{"id":7060,"date":"2017-02-27T21:04:08","date_gmt":"2017-02-27T20:04:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7060"},"modified":"2017-03-14T21:14:18","modified_gmt":"2017-03-14T20:14:18","slug":"die-stumme-serenade-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7060","title":{"rendered":"DIE STUMME SERENADE \u2013 Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Kom\u00f6die mit Musik in zwei Akten, Libretto: Victor Clement unter Verwendung der deutschen Einrichtung von Raoul Auernheimer, Gesangstexte von Bert Reisfeld und Erich Wolfgang Korngold, UA: 1951 Wien im Radio (konzertant, 10. November 1954 Dortmund, Stadttheater (szenisch)<\/p>\n<p>Regie: Tobias Materna, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Jan Hendrik Neidert &amp; Lorena Diaz Stephens, Choreographie: Dirk Mestmacher &amp; Daniel Cimpean, Dirigent: Roland Fister, Kammerbesetzung des Philharmonischen Orchesters (2 Klaviere, Celesta, Fl\u00f6te, Klarinette, 2 Violinen, Violincello)<\/p>\n<p>Solisten: Salomon Zulic del Canto (Andrea Cocl\u00e9), Anna G\u00fctter (Silvia Lombardi), Jelena Bankovic (Luise), Dirk Mestmacher (Sam Borzalino), Felix Rathgeber (Caretto), Heidi Lynn Peters, Eva Maria Fischer, Johanna Stark (Mannequins), Sprechrollen: Kerstin H\u00e4nel (Bettina), Stephan Ignaz (Laura), Thorsten K\u00f6hler (Benedetto Lugarini)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Februar 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Coburg-Serenade_Presse_40.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7061\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Coburg-Serenade_Presse_40.png\" alt=\"\" width=\"671\" height=\"447\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Coburg-Serenade_Presse_40.png 671w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Coburg-Serenade_Presse_40-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 671px) 100vw, 671px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Zwei n\u00e4chtliche \u00dcbergriffe 1820 in Neapel: jemand bricht in die Villa der ber\u00fchmten Schauspielerin Silvia Lombardi ein und sucht ihr einen Ku\u00df zu rauben, gleichzeitig findet sich eine Bombe unter dem Bett ihres Verlobten, des Ministerpr\u00e4sidenten Lugarini. Polizeiminister Caretto verhaftet den ber\u00fchmten Schneider Andrea Cocl\u00e9, denn er gibt zu, in ihrem Garten gewesen zu sein, um ein St\u00e4ndchen zu bringen, aber da es niemand geh\u00f6rt hat, soll es eine \u201estumme Serenade\u201c gewesen sein. Lugarini verlangt von Caretto, den Attent\u00e4ter bis Tagesende festzunehmen: ansonsten droht \u201ePension ohne Pension\u201c.<\/p>\n<p>Der K\u00f6nig von Neapel k\u00fcndigt an, einen Verurteilten begnadigen zu wollen: Caretto \u00fcberredet daher Andrea, neben dem Einbruch auch das Attentat auf Lucarini zu gestehen. Doch der K\u00f6nig stirbt, die Begnadigung entf\u00e4llt, der letzte Wunsch vor der Hinrichtung von Andrea ist ein Abendessen mit Silvia Lombardi: Da verlieben sich beide ineinander. In einer Revolution st\u00fcrzt man den Ministerpr\u00e4sidenten: Neuer Regierungschef wird Andrea, der Silvia heiratet. Der wahre Attent\u00e4ter meldet sich und l\u00f6st ihn als Ministerpr\u00e4sidenten ab.