{"id":7065,"date":"2017-03-14T08:36:24","date_gmt":"2017-03-14T07:36:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7065"},"modified":"2017-03-20T08:38:51","modified_gmt":"2017-03-20T07:38:51","slug":"die-gespraeche-der-karmeliterinnen-dialogues-des-carmelites-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7065","title":{"rendered":"Die Gespr\u00e4che der Karmeliterinnen \u2013 Dialogues des Carm\u00e9lites &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Libretto: Francis Poulenc, nach dem Drehbuch von Georges Bernanos, deutsche Textfassung: Peter Funk und Wolfgang Binal, UA: 26. Januar 1957 Mailand, Teatro alla Scala,<\/p>\n<p>Regie: Lothar Krause, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf<\/p>\n<p>Drigent: Arn Goerke, Hofer Symphoniker, Opernchor, Choreinstudierung: Hsin-Chien Fr\u00f6hlich)<\/p>\n<p>Solisten: James Tolksdorf (Marquis de La Force), Susanne Serfling (Blanche de La Force), Benjamin Popson (Chevalier\/Bruder), Elisabeth Hornung (Madame de Croissy\/alte Priorin), Inga-Britt Andersson (Madame Lidoine\/neue Priorin), Stefanie Rhaue (Mutter Marie), Ines Lex (Schwester Constance), Karsten Jesgarz (Beichtvater) \u00a0u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. M\u00e4rz 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hof-Karmeliterinnen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7066\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hof-Karmeliterinnen.jpg\" alt=\"\" width=\"514\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hof-Karmeliterinnen.jpg 514w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Hof-Karmeliterinnen-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 514px) 100vw, 514px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben von Blanche De La Force wird seit ihrer Geburt, bei der ihre Mutter starb, von Angst \u00fcberschattet. Sie beschlie\u00dft abgeschieden im Karmeliterinnenkloster in Compi\u00e8gne zu leben \u2013 gegen den Willen ihrer Familie. Obwohl die Priorin Blanches Motivation anzweifelt, wird Blanche aufgenommen. W\u00e4hrend die Priorin im Sterben liegt, prophezeit Constance ihrer Mitnovizin Blanche den gemeinsamen fr\u00fchen Tod. Die franz\u00f6sische Revolution bricht aus, das Kloster wird aufgel\u00f6st. Als die Schwestern die Blutzeugenschaft ablegen, flieht Blanche in das Haus ihres hingerichteten Vaters. Dort erf\u00e4hrt sie von der Verhaftung der Mitschwestern, denen das Todesurteil verk\u00fcndet wird. Auf dem Weg zum Schafott singen sie die <em>Salve Regina<\/em>. Blanche stimmt ein und folgt ihren Mitschwestern in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht eigentlich nur aus W\u00e4nden und Mauerteilen, die irgendwann einst\u00fcrzen, aus Trenngittern, die entschwinden und einem gro\u00dfen Madonnenbildnis, das zu Bruch geht \u2013 das Jesuskind wird wie eine Puppe danach herumgereicht. So wird mit geringen Mitteln ein Kloster oder eine Gef\u00e4ngniszelle gebildet. Am Schlu\u00df stehen die Nonnen auf dem Hinrichtungsplatz, einer kreuzf\u00f6rmigen Plattform: Zum ersterbenden Chor <em>Salve Regina<\/em> und dem Klappern der Guillotine spritzt das Blut \u00fcber die wei\u00dfen Unterkleider. Die Kost\u00fcme entstammen der Entstehungszeit von 1793, die Adelskleidung mit Per\u00fccken ist sehenswert \u2013 <em>La belle poule<\/em> (<em>Die sch\u00f6ne Henne<\/em>, eine besondere Form der Frisur) Ein Kriegsschiff auf Dauerwelle, die