wird die Premiere einhellig zu Recht vom Publikum gefeiert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jochen Quast<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lester Lynch (Doktor Faust), Manuela Uhl (Herzogin von Parma), Staatsopernchor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ferruccio Busoni (1866-1924), zwei Vorspielen, einem Zwischenspiel und drei Hauptbildern, Libretto: F. 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