{"id":7042,"date":"2017-03-02T15:16:50","date_gmt":"2017-03-02T14:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7042"},"modified":"2017-03-02T20:33:48","modified_gmt":"2017-03-02T19:33:48","slug":"il-ritorno-dulisse-in-patria-die-heimkehr-des-odysseus-ins-vaterland-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7042","title":{"rendered":"IL RITORNO D\u2019ULISSE IN PATRIA \u2013 DIE HEIMKEHR DES ODYSSEUS INS VATERLAND &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Claudio Monteverdi (1567-1643), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giacomo Badoaro nach den Ges\u00e4ngen XiII-XXIV aus der Odyssee (um 700 v. Chr.) von Homer, UA: Fr\u00fchjahr oder Herbst 1640 Venedig, Teatro San Cassiano<\/p>\n<p>Regie: Mariame Cl\u00e9ment, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Julia Hansen, Licht: Bernd Purkrabek<\/p>\n<p>Dirigent: Emmanuelle Ha\u00efm, <em>Le concert d\u2019Astr\u00e9e<\/em><\/p>\n<p>Solisten: Rolando Villaz\u00f3n (Ulisse), Magdalena Ko\u017een\u00e1 (Penelope), Katherine Watson (Giunone), Kresimir Spicer (Eumete), Anne-Catherine Gillet (Amore\/Minerva), Isabelle Druet (Fortuna\/Melanto), Maarten Engeltjes (L\u2019Humana Fragilit\u00e0\/Pisandro), Callum Thorpe (Tempo\/Antino\u00fcs), Lothar Odinius (Jupiter\/Anfinomo), Jean Teitgen (Nettuno), Mathias Vidal (Telemaco), Emiliano Gonzalez Toro (Eurimaco), J\u00fcrg Schneider (Irus), Mary-Ellen Nesi (Ericlea)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Februar 2017 (Premiere, Koproduktion mit der Stiftung Staatstheater N\u00fcrnberg (B\u00fchne\/Kost\u00fcme) und der Op\u00e9ra de Dijon<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind noch in den Anf\u00e4ngen der abendl\u00e4ndischen Operngeschichte, und im \u00dcbergang der Renaissance- zur Barockmusik. Nach <em>Orfeo <\/em>(1607) ist <em>Il Ritorno<\/em> ein weiterer Schritt Monteverdis hin zur Vollendung, die er in seinem letzten Werk <em>L\u2019Incoronazione<\/em><em> di Poppea <\/em>(1643) erreicht hat. <em>Monteverdis Anschauung von der Oper bleibt w\u00e4hrend seines ganzen Schaffens \u2026 grunds\u00e4tzlich gleich. Was sich allerdings ver\u00e4ndert, ist die musikalische Realisierung, so stark, da\u00df man sich manchmal fragen m\u00f6chte, ob diese und jene Werke vom selben Meister stammen&#8230;&#8230;Das aber ist kein Grund, die Echtheit des Ritorno anzuzweifeln; Schwankungen der Inspiration finden sich bei allen gro\u00dfen Meistern. Ungeachtet dessen k\u00fcndet sich auf vielen Seiten des Ritorno schon die musikdramatische Wirkung an, die uns mit der Incoronazione di Poppea vollg\u00fcltig entgegentritt. <\/em>(A. Feil\/W. Osthoff).<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-TCE-Il-Ritorno.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7043\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Paris-TCE-Il-Ritorno.gif\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"375\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Penelope sehnt sich nach ihrem verschollenen Gemahl. Minerva l\u00e4\u00dft Ulysses erkennen, da\u00df er im heimatlichen Ithaka gelandet ist und verwandelt ihn in einen Greis, um ihn unerkannt in seinen Palast zu bringen. Dort versucht Melanto Penelope zu \u00fcberreden, Ulysses zu