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Korngold selbst bezeichnet das St\u00fcck, etwas schwammig, als musikalische Kom\u00f6die. Da ist es nur konsequent, wenn <strong>Tobias Materna<\/strong> alle Register zieht und es zwischen einer Filmkom\u00f6die und einer sp\u00e4te Operette ansiedelt. Eine gro\u00dfe Kinoreklametafel aus Hollywood steht in der Mitte der Drehb\u00fchne, weist auf die stumme Serenade hin, durch Heben und Drehen entstehen z.B. das B\u00fcro des Ministerpr\u00e4sidenten mit stetig wechselndem Bild des Staatsoberhauptes. Dabei ergeben sich gro\u00dfartige Tanzeinlagen, Slapstick und gro\u00dfe Momente in monumentaler Filmkulisse. Kost\u00fcme und Farbgebung passen zu den ersten Farbfilmen vor und nach dem Krieg. Gro\u00dfartige Schauspieler des Ensembles bauen Nebenrollen zu Hautrollen aus,<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es spricht f\u00fcr das Landestheater Coburg, da\u00df man alle Rollen mit hauseigenen Kr\u00e4ften besetzen kann &#8211; mit acht Schauspielrollen und acht S\u00e4ngern, auch wenn die S\u00e4nger in der szenischen Wirkung etwas zur\u00fcckbleiben.<\/p>\n<p>Beispielsweise <strong>Salomon Zulic del Canto<\/strong> als Schneider Cocle ist da zu passiv \u2013 zumal als Liebhaber: trotz volumin\u00f6ser Stimme fehlt ihm die Ausdruckskraft bzw. der Sturm und Drang. Mit seinem Akzent geht er aber als Italiener glatt durch. Dazu pa\u00dft hervorragend <strong>Anna G\u00fctter<\/strong> als etwas hart fokussierende, mond\u00e4ne, junge Dame von Welt. <strong>Dirk Mestmacher<\/strong> ist als Spieltenor vom Haus ein typisch quirliger Reporter Borzalino, der in der Soubrette <strong>Jelena Bankovic<\/strong> (Louise) die passende Partnerin in den Duetten und f\u00fcrs Leben findet. <strong>Felix Rathgeber<\/strong> ist als Polizeiminister wieder einmal ein zwielichtiger Kantonist. Sein sicherer Ba\u00dfbariton pa\u00dft hier stimmlich gut. <strong>Roland Fister<\/strong> kommt mit der kleinen Kammerbesetzung des Philharmonischen Orchesters gut zurecht. Die Umsetzung der Tanzeinlagen, der Duette zwischen den beiden Liebespaaren und die Jazzmusik machen die N\u00e4he zur sp\u00e4ten Berliner Tonfilm-Operette <em>Der Kongre\u00df tanzt<\/em> deutlich. Aber auch die amerikanische Filmmusik, mit der die Handlung untermalt wird, gelingt genretypisch und bekommt Szenenapplaus.<\/p>\n<p><strong>Thorsten K\u00f6hler<\/strong> macht aus dem B\u00f6sewicht Benedetto Lugarini eine Mischung aus gro\u00dfer Diktator und Groucho Marx: <em>We make Neapel great again!<\/em><\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine stimmige Produktion, die szenisch und musikalisch Hand in Hand geht und damit durchaus an die gro\u00dfen Musikfilme der 1930er bis 1950er Jahre ankn\u00fcpft \u2013 an Charlie Chaplin, die Marx Brothers, Disneys <em>Mary Poppins<\/em>, UFA-Filme oder <em>Some like it hot<\/em>. In diesem \u201eFilm\u201c fallen auch die Schw\u00e4chen in der Handlung nicht weiter auf. Dank der Schauspieler aus dem Ensemble wird die Handlung spritzig-witzig serviert, die Optik ist augenfreundlich und bestechend und auch gesanglich kann man mit dem gro\u00dfen Kino mithalten. Heftiger Jubel allenthalben!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Photograf: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Gerichtsverhandlung gegen Andrea Cocl\u00e9 (Salomon Zulic del Canto)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Kom\u00f6die mit Musik in zwei Akten, Libretto: Victor Clement unter Verwendung der deutschen Einrichtung von Raoul Auernheimer, Gesangstexte von Bert Reisfeld und Erich Wolfgang Korngold, UA: 1951 Wien im Radio (konzertant, 10. 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