{"id":7023,"date":"2017-02-13T22:06:53","date_gmt":"2017-02-13T21:06:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7023"},"modified":"2017-02-13T22:06:53","modified_gmt":"2017-02-13T21:06:53","slug":"lulu-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7023","title":{"rendered":"LULU &#8211; Hamburg Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1835-1935), Oper in drei Akten, dritter Akt (als Fragment von Berg hinterlassen), Neue Fassung von Christoph Marthaler, Kent Nagano, Johannes Harneit und Malte Ubenauf, Libretto: Alban Berg nach Frank Wedekind, UA: 30. Juni 1937 Z\u00fcrich, Stadttheater<\/p>\n<p>Regie: Christoph Marthaler, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Anna Viebrock, Licht: Martin Gebhardt, Dramaturgie: Malte Ubenauf<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg<\/p>\n<p>Solisten: Barbara Hannigan (Lulu), Gr\u00e4fin Geschwitz (Anne Sofie von Otter), Jochen Schmeckenbecher (Dr. Sch\u00f6n\/Jack), Matthias Klink (Alwa), Ivan Ludlow (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet), Sergei Leiferkus (Schigolch), Peter Lofahl (Der Maler\/Neger), Marta Swiderska (eine Theatergardobiere\/Gymnasiast), Marta Swiderska (Dritte Dame), Dietmar Kerschbaum, (der Prinz\/Kammerdiener\/Marquis), Martin Pawlowsky (der Medizinalrat\/Dr. Goll\/Polizist\/Professor), Denis Velev (Theaterdirektor), Mar Bodnar (Auguste Artinelli), Liliana Benini (Bianetta Gazil), Begona Quinones (Madelaine de Marelle), Sasha Rau (Ludmilla Steinherz), Sylvana Seddig (Kad\u00e9ga di Santa Croce), Veronika Eberle (eine Violinistin), Bendix Dethleffsen (ein Pianist)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Februar 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Hamburg-lulu_163.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7024\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Hamburg-lulu_163.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"410\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Hamburg-lulu_163.jpg 616w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Hamburg-lulu_163-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die alle M\u00e4nner wie ein Magnet anziehende Lulu ist nacheinander mit dem Medizinalrat Dr. Goll, dem Maler und Dr. Sch\u00f6n verheiratet. Dr. Goll erleidet einen Herzanfall, als er vermtet, Lulu und den Maler miteinander zu erwischen. Der Maler begeht Selbstmord, als er von Lulus angeblicher Untreue erf\u00e4hrt, und Dr. Sch\u00f6n erschie\u00dft Lulu schlie\u00dflich. Dann flieht sie mit dessen Sohn, Alwa, \u00fcber die Grenze, nachdem sie einige Zeit wegen des Mordes im Gef\u00e4ngnis verbracht hatte. Doch auch die reiche Gr\u00e4fin Geschwitz kann nicht von Lulu lassen. Schlie\u00dflich landen alle heruntergekommen in London, wo Lulu nun als Prostituierte arbeiten mu\u00df. Dabei t\u00f6tet ein Kunde Alwa und ein weiterer entpuppt sich als Jack the Ripper, der schlie\u00dflich Lulu t\u00f6tet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung weist zahlreiche Effekte des <em>Epischen Theaters<\/em> von Bertolt Brecht auf, d.h. die Auff\u00fchrung wird als solche stets kenntlich gemacht. Auf der B\u00fchne befinden sich eine weitere B\u00fchne mit Vorhang, Mikrofon, Klavier und Instrumentenkoffer. Die Darsteller setzen sich an der Rampe auf St\u00fchle und sagen den Text auf, als w\u00fcrden sie ihn unbeteiligt ablesen. Es erklingt Klaviermusik, obwohl der Pianist keinen Finger r\u00fchrt. Das B\u00fchnenbild, die Kost\u00fcme und Requisiten sind an die 1950er Jahre angelehnt.