vergessen und einen der Freier zu heiraten. W\u00e4hrenddessen gew\u00e4hrt der Hirte Eumete dem vermeintlichen alten Bettler die Gastfreundschaft. Telemach kehrt nach Ithaka zur\u00fcck, und Ulysses gibt sich ihm zu erkennen. W\u00e4hrend die Freier w\u00e4hrend eines Festes Penelope bedr\u00e4ngen eine Entscheidung zu f\u00e4llen, erscheint Eumete und verk\u00fcndet Ulysses\u2018 und Telemachs Heimkehr. Um Zeit zu gewinnen verlangt Penelope, da\u00df die Freier den Bogen des Ulysses spannen. Keinem gelingt es. Nun greift auch der alte Bettler nach dem Bogen, spannt ihn ohne M\u00fche und erschie\u00dft die Freier. Erst als Ulysses ihr Einzelheiten aus ihrem fr\u00fcheren Leben erz\u00e4hlt, glaubt Penelope daran, da\u00df sie tats\u00e4chlich ihren verschollenen Gemahl wiedergefunden hat und schlie\u00dft ihn in die Arme.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schon die Premiere an einem Faschingsdienstag gibt l\u00e4\u00dft den Ton ahnen. Zwar ist das B\u00fchnenbild streng und einfach: ein gro\u00dfer get\u00e4felter Raum mit verschiebbaren Elementen, Stufen rechts und links, dann aber dar\u00fcber eine B\u00fchne auf der B\u00fchne, die bei aufgezogenem Vorhang den Blick auf eine Wirtsstube mit Bar, Tischen und St\u00fchlen freigibt. Das ist der Olymp, wo die G\u00f6tter ihre R\u00e4nke schmieden.<\/p>\n<p>Die Hirtenszene ist wieder schlicht, eine riesige Kulissenwand mit bukolischer Landschaft und Blick auf verschneite Berge. Dann aber, um das Heitere herauszustreichen, denn es war ja schlie\u00dflich eine Karnevalsoper und eine Oper f\u00fcrs Volk, dreht Mariame Cl\u00e9ment den <em>Pop-art-<\/em>Hahn auf. In der Szene, in der Ulysses die Freier erschie\u00dft, sind es Spruchb\u00e4nder,<em> \u00e0 la<\/em> Roy Lichtenstein, wie<em> Smash! <\/em>und<em> Pow!,<\/em> die die Handlung unterstreichen. Andere Szenen spielen vor einem silbern glitzernden Lametta-Vorhang. Sp\u00e4ter ist ein Riesen-Cheeseburger, <em>\u00e0 la<\/em> Claes Oldenburg, die Schlaraffenland-Vision des verfressenen Iro, der sich als dickwanstiger Tourist in Sandalen, Bermudashorts, und Akropolis-T-Shirt \u00fcberall hindurchfri\u00dft.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind entweder im Stil des klassischen Altertums gehalten, wie die der grazi\u00f6sen Minerva, Penelope in wei\u00df-grauem oder schwarz-goldenem langen Kleid, Ulysses mit langem Bart verkleidet, sieht aus wie ein minoischer Greis. Andere Kost\u00fcme sind modern,<strong> Smoking f\u00fcr die Freier, die ewig flirtenden <\/strong>Melanto und Eurimaco als Stubenm\u00e4dchen und Majordomus, drei Nymphen <em>\u00e0 la folies berg\u00e8re <\/em>in Aquamarineschleiern und mit Strau\u00dfenfedern auf den Kopf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Monteverdi ist seinem Leitsatz: \u201eDie Sprache sei die Herrin der Musik, nicht die Dienerin.\u201c zeitlebens treu geblieben. So herrscht in seinen Opern auch ein zwar schon ausdruckvoller und dramatischer Deklamationsstil vor, in dem die verschiedenen Ans\u00e4tze einer Arie sich jedoch kaum noch vom einfachen Rezitativ unterscheiden.