Alltagskleidung ist von <em>Les Mis\u00e9rables<\/em> inspiriert, die Karmeliterinnen tragen die traditionelle Tracht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Susanne Serfling <\/strong>gelingt eine beispielhafte Gestaltung der Hauptrolle als Blanche. Diese innere Zerrissenheit zwischen seelischen Extremen wird mit teilweise br\u00fcchiger Stimme, einem ausdrucksstarken Crescendo und einem klaren jugendlich strahlenden Fortissimo deutlich. Ihr Vater, der Marquis, <strong>James Tolksdorf,<\/strong> zeigt mit einem heftig polternden Auftritt den Ernst der Lage. Mit seinem hohen Klangbild und durchschlagsstarken Stimme k\u00f6nnte er auch als Tenor durchgehen. <strong>Stefanie Rhaue<\/strong> formt die Mutter Maria zu einer zentralen Rolle. Mit ihrem dunkel timbrierten kr\u00e4ftigen Alt kann sie sowohl mitf\u00fchlend als auch b\u00f6sartig keifig sein.<\/p>\n<p><strong>Elisabeth Hornung<\/strong> stellt als sterbende Priorin stimmliche Leidensf\u00e4higkeit unter Bewei\u00df. <strong>Inga-Britt Andersson<\/strong> l\u00e4\u00dft als neue Priorin keine W\u00fcnsche hinsichtlich H\u00f6he, Leuchtkraft und dynamischer Ausstrahlung offen. \u00c4hnliches gelingt <strong>Ines Lex<\/strong> als Schwester Constance, wenn auch ihre erfahrene Wagner-Stimme etwas schwer wirkt. Daf\u00fcr kann sie der Rolle mehr Tiefe als nur die mitf\u00fchlende Freundin von Blanche geben. <strong>Karsten Jesgarz<\/strong> ist ein sehr beweglicher Spieltenor, der dem Beichtvater die entsprechende Kompetenz gibt. Der Chor \u201eder Nebenrollen der Nonnen und Revolution\u00e4re\u201c ist zwischen solistischen Leistungen und registerreichem Klangbild bestens aufgestellt. <strong>Arn Goerke<\/strong> gibt diesem Meisterwerk der zeitgen\u00f6ssischen Musik die entsprechende Dynamik, auch wenn die Feinabstimmung zwischen Orchester und Solisten noch etwas verbesserungsw\u00fcrdig ist, da manche Passagen vom Orchester zugedeckt werden. Es ist aber auch wirklich schwierig, einen Kompromi\u00df zwischen Konversationsst\u00fcck und Oper zu finden. Aber das Finale <em>Salve Regina<\/em> gelingt ihm \u2013 als kirchenmusikalische Feier \u2013 mit monumentaler Wucht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dank der Reduzierung der Ausstattung gelingt eine Fokussierung der Handlung auf die Dialoge zwischen den einzelnen Personen, auf ihre Gef\u00fchle, auf ihre Motivation. Bei meist sehr klarer Deklamation macht das die Produktion zu einer spannenden Seelenanalyse zwischen Glaube und Angst. Dabei ist die Verwendung der deutschen \u00dcbersetzung f\u00fcr das Publikum hilfreich, auch wenn ohne \u00dcbertitel nicht jedes Wort verst\u00e4ndlich ist, manches auch in der Musik untergeht. Das sehr blutige (aber nicht minder eindrucksvolle) Schlu\u00dfbild f\u00fchrt zu einer Schockstarre des Publikums, so ist der Schlu\u00dfapplaus zun\u00e4chst verhalten, am Ende wird die stringent werkgetreue Produktion, die auch musikalisch jeder Staatsopernproduktion in nichts nachsteht, enthusiastisch gefeiert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elisabeth Hornung (Madame de la Force, Priorin), Susanne Serfling (Blanche de la Force), Stefanie Rhaue (Mutter Maria, Subpriorin) und Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Libretto: Francis Poulenc, nach dem Drehbuch von Georges Bernanos, deutsche Textfassung: Peter Funk und Wolfgang Binal, UA: 26. 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