<\/p>\n<p>Der erste Akt spielt in einem hallenartigen Raum, der als Atelier, Wohnzimmer und Theater dient. Der zweite Akt ist in einer b\u00fcrgerlichen Villa, w\u00e4hrend im dritten Akt die B\u00fchnenbestandteile nach und nach verschwinden, bis die B\u00fchne fast leer ist. Der gr\u00f6\u00dfte Unterschied zu anderen Auff\u00fchrungen der <em>Lulu<\/em> besteht in Hamburg jedoch darin, da\u00df der dritte Akt nicht in der etablierten Fassung von Friedrich Cerha gespielt wird, sondern in einer neuen, die am Ende das komplette Violinkonzert von Alban Berg bringt, das eine Violinistin auf der B\u00fchne spielt, w\u00e4hrend das Orchester im Graben begleitet. Auf diese Weise entsteht der Eindruck eines instrumentalen Requiems f\u00fcr <em>Lulu<\/em>.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Barbara Hannigan gibt ihre Lulu nicht als femme fatale oder Furie, sondern als zarte Gestalt, die aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Das wirkt plausibel und macht ihre Gewalttaten nur noch unwirklicher, zumal ihr Sopran in der H\u00f6he bet\u00f6rend weich und geschmeidig und sie auch in der Mittellage tragf\u00e4hig ist. Jochen Schmeckenbecher ist als Dr. Sch\u00f6n angemessen stimmlich autorit\u00e4r und wuchtig, sein Jack hebt sich vom Sch\u00f6n jedoch zu wenig ab. Peter Lodahls Maler klingt verletzlich und sensibel. Sein Tenor wirkt zu Beginn in der H\u00f6he noch etwas gepresst, jedoch wird die Gestaltung dann zunehmend plastischer.<\/p>\n<p>Anne Sofie von Otter hinterl\u00e4\u00dft als Gr\u00e4fin Geschwitz nach wie vor einen imposanten Eindruck. Selbst wenn die Rolle ihr nicht viel zu singen bietet, hat jeder ihrer T\u00f6ne bestechende Pr\u00e4senz, so wie ihre Erscheinung auf der B\u00fchne. Matthias Klinks Alwa ist wie fast alle anderen S\u00e4nger gut verst\u00e4ndlich, wirkt aber stimmlich wenig individuell, was aber auch an der Regie liegen mag. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Ivan Ludlows (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet), der jedoch auch wunderbar grob daherkommt.<\/p>\n<p>Veronika Eberle kommt als Violinistin ganz am Ende die Aufgabe zu, das Berg-Violinkonzert der 1950er Jahre Kost\u00fcm auf der B\u00fchne zu geben. Dies geschieht mit einem theatralisch lebendigen B\u00fchnenk\u00f6rper und mit plastischem Ton, der weit in den gro\u00dfen B\u00fchnenraum hinein dringt. Das Philarmonische Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano navigierte zielsicher durch Bergs dissonant wabernde Partitur und mit sachlichem Gesp\u00fcr, auch wenn es gegen\u00fcber dem B\u00fchnengeschehen stets vielleicht einen Tick zu laut war.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es am Ende f\u00fcr alle Beteiligten inklusive Regie nur gro\u00dfen Jubel und kein einziges Buh gab: das Berg-Violinkonzert ans Ende eines ohnehin schon sehr langen Abends zu stellen, stellt die Publikumsgeduld unn\u00f6tig auf die Probe und strapaziert das Sitzfleisch. Marthalers Regie ist handwerklich solide, aber alles andere als originell. Musikalisch kann diese <em>Lulu <\/em>jedoch auf ganzer Linie \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anne Sofie von Otter (Gr\u00e4fin Geschwitz), Marta Swiderska (Dritte Dame), Barbara Hannigan (Lulu), Ivan Ludlow (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet), Jochen Schmeckenbecher (Dr. Sch\u00f6n\/Jack), Matthias Klink (Alwa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1835-1935), Oper in drei Akten, dritter Akt (als Fragment von Berg hinterlassen), Neue Fassung von Christoph Marthaler, Kent Nagano, Johannes Harneit und Malte Ubenauf, Libretto: Alban Berg nach Frank Wedekind, UA: 30. 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