{"id":705,"date":"2009-06-02T15:08:14","date_gmt":"2009-06-02T13:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=705"},"modified":"2010-03-21T23:42:56","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:56","slug":"gera-buhnen-der-stadt-gera-wozzeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=705","title":{"rendered":"Gera, B\u00fchnen der Stadt Gera &#8211; WOZZECK"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1979), Oper in drei Akten, Libretto: nach dem Dramenfragment Woyzeck von Georg B\u00fcchner in der Ausgabe von Karl Emil Franzos, UA: 14. Dezember 1925, Staatsoper unter den Linden, Berlin<br \/>\nRegie: Matthias Oldag, B\u00fchne: Thomas Gruber, Kost\u00fcme: Henrike Bromber, Dramaturgie: Eberhard Kneipel<br \/>\nDirigent: Eric Sol\u00e9n, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera<br \/>\nSolisten: Andreas Scheibner (Wozzeck), Franziska Rauch (Marie), Patrick Jones (Hauptmann), Bernhard H\u00e4nsch (Doktor)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. Mai 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/gera-wozzeck.jpg\" TITLE=\"gera-wozzeck.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/gera-wozzeck.jpg\" ALT=\"gera-wozzeck.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Franz Wozzecks Dasein ist das eines Soldaten mit k\u00e4rglichem Sold und einem unehelichen Kind mit seiner Freundin Marie. W\u00e4hrend er versucht, ihrer beider Finanzen aufzubessern, indem er den Hauptmann rasiert, St\u00f6cke f\u00fcr den Major schneidet und sich f\u00fcr die Experimente eines skrupellosen Doktors zur Verf\u00fcgung stellt, ist Marie des Lebens am Rande der Existenz \u00fcberdr\u00fcssig und beginnt eine Aff\u00e4re mit dem angesehenen Tambourmajor, dessen Begehren ihr schmeichelt. Wozzecks aufkeimende Ahnung bez\u00fcglich Maries Untreue (er lebt mit ihr zusammen und beide haben ein Kind) best\u00e4tigt sich durch schonungslose Anspielungen des Hauptmanns und des Doktor und Wozzecks Beobachtung eines engen Tanz Maries mit dem Tambourmajor im Wirtshaus. Voller Verzweiflung kauft er ein Messer und ersticht Marie am Teich. Um nicht als M\u00f6rder entlarvt zu werden, sucht Wozzeck im Teich nach dem Messer, wobei er immer tiefer ins Wasser ger\u00e4t und schlie\u00dflich ertrinkt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie B\u00fchnengestaltung bilden in dieser Inszenierung vier schwarze, tunnelartig aufeinander zulaufende Ebenen, die von wei\u00df leuchtenden, bis zum B\u00fchnenende hin linear verlaufenden Kreidestrichen durchbrochen sind. Je nach Au\u00dfen- oder Innenszene verwandelt sich der B\u00fchnenraum: Maries Stube, nur mit dem N\u00f6tigsten ausgestattet: einem Kleiderschrank, einem Stuhl und einem Bett. Das Zimmer des Doktors gleicht mit diversen Apparaturen und den Arztschwestern in wei\u00dfen Kitteln einem Krankenhaus. In rotes D\u00e4mmerlicht geh\u00fcllt und verraucht, mit einem aufgeh\u00e4ngten Schweinebraten, der ebenso blutig ist wie die Sch\u00fcrze des Wirts und mit kaum bekleideten Damen, pr\u00e4sentiert sich das Wirtshaus als Ort der Vermischung von Brutalit\u00e4t und Sexualit\u00e4t. L\u00e4ndlich wirkt dagegen ein farblich von wei\u00df \u00fcber gelb nach orange wechselnder gro\u00dfer Vollmond in den Au\u00dfenszenen. Die Kost\u00fcmwahl f\u00e4llt konventionell aus: Neben bunten Milit\u00e4runiformen der Soldaten steht der Doktor in Kittel und Anzug sowie Wozzeck in schlichter dunkeler Hose und Hemd.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas <strong>Philharmonische Orchester<\/strong> Altenburg-Gera unter der Leitung von <strong>Eric Sol\u00e9n<\/strong> lieferte den S\u00e4ngern ein klangliches Fundament, welches sich vom ersten bis zum letzten Ton durch Genauigkeit in Dynamik und Intonation auszeichnete. Dennoch stand die klanglich durchg\u00e4ngig warme und schon beinahe romantische Ausf\u00fchrung in unvereinbarem Kontrast zum Handlungsgeschehen und lie\u00df besonders an den dramatischen Wendepunkten etwas Sch\u00e4rfe und Rohheit vermissen. <strong>Franziska Rauch<\/strong> verstand es, den mannigfaltigen Gef\u00fchlen der Figur Marie mit Hilfe starker klanglicher und dynamisch facettenreicher Differenzierung Ausdruck zu verleihen. Bissig antwortete sie auf die spitze Bemerkung ihrer Nachbarin Margret (1. Akt, Szene 3): <em>Ei was freundliche Augen Frau Nachbarin! So was ist man an ihr nit gewohnt!<\/em> mit Margret: <em>Und wenn! Was geht Sie\u00b4s an? Verzweiflung und Angst aus ihrem Aufschrei Ich f\u00fcrcht  mich!<\/em> (2. Akt, 3. Szene). In ebenso ausdrucksstarkem Ton sang <strong>Andreas Scheibner<\/strong> den Wozzeck. Die Festigkeit, Besonnenheit und Bestimmtheit, mit der er Marie in der Mordszene geradezu besch\u00fctzend und mit ruhiger Stimme entgegentrat, stand zu seiner literarischen Figur, deren Charakter auch f\u00fcr Berg das Vorbild zur Gestaltung war, ebenso quer wie sein m\u00e4nnliches Auftreten gegen\u00fcber dem Hauptmann und dem Doktor*. Besonders vor diesem Hintergrund erschien <strong>Patrick Jones<\/strong> als Hauptmann, der sich mit seiner Stimme schon in der Er\u00f6ffnungsszene kaum \u00fcber das Orchester hinwegsetzte, geschweige denn sich gegen Wozzecks klangliche F\u00fclle behauptete, viel zu weich und bla\u00df. <strong>Bernhard H\u00e4nsch<\/strong> verk\u00f6rperte des Doktors medizinische Ausf\u00fchrungen anf\u00e4nglich zwar in pr\u00e4zisem, spitzem Ton, der das Trocken-Wissenschaftliche \u00fcberzeugend zur Geltung brachte, wirkte jedoch \u2013 genau wie Jones \u2013 gegen\u00fcber Scheibner eher wie ein Gepeinigter statt eines Peinigers. <strong>J\u00fcrgen M\u00fcller <\/strong>meistert seine Rolle als Tambourmajor solide: Mit starker und klarer Stimme verlieh er seiner Figur sowohl in der Auseinandersetzung mit Wozzeck im Wirtshaus als auch bei der Umwerbung Maries stets den passenden Charakter.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin durchsetzter Abend mit einigen sehr \u00fcberzeugenden gesanglichen und darstellerischen Leistungen, geschm\u00e4lert jedoch durch konzeptionelle Unstimmigkeiten, da die Rollenverteilungen nicht den von Berg vorgegebenen entsprachen.<br \/>\nFriederike Jurth<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<br \/>\nDas Bild zeigt: Wozzeck wiegt Marie in Sicherheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1979), Oper in drei Akten, Libretto: nach dem Dramenfragment Woyzeck von Georg B\u00fcchner in der Ausgabe von Karl Emil Franzos, UA: 14. 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