{"id":7000,"date":"2017-01-25T15:15:04","date_gmt":"2017-01-25T14:15:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7000"},"modified":"2017-01-31T10:20:54","modified_gmt":"2017-01-31T09:20:54","slug":"medee-zuerich-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7000","title":{"rendered":"M\u00c9D\u00c9E  &#8211; Z\u00fcrich, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), lyrische Trag\u00f6die in f\u00fcnf Akten, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen und englischen \u00dcbertiteln. Libretto: Thomas Corneille, UA: 4. Dezember 1693 Paris, Acad\u00e9mie Royale de Musique<\/p>\n<p>Regie: Andreas Homoki, B\u00fchne: Hartmut Meyer, Kost\u00fcme: Mechthild Seipel, Licht: Franck Evin Dramaturge: Werner Hintze und Fabio Dietsche<\/p>\n<p>Dirigent: William Christie, Orchester La Scintilla der Oper Z\u00fcrich und Musiker Les Arts Florissants, Chor der Oper Z\u00fcrich, Choreinstudierung: J\u00fcrg H\u00e4mmerli<\/p>\n<p>Solisten: St\u00e9phanie d\u2019Oustrac (Medea), Reinoud Van Mechelen (Jason),\u00a0 Nahuel Di Pierro (Kreon), M\u00e9lissa Petit (Kr\u00ebusa), Ivan Thirion (Oronte), Carmen Seibel (Nerine)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Januar 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7001 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Z\u00fcrich-Medee.jpg\" alt=\"CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), quality = 80\" width=\"593\" height=\"391\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Z\u00fcrich-Medee.jpg 593w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Z\u00fcrich-Medee-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Thessaliens K\u00f6nig Akastos forderte f\u00fcr die Ermordung seines Vaters die Auslieferung der Medea. K\u00f6nigstochter Medea und der Held Jason fl\u00fcchteten mit ihren Kindern nach Korinth, wo sie beim K\u00f6nig Kreon Zuflucht finden. Dennoch verliebt sich Jason in seine Tochter Prinzessin Kr\u00ebusa. K\u00f6nig Kreon begr\u00fc\u00dft diese Verbindung und willig ihrer Heirat ein, obwohl des K\u00f6nigs Verb\u00fcndeter Oronte, Kr\u00ebusas Verlobte, diese bald zu heiraten erwartet. Der K\u00f6nig von Korinth ordnet Medeas Verbannung an, um die Heirat von Kr\u00ebusa und Jason zu erm\u00f6glichen. Medeas Vertraute Nerine informiert sie stets \u00fcber die Neuigkeiten am Hofe. So erf\u00e4hrt Medea von Jasons Absichten und sie kl\u00e4rt den Verrat an Oronte auf. Vor der Abreise beschw\u00f6rt sie die Geister der Unterwelt ihr zu dienen. Trotzdem verm\u00f6gen ihre Zauberk\u00fcnste die Herzen der Liebenden wie auch das des K\u00f6nigs nicht zu bewegen. Medeas Forderung an Kr\u00ebusa sofort Oronte zu heiraten, bleibt unerf\u00fcllt. Der rasendem Wahnsinn verfallene Kreon t\u00f6tet Oronte und sich selbst. Medea r\u00e4cht sich an Jason. Sie t\u00f6tet ihre eigenen Kinder und vergiftet die Prinzessin Kr\u00ebusa. Die D\u00e4monen setzen den Palast in Brand.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn erscheint auf der B\u00fchne eine Cricket Mannschaft in wei\u00df-gr\u00fcnem Trikot. Jason wird mit dem Lorbeerkranz geschm\u00fcckt und bekommt ein Pokal, seine Kinder laufen mit ihm. Medea steht abseits und scheint verlassen und einsam zu sein. Sie tr\u00e4gt ein rotes Wickelkleid. Die B\u00fchne ist leer in Wei\u00df und dunklem Grau. Ihr schr\u00e4ger Boden hat ein Gef\u00e4lle zum Publikum hin, die Tiefe betr\u00e4gt einige Meter. Die Decke ist vertikal beweglich und stellt ein zweites Stockwerk dar. Sie wird immer wieder so tief abgesenkt, da\u00df man darunter nicht stehen kann. Stets fl\u00fcchten die Schauspieler rechtzeitig nach vorne oder seitlich hinter die Kulissen. Oftmals \u00f6ffnet sich die hintere Wand. Ebenso wird im hinteren Bereich eine rote Treppe gezeigt, auf der die K\u00fcnstler einmal seitlich und ein anderes Mal frontal agieren.