{"id":7068,"date":"2017-03-20T08:48:26","date_gmt":"2017-03-20T07:48:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7068"},"modified":"2017-03-20T08:48:26","modified_gmt":"2017-03-20T07:48:26","slug":"jenufa-stockholm-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7068","title":{"rendered":"Jen\u016ffa &#8211; Stockholm, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto: der Komponist nach einem Drama von Gabriela Preissov\u00e1, UA: 21. Januar 1904 Br\u00fcnn, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Annilese Miskimmon, B\u00fchnenbild\/Maske\/Kost\u00fcm: Nicky Shaw, Licht: Mark Jonathan, Choreographie: Kally Lloyd-Jones<\/p>\n<p>Dirigent: Lawrence Renes, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: James Grossmith<\/p>\n<p>Solisten: Malin Bystr\u00f6m (Jen\u016ffa), Lena Nordin (K\u00fcsterin), Jesper Taube (Laca), Andrea Car\u00e8 (\u0160teva), Gro\u00dfmutter Buryja (Marianne Ekl\u00f6f) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. M\u00e4rz 2017 (in tschechischer Sprache, schwedische Premiere dieser d\u00e4nisch-schwedisch-schottischen Co-Produktion)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Stockholm-jenufa.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7069\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Stockholm-jenufa.png\" alt=\"\" width=\"655\" height=\"328\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Stockholm-jenufa.png 655w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Stockholm-jenufa-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Jen\u016ffa und ihr Cousin \u0160teva sind miteinander verlobt. \u0160teva geh\u00f6rt zu den wohlhabenderen jungen M\u00e4nnern im Dorfe und hat gerade erfahren, da\u00df er nicht zum Milit\u00e4r eingezogen wird. Er feiert ausgelassen mit seinen Freunden als die K\u00fcsterin, Jen\u016ffas Ziehmutter, die sich ernsthaft Sorgen um das Schicksal ihrer Ziehtochter macht, ihm befiehlt, ein Jahr lang vom Alkohol zu lassen, wenn er Jen\u016ffa heiraten will. Jen\u016ffa ist jedoch bereits schwanger. In aller Heimlichkeit bringt sie im darauffolgenden Winter \u0160tevas Sohn zur Welt. \u0160teva weigert sich, das Kind anzunehmen und hat sich bereits mit der Tochter des Dorfrichters verlobt. Um ihrer Ziehtochter die Schande einer unehelichen Mutterschaft zu ersparen, und, weil sich Laca, \u0160tevas Halbbruder, bereits seit langem f\u00fcr Jen\u016ffa interessiert, t\u00f6tet die K\u00fcsterin das Neugeborene. Als im Fr\u00fchjahr das Eis schmilzt und sich Jen\u016ffa und Laca anschicken, ihre Hochzeit feiern, findet man die Leiche des S\u00e4uglings und die K\u00fcsterin wird verhaftet. Jen\u016ffa und Laca beschlie\u00dfen, dennoch zusammen zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Libretto gibt nur wenige Hinweise zum konkreten geographischen und historischen Ort der Handlung. Man wird ihn wohl im M\u00e4hren des 19. Jahrhunderts vermuten d\u00fcrfen. Die Regisseurin verlegt die Handlung ins Irland des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Der B\u00fchnenhintergrund ist in allen Akten schwarz. Im ersten Akt sieht man ein Haus von au\u00dfen, in den beiden letzten von innen. Kost\u00fcme und Einrichtung sind realistisch, ohne verfremdende Elemente. Im ersten Akt ist der Raum f\u00fcr die Akteure, d.h. in erster Linie den Chor, sehr eingeengt. Wie die Requisiten ist auch die dramatische Aktion konventionell. Dadurch ist es an den einzelnen S\u00e4ngern, ihre Figuren darstellerisch \u00fcberzeugend zu gestalten, was nicht immer gelang.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger <\/strong><strong>und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Jan\u00e1\u010deks Gesangsmelodik und die tschechische Sprache stellen f\u00fcr jeden S\u00e4nger nat\u00fcrlich eine Herausforderung dar. <strong>Malin Bystr\u00f6m <\/strong>konnte die Qualit\u00e4ten ihrer Stimme in der Titelpartie nicht voll entfalten. Zu Beginn l\u00e4\u00dft sie den Zuh\u00f6rer \u00fcber die enorme F\u00fclle ihres dunklen Registers \u2013 es handelt sich bei Jen\u016ffa um eine Sopranpartie \u2013 staunen, doch im folgenden vermi\u00dft man ein wenig die pers\u00f6nliche Note. Es mag sein, da\u00df die Vorgaben der Regie dazu ihren Teil beigetragen haben, denn insbesondere in ihrem Alptraummonolog im zweiten Akt wirkt ihr Spiel forciert und unnat\u00fcrlich. Die sprecherischen Nuancen ihres Parts kamen nicht deutlich heraus. Im \u00fcbrigen ist sie intonatorisch und rhythmisch v\u00f6llig sicher.<\/p>\n<p><strong>Lena Nordins <\/strong>K\u00fcsterin, die heimliche Hauptrolle dieser Oper, war dagegen darstellerisch und gesanglich souver\u00e4n, in allen Stimmlagen und vor allem den vielen halb gesprochenen Partien dieser Rolle. Die altersbedinge Sch\u00e4rfe in ihrer Stimme pa\u00dfte ausgezeichnet dazu. <strong>Jesper Taube <\/strong>als Laca sang mit lyrischem tenoralem Timbre und arbeitete die Unbeholfenheit seiner Figur gut heraus. <strong>Andrea Car\u00e8<\/strong> als \u0160teva sang und spielte routiniert, vielleicht ein wenig zu routiniert, um dieser Rolle Charakter zu verleihen.<\/p>\n<p>Das <strong>Orchester<\/strong> brauchte eine Weile, um den klanglichen Anforderungen der Partitur gerecht zu werden. Im ersten Akt war die Balance zwischen <strong>Chor<\/strong> und Orchester nicht ganz ausgewogen, was aber auch dem bereits erw\u00e4hnten engen Platz auf der B\u00fchne geschuldet gewesen sein mag. Je weiter der Abend voranschritt, desto sch\u00f6ner und sicherer traten die oft stark kontrastierenden Farben der Jan\u00e1\u010dek\u2019schen Instrumentation zutage.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Leistungen der S\u00e4nger sind wie die des Orchesters gut bis sehr gut. Wie oft bei solchen Co-Produktionen erscheinen das B\u00fchnenbild und auch das darstellende Spiel als ein Kompromi\u00df. Diese Inszenierung tut sicherlich niemandem weh und ist h\u00fcbsch anzuschauen, es fehlt an einigen Stellen aber ein wenig an psychologischer Tiefe.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Stockholm, K\u00f6nigliche Oper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Malin Bystr\u00f6m (Jen\u016ffa), Jesper Taube (Laca)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto: der Komponist nach einem Drama von Gabriela Preissov\u00e1, UA: 21. 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