{"id":6996,"date":"2017-01-19T21:20:50","date_gmt":"2017-01-19T20:20:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6996"},"modified":"2017-01-19T21:20:50","modified_gmt":"2017-01-19T20:20:50","slug":"lohengrin-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6996","title":{"rendered":"LOHENGRIN &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Romantische Oper in drei Akten, UA: 28. August 1850 Weimar Gro\u00dfes F\u00fcrstliches Hoftheater (Leitung: Franz Liszt)<\/p>\n<p>Regie: Claus Guth, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Schmidt, Licht: Olaf Winter, Choreographie: Volker Michl, Dramaturgie: Ronny Dietrich<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre et Ch\u0153urs de l\u2019Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten : Ren\u00e9 Pape (Heinrich der Vogler), Jonas Kaufmann (Lohengrin), Martina Serafin (Elsa von Brabant), Tomasz Konieczny (Friedrich von Telramund), Evelyne Herlitzius (Ortrud), Egils Silins (Der Heerrufer) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Januar 2017 (Premiere, Koproduktion mit Teatro alla Scala, Mailand)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Paris-Lohengrin-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6997\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Paris-Lohengrin-.jpg\" alt=\"Paris Lohengrin\" width=\"604\" height=\"402\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Paris-Lohengrin-.jpg 604w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Paris-Lohengrin--300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a>Kurzinhalt\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem deutschen K\u00f6nig Heinrich dem Vogler beschuldigt Friedrich von Telramund sein M\u00fcndel, Elsa von Brabant, die er h\u00e4tte heiraten sollen, des Brudermords. Wegen dieses Verdachts h\u00e4tte er auf eine Heirat mit Elsa verzichtet und stattdessen Ortrud geheiratet. Nun fordere er Elsas Erbe, das Herzogtum Brabant f\u00fcr sich. Elsa verteidigt sich nicht und bittet, man m\u00f6ge den unbekannten Ritter, der ihr im Traum erschienen, f\u00fcr sie streiten zu lassen. Zum Erstaunen aller erscheint ein Ritter in einem Schwanenboot. Er sei bereit f\u00fcr Elsa zu k\u00e4mpfen und sie zu heiraten, wenn sie nie nach seiner Herkunft frage. Elsa verspricht es. Dann k\u00e4mpft er mit Telramund und besiegt ihn. Ortrud und Telramund werden verbannt, aber schw\u00f6ren Rache zu nehmen und das Geheimnis Lohengrins aufzudecken. Es gelingt ihnen mit giftigen Worten, Zweifel \u00fcber die ehrenvolle Herkunft Lohengrins in Elsas Herz zu streuen.<\/p>\n<p>In der Hochzeitsnacht kann Elsa nicht widerstehen, die verbotene Frage zu stellen. Gleichzeitig dringt Telramund ins Gemach ein, wird aber von Lohengrin erschlagen. Vor K\u00f6nig und vor versammeltem Volk erkl\u00e4rt Lohengrin nun, er sei vom heiligen Gral geschickt, und m\u00fcsse nun wieder dorthin zur\u00fcckkehren. Er lie\u00dfe Elsa aber sein Horn, sein Schwert und seinen Ring zur\u00fcck, damit sie diese ihrem Bruder Gottfried \u00fcbergebe, wenn dieser zur\u00fcckkehre und die Herrschaft \u00fcbernehme. Durch ein Gebet zerbricht er den Zauber, mit dem Ortrud Gottfried in einen Schwan verwandelt hat. Lohengrin reist ab. Elsa f\u00e4llt tot in die Arme ihres Bruders.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Claus Guth hat die Handlung in die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts verlegt. Die B\u00fchne ist in allen drei Akten der Hof eines mehrst\u00f6ckigen Wohngeb\u00e4udes der Gr\u00fcnderjahre mit rundherum laufenden Balkonen und gu\u00dfeisernen S\u00e4ulen. Dieser Hof ist jeweils Versammlungssaal, Kampfplatz, Gerichtssaal oder ein mit Schilf bewachsenes Ufer eines Baches.