{"id":701,"date":"2009-06-09T13:04:40","date_gmt":"2009-06-09T11:04:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=701"},"modified":"2010-03-21T23:42:11","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:11","slug":"frankfurt-oper-palestrina","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=701","title":{"rendered":"Frankfurt, Oper &#8211; PALESTRINA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Hans Pfitzner (1869-1949), Eine Musikalische Legende in drei Akten<br \/>\nUA:, 12. Juli 1917, Prinzregententheater M\u00fcnchen<br \/>\nRegie: Harry Kupfer, B\u00fchne: Hans Schavernoch, Kost\u00fcme: Yan Tax, Dramaturgie: Malte Krasting<br \/>\nLicht: Joachim Klein, Video: Peer Engelbracht<br \/>\nRegie: Kirill Petrenko , Museumsorchester, Chor: Matthias K\u00f6hler<br \/>\nSolisten: Palestrina (Kurt Streit), Ighino (Britta Stallmeister), Silla (Claudia Mahnke), Falk Struckmann (Kardinal Borromeo), Peter Marsh (Bischof von Budoja), Hans- J\u00fcrgen Lazar (Theophilus), Peter Bronder (Patriarch von Assyrien), Michael Nagy (Graf Luna), Franz Mayer (Erzbischof von Prag), Dietrich Volle (Bischof von Cadix), Simon Bailey (Zeremonienmeister) Magnus Baldvinsson (Kardinal von Lothringen), Alfred Reiter (F\u00fcrstbischof Madruscht) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung:  7. Juni 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"frankfurt-palestrina.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/frankfurt-palestrina.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"frankfurt-palestrina.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/frankfurt-palestrina.jpg\" \/><\/a>Silla, Sch\u00fcler Palestrinas, erz\u00e4hlt dessen Sohn Ighino begeistert von einem neu aufkommenden Musikstil in Florenz. Kardinal Borromeo beauftragt Palestrina mit einer Messekomposition f\u00fcr das Tridentiner Konzil und spricht sich strikt gegen den neuen Stil aus. Palestrina sieht sich aber nach dem Tod seiner Frau nicht mehr in der Lage, die Messe zu schreiben. Im Traum erscheinen dem Komponisten Visionen: Die gro\u00dfen Meister der Vergangenheit treten zu ihm und \u00fcber Nacht vollendet Palestrina sein Lebenswerk. Silla und Ighino nehmen die Messe an sich. Unwissend berichtet Borromeo dem Kardinal Novagerio von seinem Mi\u00dferfolg bei Palestrina, dieser ermutigt ihn auch, Gewalt gegen den Komponisten anzuwenden. Das Konzil tagt und wird nach Tumulten unter den Bisch\u00f6fen und Kardin\u00e4len aufgehoben.<br \/>\nPalestrina ist nach seiner Inhaftierung geschw\u00e4cht. Ighino hat seine Messe den Kirchenschergen ausgeliefert. Palestrinas Opernkomposition wird umjubelt und gefeiert. Papst Pius IV. gratuliert und Borromeo entschuldigt sich bei Palestrina, der geistesabwesend scheint.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEine rote Trib\u00fcne mit Sitzb\u00e4nken ist das Hauptb\u00fchnenbild. Auf einer gro\u00dfen Leinwand sind im Hintergrund Projektionen von Bildern und Kurzfilmen zu sehen. Ein Spiegel in der Mitte der B\u00fchne verdoppelt den Bildausschnitt. Zu sehen sind in sich verschlungene Stacheldrahtstr\u00e4nge, das Gesicht Stalins, marschierende Soldaten, rollende Panzer, wehende Fahnen. Davor spielt sich die eigentliche Handlung ab. Palestrina wird von Uniformierten mit Stacheldraht an seinen Fl\u00fcgel gefesselt, ein Dornenkranz wird ihm auf den Kopf gesetzt, er blutet bei den Worten \u201eDer Erl\u00f6ser\u201c. Palestrina als Jesus? Die gro\u00dfen Meister, welche ihm im Traum erscheinen, tragen lange schwarze Gew\u00e4nder und befreien ihn vom