{"id":7057,"date":"2017-03-11T17:41:25","date_gmt":"2017-03-11T16:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7057"},"modified":"2017-03-11T17:41:25","modified_gmt":"2017-03-11T16:41:25","slug":"carmen-paris-opera-bastille-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7057","title":{"rendered":"CARMEN \u2013 Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach Prosper M\u00e9rim\u00e9e Novelle <em>Carmen<\/em>, UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris, Op\u00e9ra-comique (Salle Favart)<\/p>\n<p>Regie: Calixto Bieito, B\u00fchne: Alfons Flores, Kost\u00fcme: Merc\u00e8 Paloma, Licht: Alberto Rodr\u00edguez Vega<\/p>\n<p>Dirigent: Bertrand de Billy, Orchester, Chor und Kinderchor de l\u2019Op\u00e9ra National de Paris, Ma\u00eetrise des Hauts-de-Seine. Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Cl\u00e9mentine Margaine (Carmen), Roberto Alagna (Don Jos\u00e9), Roberto Tagliavini (Escamillo), Aleksandra Kurzak (Mica\u00ebla), Vannina Santoni (Frasquita), Antoinette Dennefeld (Mercedes), Boris Grappe (Le Danca\u00efre), Fran\u00e7ois Rugier (Le Remendado), Fran\u00e7ois Lis (Zuniga), Jean Luc Ballestra (Morales)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung : 10. M\u00e4rz 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Diese volkst\u00fcmliche aller franz\u00f6sischen Opern bewegt sich stilistisch <em>frei von jedem Akademismus zwischen \u201amusiquette\u2018 und \u201atrag\u00e9die lyrique\u2018. das spanische Milieu ist folkloristisch \u00fcberzeugend angedeutet, doch im Wesen ist die Musik franz\u00f6sisch. Bewundernswert ist die klassische Symmetrie ihrer formalen Struktur, ist der Reichtum an melodischen und rhythmischen Einf\u00e4llen, die durchsichtige, farbige Instrumentation und das Verm\u00f6gen, mit geringen Mitteln Personen und Situationen zwingend zu charakterisieren. Von der Realistik der \u201aCarmen\u2018-Musik, lernten die Veristen ihr bestes. <\/em>(Hans Renner).<\/p>\n<p>Und dieser harte Realismus wirkte, trotz hoher Stilisierung, einstmals schockierend, die musikalischen und szenischen Neuerungen revolutionierend. Unvorstellbar, da\u00df in einem gut b\u00fcrgerlichen Theater wie die Op\u00e9ra Comique jemand auf offener B\u00fchne get\u00f6tet wird! hie\u00df es. Friedrich Nietzsche erkl\u00e4rte<em> Carmen<\/em> zum Antidot gegen eine Wagner-Neurose.<\/p>\n<p>Bizet war 37 Jahre alt, als er die Oper schrieb. Er hat nur noch den Skandal der ersten Auff\u00fchrungen miterlebt, nicht mehr den internationalen Siegeszug, der dieses Werk heute zu einer der meistgespielten Opern macht.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-Carmen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7058\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-Carmen.png\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"394\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-Carmen.png 612w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-Carmen-300x193.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Soldat Don Jos\u00e9 erh\u00e4lt Besuch von seiner Jugendfreundin Mica\u00ebla, die ihn liebt und hofft ihn zu heiraten. Doch die gefangene Zigeunerin Carmen verlangt den Soldaten mit verf\u00fchrerischen Versprechungen, sie freizulassen. Er tut es und wird daraufhin in der Kaserne in Haft genommen.<\/p>\n<p>Nach seiner Freilassung trifft Jos\u00e9 Carmen in einer Spelunke. Sie versucht vergeblich, ihn zu \u00fcberreden, mit ihr und ihren Schmugglerfreunden in die Berge zu ziehen. Schlie\u00dflich, in einen Kampf mit einem Kameraden verwickelt, bleibt ihm keine andere Wahl als zu desertieren.<\/p>\n<p>Im Nachtlager der Schmuggler streiten Carmen und Don Jos\u00e9. Sie kann seine st\u00e4ndige Eifersucht nicht mehr ertragen. Der Stierk\u00e4mpfer Escamillo, der Carmen den Hof macht, erscheint. Die Schmuggler verhindern gerade noch den blutigen Ausgang des Zweikampfs der beiden Rivalen. Mica\u00ebla taucht pl\u00f6tzlich auf, um Don Jos\u00e9 zu seiner sterbenden Mutter zu holen. Jos\u00e9 folgt ihr.<\/p>\n<p>Vor der Arena tummelt sich eine bunte Menge. Escamillo l\u00e4dt alle zum Stierkampf ein. Carmen bleibt allein zur\u00fcck und trifft Don Jos\u00e9. Als er sie nicht zur\u00fcckgewinnen kann, t\u00f6tet er sie.