{"id":7030,"date":"2017-02-16T10:53:54","date_gmt":"2017-02-16T09:53:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7030"},"modified":"2017-02-17T10:58:00","modified_gmt":"2017-02-17T09:58:00","slug":"fantasio-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7030","title":{"rendered":"FANTASIO &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-80), Komische Oper in drei Akten, Libretto: Paul de Musset nach einem Theaterst\u00fcck von Alfred de Musset, U.A.: 18. Januar 1872 Paris, Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Regie: Thomas Jolly, B\u00fchne: Thibaut Fack, Kost\u00fcme: Sylvette Dequest, Licht: Antoine Travert und Philippe Berthom\u00e9<\/p>\n<p>Dirigent: Laurent Campellone, Orchestre Philharmonique de Radio France, Ch\u0153urs \u00a0Ensemble Aedes, Einstudierung: Mathieu Romano<\/p>\n<p>Solisten: Marianne Crebassa (Fantasio), Frank Legu\u00e9rinel (K\u00f6nig von Bayern), Marie-Eve Munger (Prinzessin Elsbeth), Jean-S\u00e9bastien Bou (Der Prinz von Mantua), Lo\u00efc F\u00e9lix (Marnoni), u.a.<\/p>\n<p>Produktion: Op\u00e9ra Comique in Koproduktion mit dem Grand Th\u00e9\u00e2tre de Gen\u00e8ve, Op\u00e9ra Rouen-Normandie, Op\u00e9ra National de Montpellier, Kroatischen Nationaltheater Zagreb. Korealisation mit dem Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet, Paris, wo die Auff\u00fchrung stattfand<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Februar 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Paris-OC-Fantasio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7031 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Paris-OC-Fantasio.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"440\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Paris-OC-Fantasio.jpg 384w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Paris-OC-Fantasio-262x300.jpg 262w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Bestreben als Opernkomponist ernst genommen zu werden und das Etikett eines Operettenk\u00f6nigs abzusch\u00fctteln, was ihm erst neun Jahre sp\u00e4ter posthum mit <em>Hoffmanns Erz\u00e4hlungen<\/em> gelingt, hatte Offenbach gro\u00dfe Hoffnungen auf die Oper <em>Fantasio <\/em>gesetzt. Und ganz besonders mit der Rolle der Elsbeth w\u00e4re ihm der Schritt ins Repertoire der romantischen Oper glaubhaft gelungen. Doch er hatte Pech. Nach dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg kommt die neue Oper eines geb\u00fcrtigen Deutschen, die noch dazu den Frieden predigt, in einer Zeit, in der man in Frankreich eher an Revanche denkt, nicht gut an. Das Werk wird nach zehn Auff\u00fchrungen abgesetzt. Einige Jahre sp\u00e4ter, beim Brand der <em>Op\u00e9ra Comique<\/em> geht auch das Originalmanuskript verloren. So verschwindet <em>Fantasio<\/em> f\u00fcr \u00fcber ein Jahrhundert in der Versenkung. Es ist dem Offenbach-Spezialisten Jean-Christoph Keck zu verdanken, da\u00df die Partitur in langj\u00e4hriger Arbeit mit Teilabschriften aus verschiedenen L\u00e4ndern in der urspr\u00fcnglichen Form wieder zusammengest\u00fcckelt werden konnte, so wie sie in dieser Auff\u00fchrung geboten wird. Und man kann nun den musikalischen und literarischen Charme dieser romantisch-philosophischen Fabel neu entdecken.<\/p>\n<p>Es sollte der Er\u00f6ffnungsabend des neu restaurierten Zuschauerraums der <em>Op\u00e9ra Comique<\/em> werden (vgl. dazu den Artikel: 300. Jubil\u00e4um der <em>Op\u00e9ra Comique<\/em>, Paris, Operapoint Heft 2, 1915). Doch die Restaurationsarbeiten haben sich verz\u00f6gert, und so mu\u00dfte die Er\u00f6ffnungsfeier im <em>Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet<\/em> stattfinden.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In M\u00fcnchen, K\u00f6nigreich Bayern, soll durch die Hochzeit der Prinzessin Elsbeth mit dem Prinzen von Mantua der Frieden wiederhergestellt werden. Doch der K\u00f6nig ist nicht sicher, ob er seine Tochter der Staatsr\u00e4son opfern soll, zumal der Prinz keinen guten Ruf hat. Fantasio, ein verschuldeter, melancholischer Student, sehnt sich nach einem neuen Leben und wird Hofnarr des K\u00f6nigs. Der Prinz, hingegen, will um seiner selbst willen geliebt werden und tauscht Identit\u00e4t mit seinem Adjutanten. Elsbeth verf\u00e4llt langsam der wohlwollenden Fantasie des Hofnarren, der \u00fcberall heitere Verwirrung stiftet. Er will, da\u00df sie nur auf ihr Herz horcht. Der als Adjutant verkleidete Prinz macht einen taktlosen Fehler nach den anderen. Schlie\u00dflich zieht ihm Fantasio vor dem ganzen Hof die Per\u00fccke vom Kopf. Eine solche Majest\u00e4tsbeleidigung droht einen neuen Krieg zu entfesseln. Fantasio wird ins Gef\u00e4ngnis geworfen, wo die Prinzessin ihn besucht und er sich als gutaussehender Student entpuppt. Fantasio entflieht aus dem