<\/p>\n<p>Auch die Kost\u00fcme sind aus derselben Zeit und entsprechend der Szenen: einfache dunkle Kleider und Anz\u00fcge, Frack und Zylinder oder Uniformen. Lohengrin l\u00e4uft fast immer barfu\u00df herum. Elsa ist immer in wei\u00df mit blonden Haaren, Ortrud immer in schwarz mit dunklen Haaren.<\/p>\n<p>In der Hochzeitsszene im zweiten Akt sind beide in prunkvolle Krinolinen gekleidet. Die Beleuchtung ist ged\u00e4mpft, die Choreographie gut. Lohengrin kommt nicht im Schwanenboot an, sondern liegt pl\u00f6tzlich auf der B\u00fchne und erwacht zum Leben. Auch f\u00e4hrt er nicht im Schwanenboot wieder ab, sondern wird von Soldaten erschlagen, w\u00e4hrend Ortrud sich erdolcht. So sind in Claus Guths Version am Ende der Oper beide Paare tot.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Stimmlich liefert uns <strong>Jonas Kaufmann<\/strong> einige sehr sch\u00f6ne lyrische Szenen wie die wundersch\u00f6n ganz leise und geheimnisvoll gesungene Gralserz\u00e4hlung, bleibt aber in den heroischen Momenten eher verhalten. Das mag Regie-Anweisung oder Stimm-Rekonvaleszenz sein.<\/p>\n<p><strong>Martina Serafins<\/strong> klare, reine Sopranstimme betont die Unschuld Elsas, wie in <em>Einsam in tr\u00fcben Tagen<\/em> im ersten Akt oder <em>Euch L\u00fcften, die mein Klagen <\/em>im zweiten Akt. Die freudige \u00dcberraschung dieser Auff\u00fchrung ist Evelyn Herlitzius. Ihr ausdrucksstarker, klangvoller dramatischer Mezzosopran und ihr verf\u00fchrerisch-intrigantes Spiel pr\u00e4destinieren sie f\u00fcr die diabolische Rolle der Ortrud wie in den zwei Duetten mit Elsa im zweiten Akt.<\/p>\n<p><strong>Ren\u00e9 Pape<\/strong> singt mit voller, sch\u00f6n timbrierter Ba\u00dfstimme den einsichtsvollen K\u00f6nig Heinrich. <strong>Tomasz Konieczny<\/strong>, der kurzfristig f\u00fcr Wolfgang Koch einsprang, singt den Telramund mit etwas gleichfarbigem, metallisch-hellem Bariton. <strong>Egils Silins<\/strong> ist ein w\u00fcrdiger Heerrufer.<\/p>\n<p><strong>Philippe Jordan<\/strong> bringt mit Energie und Feingef\u00fchl die Klangfarben der Partitur, von den fast \u00fcberirdischen hohen Streicher Pianissimi bis zu den Bl\u00e4ser Fortissimi, voll zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch eine ausgezeichnete Auff\u00fchrung! Auch B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme, Beleuchtung sind gelungen. Sogar die Regie ist nachvollziehbar, mit einer einzigen Ausnahme \u2013 die Gestalt des Lohengrin. Hier hat Claus Guths \u201ePsychoanalyse\u201c des Dramas ergeben, da\u00df Lohengrin kein Held sei, es nicht sein k\u00f6nne. Denn laut seinen Regie-Notizen ist Lohengrin der ewige Retter, der immer aufgibt, weil er unf\u00e4hig ist, sich selbst zu erkennen. So taumelt sein Lohengrin hier unsicher, geniert, verwirrt und barfu\u00df als Anti-Held-Versager auf der B\u00fchne herum. Womit nat\u00fcrlich auch seine Gralserz\u00e4hlung v\u00f6llig unsinnig und unverst\u00e4ndlich wird.\u00a0 Es gab dennoch viel Applaus.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus \/ Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Jonas Kaufmann (Lohengrin), Martina Serafin (Elsa von Brabant)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Romantische Oper in drei Akten, UA: 28. 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