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne bleibt leer bis auf wenige Requisiten: eine Telefonzelle, in der Carmen endlos telefoniert, und ein Fahnenmast im ersten Akt, ein Auto und Picknickst\u00fchle mit mehreren Getr\u00e4nkekisten in zweiten Akt und im dritten sieben Autos vor einem jener schwarzen Riesen-Osborne-Stier-Reklamen, wie man sie fr\u00fcher auf den spanischen Landstra\u00dfen sah. Das ist der Parkplatz der Schmuggler, die von dort ihre Riesenkartons auf Schleichwegen \u00fcber die Grenze tragen.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind aus unserer Zeit: hellgraue Kittel f\u00fcr die Tabakarbeiterinnen und gr\u00fcne Kampfanz\u00fcge f\u00fcr die Milit\u00e4rs, die Schmuggler in farblosen Stra\u00dfenkleidern. Erst im letzten Akt betont bunte Kleider f\u00fcr das begeisterte Stierkampfpublikum. Carmen meist in einfachem schwarzem Kittel, erst im letzten Akt im himbeerrosa Ausgangskleid. Die beiden Zigeunerinnen als quirlige Teenager in karierten Shorts und rotem Mieder mit Pferdeschwanz und St\u00f6ckelschuhen, die sich mit <em>Selfie<\/em> fotografieren, wenn sie nicht mit irgendwelchen M\u00e4nnern sado-masochistische Sex-Spiele treiben. Michaela zuerst in lila-gr\u00fcner Bluse und brauner Hose, dann in wei\u00dfem Regenmantel.<\/p>\n<p>Verschiedene wunderliche Regieeinf\u00e4lle wie das afrikanische Faktotum <em>\u00e0 la New Orleans<\/em>, das auf der B\u00fchne verschiedene Dienste leistet, oder das kleine M\u00e4dchen, das beim \u201ePicknick\u201c in zweiten Akt vor einem kleinen Weihnachtsbaum mit ihrer Puppe spielt, oder der junge Mann, der sich auf dunkler B\u00fchne ganz nackt auszieht, um dann Stierkampf\u00fcbungen zu machen, spielt sich meist w\u00e4hrend der Orchester-Intermezzi ab.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Cl\u00e9mentine Margaine<\/strong>, mit kraftvollem, gut kontrolliertem Mezzosopran und warmem, tiefem Timbre, singt und spielt Carmen mit Fleisch und Blut als w\u00e4re die Rolle f\u00fcr sie geschrieben. Verf\u00fchrerisch-leicht in der <em>Habanera<\/em> im ersten Akt, und dann wieder dunkel und Unheil vorausahnend im Kartenlegen \u2013 Terzett <em>Voyons, que j\u2019essaie \u00e0 mon tour<\/em> im dritten Akt. <strong>Roberto Alagna<\/strong> war laut Ansage indisponiert, er \u00fcberzeugt dennoch mit metallischem Heldentenor und klarer Stimmf\u00fchrung sowohl in den dramatischen Szenen, wie auch in der lyrischen Arie <em>La fleur que tu m\u2019avais jet\u00e9e <\/em>im zweiten Akt.<\/p>\n<p><strong>Aleksandra Kurzak<\/strong> sang, trotz einer kleinen Unsicherheit in den hohen Lagen, mit klangvoller, weicher Sopranstimme, die Michaela, besonders bewegend im Gebet in dritten Akt <em>Je dis que rien ne m\u2019\u00e9pouvante.<\/em> <strong>Roberto Tagliavini<\/strong> hat einen eindrucksvollen tiefen Ba\u00df und ist, im zweiten Akt noch etwas steif, doch in der Folge zunehmend zuversichtlicher, der stolze Escamillo.<\/p>\n<p>In den Nebenrolle sehr einleuchtend <strong>Vannina Santoni<\/strong> und <strong>Antoinette Dennefeld<\/strong> als Zigeunerinnen, sowie <strong>Fran\u00e7ois Lis<\/strong> und <strong>Jean-Luc Ballestra<\/strong> als Soldaten, <strong>Fran\u00e7ois Rougier<\/strong> und <strong>Boris Grappe<\/strong> als Schmuggler. Die Ch\u00f6re sind ein wesentlicher und sehr wirkungsvoller Bestandteil der Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Bertrand de Billy dirigiert Orchester, Solisten und die Ch\u00f6re mit schnellen Tempi und mit aufpeitschendem Schwung und Rhythmus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man uns vor knapp f\u00fcnf Jahren auf derselben B\u00fchne eine eiskalte, fast gef\u00fchllose Carmen pr\u00e4sentiert hatte, so ist sie diesmal feurig, lebendig, launenhaft, sinnlich-triebhaft und leidenschaftlich-wild wie eine Furie. Die moderne Inszenierung ist animiert, wenn auch manchmal etwas zu sehr ans Ordin\u00e4r-Obsz\u00f6ne grenzend. Die musikalische Darbietung ist mitrei\u00dfend und auf hohem k\u00fcnstlerischem Niveau.<\/p>\n<p>Alexander Jordis Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Cl\u00e9mentine Margaine (Carmen), Roberto Alagna (Don Jos\u00e9)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach Prosper M\u00e9rim\u00e9e Novelle Carmen, UA: 3. 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