<strong> Magdalena Ko\u017een\u00e1<\/strong> h\u00e4lt bewundernswert mit kraftvoller, aber nuancierter und klangvoller Stimme den Bogen gespannt, der von den lang anhaltenden, ergreifenden <em>lamenti <\/em>der ersten Szene <em>Di misera Regina<\/em> \u00fcber tragische Momente bis zum erl\u00f6senden, verliebt-begl\u00fcckenden Wiederfinden mit dem Gemahl in der Schlu\u00dfszene <em>Hor s\u00ec ti riconosco, hor s\u00ec ti credo \u2013 nun erkenn ich dich, nun glaub ich dir<\/em> f\u00fchrt. Ihr gegen\u00fcber ist <strong>Rolando Villaz\u00f3n<\/strong> mit tiefer Tenorstimme der vorsichtige Ulysses. Sehr stimmungsvoll sein Dreigesang mit den beiden sehr guten Ten\u00f6ren <strong>Kresimir Spicer<\/strong> (Eumete) und <strong>Mathias Vidal<\/strong>\u00a0 (Telemaco) <em>Oh gran figlio d\u2019Ulisse<\/em> (2. Akt, 2. Szene).<\/p>\n<p>Es folgt eine lange Liste von kleineren und dennoch wichtigen Rollen, die alle gut besetzt sind. <strong>Anne-Catherine Gillet<\/strong> ist die grazi\u00f6se, aber tatkr\u00e4ftige Minerva. Das Paar <strong>Isabelle Druet<\/strong> (Melanto) und <strong>Emiliano Gonzales Toro<\/strong> (Eurimaco), l\u00fcstern-verspielt und stimmlich erfreulich in <em>Duri e penosi son gli amorosi<\/em> (1. Akt, 2. Szene) <em>\u2013 harte Drangsal sind der Liebe wilde Triebe<\/em>. Als die treue Ericlea ist im letzten Moment <strong>Mary-Ellen Nesi<\/strong> eingesprungen. Die drei Freier sind der Kontratenor <strong>Maarten Engeltjes<\/strong> mit klarer, reiner Stimmf\u00fchrung, <strong>Callum Thorpe<\/strong> mit gediegenem tiefen Ba\u00df, und der Tenor <strong>Lothar Odinius. <\/strong>Der erfolgreichste Clown des Abends ist ohne Zweifel <strong>J\u00fcrg Schneider<\/strong> als der fettleibige, ewig fressende Iro. <strong>Katharine Watson<\/strong> h\u00e4tte eine ausgiebigere Rolle als die der Juno verdient. <strong>Jean Teitgen<\/strong> ist mit vollem Ba\u00df der rachs\u00fcchtige Neptun.<\/p>\n<p><strong>Emannuelle Ha\u00efm<\/strong> leitet mit der ihr \u00fcblichen <em>mestria<\/em> die Solisten und das f\u00fcr diese fr\u00fche Oper zwar klangvoll, aber sehr sp\u00e4rlich besetzte Orchester.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Regie ist auch f\u00fcr die kleinste Nebenrolle bis in jede Einzelheit geregelt und kleine stumme Zusatzauftritte erheitern oder lockern die oft langen Monologe oder Ensembleszenen auf. Manche Regieeinf\u00e4lle sind originell, so sind die Geschenke der Freier an Penelope: Miniaturarchitekturmodelle der modernen Prunkbauten, die sie f\u00fcr sie bauen wollen, dann wieder komisch, wie das Glitzersofa, das auf die B\u00fchne herunterschwebt, in der Minerva den Telemach nach Ithaka bef\u00f6rdert, von der Badestrandszene ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Die Choreographie ist oft bewu\u00dft skulptural. Das Th\u00e9\u00e2tre des Champs \u00c9lys\u00e9es hat uns einen sehr sch\u00f6nen Faschingsabend bereitet.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent PONTET<\/p>\n<p>Das Bild Zeigt: Mathias Vidal (Telemaco), links, mit Kresimir Spicer (Eumete), Mitte, und Rolando Villaz\u00f2n (Ulisse), rechts<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claudio Monteverdi (1567-1643), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giacomo Badoaro nach den Ges\u00e4ngen XiII-XXIV aus der Odyssee (um 700 v. 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