Stacheldraht. Blutverschmiert schreibt er an seiner Messe. Ighino und Silla legen ein Leichentuch \u00fcber Palestrina. Das Konzil in Trident wird durch Wachen und Metalldetektoren gesichert. Kardin\u00e4le und Bisch\u00f6fe tragen \u00fcber Uniformen Scherpen und Mitren. Bei gemeinsamen Zwischenrufen in der Versammlung springen sie auf, setzen sich M\u00fctzen auf und wandeln sich genauso schnell wieder zur\u00fcck. Mit Maschinenpistolen werden aufbegehrende Diener erschossen. Der Fl\u00fcgel wird f\u00fcr Palestrina zur Totenbahre. Von uniformierten werden Kr\u00e4nze niedergelegt und Kerzen entz\u00fcndet. Palestrina steht an seinem eigenen Grab und singt, eine regelrechte Handlung findet nicht mehr statt. Gesungen wird nun aus B\u00fcchern, der Blick ist dabei ins Publikum gerichtet.<br \/>\n<strong>Orchester und S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nDer Tenor <strong>Kurt Streit<\/strong> (Palestrina) gl\u00e4nzt an diesem Abend s\u00e4ngerisch und schauspielerisch. An H\u00e4nden und F\u00fcssen gefesselt, wird er hin und her gezerrt und singt in jeder K\u00f6rperhaltung gerade die schwierigen Passagen bravour\u00f6s. Gegen die starke s\u00e4ngerische Leistung Kurt Streits f\u00e4llt die des kr\u00e4nkelnden <strong>Falk Struckmann<\/strong> (Kardinal Borromeo) leider deutlich ab. Gleich zwei Mal versagt ihm im ersten Akt bei hohen und langen Haltet\u00f6nen die Stimme.<br \/>\n<strong>Britta Stallmeister<\/strong> (Ighino) und <strong>Claudia Mahnke<\/strong> (Silla) liefern beide eine beachtliche Leistung, die sich in den musikalischen Gesamteindruck des Abends einbettet.<br \/>\nDie neun verstorbenen Meister der Tonkunst, alle auch zu h\u00f6ren in Bischofsrollen, verdienen hier besondere Erw\u00e4hnung, mit ihren leisen elegischen Ges\u00e4ngen ber\u00fchren sie zutiefst und strahlen auch in Solopassagen. Gerade der Wechsel zwischen tiefem Ba\u00df und hohem Tenor verursacht bisweilen G\u00e4nsehaut. (Peter Marsh, Peter Bronder, Hans-J\u00fcrgen Lazar, Michael Nagy, Franz Mayer, Dietrich Volle, Simon Bailey, Magnus Baldvinsson, Alfred Reiter)<br \/>\nDas <strong>Frankfurter Museumsorcheste<\/strong>r spielt unter der Leitung von <strong>Kirill Petrenko<\/strong> grandios und gl\u00e4nzt sowohl in den Pianissimo Stellen als auch den fulminanten aufbrausenden Passagen. Die Unisono \u2013 Eins\u00e4tze der Ba\u00dfgruppe sind exakt gef\u00fchrt und vermitteln den Eindruck, als k\u00e4me der Klang nur aus einem einzigen Instrument.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nWieder die Inszenierung einer Oper, die Krieg in den Vordergrund stellt. Die Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg sind mittlerweile schon fast nervend. Auch wenn eine Verbindung Hans Pfitzners zum totalit\u00e4ren System nicht abzuleugnen ist, so fehlt mir bisweilen immer noch die Verbindung zu Palestrina. In der Pause vernehme ich ein \u201eNicht schon wieder\u201c. Der Applaus ist dennoch heftig, gilt aber vor allem den musikalischen Leistungen des Abends.<br \/>\nEine ideologiefreie Inszenierung w\u00e4re sehr w\u00fcnschenswert und erfrischend.<br \/>\nKatharina Rupprich<\/p>\n<p>Bild: Barbara Aum\u00fcller<br \/>\nDas Bild zeigt: Kurt Streit (Palestrina; am Boden sitzend), Statisterie der Oper Frankfurt, im Hintergrund das Solistenensemble (Erscheinungen Meister der Tonkunst) und der Chor der Oper Frankfurt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Hans Pfitzner (1869-1949), Eine Musikalische Legende in drei Akten UA:, 12. 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