Gef\u00e4ngnis und fordert, um einen Krieg abzuwenden, den Prinzen zum Zweikampf heraus. Der Prinz hat Angst, bl\u00e4st den Krieg ab und kehrt nach Hause zur\u00fcck. Fantasio wird vom K\u00f6nig zum Prinzen gemacht. Das Ende bleibt offen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne f\u00fchrt eine Treppe auf zwei Altane rechts und links, und in der Mitte zu einem kreisrunden Tor, das sich je nach Bedarf wie der Verschlu\u00df einer Kamera \u00f6ffnet und den Blick auf die Silhouette des K\u00f6nigspalasts, der Stadt, eines Friedhofs oder eines Gartens, freigibt. Die Dekorationen, Garten, Kerker, u.a. sind stilisiert und werden auf offener B\u00fchne abgebaut. Ein oder mehrere Ausf\u00fchrenden sitzen oder stehen hin und wieder auf fahrbaren Gestellen, die herum geschoben werden, was auf der B\u00fchne eine stete Beweglichkeit schafft. Auch bunte Luftballons geh\u00f6ren zu den Requisiten<\/p>\n<p>Die Beleuchtung ist dem poetisch-romantischen Geschehen angepa\u00dft: auf der meist dunklen B\u00fchne glitzern Duzende von kleinen Lichtpunkte, die Sterne am Nachthimmel, Leuchtk\u00e4fer in Garten, \u00c4pfel am Apfelbaum, oder Lampions in Biergarten der Studenten darstellen. Dar\u00fcber kreieren d\u00fcnne Scheinwerfer von oben her immer wieder eine wirkungsvolle Lichtarchitektur.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind dunkle Stra\u00dfenkleider f\u00fcr die Studenten und das Volk. Der K\u00f6nig tr\u00e4gt eine wei\u00dfe Uniform und eine gro\u00dfe goldenen Zackenkrone auf dem Kopf, die Prinzessin ein einfaches langes, wei\u00dfes Kleid, ihre Begleiterin sieht aus wie eine <em>due\u00f1a<\/em> von Velazquez. Der Prinz ist ganz in Rokoko gekleidet mit Puderper\u00fccke, sein Adjutant wie ein Offizier Napoleons. Und schlie\u00dflich Fantasios Kost\u00fcm als Hofnarr ist oben in grellem gelb und in schwarzwei\u00df gestreift gehalten, wie ein Wespe, dazu tr\u00e4gt er eine Harlekinhose. Erst in der Schlu\u00dfszene, wie eine Befreiung, ist auch das Volk in die buntesten Farben geh\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wie es die Tradition will ist auch diese <em>op\u00e9ra comique, <\/em>halb gesprochen, halb gesungen. Die S\u00e4nger m\u00fcssen also zugleich Schauspieler sein. Die Diktion und die Schauspielkunst sind gut. Die androgyne <strong>Marianne Crebassa<\/strong> ist wie f\u00fcr diese Hosenrolle geschaffen. Sie spielt und singt mit warmem, hellem Mezzosopran den quirligen, unzufriedenen Fantasio. Ihre Stimme ist leicht und beweglich, dann aber auch wieder voll und romantisch wie im Zweigesang in der Gartenszene mit Elsbeth <em>Quel murmure charmant<\/em> (1. Akt, 4. Szene) oder dann wieder im bezaubernden Duett <em>Je n\u2018ai donc rien de plus pour consoler mon coeur! <\/em>(2. Akt, 13. Szene).<\/p>\n<p>Die beiden Frauenstimmen sind sehr gut aufeinander abgestimmt. <strong>Marie-Eve Munger<\/strong> singt und spielt die anmutige, unentschlossene Prinzessin Elsbeth. Ihr zarter, instrumental gef\u00fchrter, jugendlicher Sopran ist noch nicht immer ganz sicher in den hohen Lagen, aber meistert mit bewundernswerter Leichtigkeit die\u00a0 Melismen ihrer Rolle, wie in <em>Voil\u00e0 toute la ville en f\u00eate<\/em> (1.Akt, 3. Szene) oder besonders nuanciert in <em>Psych\u00e9 pauvre<\/em> <em>imprudente<\/em> (3. Akt, 16. Szene).<\/p>\n<p><strong>Frank Legu\u00e9rinel<\/strong> ist mit klangvollem Bariton der gediegene Bayernk\u00f6nig. <strong>Jean-S\u00e9bastien Bou <\/strong>mit sicherer Baritonstimme ist der brummige, ungehobelte Prinz von Mantua und Lo\u00efc<strong> F\u00e9lix <\/strong>der verzweifelte, aber immer beflissene Marinoni. Schauspielerisch und stimmlich sind auch die Interpreten der Nebenrollen ausgezeichnet. Laurent Campellone dirigiert das ganze Ensemble mit Schwung und der Chor gibt sein Bestes.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Jolly und sein K\u00fcnstler Team, das sich schon zu Beginn der Saison in <em>Eliogabalo <\/em>im Palais Garnier ausgezeichnet hatte, schafft hier eine neue ansprechende, spielerische Inszenierung, die bis ins letzte Detail ausgekl\u00fcgelt ist. Er arbeitet auch mit einem Team, meist junger, engagierter S\u00e4nger. Das Resultat ist eine erfrischend jugendliche Auff\u00fchrung, die eine Atmosph\u00e4re von Witz, Freude und Begeisterung verbreitet. Der Applaus war entsprechend.<\/p>\n<p>Alexander Jordis Lohausen<\/p>\n<p>Bild: DR Pierre Grosbois<strong>\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Fantasio (Marianne Crebassa), Elsbeth (Marie-Eve Munger)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-80), Komische Oper in drei Akten, Libretto: Paul de Musset nach einem Theaterst\u00fcck von Alfred de Musset, U.A.: 18. 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