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind teils schlicht einfarbig, teils aufwendig angefertigt. Die K\u00fcnstler sind in Turnschuhen, Schuhen mit Abs\u00e4tzen, Stiefeln oder zwischendurch barfu\u00df zu sehen. Im dritten Akt treten die Rache und die Eifersucht als zwei schwarze Personen auf, sie tragen karierte Hosen wie Zirkusclowns. Die Kleidung der D\u00e4monen ist mit afrikanischen Stoffen sehr bunt gestaltet, die Choreographie entspricht afrikanischem Stil, ihre schwarzen Masken sind mit aufgesetzten Totenk\u00f6pfen dekoriert. Durch das Anheben des zweiten Stockwerks, kann Kr\u00ebusa die Stoffbahn des roten Wickelkleides bis zur unteren B\u00fchne hinabwallen lassen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester der Oper Z\u00fcrich La Scintilla mit Les Arts Florissants erzeugte auf historischen Musikinstrumenten einen dem Gesang sich anschmiegenden, angenehmen Klang. Die Ch\u00f6re waren deutlich in der Aussprache und au\u00dferdem klangstark. Neben der vielf\u00e4ltigen pantomimischen und schauspielerischen Aktionen sangen die Solisten ihre Rollen musikalisch \u00fcberzeugend auf ausgeglichenem hohen Niveau. <strong>St\u00e9phanie d\u2019Oustrac<\/strong> gab eine leidende Medea, die emotional wie auch stimmlich im Laufe des Abends diverse Facetten zu pr\u00e4sentieren vermochte. Nach der liebevollen Bekennung der zarten Gef\u00fchle in <em>Quel prix de mon amour<\/em> <em>\u2013 welcher Lohn f\u00fcr meine Liebe<\/em> zeigte sie eine racheerf\u00fcllte farbenfrohe Entschlossenheit mit ihrem beweglichen Mezzosopran in der Geisterbeschw\u00f6rung sowie ein ergreifendes Piano in <em>Dieu du Cocyte et des Royaumes sombres <\/em><em>\u2013 Gott des Kokytos und der Unterwelt<\/em> (3. Akt).<\/p>\n<p>Bei <strong>Reinoud Van Mechelen<\/strong> (Jason) war es nicht immer eindeutig zu erkennen, welche Gef\u00fchle ihn tats\u00e4chlich bewegten. Anfangs fehlende K\u00f6rperspannung und Unsicherheit Medea gegen\u00fcber verfl\u00fcchtigte sich im Laufe des zweiten Akts. Bald kam es zu kostbaren, musikalischen Momenten, wie in <em>Ah! disons-le cent fois <\/em><em>\u2013 Ah! sagen wir es hundertmal<\/em> im Duett mit <strong>M\u00e9lissa Petit<\/strong> (Kr\u00ebusa). Kr\u00ebusas Rolle gestaltete sich anfangs ebenso stockend, wirkte etwas gezwungen und unsicher. Erst mit dem Einsatz ihrer Stimme konnte sie sich in der B\u00fchnenpr\u00e4senz besser entfalten, w\u00e4hrend sie immer mehr die Rolle der Liebenden Prinzessin verk\u00f6rperte. <strong>M\u00e9lissa Petits <\/strong>Sopran war von einer klaren weichen Klangfarbe und jedenfalls absolut durchsetzungsstark. Den k\u00f6niglichen Vater Kreon sang <strong>Nahuel Di Pierro<\/strong>, der schauspielerisch erst einen schwachen Herrscher, dann einen komischen Wahnsinnigen zum besten gab. Sein emotionaler tiefer Ba\u00df intonierte sehr genau und sein leichtes Vibrato war gut angepa\u00dft. Der leidenschaftliche, stimmlich perfekte Tenor <strong>Ivan Thirion<\/strong> (Oronte) mu\u00dfte mit verschlossenen Augen in einer l\u00e4nger andauernden peinlichen Sequenz den Betrogenen gestalten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die musikalische Besetzung erntete st\u00fcrmischen Beifall, jedoch wurde das Regieteam deutlich ausgebuht. Letzteres eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung f\u00fcr alle, die in die Oper gehen, um sich an einer Oper und der entsprechenden Darstellung erfreuen wollen. Stattdessen mu\u00dfte man eine Zirkusshow bewundern, wobei die gro\u00dfe Kunst darin bestand, die K\u00fcnstler zu bestaunen, wie gut sie auf einem schr\u00e4gen Boden, engen Pfaden, steilen ungesicherten Treppen usw. akrobatisch balancierend kunstvoll zu singen verm\u00f6gen. Diese starke Verunstaltung des Werks ist sehr bedauerlich und lenkte nat\u00fcrlich unn\u00f6tig von der Musik ab. Die Anspielungen auf den afrikanischen Kontinent bei der Ausstattung der D\u00e4monen lieferte einen rassistischen Beigeschmack. Jedweder Respekt gegen\u00fcber dem Werk Charpentiers wurde hier ruiniert.<\/p>\n<p>Auch die Kost\u00fcmgestaltung zeigte, da\u00df der Regisseur kein Konzept im Kopf hatte: sie war \u00f6rtlich unbestimmt und vom Libretto vollkommen losgel\u00f6st. Wer dieser merkw\u00fcrdigen Gestaltung folgen konnte, konnte das Gef\u00fchl einer Komik kaum unterdr\u00fccken: sowohl S\u00e4ngerinnen wie S\u00e4nger mu\u00dften zuerst eine komische, stumme Rolle pantomimisch gestalten, um sich sp\u00e4ter, mit Hilfe ihrer Stimme und des edlen Gesangs aus dieser aufgepfropften peinlichen Lage zu retten.<\/p>\n<p>Ruta Akelyte Hermann<\/p>\n<p>Bild: Toni Suter und Tanja Dorendorf<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor und Statisten der Oper Z\u00fcrich (D\u00e4monen), links St\u00e9phanie d\u2019Oustrac (M\u00e9d\u00e9e), rechts M\u00e9lissa Petit (Kr\u00ebusa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), lyrische Trag\u00f6die in f\u00fcnf Akten, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen und englischen \u00dcbertiteln. Libretto: Thomas Corneille, UA: 4. 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